Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 11. (13.3.1878)
- Date
- 1878-03-13
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 86 zeichnet ist, ist daß dasselbe Blatt recht häufig sehr boshafte Artikel gegen die Juden enthält, namentlich von Aurölien Scholl. Uebrigens enthält die kleine Parenthese in dem letzten oben angeführten Satze auch eine Bosheit, wenn auch nicht gegen Herrn Isidor. Aix (ProveM). Am 10. Februar starb Hananel Cr6mieu*), geb. 1800, Richter am Handelstribunal, Administrator des Mon^de-Pietd und der Sparkasse zu Aix, Mitglied des israelitischen Consistoriums zu Marseille. Er war der Sohn des Rabbiner Mardochde, eines eben so frommen wie hochgelehrten Mannes. Der junge Hananel bildete sich ebenfalls zu einem tüchtigen Hebräer und Talmudisten aus, liebte und übte die Studien bis an sein Lebensende, nicht nur für seine Person, sondern er befolgte dos Gebot „zu lernen und zu lehren". Er studirte auch fleißig Sprachen und war in verschiedenen Literaturen bewandert. Zu zwanzig Jahren wurde er Kaufmann und war sowohl als solcher, wie als Richter in Handelssachen sehr geachtet. Einem längeren Nekrologe, der am Grabe gesprochen und in Localblättern veröffentlicht wurde, fügt „Arch Jsr." folgende Worte hinzu, die auch für unsere Lehrer das Bedeutendste enthalten, was über den Mann zu sagen ist. „Als ein Freiwilliger im Dienste der Religion und der Nächstenliebe hat Hananel Crdmieu fast alle Kinder, die seit 50 Jahren in Aix geboren sind, im Hebräischen und in der Religion unterrichtet, hat fast alle Beichneidungen in Aix und einen Theil des in Nimes, Avignon und Marseille während derselben Zeit vollzogen. Er hat oft die Funktion als S ch o ch e t und C h a s a n versehen, mit ihm verschwindet einer der letzten, die die Gesänge und Gebräuche des Comptal gründlich kannten, und zugleich einer von den Geistern, die für wünschenswerthe Neuerungen und für die mit dem bleibenden Interesse unseres Glaubens vereinbarlichen Fortschritte empfänglich sind." Schweden. 6-. Stockholm, im Febr. Obwohl Sie bereits in Nr. 6 einen Bericht über den auf St. Thomas verstorbenen Schiffsarzt Dr. Hirsch brachten, möge dennoch nachstehender Brief eines Officiers der Banadis, der in den Berichten des AftonbladetS sich findet, hier mitgelheilt werden, um fo mehr als er eine entsprechende Illustration zum Berichte aus Dresden in derselben Nr. liefern dürfte. Wir entnehmen dem längern Berichte nur das für uns Interessante. „Viel Gastfreundschaft wurde uns in St. Thomas, besonders nn angenehmen Hause des Gouverneurs erwiesen. Aber unser Aufenthalt im Hafen wurde getrübt durch den Verlust des Arztes am Bord Dr Philip Hirsch, welcher am Bord in der Nacht zum 20. nach nur einigen Stunden heftiger Krankheilssymptome starb uud am selben Tage auf dem Friedhofe der jüdischen Gemeinde außerhalb Charlotte Amalie begraben wurde. I)r Hirsch war allgemein von seinen Kali eraden ani Bord werthgeschätzt, und wenrr auch vielleicht ein wenig düster und verschlossen, hallen wir doch alle seinen würdigen, gentelmanartigeu Character schätzen gelernt. Um so schmerzsamer war deshalb dieser Todesfall, um so mehr, da er so unerwartet kam. Noch Mittwoch saß er am Mittagstisch, obwohl er schon seil einigen Tagen über Unwohlsein klagte. — Nachmittags gingen mehrere von uns in's Land auf einen Ball, und bei der Rückkehr erhielten wir die Nachricht, daß während einige der Kameraden getanzt, ein Aiiderer verstarb. Donnerstag Morgens kamen Bevollmächtigte der jüdischen Gemeinde an Bord, wuschen und kleideten die Leiche ein und legten ihn nach ihrem Gebrauch in einen Sarg. Die Beerdigung fand statt 5 Uhr Nachmittags unter Trauersalut von „Vanadis" und Beflaggen auf halben Mast aller im Hafen liegenden Schiffe. Die Theilnehmer von der