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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-10-24 · 14 (24.10.1947) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
14 (24.10.1947)
Date
1947-10-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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' % Jahrgang Nr.. 14 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FTTR DIE BRITISCHE ZONE 24. Oktober 1947 — Seite 5 NOCHMALS: LA GUARDIA Von einem ausländischen Leser erhalten wir .. folgende Zuschrift: ., „Ich habe die Ausführungen über Fiorello H. La Guardia in der vorigen Ausgabe des „Gemeindeblattes für die britische Zone“ mitbe- ' sonderem Interesse gelesen. In der Tat gebührt diesem ungewöhnlichen Kämpfer für Recht, Freiheit und Anstand Ehre. Ihrer Darstellung wäre manches nachzutragen, was seine wunderbare Haltung gegenüber dem jüdischen Problem anbelangt. Vielen wird es z. B. •Unbekannt sein, wie positiv, sich La Guardia zu der von Roösevelt im Jahre 1945 geschaffenen Kommission stellte, die zur Aufgabe hatte, „die Juden1 Europas vor der Vernichtung« durch die Nazis zu retten“. In. der damals im Auswärtigen' Ausschuß des amerikanischen Parlaments stattgefunderien Debatte benutzte * La Guardia die Gelegenheit, für die Oeffnung der Tore- Amerikas für die Verfolgten ein.zutreten, obwohl, wie er erklärte, eine solche - Maßnahme nur als temporäre Lösung . angesehen werden könne.' .... Das war. im. November 1943. Einen Monat später beteiligte sich La Guardia an der Untersuchung -und Verfolgung antisemitischer Vorgänge, die sich «damals im Washington Heights- Stadtviertel von New York ereigneten. Anti-. semitische Rowdies ' machten sich bemerkbar, und 'Synagogen wurden geschändet. La Guardia. brachte dabei'zum Ausdruck* daß es sieh bei diesen Erscheinungen um die Arbeit organisierter Bewegungen handle, und es vergingen kaum zwei Monate, daß er in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache erklärte: „Wir dürfen es nicht zulassen, daß-Hitlers Theorien in unserem Lande . Fuß fassen.“ Der diesjährige Üsyschkin-Gedenkpreis wurde dem hebräischen Dichter und Kritiker Jacob F i c h m a n für seine kritische Studie über den Dichter Chaim Nachman Bial'ik und Rabbi Jacob L i f s h i t z " für sein „Buch der Jüdischen Brigade“ verliehen. ' . In Palästina verschied infolge einer' schweren Krebserkrankung meiner der talentiertesten Prosaiker des neuen \Palästinas, Israel Jarchi. Jarchi wurde im Jahre 1909 in Po-, len geboren und studierte, an. der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seine Romane und 'Erzählungen stellten ihn schnell in die Reihe der originellsten hebräischen Schriftsteller. Vor kurzem feierte der jüdische Künstler Hermann Le.opoldi nach neun Jahren, von denen et einige im KZ-Lager Buchenwald verbringen-mußte, sein erstes Wiedersehen mit dem Wiener Publikum. Im Rahmen der'Vviener Herbstmesse trug er in einer-Veranstaltung im Großen Konzerfhaussäal seine bekannten Schläger vor. Leopoldi tritt in der Revue- „Hotel zum roten Bulli“ iiri „Simpl“ auf. . . ■ NEUE BOCHER George Loukomski: „Jewi'sh Art in European Synagogues — From the Middle Ages to the 18th .Century - (Verlag Hutchinson, London). Ein mit vielen Illustrationen versehenes Standardwerk auf dem Gebiete der Synagogenkunst, mit einer geschichtlichen Einleitung von Dr. Cecil Roth, dem Oxforder jüdischen Historiker. Paul Goodman: „Kafkas Prayer“ (Verlag . Vanguard Rress. New York). Essay über