Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 14 (24.10.1947)
- Date
- 1947-10-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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"Seite 6 — 24, Oktober 1947 JÜDISCHES GEMEINDEBLAtT FÜR DIE BRITISCHE ZONE Nr. 14 —. 2. Jahrgang von Nordrhein'-Westfalen in Düsseldorf Das Kulturdezernat in Düsseldorf hatte , am 19. Oktober, die jüdische Jugfend voh Nordrhein-Westfalen zum ersteh Treffen nach der Befreiung in Düsseldorf eingeladen. Im we-, sentlichen sollte bei dieser Tagung einmal die Gründung, einer jüdischen Jugendbewegung durchgeführt werden und zum anderen die Frage des sogenannten deutsch-jüdischen N Kibbuz "verhandelt -werden. 1 Es waren etwa 150 junge Menschen‘aus fast allen Gemeinden von Nordrheim-Westfalen erschienen, als Saul Tyrkeltaub gegen 3 Uhr nachmittags die Tagung als eröffnet erklärte. . In seiner Eröffnungsansprache wies er auf die Bedeutung dieses Zusammentreffens, hin und streifte kurz die Ereignisse der letzten Wochen und Monate. Der Referent ermahnte die Jugend,' nun endlich' mit praktischer Arbeit zu -beginnen und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Im Aufträge aller Mitarbeiter des Kulturdezernates ggb er die Versicherung ab, daß alle, die die Fähigkeiten^ dazu besitzen, sichder Jugend mit Rat und Tat sehr gerne zur Verfügung stellten. Karl Marx überbrachte der Tagung die Grüße des Chefrabbiners D r. Helf gott und gab in. dessen Namen eine Erklärung ab, wonach aus' technischen Gründen der ursprünglichin Belsen geplante Kibbuz in Neustadt gegründet werden würde. Dr. Helf gbtt ließ durch den Referenten ■ die Versicherung, abgeben, daß dieser Kibbuz überparteilich sei u.n^ daß die zur Verfügung stehenden Lehrer ejverabschiedete sich von .seinen Freunden, sich die Aufgabe gestellt, haben, -den, jungen vor allen» Dingen von der Jugend und gab der Menschen,. die in diesen Kibbuz kommen, in Hoffnung Ausdruck, daß wir Uns alle recht erster, Linie jüdisches Wissen 'beizubringen... bald in Erez Wiedersehen werden. Rozyne er- Dann aber soll jeder einzelne Gelegenheit haklärte,, daß man ihm glauben möge,, daß er ben,,in, gut ausgerüsteten Fachschulen sieh die. ’ » < —•>- ~—• -t. Kenntnisse des Fachs anzueignen, -das erzu erlernen gedenkt. - Weiter /ließ Dr. Helfgott. erklären, daß er die volle Verantwortung für die Durchführung dieses Arbeitsprogramms ' übernehmen wird. - Karl,Marx überbrachte dann die,Grüße des " „GemeindQblaites“ und der vor wenigen- Tagen neu erschienener^ Zeitschrift „Zwischen den Zeiten“ und versprach, daß diese beiden . Zeitschriften sich die Aufgabe gesetzt hätten,, die 'Jugend in ihrer kultu »eilen Arbeit weitgehendst zu unterstützen. Zum Schluß übermittelte er die Grüße der jungen Menschen aus den,Lägern Pöppendorf und Am Stau und forderte die Anwesenden auf, sich an dem Kampf dieser Menschen ein Beispiel zu neh-. m'en. ' . Möskowitcz bewies, daß er nicht mir ein ausgezeichneter Schauspieler, - sondern auch ein recht guter Regisseur und, ein noch besserer Vortragskünstler — und auch, —.Dichter ist. Er hat auch zwei Entdeckungen gemacht:' Regina