Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 38 (14.10.1937)
- Date
- 1937-10-14
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
- journal issue
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5 »Der Jüdische Herold* 5־ r Proteststreik der jüdischen *oft in polen Wegen der Hochschul—Shetios. Mitglieder zählende jüdische (aft?«lens hat beschlossen, les Protestes gegen die Ein- "Otto-Bänken für die jüdi- "dea a״ einer Reihe polni- 11e1> ab ,Vlontag, 11. Oktober, 1™tägigen Schulstreik zu 1erstag, 7. Oktober, sprach 8 des jüdischen Parlaments- "'orrichtsminister Swientos- .hei ihm gegen die Diskrijüdischen Hochschülerschaft >01. Der Minister erklärte, ״chschulrektoren beauftragt, n Massnahmen zur Siche- und Ordnung an den Hoch- ז Verhinderung von Austreffen, Die Erklärung des >6 Abordnung nicht befriegte die Einbringung einer a Sejm an. Minister Swienim Warschauer Rundfunk ׳ in welcher er an die Stun Appell richtete, an den the und Ordnung zu wahtdemische Würde nicht zu hen, wie sie in den ver- Jahren wiederholt vorgewürden nicht gedu'det werrungder Ghetto-Bänke eräter nicht mit einem einzi He Parlamentskiub hielt ge- 1 Komitee zur Verteidigung jüdischen Studentenschaft ). Es wurde beschl ssen, Iler jüdischen Organisation-;uberufen, um die durch des Hochschulghettos getu erörtern. Sejmdeputiertobinstein hat in seiner Mitglied''ם״ es Jüdischen ein von 30 jüdischen Orteichnetes Telegram aus!alten, in welchem diese :härlten Terror und gegen des Hochschulghettos in en. sehen Zeitungen aller Rieh- 1 sich ausführlich mit der Ghettobänke. Die antise*! spricht weiter von einem oralen Gedankens“. Die der;stehende Presse enthält sich entare. Die jüdischen Zeidie Eiihrung der Ghetto- :hweren Schlag gegen die leichbetentigung der Juden, den steizen und mutigen; bewumkrswerte Ausdauer Studenten. ״Folkszeitung“ ntm Rüdfall in das Mittel- ׳an der ,?oale Zion“ in Po- In*, ist?egen eines Leitiß Einführung der schart fcitisiert wird, konm' ist a Gegensatz zu den Hochsctuen offiziell, keine ׳etrofeo»erden, die beson- •r die irischen Studenten idem *י®!' von den national- >tt smitjen vorsucht, auf Hie?le$ Regelung wie in ßljjusetts Obwohl derRek- < ,ja 5<. der Semester- J die identen die Mah- ‘ t p, sich wie Gentwurde in einer jüdischen Hörer Akratischen Studenji^ke־ auf der Raken Wie jüdischen Stu- ־seit Iti^ den Hörsaal und toP'e״׳or zur Vorlesung ,“״״jin die Sialtüren Rabbi AKIBA EGER s. Z. 1. Zu seinem hundersten Todestage von Rabb. BENJAMIN BENEDIKT, Wien. Es gibt Männer, deren Worte so markig sind, dass sie als Taten gelten können, und deren Taten eine solche beredte Sprache führen, dass sie in die Tiefen des Herzens dringt. Ein solcher Mann, dessen Worte Taten gleichzuachten sind, und dessen Schaffen und Wirken noch heute, hundert Jahre nach seinem Tode eine beredte Herzensspräche zu uns spricht, war Rabbi Akiba Eger und nur so ist es möglich, dass auch heute nachdem sich mit dem 13. Tischri 5698 der weitgespannte Ring eines ganzen Jahrhunderst geschlossen hat, seit dem Rabbi Akiba Eger verschied, die Erinnerung an ihn, diese grosse Leuchte des Judentums nicht verblasst ist. Aus vornehmer Familie von berühmten Rabbinern und Führern jüdischer Gemeinden abstammend, väterlicherseits ein Enkel des berühmten Rabbi Abraham Broda, mütterlicherseits Nachfahre des bekannten Stadlan Rabbi Meir Ginsman, zeigte auch er schon in frühester Kindheit Fähigkeiten, die bewiesen, dass er ein würdiger Enkel und Namensträger seines Grossvaters des «ersten“ Rabbi Akiba Eger, des Verfassers des ״Mischnas — de — 'Rabbi Akiba“ werden würde. Am 14. Cheschwan 5522 zu Eisenstadt geboren, besuchte er zunächst d e nahe Jeschiwah des Rabbi Nathan Naten Schotten zu Mattersdorf, nachdem er vorher von seinem Vater Rabbi Mosche mit dem nötigen Rüstzeug ausgestattet worden war. Hier ve3 fasste er, zwölfjährig das Buch ״Konteros“ — Mile — de — Nesikin“ etwas später sein bekanntes Chiluke-de-rabanan 13 jährig wandert er nach Breslau um dort die Jeschiwah seines Onkels Rabbi Wolf Eger zu besuchen und wird dort der Liebling aller Gelehrten der Gemeinde. Siebzehnjährig verlobt er sich mit der Tochter des reichen und gelehrten Isak Margulis, die er dann, 18 jähr. heiratet. Sein Schwiegervater stellte ihm ein Haus und eine grosse Bibliothek zur Verfügung. Er begann eine Jeschiwah zu führen und Vorträge zu halten, doch in seiner übergrossen Bescheidenheit weigerte er sich, eine Berufung als Rabbiner anzunehmen. Nach der grossen Feuersbrunst vollkommen verarmt, wurde er durch die Not gezwungen, eine Berufung als Rabbiner nach dem kleinen Städtchen Märkisch-Friedland, anzunehmen, wo er sofort wieder eine Jeschiwah errichtete und wo er sich seinen Rabbinischen Aufgaben vollauf widmete. 24 Jahre lang wirte er hier und wurde immer mehr und mehr als rabbinische Autorität Anerkannt, und von Schülern, Kollegen, Gemeinden und Behörden um seine re־ ligionsgesetziiehen Entscheidungen angefragt, die später vom seinen Söhnen und Enkelkindern gesammelt wurden und zum Teile noch ungedruckt sind. Aber nicht nur als Rabbiner, als Gelehrter und Schriftsteller übte er eine fruchtbare Tätigkelt aus, sondern um alle Belange seiner Gemeinde kümmerte er sich als deren Rabbiner. Ein Vorbild der Demut und Bescheidenheit, zeigte er, ein schwaeher kränklicher Mensch, was ein starker Geist in einem schwachen, kranken, kleinen Körper leisten kann. Seine be vunderswerte Schaffensfreudigkeit gönnte ihm keine Müsse. So sorgte er für alle not eidende Kranke, Witwen und Weisen so dass ihm alle Herzen in Liebe zuflogen. Noch nach dem grossen Brande von 1790 nahm er regen Anteil an der Wiederauf ichtung der Gemeinde, wofür ihm auch höchste Verehrung zuteil wurde. 1810 wurde ihm eine grosse Ehrung, er wurde von seiner Geburtsgemeinde Eisenstadt als deren Rabbiner berufen. Von den deutschen Rabbinern jedoch um sein Bleiben gebeten, nimmt er die Be ufung nicht an. ^.ls er aber im Adar 1814 nach Posen berufen wird, sind es dieselben Rabbiner, die ihn zur Annahme bewegen. In Posen bleibt er bis zu seinem Tode. Eine Berufnng nach Wilna, ein Jahr vor seinem Tode, lehnt er ab. Hier, in Posen, entfaltete er erst seine besondere Tätigkeit, hier kamen seine Fähigkeiten erst zu ihrer vollen Geltung. Wiederum ist die Jeschiwah sein erstes grosses Werk. Aber hier hat er auch zu kämpfen, als Führer im Kampfe gegen die damals beginnende Reformbewegung. Im Zusammenhang damit suchte er mit aller Energie durchzusetzen, das Rabbinatsämter nur an Würdige und Gelehrte übertragen werden sollten. Und so, wie die zeitgenössischen Rabbiner in ihm eine Stütze fanden, wenn sie gegen die Reform ihrer Gemeinden ankämpften, so trat er wieder anderseits gegen manche Rabbiner auf, die mit der Reformbewegung liebäugelten. Auch in die, die Gesamtjudenheit bewegenden Fragen griff er bisweilen ein, so durch sein Gutachten — 180 — und Mörder; als aber der Prophet Elijahu zu ihm trat und ihm sein böses Tun vorhielt, da empfand er Reue und Buße, und G-tt verzieh ihm; denn G-ttes Rechte ist