den jüdischen Dichter (1833—1924). Julius Braun thal: „The -Paradox of Nationa'lism“_(Verlag St. Botolph Publishing Co., London). / ■; Felix Mendelssohn: „Letters“ (Verlag Paul Elek, London). Philosophia*Judaics „Ahad Haam“. Uebersetzt aus dem Hebräischen von Sir Leon Simon (Verlag East & West Library, Oxford). ' S. Wiesenthal: „Großmufti — Großagent der Achse“ (Ried-Verlag, Salzburg-Wien). © AUS KUNST UND Benno Elk an, der aus Deutschland stammende jüdische Bildhauer ist in Dortmund geboren und wird am 2. Dezember 70 Jahre, alt — hat in England, wo er künstlerisch sehr fruchtbar geblieben ist, yiel Anerkennung gefunden. Unter seinen . zahlreichen ■ Arbeiten ragen die beiden,, mit 'biblischen Figuren, geschmückten gewaltigen Bronzeleuchter hervor, die seit einigen- Jahren in der Westminster . Abbey in London zu sehen sind. Kürzlich hat Elkaneine Büste des englischen Oekonomen und weltbekannten Geldtheoretikers Lord Keynes. fertiggestellt, , die'in . der Bibliothek des Kiag‘s College in Cambridge Aufstellungfinden wird- Elkans Denkmäler auf jüdischen Ehrenfriedhöfen in Deutschland werden1 zum Teil nicht mehr vorhanden sein, Sein berühmtes Frankfurter Denkmal steht jetzt wieder auf seinem alten Plfitz. . Älax Dienemann , wird vielen aus seiner - Offenbacher Rabbinertätigkeit (1919—1938), aus seinen zahlreichen' Vorträgen; mit denener d-ie 'jüdische Erwachsenenbildungsbewegung in Deutschland förderte, und aus seinen zahl- 1 reichen Büchern und Aufsätzen noch in bester Erinnerung seih. Als er 1938 nach Palästina gipg, war es ihm nicht vergönnt, dort einen langen Lebensabend zu. finden, der ihm sicher Gelegenheit gegeben hätte, Forschungen fort-- ,zusetzen, und für die Nachwelt festzuhalten.’ Er starb 1939 in Tel-Aviv. Im vorigen Jahre ist in Amerika als- Privatdruck ein Gedenkbuch .„Max .Dienemann“ erschienen, von_ D». Dienemanns Witwe herausgegeben und von Lilly H. Montague . (London) eingeleitet, das einem hervorragenden Juden Deutschlands Ehre ' und. Würdigung' erweist und —- allgemein —1 einen Beitrag zür Arbeit , und Stellung deutscher Juden in den je 30 Jahren vor und nach der. Jahrhundertwende dar stellt. Im* September 1945, etwa zwei Jahre bevor er starb (4, Oktober 19:47), wurde Max Plank, dem bedeutenden Physiker, dem Schöpfer der Quantentheorie, in Frankfurt a. M. der Goethepreis verliehen. Schon 1919 war: er mit dem Nobel-Preis für Physik ausgezeichnet worden. Reinhold N i e b u h r, einer der führenden - amerikanischen Theologen, der %am Theologischen Seminar der Columbia-Universität in New York wirkt, beschäftigt seit:-Jah- , ren.mit dem Problem des Verhältnisses von Christentum und menschlichem - Gemein- ' x schaftsleben und ist als weit über Amerika . hinaus bemerkenswerter Schriftsteller hervorgetreten. Im .Jahre 1945 erschien in New York sein Werk „The Children of Light and the -Children - of Darkness“ (VerJag Ch. Scribner's Sons), das vor kurzem unter dem Titel „Die Rinder des Lichts und die Kinder der Finsternis“, in deutscher Sprache heraüsgekommen ist (Chr. Kaiser-Verlag, München). Im Vorwort zu.dieser Schrift sagt Professor Niebuhr u.. -au *Des - Menscnen Sinn für Gerechtigkeit macht Demokratie möglich,. seine Neigung zur Ungerechtigkeit aber macht Demokratie notwendig“. Die in diesem Buch n,iedergelegten grundsätzlichen . Gedanken eines protestantischen - Theologen, können jlazu verhelfen, das Problem der Demokratie tiefer' zu erfassen und den Aufgaben ' demokratischer Gestaltung