Rosenzweig und Anni Fiszmann aus Düsseldorf, beides außerr gewöhnlich begabte Mädels, die, Wenn sie den Weg zu den Brettern wählen würden,- es ohne Zweifel zu großem Erfolg bringen konnten. . Es meldeten sich aus den. verschiedensten- Teils in Soiis, teils in Duetts und Trios brachmernden eine Reihe Von Jungen und Matefi sie ihre Darbietungen mit kaum zu übertreffendem Charm. ( Wie üblich, wurden einige im Vordergrund .Stehende Mitarbeiter des' Kulturdezernate; „durch den Kakao gezogen“, und — so glauben wir — nicht einer konnte ihnen böse sein. Besonders erfreulich waren auch die jiddischen Lieder, die von Regina Rosenzweig und Anni, Fiszmann gesungen wurden. Max Hüttner brachte eine Reihe Violin,- li, darunter unsere schöne jüdische Musik und erntete denselben« Beifall, wie die übrigen Künstler. '; Und dann begann der Verkauf der Tombölalose, der einen großen Erfolg brachte, denn jeder wollte die schönen Gewinne für sich haben. Der Tanz, der dann einsetzte, dauerte bis nach -Mitternacht. Alle Teilnehmer waren sowohl mitder Tagung, als auch mit der1 sich anschließenden'Unterhaltung, sehr zufrieden. . . . Um- 10 Uhr abends versammelten, die sich' nachmittag gebildeten delegierten ‘ jüdischen Gruppen zu einer endgültigen Besprechung. Diese Besprechung wurde von der, Jugend selbst geleitet und ihnen wohnten die vAelteren nur als Zuhörer bei. . ES konnte mit Befriedigung festgestellt werden, daß die Jugend weiß, was sie will und — daß sie weiß, Wie man Konferenzen demokratisch führt. Das erste Arbeitsprogramm wurde festgelegt und eine Delegiertenzusammenkunft für den 1. November in Köln verabredet. Dort soll das nächste Arbeitsprogramm beschlossen werden. a'Der Grundstein zur Bildung der jüdischen Jugendbewegung in Rheinland und Westfalen ist gelegt. Die Arbeit begingt und wir zweifele nicht daran, daß sie von Erfolg sein wird. Wendigkeit der Zusammenfassung der jüdischen Jugend in Kibbuzim den Anwesenden yor Augen zu führen. Der Erfolg bligb nicht aus ~ Gemeinden eine Reihe Von Jungen dels, die sich bereit erklärten, schon in kurzer Zeit in Neustadt Einzug zu. halten. In der Diskussion wurden von einer Reihe von Jugendlichen Fragen aufgeworfen, die bewiesen, daß das Interesse an der Gründung einer jüdischen Jugendbewegung ein «selfi» . großes ist, die aber auch zeigten, daß , unsere Jugend schon, damit, begonnen hat, sich wieder die Grundlagen zu einem neuen jüdischen Leben zu schaffen. x Von '■allen Diskussionsrednern wurde der Wille betont, De rtsehland als Transitland zu betrachten, um endlich in unserer Heimat Erez die Freiheit zu finden, die wir suchen. . '/• Saul Tyrteltaub und, 'Gustav Karchinierow sprachen die Schlußworte zu dieser denkwürdigen Tagung. Die Redner * erinnerten daran,, daß -Chaskiel Rozyne zum letzten _ Male «einer jüdischen Veranstaltung in Deutschland beiwohnt und in dennächsten Tagen nach Erez abreist. Sie erinnerten an die große Arbeit, die Rozyne in der Zeitv seit der Befreiung geleistet hat und wünschten ihm für seine Zukunft namens aller Anwesenden Glück und Zufriedenheit. ’ . Der einsetzende Applaus bewies, wie sehr beliebt Rozyne iSt, der