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Der jüdische Herold · 1937-10-14 · 38 (14.10.1937) · p. Seite 6

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Journal
Der jüdische Herold
Volume
13 (1937)
Issue
38 (14.10.1937)
Date
1937-10-14
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German, Hungarian
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6 »Der Jüdische Herold« 6 über die Berliner und Hamburger Reformbestrebungen, dahingeghend, dass, wenn der öffentliche G-ttesdienst nicht in hebräischer Sprache und unter Wahrung der überlieferten Formen stattfinden könnte, er lieber gar nicht abgehalten werden sollte. 1970 als er anlässlich der Errichtung des Grossherzogtums Warschau durch Napoleon I. von den Gemeinden Posen und Lissa mit der Führung einer Deputation betraut wurde, setzte er sich für die Beseitigimg der Rekrutengelder ein, die den Militär dienst der Juden zur Folge haben musste, sowie für den Wegfall der Trauschein- und Handlungsgelder. Aber auch an vielen Wohltätigkeitsaktionen nahm er Anteil. In Posen veranlasste er die Stiftung einer Krankenanstalt, die er selbst verwaltete. Im Cholerajahre 1831 dankte ihm Friedrich Wilhelm III für seine Umsicht zur Abwehrung und Heilung der Krankheit in einem Kabinettsschreiben. Von der Posener nicht jüdischen Bevölkerung wurde er ״Judenpapst“ genannt. Unter den vielen Schriften, die von ihm er* halten geblieben und zum Teil noch ungedruckt sind, sind besonders kurz hervorzuheben die ״Haggahot“, sowie ״Tossefot R. A. E." zur Mischna, ferner sein ״Giljon-Haschass“ und ״Chiddusche R. A. E." zum Talmud, seine ״Haggahot zum Schulchan Aruch“, sowie insbesonders seine ״Teschubot“, von denen über tausend erhalten sind. Seine Werke sind epochemachend in der rabbinisehen Literatur durch ihre klassische Beleuchtung der behandelten Probleme, durch ihren eigenartigen Stil, nicht zuletzt durch die beispiellose Bescheidenheit des Verfassers. Seine individuelle Lehrmethode, die zu jener Zeit ganz neuartig war, übte insbesondere auf die Gelehrtenwelt Polens, Litauens und Ungarns einen tiefen Einflus aus. Er hinterlies acht Söhne, deren einer, Rabbi Schlomo Eger von Kalisch, wo er als Rabbiner wirkte, als Nachfolger seines Vaters nach Posen berufen wurde und dessen Sohn Rabbi Leb Eger die Rabbeimdynastie von Lublin begründete, sowie acht Töchter, deren eine die zweite Gattin des Chassam Sofer und Mutter des Ksaw Sofer und Rabbi Schimon Sofer war. Von Legenden umwebt verschied er, betrauert von der ganzen jüdischen Welt, betrauert von der ganzen Bevölkerung Posens am 13. Tischri 5698. Wenn unsere Weisen lehren, man errichte keine Denkmäler den Frommen, ihre Taten sind ihr Denkmal, so hat dieses Wort auf Rabbi Akiba Eger seine vollste Anwendung gefunden. Auf seinem Grabe gibt es kein Prachtdenkmal, ein einfacher Grabstein erzählt in schlichten Worten : ,,Hier ruht unser Lehrer, der Rabbiner Akiba Eger, ein Diener der Diener des Ewigen in Friedland und Posen, eingesammelt zu seinen Vätern. . . .“Aber in der grosen jüdisehen Welt wirken noch heute seine Nachfahren als Lehrer Israels, Auch heute wirken zwei seiner Nachfahren als jüdische Führer. In Polen der Rabbi von Lublin, Grosrabbiner Eger, Führer einer Chassidimge־ meinschaft, und in der Tschechoslowakei der Presburger Raw, Oberrabbiner Akiba Schreiber, der Führer der mitteleuropäischen Orthodoxie, an dessen berühmter Jeschiwah, aus der seit ihrer Gründung durch den Eidam R. A. E. dem Chassam Sofer, zahlreiche Führer des Judentums im Geiste R. A. Egers erzogen, hervorgingen, noch heute nach hundert Jahren, die Chidduschim des Rabbi Akiba Eger gelehrt und gelernt werden. . . Konkurs. Im Rabbinatbezirk Filakovo ist ein שוחט ובודק Posten zu besetzen. Der Bewerber soll die junge Witwe des früheren Schächters s. I. heiraten. Dieselbe hat 2 kleine liebe Mädchen. Gehalt monatlich 700— Kc Wjhnung und sonstige Nebeneinkommen. Vorbeten nicht unbedingt notwendig. Offerte zu senden an RABBINER S. JUNGREIS Filakovo. für meine Schwester einen Bochür der Ben-Teuro ist und annehmbare Stimme hat. Ich werde denselben שחיטות auslernen, ש״ס, חלפים