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Jüdische Wochenschau · 1960-08-23 · 1806 (23.8.1960) · p. Seite 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1806 (23.8.1960)
Date
1960-08-23
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German, Spanish
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Marios, 23 de Agosto de i960 )L A. ¡(EMANA ISRAELITA Ano XXI. — No. 1806 — 7 Theodor PUEVRKEDOX 2W01. St. DAS HERZL-MÜSEUMÍNJERUSALEM! Nachrichten aus Israel Dtp- Feiern and Beden des Berzl-Jahre*. die anlässlica des hundertsten Geburtstages des Visionärs des Judenstaates stattfanden, werden wieder verrauschen, aber das Herzl-Museum auf dem BerzLBerg in Jerusalem, in unmittelbarer Nähe des würdig-schönen Herzl- Grabes. wird bleiben und fortdauern. Hier in diesem kleinen, aber wundervoll ausgestat- Neten Museum tritt uns die Persönlichkeit Herzls selbst 4n Dokumenten und Bildern. in Gegenständen der Erinnerung aller Art, in ainnvoH historischer Anordnung entgegen. Vorerst sind die Aufschriften nur in hebräischer Sprache gehalten, aber englische Beschriftung soll bald folgen. Ein sachkundiger Führer erklärt jedoch in englischer und französischer Sprache auch den zahlreichen Touristen die hier ausgestellten Gegenstände und fügt die Details geschickt zu einer kurzen Darstellung von Werk und Persönlichkeit Herzls zusammen, sodass der Besuch im Herzl-Muser-i wirklich eine Begegnung mit dem genialen Gründer der Zionistischen Organisation, dem ersten jüdischen Staatsmann in der modernen jüdischen Geschichte, ermöglicht. DER EINGANG Wir betreten das Museum, das in einem Gebäude untergebracht ist. das mit zum Herzl- Berg führenden Tor verbunden ist. und das Bild Herzls im feierlichen Gehrock der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts springt uns in die Augen. Ein Gästebuch, in das sich bet der Eröffnung des Museums am 20. Tammuz der Stellvertreter des Staatspräsidenten, der Knesset-Vorsitzende Kaddisch Lus eingetragen hat, ladet auch uns ein, uns einzuschreiben. Die silberne Herzl-Münze des Staates wird als Souvenir zum Verkauf an geboten. STAMMBAUM UND JUGEND Die erste Vitrine zeigt Herzls Stammbaum, und wir treten damit sozusagen in den biographischen Aufbau dés Ganzen ein. Als geistigèr Ahne ist hier noch Rabbi Juda Alkalay (178»—1878) hinzugefügt, ein Vorkämpfer der Zionsidee, der längere Zeit Rabbiner in Semlin, dem Ursprungsort der Farn; lie Herz! war. Und nun führt uns die zweite Vitrine in die Tabakgasse von Budapest, wo im ßchrtten der schönen Synagoge Theodor Herzl im Jahre 1880 geboren wurde. Er «miss ein Musterschüler gewesen sein, denn die mer Ausgestellten Zeugnisse sind wirklich vorzüglich. Aus dem Schüler und Abiturienten wurde ein Student der Rechtswissenschaften an der Universität Wien, ein „farbentragender“ Kommilitone, der auf seinem elfenbeiner- ***** Spaaierstock . Knauf »ach einem ^Kneip-Namen" aws Pisraefos gleichnamigem den Kneipnamen von SCHALOM BEN-CHORIJN ..Tancred'1 trug. Aber wir wissen, dass sich Antisemitismus in der Burschenschaft ausbreitete, und der junge Herzl verliess die Reihen der deutschvölkischen Studenten — dies war sein erster Zusammenstoss mit der Judenfrage, die sein Leben formen sollte. DER SCHRIFTSTELLER Herzl wurde zwar noch Gerichtspraktikant (1884), aber dann verliess er die Gesetzbücher