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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-01-14 · N° 3. (14.1.1880) · p. Seite 25

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 3. (14.1.1880)
Date
1880-01-14
Page
Seite 25 (sequence 5)
Language
German
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Wir sind fest überzeugt, daß den Gründern der neuen Synagoge wohl nichts erwünschter sein würde, als die Bürde, die sie sich freiwillig aufgebürdet, auf die Schultern des Synagogeu-Verbands übertragen zu können, so bald dieser zu der Einsicht gelangen wird, daß es im Interesse der Gemeinde liegt, es nicht länger beim Alten zu lassen; über kurz oder lang wird sich diese Ueberzeugung doch geltend machen müssen. Maunheim, 4. Januar. (Or.-Corr.) *) Unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten; einer ihrer hervorragendsten, treubewährten Vertreter, Herr Synagogenrath Lazarus Maas, ist plötzlich in Frankfurt a. M., woselbst er bei seinen Verwandten zu Besuch war. verstorben. Als die erschütternde Kunde hier eintraf, erregte sie in allen Kreisen die größte Theilnahme. Der Verstorbene entstammte einer alten achtbaren echljüdischen Familie und hatte die jüdischen Erblugenden durch sein ganzes Leben bewährt. Er übte Wohlthätigkeit in edelster Weise, und während seiner fast 25jährigen Mitgliedschaft im Synagogenrathe war sein Hauptbestreben auf die Erhaltung des F r i e d e n s und der Einheit in der Gemeinde gerichtet. Er war für das schöne, edle, ungefälschte Judenthum begeistert, jeden nur entfernt aufkeimenden Zwist suchte er friedlich beizulegen, und Jedem, auch dem Geringsten in der Gemeinde, stand er mit Rath und Thal hilfreich zur Seite. Seine Leiche wurde von Frankfurt hierher gebracht, am 1. Januar fand seine Beerdigung statt; ein so zahlreiches Leichengesolge hat unsere Stadt noch nicht gesehen, denn ein Jeder betrauerte tief den plötzlichen Hintritt dieses Ehreninannes. Seine schwer heimgesuchte Familie, die Gattin und drei hoffnungsvolle Söhne können mit Recht klagend ausrufen WX°1 rnt3I? J"6fi3 „Gefallen ist die Krone von unserem Haupte!" Der gute Name, den der Selige in allen Kreisen zurückgelassen, ist ihr Trost und schönstes Erbe. Seine Söhne werden dieses Kleinod wie ein Hetligthum wahren und seinen Namen dadurch ehren, daß sie die väterlichen Tugenden, Wohlthätigkeit und Friedensliebe, auch ihrerseits üben — dann wird sein Andenken der ganzen Gemeinde zum Segen gereichen! 'n'3'2£'3'ri. — Die Rabbinerfrage ist in unserer Gemeinde noch nicht entschieden, wohl haben bereits mehrere Rabbiner, theils in Folge ihrer Bewerbung, theils auf besondere Einladung des Synagogenralhes, hier gepredigt; aber eine Entscheidung ist noch nicht getroffen. Am nächsten Sabbath, den 17. d. M., soll, wie ich höre, der Candidat Herr vr. Stöckelmacher vom Breslauer Seminar hier seine Probrpredigt halten, sodann Herr Rabbiner Mäybaum aus Saaz. Da der „Israelit" im Leitartikel der ersten Nr. des neuen Jahrgangs sich unter andern größeren Gemeinden Deutschlands, — wie München, Worms, Heidelberg, Dresden, — ganz besonders Mannheim zum nächsten Versuchsfeld seiner Trennungsgelüste äla Trier ausersehen hat, so müßte eine tüchtige und erprobte Kraft zur Leitung der Rabbinatsgeschäfte in unserer großen Gemeinde gesucht werden, die es versteht, die Einheit der Gemeinde mit fester Hand zusammenzuhalten. Wir können nicht umhin, unserem Synagogenrath bei Zeiten rin „Vickeant ooosuleZ" zuzurufen. Oesterreich-Ungarn. Aus Galizien, 5. Januar. (Ein Sendschreiben des Krakauer Rabbiners Schreiber.) Mehrere Rabbiner Galiziens erhielten in der letzten Zeit eine Zuschrift von unserem Reichs- *) Für die vor. Nr., die bereits am Freitag, den 2. d. M., abgeschloffen war, zu spät angekommen. (Red.) rathsabgeordneten in Wien, Herrn Rabb. Simon Schreiber, von der ich mich bemühe, Ihnen eine möglichst wortgetreue Uebersetzung aus dem