stets ausgestreckt, um die reuigen und büßenden Sünder aufzunehmen. — Einst herrschte in Juda ein böser König, Menascheh hieß er; stellte Götzenbilder auf im heiligen Tempel und vergoß unschuldigas Blut in Menge. Als er aber in Not geriet, da ließ er all die machtlosen Götter und flehte zum einzigen G-tt, dem Herrn *les Himmels und der Erde. Und G-tt erhörte sein Gebet und rettete ihn aus Not und Drangsal. ״Meine Freunde, meine Brüder! Auch Euch bedroht schweres Unglück. Nicht bin ich ein Prophet und nicht ein Prophetenschüler. Aber wer Augen hat zu sehen, der kann erkennen, daß der Boden unter Euch wankt, Ihr meint, daß Ihr der mächtigen Roma Widerstand leisten könntet und ihre Heere zu überwinden vermöchtet Ihr vertraut auf Eure grosse Anzahl, auf Eure Reichtümer und auf die Heere, die Ihr auszurüsten imstande seid. Auf alles das vertraut Ihr, nur nicht auf Den, von welchem allein die Hilfe kommt. Nicht Heeresmacht und Reichtum verschaffen den Sieg, sondem G־ttes Wille allein ist es, der das Los der Schlachten bestimmt. So lange Er nicht den Erlöser sendet, so lange ist jeder Kampf unnütz und verderbenbringend. Nur eins vermag Euch zu nützen und zu helfen und dies Eine ist, dass Ihr zurückkehret zum G-tte der Väter mit ganzem Herzen tipd mit ganzer Seele, dass Ihr Euch mit zerknirschtem Her-?en?u O-tt wendet und Eure Sünden bereuet, dass Ihr ablasset vom Genüsse verbotener Speisen, dass Ihr luhet an den grttgebotenen Ruhetagen, dass Ihr Eure Kinder erziehet zur Thora und für die Thora. Wenn Israel abgefallen ist von der Thora und ihren heiligen Gesetzen, so hat sein Leben keinen Zweck mehr, SO überlässt es G-tt den Feinden und Verfolgern. Kehret zurück, kehret zurück von Euren bösen - 177 - bin der Ewige, Dein G-tt; es sollen Dir nicht sein andere Götter vor meinem Angesichte. Und in Allem, was ich Euch sage, sollt Ihr Euch in Acht nehmen und den Namen fremder Götter sollt Ihr nicht erwähnen, er soll nicht gehört werden von Deinem Munde. — Ihr aber, meine Brüder, ihr könnt nicht drei Worte sprechen ohne die griechischen Götter und Göttinnen anzurufen und bei ihren Namen zu schwören. Euren Kindern gebt Ihr Namen, welche an diese Götter erinnern. Sind nicht Viele in Eurer Mitte, deren Name bedeutet : Geschenk des G-ttes der Sonne, Entsprossen dem Vater der Götter, und dergleichen mehr? Ich weiß, Ihr denkt nichts Böses dabei, und es ist nur eine Gewohnheit, die Ihr inmitten Eurer Umgebung angenommen habt. Allein diese schlimme Gewöhnung hat Euch dem jüdischen Leben ganz entfremdet. Der einzige, allmächtige G-tt, der Schöpfer des Himmels und der Erde, hat uns zu seinem Volke erwählt, auf daß wir uns heiligen und heilig seien. Deßhalb hat er uns Gesetze gegeben, die uns in Bezug auf Speise und Trank sondern von allen übrigen Völkern der Erde. Ihr aber habt diese Gesetze vergessen, Ihr verzehret das Fleisch der unreinen Tiere und seid ge• worden wie die Heiden rings um Euch her.“ ״Als der Prophet Jonah seine Botschaft in Niniweh und kehrten zurück von ihren bösen Wegen; sie hüllten sich in Sack und Asche, taten Buße und beteten zu G-tt. Und G-tt sah ihre Taten und ihren aufrichtige Reue und verzieh ihnen, Er brachte des böse Geschick, das er über sie verhängt hatte, nicht in Erfüllung und übte Gnade.“ ״Meine Brüder, meine Freunde, kehret auch Ihr zurück von Euren bösen Wegen; — warum wol't Ihr sterben, Haus Israel?“ »Sehet diese Welt gleicht einem Gasthause, in welehern Jeder genießen kann nach Belieben. Ihr dürft aber Dr. M. Lehman: »AKIBA« 42.