dann das Wort ergriff. auch, jetzt noch nicht gereist sei, aber er bat zu. verstehen, daß er verpflichtet sei, zu . seinem alten Vater, zu »eilen, . den er 15 Jahre nicht gesehen habe und der sich nach ihm sehne.' “ , « . # Nach reinem von dem Kulturdezernat dargebote'nefi Abendessen, begann» ein von Tmo Moskowitez vorbereitetes Kabarett. deut sches Urteil seinem Am 8. Oktober fand vor der Strafkammer des führte Rechtsanwalt Dr. Weinberg in Landgerichts Paderborn die Verhandlung in Plaidoyer etwa folgendes aus:, einer der erste'n Sachen statt, die die Juden- „Meine Herren! Dieser Fall führt Uns zurück Verfolgung zum Hauptgegenstand hat und in in die politisch traurigste und kulturell trostidseste Zeit in der deutschen 'Geschichte/ Verder britischen Zone* zur Aburteilung kam. Folgender Tatbestand lag zu Grunde: gebens wird <jhe Nachwelt oder einen weißen Flecken einen Lichtblick in den Annalen Mademoiselle Andree Dreifuß, die eigens ■ £ . aus Koblenz‘zu dieser Tagung gekommen war, 'Von der vierköpfigen Familie Siegfried W. m , überbrachte die- Grüße der iüdierhen Tugend Warburg war'nur der Sohn, . Erich W., dem. der -deutschen. Ge,schichte, dieser Jahre, suchen. Frankreichs und gab der Ausdruck, Tode'.entronnen. Er erstattetenacRseinerRück^ Diese, deutsche .Geschichte ist nur mit Blut daß reeht: bald ein persönlicher Kontakt zwi- Anzeige gegen den Pferdehändlern, und^ Tranen geschrieben. _ Es ^st die Zeit des sehen den französischen Jugendorganisationen Sauser in Warburg wegen .räuberischer Ergro . - , und der heute gegründeten Organisation her-. Pressung seinen ums Leben gekommenen Eine kleine wahre und traurige Begebenheit gestellt werden würde. ■ ■ " . . Eltern. , , möge es Ihnen veranschaulichen: ‘ Dipl-Ing Zajf vom Zentralkomitee Bergen- Sauser soll die Familie W. schon seit langen Carl v. Ossietzky, der Nobelpreisträger, saß Belsen hielt ein Referat über, die Entstehung Jahren mit Belästigungen und Bedrohungen um diese Zeit im KZ Esterwege und empfing verfolgt haben. dort unter Aufsicht von SS den Besuch eines Im März 1938 . soll Sauser mit zwei weiteren amerikanischen Journalisten. Dieser wollte SA-Leuten in die Wohnung von W. gewaltsam . Ossietzky gerne Lektüre besorgen-und fragte eingedrungen, den Siegfried W. geohrfeigt, die: nach seinen .Wünschen. „Ach,*, erwiderte ganze Familie terrorisiert. Fensterscheiben, Ossietzky, besorgen Sie Spiegel, Garderobe etc. zertrümmert unddie Bürotür. mit Gewalt eingetreten haben. Er soll Siegfried' W. mit in das Büro genommen und von ihhi 10 000 RM.,. mit denen er verschwand, erpreßt haben des Zionismus. (Dieses ausgezeichnete Referat werden wir in der nächsten Ausgabe veröffentlichen. D._ Red.) Zäjf überbrachte die - persönlichen Grüße Josef Rosensafts, der leider am Kommen verhindert war. - Bernhard Zolty (Düsseldorf) stellte unter Beweis,, daß er nicht nur ein ausgezeichneter Journalist,-sondern auch ein guter Redner ist. In seinem Referat „Die Aufgaben der jüdischen Jugend“ appellierte' er an das Verantwortungsbewußtsein der!J"gend und erklärte mir nur eine Abhandlung über die Geschichte Deutschlands im Mittelalter*. — Die SS-Leute fanden an der/Unterhaltung nichts zu beanstanden,. aber der Amerikaner hatte verstanden. 