und wandte sich der freieren Laufbahn des Schriftstellers zu, von dessen Mühen und Erfolgen weitere Vitrinen Kunde geben. Sechzehn dramatische Arbeiten und fünf Bände gesammelter Erzählungen und Feuilletons sind die Ernte dieser literarischen Tätigkeit. Das Talent des volle Laufbalm als Journalist und Schriftsteller, aber das Schicksal wollte es anders. Wir sehen nun Herzl als Korrespondent, der über den aufwühlenden Dryfus- Prozess zu berichten, hatte, und die Justiz, und Militärverschwörung Frankreichs gegen einen unschuldigen jüdischen Hauptmann schildern sollte. DER "JUDEN3TAAT Mit den Achselstücken, die man Dreyfuss von den Schultern reisst, fallen auch die Schuppen von den grossen dunkeln Träumeraugen Herzls, und er erkennt | plötzlich, dass die Judenfrage ein Weltproblem ist, das gelöst werden muss, und dass er es ist, dem diese Aufgabe zufällt. Mit Ehrfurcht schauen wir auf Israel bei der Olympiade jungen Schriftstellers eroberte das Wiener Burgtheater, Theaterzettel aus jener Zeit künden von den grossen Augenblicken im Leben des jungen Dichters. Bei den Kritiken fehlt es nicht an antisemitischen Regungen, wovon eine Karikatur Zeugnis gab, die Herzl und „Unser Käthchen“ (1898) in unverkennbarem Stiirmerstil hassvoll darstellt. Wieder greift die Judenfrage in das Leben des eleganten wiener Feuilletonisten und Dramatikers ein. aber noch erkennt er nicht die ganze Dringlichkeit der Frage. KORRESPONDENT IN PARIS Die „Neue Freie Presse . Wiens führende liberale Zeitung. forderte den jungen Publizisten Dr. Theodor Herzl auf, als ihr Korrespondent nach Paris zu gehen. Niemand konnte m f grösseren Er wax Lungen nach Paris reisen, c.ls Herzl es ider an seine Eltern schrieb: „Korrespondent in Paris zu sein, ist das Sprungbrett, von dem ich mich hochschwingen werde...“ Fr daehie dabei an eine glanz. den einfachen, schwarzen Schreibtisch aus seinem Hotelzimmer in Paris, an dem er den Entwurf seines bahnbrechenden Buches „Der Judenstaat“ schrieb. Der Feuilletonist hat sich in einen modernen Propheten, der Dramatiker in e'nen Staatsmann ver./andelt. DER ERSTE KONGRESS Im Jahre 1896 erscheint „Der Judenstaat“,. Wir sehen in dem. Museum die deutsche Originalausgabe und die Uebersetzungen ins Hebräische, Jiddisehe, Englische, Französische und in viele aridere Sprr-tchen. Der erste Zionistenkongress fand 1897 in Basel ,statt. Wir sehen alte Photos vom dortigen Kasino und allen Teilnehmern des Kongresses, der Väter der Zio. nist sehen Welt rganisatton. Die dann folgenden Vitrinen zeigen die Mitstreiter Herzls, das Patriarch-nhaupt Max Nordaus, den giitiaen Bl; k des getreuen „Dade“, David Wolfeohns, des Nachfolgers Herzls, und auch den protestantische r. Geistlichen' H ehler, britischer B >tschaftskanlan in Wim. durch d-'.-i P^rzl d'e Bci...^ t f’-m Gro-sherzog von Bn len machte, t der seinerseits Herzl beim deutschen Kaser Wilhelm II. einführte. REISEN Von Herzls Reisen legen die nächsten Vitrinen Zeugnis ab: zuerst von Vergnügungsreisen des jungen Schriftstellers, dann werden wir Zeugen der diplomatischen Reisen; zum Sultan, zum Papst, zum britischen Aussenminister und nach Russland, wo die begeisterten Juden Wilnas Herzl eine kleine Bundeslade mit der Tora _ Ro-lle überreiohen. Orden und Auszeichnungen aller Art, aber der so ersehnte Erfolg — eine Charter der Türkei — blieb