Fregatte wurden in 4 Böten au den Laoungsplatz geführt, wo der Leichenwagen kam und die Prozeffion mit dem Mu- *) Der Raine wird ohne x geschrieben, der Verstorbene war mit Adolph Cromieux nicht verwandt. Der Familienname muß aber wohl in Südfrankreich althergebracht sein. siksextett der „Vanadis" an der Spitze von des Tobten Glaubensverwandten als die sonders Trauernden, gebildet wurde. Nach ihnen kam der Chef und die Officiere der Fregatte, die Behörden der Stadt, ein Theil der Besatzung der »Vanadis" und zuletzt auf beiden Seiten eine Maffe Menschen von ungleicher Farbe. Die Beerdigungsceremonie. einfach und feierlich, ging ohne jeden Anstrich von Einseitigkeit, oder Effectsucherei vor sich. Die auf Englisch gesprochene Leichenrede bewegt sich nur um die großen und einfachen Wahrheiten, welche in der Religion eines jeden civilisirten Volkes sich wiederfinden, und zeichnete sich besonders durch ihre klare und würdige Sprache aus. Der Gouverneur von St. Thomas hatte bei der Beerdigung sich durch seinen Adjutanten vertreten laffen." — So weit jener Brief, er bedarf daher in Schweden keiner 3 Tropfen Wasser, nm Arzt (mit Kapitainsrang) bei dem Militair zu werden. Deutschland könnte so Manches von Anderen lernen. Vermischte uud neueste Nachrichten. Berlin. Die Alterversorgungs-Anstalt der jüdischen Gemeinde erhielt dieser Tage von der Kaiserin ein Geschenk von 300 Mark. Coblenz. (Or.-Corr.) Das hiesige seil längerer Zeit erledigte Ravbinat ist nunmehr wieder besetzt. Die Gemeindevertretung hat unter den vielen Candidateil den Herrn Dr. A. Lewin (z. Z. Rabbiner in Koschmin) zum hiesigen Rabbiner gewählt. Breslau. Herr Prof. Dr. Jakob Caro, hat, nachdem ihm Se. Maj. der Kaiser einen Semestralurlaub für eine Studienreise durch Polen, Rußland, Schweden, Oesterreich und Italien ertheilt, von Sr. Excellenz dem Herrn Cultusminister Dr. Falk eine hohe Staatssubvenlion hierzu erhalten. Einige Tage darauf wurde er in Folge davon von Sr. kgl. Hoheit dem Kronprinzen des deutschen Reichs in einem äußerst freundlichen und liebenswürdigen Schreiben beglückwünscht, in dem derselbe seine aufrichtige Freude zu diesem Ereigmß zu erkennen gab. — Herr Dr. Inowraclawer ist auf sein Ersuchen von der Königl. Regierung zu Polen als ordentlicher Lehrer an der köuigl. Realschule zu Rawicz angestellt worden. — In diesem Studienjahr ist zum ersten Mal in Preußen ein Jude, Prof. Rosanes, ein Enkel des R. Akiba Eger <-,"2^ in den akadem. Senat gewählt worden. (I. Pr.) N. Leipzig. (Or.-Corr.) Durch die Bemühungen des Herrn Vorsteher Nachod sind für die „Herx^eimer-Stiftung" bis jetzt 1200 Mark eingegangen. Braunschweig. In einem der nächsten Westermann'schen Monatshefte wird, wie die Verlagshandlung bekannt giebt, eine Ergänzung des allseitig mit vielem Beifall aufgeuommenen Artikels: „Die Bedeutung der Juden im Mittelalter" von M. I. Schleiden unter dem Titel: „Das Martyrium und die Romantik der Juden im Mittelalter" von demselben Verfaffer erscheinen. Brüun. (M ä h r. - j ü d. L a n d e s m a s s a f o n d.) Die heurige General'Versammlung der Gemeinde-Delegirten zur Verwaltung dieses Fondes wurde auf den 25. d. Mts., 10 Uhr Vormittags festgesetzt. Die Tagesordnung enthält die üblichen Punkte. Der Rechnungs-Abschluß pro 1877 ist bereits erschienen und versendet worden. Darnach weist die Bilanz einen Vermögenssta.d nach von 1,002,094 fl. 68 kr., das Fonds Erträguiß'Conlo inclusive des Uebertrages vom Jahre 1876 eine Höhe von 47,229 fl. 48 kr. Der Aufwand erreichte die Summe von 38,334 fl. 80 kr., überdies wurde der Reservefond laut Präliminare mit 2200 fl., das Fondskapital mit 4000 fl. dotirt und 2694 auf neue Rechnung vor* getragen. Von den einzelnen Posten des Aufwandes erwähnen wir besonders: Schulsubventionen 12,480 fl., Gemeinde-