1 i \ ’ Meine Herren, man maß Jude oder politisch In der Hauptverhandlung bestritt S, seine Tä- Verfolgter; sein, um die Atmosphäre des Jahihnen den Weg, der begangen 'werden muß’' terschaft. Der »eidlich als Zeuge vernommene res 1938 zu spüren ünd ganz zu erfassen and — -f ' ri .11 i i 1 —,411 KnKon 11YY1 Hl IO CO 'RpTTTOI llfT» »Vl TTl fr WlirrH^PTI .711 knnwenn sich die jüdische Jugend selbst zur bewußten und tatkräftigen Jugend erziehen will. Die Ausführungen zeigten daß dieser junge Mensch über ein großes Wissen verfügt. Es ist zu hoffen, daß er diese Wissen nun auch Sohn will ihrT. aber genaü erkannt haben und. seftie Aussage wurde in Nebenpunkten' von verschiedenen Zeugen bestätigt. Als Augenzeuge lebt allerdings nur noch Erich W, ■ Nach mehrstündiger Verhandlung beantragte der Jugend immer und überall zur Verfügung‘.der Staatsanwalt gegen den Angeklagten S. 6 Jahre Zuchthaus unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. : | ■ stellt. Inge Goldsehmidt (Köln) hielt ein Referat, in dem sie an die alte jüdische Literatur anknüpfte und durch sie bewies, mit welchem Freiheitswillen die Jugend seit Jahrhunderten nach ihrem L#nd — Erez — strebte. Sie zog Vergleiche zwischen den jüdischen Helden des 17. und 18. Jahrhunderts und. unseren „Exodüs“-Menschen. . . - ‘ Gustav Karchinierow der Leiter des Kulturdezernates in Düsseldorf, hielt einen Vortrag über die Entstehung und Arbeit des. Kibbpz*. Durch sein gut; auf gebautes Referat schaffte er unt,er den jungen Menschen, die bisher die Bedeutung der Kibbuz* hoch nicht verstanden hatten, die erforderliche Auf klä-, •rung. Seine Ausführungen wurden mit großem Applaus aufgenommen. •. In der sich dann anschließenden Diskussion sprach Eva Rudberg über den neuen Kibbuz in Neustadt, den sie vor kurzem besucht hat. In der uns bereits bekannten netten Art schilderte sie die Einrichtung dieses Kibbuz*, die technischen Möglichkeiten, die durch- »die 1 Fachschulen geboten werden würden und die Schönheit der Landschaft, in der dieser neue Kibbuz liegt. ( Sie'forderte die Jugend auf, sich zu melden; Sie ’ zerstreute Bedenken, die von einzelnen Fragestellern geäußert wurden und sie verstand es, die gichtigen Worte für die Not- Der Verteidiger bestritt in der Hauptsache cfie Glaubwürdigkeit des Zeugen Erich W. und beantragte Freispruch. Rechtsanwalt Dr. Weinberg aus Düsseldorf hatte die Interessenvertretung des als Erbe geschädigten Erich W. übernommen und wurde im Termin als-solcher zum Verfahren zugelassen. Der Verhandlung wohnte ein aus London anwesendes Mitglied. einer Kommission der UNO , als Beobachter bei* Unter größter Aufmerksamkeit des Gerichts um diese Beweisaufnahme würdigen . zu können.“ Der Anwalt befaßte sich dann eingehend mit den Hauptergebnissen der Beweisaufnahme, insbesondere mit den Zweifeln des Verteidigers an die Glaubwürdigkeit des Zeugen Erich W. Er Erklärte auch, wie es überhaupt zur Erstattung der Anzeige kam. Einen bezeichnenden Einwand des Angeklagten, er sei gar kein Judengegner und habe sogar Juden Fleisch geliefert und sogar einmal einen Juden von der Landstraße her in seinem Wagen mitge- .nommen, fertigte der Anwalt mit den Worten ab: „Auch ein Mörder streichelt schon mal ein Kind.