aus. Er träumte von einem wieder aufgebauten, verwandelten Palästina, von einem „Altneuland“. Wir sehen den Roman in Manuskriptseiten, seine erste Ausgabe und daneben Nahum Sokolows klassische hebräische Uehersstzung „Tel Aviv“. Es war ein glücklicher Einfall, die Figuren dieses Schlüsselromans in Photos zu gruppieren: Wolfsohn und Warburg, der weise Professor Mandelstamm aus Kiew, u.a. DAS HERZL.ZIMMER In seinem Arbeitszimmer in Wien schrieb Herzl diesen einzigen Roman seines Lebens. Dieses Studierzimmer steht hier, das echte Herzl-Zimmer, mit dem altmodischen Parkettboden und der Stukkatur eines wiener Bürgerhauses gegen Ende des letzten Jahrhunderts. Nach Herzls Tode wurde-, das Zimmer durch den Nachlassverwalter David Wolfsohn nach Köln überführt; dann übernahm es Dr. Lesczinsky nach Berlin und brachte es schliesslich nach Jerusalem, wo es 25 Jahre lang im Gebäude des Keren Kayemeth Leisrael untergebracht war. Von den Fenstern blicken wir nicht auf li .• Hügel Jerusalems, sondern auf die Baumwipfel in Wien — in Fotomontage. Der letzte Teil des Museums zeigt uns die Palästinareise Herzls 1898 und schliesslich das erste Goldene Buch des KKL„ auf dessen erstem Blatt der Gründer des Jüdischen Nationalfonds, Professor Hermann Schapira, Dr. Theodor Herzl selbst sowie sein berühmter Vorgänger Leon Pinsker, der Verlasser der „Autoemanzipation“ eingetragen sind. Ein wahrhaft goldenes Blatt in einem goldenen Buch. HERZLS PRIVATLEBEN Aach Herzls Privatleben wird weitestgehend illustriert: vom eleganten Speise.Serv.ee uer Familie bis zu crem säuberüc geführten HaushaRungsbuc . — nichts fehlt. Vat iilich sind au:h die Bilder seiner Frau Julia, geo. Nassauer, zu sahen, d e sich durch Schönheit auszeichnete, seiner grossen l Aufgabe jedoch verstandnistos gegenüberstand, sowie : d,e fJoto6 der Kinder, über | denen ein fragisrhes Ge- , schick waltete. Wir finden KAPITALISTEN AUS PERU Eine Gruppe Industrieller aus Perú, an deren Spitze Michael Radzinski steht, wird in der Errichtung einer Textilfabrik in Afule eine Million Dollar investieren. SYNTHETISCHE FASERN Israel Rogosin, der bekannte amerikanische und israelische Grossindustrielle, sagte in einer Pressekonferenz, dass Israel Gelegenheit haben werde, <üe modernsten synthetischen Fasern zu erzeugen und auf dem Welt markt in dieser Branche mit den Produkten jedes anderen Landes za konkurrieren. AUSFUHR IN DIE USA Der israelische Handelsattaehé in New York erklärte, dass mit einer Steigerung der israelischen Ausfuhr in die USA im Jahre I960 um 5 bis 6 Milliinen Dollar zu rechnen und ei« Gesamtexport von 32 Millionen-zu erwarten 3ei. KUPFERWERKE VON TIMNA In den neun Monaten von April 1959 bis Januar 1960 betrug die Erzeugung von Metallkupfer in den Kupferwerken von Tirana 4.424 Tonnen. Der Kupferexport belief sich m den acht Mo- Herzls Testament, das eine bittere Anklage gegen die verschwenderische Lebensgefährtin enthält. Wir müssen indessen gerecht sein: 3ie hatte einen schönen wohlhabenden jungen Mann geheiratet (wir sehen die Einladung zur Hochzeit in gestochener Kalligraphie vor uns), einen aufstrebenden Literaten... und sah sich plötzlich in einen politischen Strudel der jüdischen Renaissance - Bewegung hin, eingezogen, mit der sie nichts verband. Tragik des unverstandenen Genies — nur die Eltern verstanden Genies — nur die Eltern verstanden und förderten den Sohn — aber auch eine Tragik der lebenslustigen Frau, die sieh nicht vorstellen konnte, dass sie sich dem letzten Propheten Israels verbunden hatte. DER ABSCHLUSS Die Todesanzeige vom 20. Tammus (3. 