des Gemeinschaftslebens -mutig, d. h. ebenso nüchtern wie hoffnungsvoll und verantwortungsbewußt zu begegnen. Im vierten Kapitel „Demokratische Toleranz - und die Gemeinschaftsgruppen“ beschäftigtsich Niebuhr u. a. auch mit dem jüdischen Problem. Wir lassen aus diesem Kapitel einige Abschnitte folgen. D. RCd. «aM^aaH«M<aBiEW8atBEi mir Herr Chiamenti §rzählt, dessen Söhne in der. Stadt leben. Sie sperren ihn ein, dann geht die Partei kaputt, und si«s sagen ihm: ,Geh deiner Wege. Du bist ein armer . Hund. Hast dasselbe Recht'zu leben wie die andern-. Und so schieben sie ihn ab, lassen ihn stehen. Aber sieh, da kommen die Deutschen, die Partei kommt wieder hoch, und da suchen sie ihn, um ihn nochmals einzüsperren oder, urh ihm den Kopf abzuschlagen, ich -weiß.. wirklich nicht warum.“ In diesem Augenblick belebten sich die Augen des Juden. Er erholt si^h, schlug.mit der Hand gegen die Brust und sagte: „Ich nicht Tod fürchten. Ich dieses Leben leid. Aber leben wollen, um noch zu erfahren, um zu finden meine Frau, meine Frau'Lisa, ■ mein Kind Clara. Verloren, Deutsche haben verhaftet, gebracht in Konzentrationslager. Wo jetzt sein? Wo? Wo?“ Er' wiederholte diese Frage/ indem er mit blitzenden, fast rasenden, Augen umherschaute, Dario betrachtete ihn weiter mit ‘dysterem Gesicht. Kr konnte sich noch nicht, überzeugen,, daß eine splche Gräßlichkeit möglich war. Seine Frau ging vpr lauter Erregung, von einer Ecke der Küche in die andere und wußte nicht, was ' sie tun sollte. Alle* Augenblicke rückte, s'e ■ irgendein« Teil zurecht, einen Topf, einen* Stuhl, ein Glas, dann blieb sie einen Augenblick stehen, nahm einen (Gegenstand in die Hand, setzte ihn wier der an seinen Platz, fuhr mit beiden Händen m die Haare und rief: „Heilige Maria.' siehst du, was sie machen, Dario? Siehst du?“ Plank istniemals Nazi gewesen; er ist oftmals von den Nazis verleugnet worden. Ei»,war u. a. durch seine Zusammenarbeit mit Albert Einstein bekannt.. Als Hitler, zur Maclvt gekommen war, trat Einstein freiwillig aus der Akademie der ‘Wissenschaften aus, um Geheimrat Plank, wie iri Philipp Franks Buck „Einstein:' His Life and Times“ (New York, 1947) geschildert1 wird, die schmerzvolle und schändliche Pflicht zu ersparen, ihn auf Befehl der Nazis auszuschließen. Plank; alles andere als ein Politiker, glaubte, daß,die „Re*- volution von rechts“ eine vorübergehende Erscheinung sein werde, und erklärte einem überragenden Naturwissenschaftler der Berliner Universität, der einen Wirkungskreis 'im Ausland suchte: „Aber, lieber Kollege, warum nehmen -Sie nicht ein Jahr Urlaub, machen eine schöne Reise, Und führen einige: Studien aus, und wenn Siezurückkommen,- werden alle unerfreulichen1 Erscheinungen unserer Regierung verschwunden sein“. jDa „Nicht-' arier“ in wissenschaftlichen Forschurigsbetrieben länger alsin einer Lehrtätigkeit geduldet wurden, war ps Plank möglich, eine Reihe der von ihm geschätzten. Mitarbeiter am Kaiäer- Wilhelm-Institut in Berlin zu behalten — bis auch diese Opfer des Regimes wurden . .