** - . - . ,; / Er fuhr dann fort: „Meine Herren, es genügt nicht, den nackten Tatbestand dieses Verbrechens'klar zu legen und die. Beweisergebnisse zu prüfen. Ich erachte * es als meine •Hauptpflicht, die Hintergründe dieser Frevel- Uns liegt die erste 64 Seiten starke Ausgabe der neuen MONATSZEITSCHRIFT „ItBifdien tarn Jßitßn" - Jüöifte Igbßn ~ Jüöiftlißs HUfßn vor. Wir finden darin bemerkenswerte Beiträge vo Dr KurtTewin, Dr. ArthurAsch, Ralph Gior« dano, Max Witzenbausen, August Kruhm, Albert Reimanri/Dr. H. G. van.Dam, Fva Siewert, Fritz Rüben Rothgießer, Alice Stein/Landesmann u. v. a. m, — Ein Probeexemplar kann gegen Voreinsendung von RM. 1.50 auf Postscheckkonto Ludwigshafen 5961 durch den Humanitas Verlag G. m. b. H., Koblenz. An dei LiebfraÜenkircbe 11, bezogen werden. Die Abonnements* gebüren betragen einschl. Pofto fü^'Inland,; 6Monate Ri^) 10.20; 12MonateRM 19.10; für Ausland (vorläufig nur England und USA) 6 Monate RM» 11.60; 12Monate 'RM. 21.60 Alle Zuschriften, Abonnementsbestellungen und Manüskriptsendungen sind direkt an den Humanitas Verlag GmbH.,Koblenz.An der Liebfräuenkirche 11 zurichten. Zahlungen bitte nur auf ^as Postscheck* konto des Verlages: Ludwigshafen 596T vofnehmen. des World fewish An den Vorsitzenden des Rates des Zentral-Komitees der befieiten Juden, in der/britischen Zone, . Bremen. . ’ Seh'r geehrter Herr Katz! Aus einem Bericht der Exekutive des Zentral- Kömitees erfahren wir, daß Sie zum Vorsitzenden des Rates der Juden, in der britischen Zone Deutschlands gewählt wurden.' In dieser Eigenschaft werden Sie die' Geschäfte des Rates leiten, in dem Vertreter von zirka 20 jüdischen Gemeinden oder Kreis-Komitees vertreten sind. Die, Exekutive des Jüdischen Welt-Kongresses beglückwünscht Sie zu dieser Wahl und spricht die Zuversicht aüs, . daß Sie und der Rat, zusammen jmit IhreV Exekutive, der Affilieyung' des Zentral-Komitees mit dem Jüdischen . Welt-Kongreß Inhalt geben Werden. , '; . /; » Wir schließen hier eine Kopie unseres Briefes an die Exekutive bei für Ihre Information und für die Information der Mitglieder des Zentralrates. , Bitte wollen Sie in der ersten Sitzung -des Zentralrates die herzlichsten Grüße des Jüdischen Welt-Kongresses an den Zentralrat und an unsere Brüder in Ihrem Gebiet übermitteln. Mit Achtung und herzlichem Gruß gez. Dr. I. Schwarzbart , Mitglied der Exekutive <; Leiter des Organisations-Department. - F tat zu beleuchten . Und klar zu legen. Diese Hintergründe sind persönliche Beweggründe gemeinster, Art, unmenschliches Handeln, Haß. Rassenhaß und Befriedigung niedrigster Instinkte. Der Angeklagte bewegte sich ganz' im Rahmen der damaligen Bewegung, die auch ihm allein'.Rückhalt ünd Mut gab. Deshalb stehtnicht nur der Angeklagte vor Gericht. Mit ihm, und in ihm ist diese ganze Clique . angeklagt, .dasganze Untermenschentum , des Jahres 1938. Der Angeklagte ist der Prototyp dieser* Untermenschen. ,Sein' Verhalten