7. 1904) bildet den Abschluss der Ausstellung: das bekannte Bild von der Beerdigung Herzls fehlt nicht bei der Juden im strömenden Regen hemmungslos klagten und zionistische Studenten in „vollem Wichs“ den Leichenwagen feierlich begleiten. Das letzte Bild zeigt den Sarg in Tel Aviv vor der Ueberführung der Gebeine Herzls nach Jerusalem. Wir fühlen den Atem der Unsterblichkeit, der durch diese Räume weht, über denen in Herzls eigener Handschrift und hebräischer Uebersttzung aas Losungswort „Altneuland“ steht: „Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen“. Das jüdische Volk hatte den Willen, und Herzls Traum blieb kein Märchen, davon zeugt das Land rings um dieses Museum naten April bis Dezember 1959 zusammen auf 3.800 Tonnen. Für das exportierte Metall wurden 2.400.000 Dol. lar brutto erzielt. Die Arbeiter des Werkes . sind jetzt mit der Anlegung eines unterirdischen Stot!eils beschäftigt. Die Leitung des Betriebes wird im Laufe von 18 Monaten 200 Bergleute anwerben und ausbilden müssen. Zu diesem Zweck wird in Zusammenarbeit mit dem ArbeUsministerium in Elat eine Schule für Berg, leute eröffnet werden, AUSFUEHR VON NUTRIAFELLEN Die Farm für Nuiriazucht im Hulegebiet soll in den nächsten Jahren jährlich Pelze im Werte von einer Million bis ein und einer halben Million Dollar ausführen. ZAHNRAEDER AUS PLASTIK In dem Neueinwandereri Städtchen „Maalot” in West, igaliläa wird jetzt eine Fabrik zur Erzeugung von Zahnrädern aus Kunststoff von einem israelischen Kapitalisten mit Hrlfe der Regierung errichtet. Die erste Investition betrug 80.000 Dol. lar; die Fabrik soll bereits in den nächsten Monaten ihren Betrieb aufnehmen und im ersten Stadium 15 Arbeiter beschäftigen. Später soll ihre Zahl bis auf 40 steigen. AMBULANTE BIBLIOTHEKEN Ueber 80 ambulante Bibliotheken, die von der Jugend, und Hechaluz-Abteilung der Zionistischen Organisation organisiert und zusammen, gestellt wurden, machen zur Zeit die Runde durch die Jugendklubs der Einwandererdörfer in allen Teilen des Landes. Jede Bibliothek besteht aus 120—150 Büchern zu Lehr, und Unterhaltungszwecken für junge Instruktoren und ihre Zöglinge; die ■Bücher werden von Zeit zu Zeit ausgewechselt. LIQUIDIERUNG VON MAABAROT Das Finanzcomite der te4aviver Stadtverwaltung bestätigte ein Abkommen, das mit der Wohnbauabteilung des Arbeitsministeriums über Beschleunigung der Liquidierung der Maabarot innerhalb der telaviver Stadtgebietes getroffen worden, war. Im Dezember 1969 wurde beschlossen, dass durch das Arbeitsministerium 1400 Wohnungen für die Insassen der 4 Maabarot errichten werden. Nun kam man überein, dass die Wohnbauabteilung im Budget jahr 1960 '61 weitere 500 Wohnungen für diese Einwohner errichten wird, sodass nun im ganzen 1900 Wohnungen für sie gebaut werden. WOHNEINHEITEN IN DIMONA Im laufenden Finanzjahr wurden von der Wohnbauabteilung 700 Wohneinheiten in der Einwandererstadt Dimona errichtet, ein weites Schulgebäude für 16 Klassen und ein grosses JugendZentrum, wobei vlwu 100.000 IL investiert wurden

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