Kleidung und Möbel kaufen und einen guten Posten übergeben. Offerte bis 1 November. Adresse : M. ALTMANN Bosany pri Topolcany GASTHAUSKÖCHIN streng religiös und tüchtig gesucht. Offerte mit Referenzen u. Gehaltsansprüche an G. Weiss Brünn, Koliste 77. — 178 — » nicht glauben, daß Euch die Rechnung dafür erlas§ei1 Wert de. Alles wird auf Bürgschaft gegeben, und ein Netz is ausgebreitet über alle Lebenden. Der Laden ist offen und der Besitzer desselben gibt auf Borg; aber das Schuldbuch ist geöffnet, und eine Hand schreibt ein. Jeder, der borgen will, komme und borge; aber die Beamten gehen st ändig umher und machen sich bezahlt von den Menschen mit oder ohne deren Wissen.« ״Meine Brüder, meine Freunde! Euch fließt das Leben schön und freudig dahin, Ihr genießt in froher Heiterkeit, und 9elbst der Arme erhält von seinen wohlhabenden Brü־ dem so viel, daß er nicht zu sorgen hat um das tägliche Brot Aber ist das der Zweck und das Ziel des Lebens? Seht, meine Freunde, G-tt hat den Menschen in seinem Ebenbilde erschaffen, er hat ihm Geist von seinem Geiste eingehaucht und hat ihm die himmlische Gabe der Vernunft verliehen. Und dieser so hochbegnadete Mensch sollte sich damit begnügen, zu leben wie das Tier lebt, blos um zu ge nießen und sein Geschlecht fortzupflanzen? Hat es ihm G-tt umsonst kund getan, daß er ihn in seinem Ebenbilde erschaffen? Er hat ihm dadurch die Lehre gegeben, daß er aufwärts streben soll, um zu üben, was wahr und recht ist. ״Uns Israeliten hat G-tt emporgehoben aus allen Völkern der Erde und hat uns seine Kinder genannt, wie es heißt: Kinder seid Ihr dem Ewigen, Eurem G-tte. Und damit wir uns als seine Kinder bewähren können, hat er uns die Thora gegeben, das köstliche Kleinod, durch das die Welt ist erschaffen worden. Denn wie der Baumeister, ehe er ein Gebäude aufführt, einen Bauplan entwirft, in welchem die Gestaltung des Gebäudes vorausbestimmt wird, die Form, die es annehmen 8011, die Hallen, die Stockwerke, die Keller, die Gemächer, die Gänge, — alles wird vorausbestimmt und gezeichnet und wenn der Bau begonnen wird, blickt Baumeister in seinen Plan und läßt danach - 179 - die Fundamente gründen, die Keller herrichten, die Stock* werke aufbauen, die Hallen einteilen, die Gänge und die Gemächer einrichten, gerade so hat G-tt vor der Erschaffung der Welt als seinen Weltenbauplan die Thora hergestellt sie ist die Welt des Geistes, deren Zwecken und Zielen entsprechend das Weltall ist erschaffen worden. Und dieses köstliche Kleinod hat Er uns gegeben und uns kund getan, daß es ein köstlich Kleinod ist, durch das die Welt ist erschaffen worden, wie es heißt: Denn eine gute Lehre habe ich Euch gegeben, verlasset meine Thora nicht.“ ״Und Ihr, meine Brüder, habt diese Thora vergessen! Ihr forschet nicht in ihr, erziehet Eure Kinder nicht für sie; liegt im Winkel und keiner von Euch kümmert sich um sie; all ihre herrlichen Lehren, die Euch diese Welt recht auffassen und die ewige Seligkeit erwerben lassen, sind für Euch verloren. Statt dessen beschäftigt Ihr Euch mit den verderblichen Büchern der Griechen, lernt Ihre Wein- und Liebeslieder auswendig, singet sie bei Euren Gelagen, meint, den Zweck des Lebens erreicht zu haben, wenn Ihr recht fröhlich lachen und jubeln könnt. Dieser leichte Sinn hat Euch bereits zu den schlimmsten Lastern geführt, und der edle Stolz Israels, das sittlich reine Familienleben ist Vielen von Euch verloren. — Glaubt Ihr, daß G״ttes Auge Euch nicht siehet? Es gibt nichts in der Welt, was G-tt nicht erschauet. Aber Er hat dem Menschen die freie Wahl gegeben, damit er nach eigener, freier Bestimmung das Gute vollbringe und das Böse unterlasse.« »Meine Brüder, meine Freunde, wie sehr habt Ihr doch diese freie Wahl mißbraucht! O lasset meinen Ruf nicht unbeherzigt verhallen! Der allgütige G-tt ist gnädig und barmherzig. Er will nicht den Tod des Sünders, Er wünscht vielmehr, daß der Verbrecher ablasse von seinem bösem Wege und lebe. Einst herrschte in Israel ein böser König, Achab ben Omri hieß er; er war ein Götzendiener, ein Räuber

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