Hebräischen zu geben: „Wien, am zweiten Tage des Wochenabschnittes Mikez 5640. Viel Segen und Friede meinem Freunde und Freunde der Seelen des Hauses Israel, dem großen Gaon, tiefsinnigen Kenner der Lehre, Rabbi.der da residirt in der Stadt.Gott verlängere deine Jahre und Tage, Amen! Ich will Deiner Herrlichkeit erzählen, was die Ausgelassenen unseres Volkes, die Bösewichter Lemberg's, gethan haben, die sich nennen Wächter der Falschheit, die sich erhoben haben gegen uns, uns zu vernichten — was Gott verhüten ** möge — und haben eine Bitte an den Reichsrath gerichtet, der versammelt ist in der Stadt Wien und der da hat Gesetze zu machen in Oesterreich, sei es auch gegen Regierung und Adel (8i6!) und verlangen drei Dinge, womit sie — was Gott verhüten möge — aufheben wollen alle Gebote unserer heiligen Religion: 1) wollen sie abschaffen die bisherige Einrichtung der galizischen Gemeinden, und anstatt derselben ein Musterstatut machen für alle Provinzen (!) Galiziens im Sinne des Fortschrittes und der Aufklärung — was Gott verhüten möge — (wie herzreißend! Anm. des Uebers.) 2) wollen sie errichten ein Seminar, wo die Rabbinen sollen lernen, früher 8 Klassen, Latein und Philosophie und dann Religion, wie die christlichen Geistlichen — sprechend: „nachdem wir jetzt haben die Emancipation, die man nennt „Gleichgesetz"(wörtlich!) warum sollen diese anders sein als jene?" 3) wünschen sie, daß der Talmud in die deutsche Sprache übersetzt werde, damit man suche in seinen T.efen, ob er nicht sei gegen das „Gleichgesetz" und gegen die Staatsvorschriften, und damit man sehe was darin steht von den Geheimnissen, woraus die Rabbiner ihre Dummheiten (?) entnommen, denn warum sollen die Rabbiner die Freiheit haben zu thun was ihr Herz wünscht, und sagen: ihre Worte seien gemäß dem Talmud, nur verstehe ihn nicht Jeder — also machen wir ihnen ein Staatsgesetz (dieser Satz ist absolut unverständlich. Anm. des Uebers) Dies ist in Kurzem der Inhalt ihrer langen Petition, wo sie schimpfen und lästern auf unsere heilige Thora, ans Israel und seine Sitten. — Und auf die drei Sünden(anträge) des „Schomer Israel" wünschen sie, daß der Reichsrath schaffe ein Organisationsstatut für die Juden, die da wohnen in Galizien. — Gott kennt die bösen Absichten, die sie haben wider sein Volk, ich hoffe, wenn wir Zusammenhalten in einem Bunde, so wird es ihnen mit Gottes Hilfe nicht gelingen, ihre Pläne auszuführen; es ist also mein Rath, Ihr sollt veranlassen in aller Eile „Proteste" in allen Gemeinden, daß wir nicht wollen ihre Einrichtungen und ihre Freiheiten — aber machet schnell, denn die Bösewichter — unseren Sünden ist es zu danken — sind geschickt, und bestrebt Euch mit aller Macht, daß die Gemeindeanführer mit eigener Unterschrift und Unterschrift der Gemeinde auf dem Proteste erscheinen, denn ich glaube, auch die Aufgeklärten unter ihnen werden doch nicht wollen unser ganzes heiliges Gesetz in Israel vernichten (?). Ich bitte, rafft Euch aus, versammelt schnell die ganze Stadt, denn wir sind in großer Noth; ich meine, Ihr sollt einen F a st t a g ausschreiben für Mann und Weib und Kind (nicht auch das liebe Vieh, wie in Ninive?); auf Euch setzen wir unser Vertrauen und erwarten geholfen zu werden in Bälde, damit sich erhebe der Glanz der Thora und Israels und der Glanz des Gerechten. „Dies sind die Worte desjenigen, der da schreibt und schließt mit allseitigem Segen, der Knecht der Knechte Gottes : Simon der Kleine, Sohn des Gaon Moses Sofer." Sind wir da nicht zu beneiden, wenn wir solche Vertreter im Reichsrathe haben? Ich will nur noch zur Richtigstellung bemerken, daß die Petition wegen Uebersetzung des Talmud und Beschränkung der Autonomie der jüdischen Culusgemeinden nicht von dem Vereine „Schomer Israel", sondern von einer Anzahl judenfeindlicherPolenanden WienerReichsrath abgeschickt wurde.

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