und seine Tat sind ein Vorläüfer der Ereignisse des** 9. November 1938. Er und s'eine Parteigänger sind es, die1 den deutschen Namen geschändet haben. Er und seine Parteigänger* sind es, die dem Ausland die Augen über die wahren Vorgänge geöffnet haben.; Er und seine Parteigänger sind es, die Deutschland nicht nur an den Abgrund geführt, sondern es tief in den Abgrund gestürzt haben. Er und seine Parteigänger tragen die Schuld , für all* das Blut, das vorher undnachher vergossen würde. Er und seine Parteigänger sind es, die geschriebene und urige- , schriebfene Gesetze Verletzt' und verhöhnt haben. ■ . ' Einen Juden oder ‘ den Angehörigen, anderen Rasse nicht zu lieben ist reine Privatsache. Aber' solche Menschen anderer Rasse zu berauben,, zu foltern, zu. mißhandeln und zu Tode zu bringen, ist Sache der Oeffentlichkeit ‘ und gehört vor das Tribunal. Deshalb trifft, den Angeklagten nicht einfache, sondern vielfache schwerste. Schuld. Und diese Schuld schreit nach Sühne und muß gesühnt werden.; _ Auf das Urteil, meine Herren, warten nicht, etwa nur Warburg oder Paderborn oder noch .weitere Kreise der Bevölkerung. Auf dieses Urteil warten all die Menschen, Jie sich noch .ein Gefühl für Würde und Anstand bewahrt haben. Auf dieses Urteil wartet,euch das Ausland. Das Ausland kennt die Fälle Garbe, Thlessen, Behring, Hamnibal u. a. m., Fälle, die das Vertrauen in die deutsche Rechtsprechung nur -nodh weiter erschüttern können. . Meine Herren, Ihr Urteil soll, und muß diese böse. Serie äbschließen. Ihr Urteil muß zeigen, daß es noch Richter in Deutschland gibt. Der Angeklagte genießt den. Schutz eine? demokratischen, unbeeinflußten'' und nicht von . einem Reiqhssicherheits-Hauptamt dirigierten Rechtsprechung. Honst stünde er' nicht iebend und gesund hier vor Ihnen! . , Er: ist allerdings zu feige, sich zu einer Tat zu bekennen, ' deren/ er sich früher einmal gerühmt hat! ' Die volle Schwere des Gesetzes nuß ihn treffen. Nicht allein nach den Bestimmungen -des Strafgesetzbuches, sondern auch nach denen des Kontrollrats- Gesetzes Nr. 10. Ich beantrage, den Angeklagten auf das schwerstezu bestrafen. Für ■ eine mildere Beurteilung seiner, Freyeltat ist auf keine Weise und nach keiner Richtung hin irgendein Moment auffindbar. Von seinem Frevel kann man das Dichterwort sagen: ,Es ist* der Fluch der bösen Tat, daß sie fortzeügend Böses muß gebärt*. , Außer der Bestrafung beantrage ich, den Angeklagten zu verurteilen: - - ' 1. zur Zahlung einer Buße von 20 000 RM., 2. zur Rückgabe von 10 000, RM. als unrechtmäßig erworbenen ' Vermögens, gemäß Kontrollratsgesetz Nr. 10, Art. II, 3, *. Fiat Justitia!“ Die Strafkammer verkündete zwei Tage _ spater'in einer für unsere Begriffe unglaublicher) Begründung ein. freisprechendes Urteil. Die Staatsanwaltschaft hat, wie wir-erfahren, Revision eingelegt. : Hammermann.- Warburg. ftUAftP lUOWtf MEKKUR-ÖROÖERIE UND FARBENHAUS 'STANDARD* GROSS «TANKSTELLE Düsseldorf, Gartenstraße 137, Ruf: 18471 Filiale: Ui^teiräther Straße 11, Ruf: 24860 Gaststätte Inh. Fritz Boy WUPPERT AL*EJ-BER FELD U.alvinstraße und Kirchplatz — Ruf 37213