‘Frank' berichtet iri seinem Einstein-Buch von einem Interview, das Professor Plapk, mit Hitler hatte, um ihn dahin zu beeinflussen, den Be- . griff des. „Nichtariers“ nicht' im. Bereich des Erziehungswesens und der wissenschaftlichen Forschung;zur Anwendüng .bringen zu lassen. Plank hatte indes wenig Gelegenheit,, -seine, Gründe vorzubringen., Hitler, antwortete ihm, als habe ep eine -Massenversammlung vor sich, die er mit Agitationsma-t^rial speisen zu müssen glaubte, er, werde den Juden dieselben n Arbeitsmöglichkeiten geben, wenn sie nicht' "alle Bolschewisten seien.v* Als Plank schüchtern eiriwandte, daß diese Annahme ^sicher nicht auf Persönlichkeiten wie ’ etwa "Hab er (Fritz Haber, bedeutender, jüdischer, Chemiker, Nobelpreisträger von. 191:8., D. Red.) zutreffe, entgegnete Hitler: „Glauben. Sie mir, diejenigen, die nicht offen Bolschewisten sind, sind es im Geheimen“. —th— des Vorurteils „. . . Rassische Voreingenommenheit,. die Verachtung , der anderen .Gruppe;- ist' eine unvermeidliche Begleiterscheinungdes Rassenstolzes und Rassönstolz ist eine unvermeidliche' Begleiterscheinung des völkischen Lebenswillens. Wo immer sich das Leben zusapimenschließt, erzeugt es äußer derh individuellen auch einen kollektiven Selbsterhaltungstrieb. - . . Jeder, menschliche Selbsterhaltungstrieb enthält geistige Elemente-, und die entarteten -Formen dieser Elemente sind Hochmut und Wille zur-Macht. Diese Entartung gebt tiefer urid ist allgemeiner, als es . unsere liberale Kultur begreift . , . . . / Das eigentliche. Verbrechen einer jeden Mino-” ■ ritatsgruppe besteht darin, daß' sie vo’n dem Vorherrschenden Typ abweicht; gewöhnlich siiid -die Beschuldigungen, die - gegen diese Gruppen erhoben werden, Rationalisierungen des durch diese Abweichung erzeugten Vorurteils . aber das Rassenvorurteil macht es der Mehrheit' unmöglich. den fugenden und Leistungen großzügige Anerkennung zu schenken oder die Schwächen der Minorität dadur<ffi zu mindern, daß man ihre Aehnlichkeit mit denen der _ herrschenden Gruppe betSht \ oder sie. Zwar als. der Art, nicht aber dem Grade nach von ihnen unterschieden erkennt.' * Der Fall der Jude n, (von uns gesperrt.' D, Red.) stellt ein' schwieriges Problem .für die moderne demokratische .Gesellschaft dar. -Man muß zugeben,, daß der bürgerliche Liberalismus das Leben der Juden, von den Bescncän- Jhr Mann gebot ihr still zu sein. „Schweig!“ sagte er, „du tust nichts anderes als schreien und kommst. doch, zu keinem Resultat.“ Er wandte sich an Gurlä und sagte ruhig; „Der Herr'hier ist geflohen. Jetzt wollen sie ihn schnappen. Er wird .etwas verbrochen haben, was hat er getan?“ <- \ v „Nein“, antworte Gurlä, „er hat nichts getan. Es ist nur weil er Jude, ist.“. . ’ Dario war schwer von Begriff, er wareiner von denen, die trotz der Erklärungen des1 Toni und des Pompa noch, nicht vestanden hatten, was ein Jude war. „Ein kleiner Mann, der Sachen im Ghetto verkauft,“ dachte er. „Was ist er . vorher gewesen, ein Kaufmann? Verkaufte er nichts?“ „Nein,“ entgegnete Gurla, - „er verkaufte nichts. Er war Angestellter. Er ging ins Büro. Zu Hause wartete seine Frau und sein Kind auf ihn! Das, hat mir der alte ChmmentiG, versichert,- der die Söhne; in der Staat hat. Er ist von seinen Söhnen geschickt worden,. heute morgen, mit einem Brief. Er ist,kein böser Mensch, nur Jude, urid deshalb wollen sie ihn einsperren.“ „Und was tun sie mit ihm, wenn sie ihn krie- . ^gen?“, meinte Dario darauf., „Was sie mit ihm machen?“, wiederholte kopfschüttelnd Gurla„ „was willst du, daß "siehnit ihm machen sollen? Sie stecken ihn ein uncl bestrafen ihn.“ „Ah“, entfuhr es Dario, und er ging näher zu seinem Gdvatter. „Da. sieh, wie es ist. Sie bestrafen ihn, sagst, du das heißt, daß er irgend etwas verbrochen hat. Man bestraft niemanden, so ohne weiteres, wenn er nichts , getan hat.“ y Jetzt wurde Gurla böse. „Ich habe gesagt, daß sie ihn so bestrafen-, aber ich habe nicht gesagt, daß pr etwas getan hat. Sie bestrafen ihn, weil er- Jude ist, deshalb und nun Schluß damit!“ * Die Augen des Juden ruhten, jetzt forschend auf Dario. Man las in ihnen ein furchtbares Grauen. „Mich erschießen“, sägte er, „deutsche Soldaten alle Juden erschießen, meine Freunde, Jugoslawien, Belgrad/, überall erschießen, immer, warum? Warum? JNieht fra- , gen warum, Recht! Ich di6hnehmen, sagen, du sein -Jude, du nicht existieren auf der Welt, nicht Recht zu leben. Erschießen. Wegt“ Er machte eine impulsive Bewegung . und griff sich an die Stirn und sagte: „Wahnsinn!' Wahnsinn! Ab'er ich wilL Frau Lisa, - Kind/ Ich auf dieser Erde finden will. Meine. Familie. Nicht sterben. Fliehen, nicht sterben!“ Er stützte den Kopf in die Hände,,, murmelte noch einige unverständliche Worte’ in Seiner Spräche, dann warf er sich weinend wie ein Kind gegen die Rückenlehne des Stuhls.' Alle schauten: ihn an, erstaunt, ergriffen von diesen Tränen. Teresa kam auf Zehenspitzen vor, lehnte sich an den Bruder -und, fragte leise: „Was hat er, Mario, warum weint er?“ Dario stand auf und ging mit der Pfeife in der Hand in der Küche auf und ab, während seine Frau sich leise schimpfend am Ofen zu schaffen machte,, Er blieb ^stehen, schaute kungen des. mittelalterlichen Ghettos befreit hat. Indem' er eine; unpersönliche Gesellschaft •schuf, in der Geld und Kreditbeziehungen wichtiger würden als organische * Bindungen, legte er den Grund zu völkischer Mannigfaltigkeit.' Aber die Hoffnung, daß die aus. die-» ser Situationhergfeleiteten .Freiheiten unbegrenzt ausgedehnt werden könnten, hat sich als' irrig erwiesen. Wenn, auch die Raserei faschistischen Wahnsinns den; Antisemitismus vercharft hat, und' wenn auch einige -der verderblichen Früchte des:-Rassenvorurteil?, die, neuerlich in der demokratischen Welt geerntet Wurden, auf Samen zurückzuführeh sind, den die Nazis ausgestreut 'haben,. So müßten wir doch blind §ein, wenn wir dies Uebyl einzig .und allein auf diese oesondere Ursache zu- ‘rückführen wollten. Die Nazis, -haben den ■Rassenstolz Verschärft, ■ aber, sie haben ihn nidht geschaffen. Die Ideale der Demokratie . widersprechen, diesem Stolz; aber es ist eine - Illusion der idealistischen- Kinder des Lichts, sich einzubilden, daß' man. Ucbei beseitigen kann, lediglich indem , man sich'zu Idealen bekennt. Das Ideal der Brüderschaft der Rassen ist das ,Gesetz Gottes“, an dem wir Lust haben ',nach dem inwendigen Menschen“, -aber rassische«.Arroganz’ist das ,Gesetz in unseren Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in unserem Gemüt“. : - Blinde Anhänger der Rassentheörie, bringen alle möglichen Anklagen gegen die jüdische Minorität vor; aber diese -Anklagen sind Rationalisierungen eines tiefer liegenden Vorurteils. Die wahre Sünde der Juden ist zweifach. Sie sind erstens ein Volk, das über die Völker der Erde verstreut ist; sie können sich daher diesen Völkern nicht völlig ängleichen, denn das würde das Ende ihrer völkischen Existenz bedeuten. Zweitens sind sie eine Gruppe, die für uns ‘dadurch anstößig, ist, daß sie völkisch und - kulturell yom vorherrschenden Typ abweicht. Es ist milQig, darüber zu. grübeln^ ob die, ursprüngliche Quelle1 dös An-. tisemitismus rassischer oder religiöser Natur ist, denn die Kraft des Vorurteils rührt vori: der zweifachen. Divergenz her. Wären die'Juden nur eine' religiöse und keine völkische Gruppe, wie manche unter ihnen (behaupten, so würden,-sie ein , gewisses Vorurteil durch ihre kulturelle Einzigartigkeit hervorrufen. Wären sie nur eine völkische Sondergruppe mit der gleichen Religion» \yie die Majorität, so würden sie auch ein Vorurteil erwecken. Aber in beiden fällen würde, das. Vorurteil gemäßigter sein. In Wirklichkeit sind sie eine völkische Gruppe mit einem universalen Glauben, der in seinem Geltungsbereich über das Volk als solches hinausgeht, den sie aber , als ein Instrument zur Selbsterhaltung in einer fremden Welt benutzen müssen. Es gibt keine einfache Lösung für ein so kompliziertes Problem. Keine demokratische Ge-. Seilschaft kann es sich leisten, vor dem. Stolz der herrschenden Gruppen zu kapitulieren.' Das Ergebnis einer solchen Besänftigungspolitik (,appeäsement‘) -.ist. die pi;imiitive' Gleichförmigkeit des Nationalsozjalismüs:'Ärfe-- .dererseits ist es töricht, den Rassenstolz lediglich als ein ' Zeichen der-Unkultur anzusehen, während er in' Wirklichkeit ein ständiger. Konfliktstoff im'menschlichen1 Leben ist. J Eine demokratische, Gesellschaft muß. jeden erzieherischen Kunstgriff undjedes religiöse Hilfsmittel benutzen, um das rechte Verstände' /nis für die Vorzüge und guten Absichten der . vom Gepräge der Mehrheit abweichenden Minoritätsgruppen zu wecken und Demut .und Nächstenliebe im. Leben der Mehrheit £u fordern. Sie muß danach itreben, die einzelnen' Gruppen miteinander in Fühlung /zp bringen, 'und eine Verschärfung des Vorurteils . durch Absonderung zu verhindern. Sie muß auf die eigentümlichen Gefahren, für eine gerechte Beurteilung hinwejsen, .wie sie in den Beziehungen der einzelnen Gruppen zueinander zuni Ausdruck kommen. Mit anderen Worten, eine J. demokratische Gesellschaft muß in schrankenloser Gestaltungskraft .' Annäherungslösungen für dieses Problem'wagen. Diese Lösungen aber werden umso produktiver sein, je besser die demokratischen Idealisten die Tiefe des Problems begreifen, um das es sich handelt . . .“ . ' . lange auf den Juden, dann sägte er ernst: „Nein, er hat nichts getan, ich sehe ek: Er ist kein Lump. Die andern sind Lumpen.“ Santa rief sofort, ', als gäben die , Worte ihres. ‘Mannes ihrem Zorn freien Lauf: „Dieser da ist, wie soll ich es sagen? Ist er1 nicht auch ein, Mensch wiedie andern? Lumpen sind es. 'Lumpen und gemeines Pack!“ Sie erhob die Fäuste und knirschte mit den Zähnen. - „Ein armer Mensch muß durch die Welt fliehen wie ein Tier, nur, weil er Jude ist. Lumpen nichts als Lumpen und Verbrecher sind es.“ Sie schaute auf den Juden, der .noch immei weinte, den Kopf in beide Hände gestützt dann drehte er sich zu Gurla: „Und was füll eine Schuld, hat er* daß er als Jude zur Well gekommen, ist, könnten wir nicht genau sc als Juden zur Welt gekommen sein? Nun, unc dann?“ ’ . . Dario ging noch immer in der Küche auf und ab und zog ab und zu mal an der Pfeife. Es schien, als höre er die lauten Worte seiner Frau nicht einmal. Plötzlich "wandte er sich au Teresa und fragte ruhig": „Ist noch die Wäsche auf Guidos Bett?“ „Ja,“ sagte Teresa aufmerksam mit einem kleinen Lächeln. Dario fuhr noch, eine Weile fort, auf und ab -zu ge-;hen, dann tat er einen langen Zug an der Pfeife, blieb “stehen und sagte zu Gurla: -„Auch, ich bin überzeugt,’daß er nichts getan hat, daß er.ein ehrlicher Mensch ist.* Wir halben ihn hier, solange wir können, /bis alles vorbei ist, wenn er will, Das fehlte aueb noch,, daß wir ihn nicht aufnährhen. ‘»

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