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Central-Verein-Zeitung · 1936-06-04 · 23 (4.6.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
23 (4.6.1936)
Date
1936-06-04
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 23. * 2. Beiblatt 4. Juni 1936 m.LIOGRAPHIE d&MudjLAcheri 'wupouju (3. Fortsetzung und Schluss.) B. Amerika Isaak Heinemann Zum 60. Geburtstag am 5. Juni Von Professor J. Elbogen „Professor Heinemann unter den Sechzigern?" So werden viele verwundert fragen, die durch die jugendliche Frische und das feurige Pathos seiner Beredsamkeit sortgerissen werden. Er gehört zu den beliebtesten und begabtesten Rednern, die heute über Fragen des Judentums sprechen, er bringt dafür die besonderen Voraussetzungen einer universellen Bildung mit. Sein Studienfach war die klassische Philologie — die bis zum heutigen Tage seine Liebe geblieben ist —, in der er u. a. von einem Meister wie Ulrich v. Wilamowitz-Möllendorff die wertvollsten Anregungen erhielt. Etwa zwei Jahrzehnte unterrichtete er an dem von seinem Vater begründeten bekannten Frankfurter Institut vornehmlich Literatur- und Kunstgeschichte und vertiefte sich in den Geist der deutschen Klassiker. In einer streng traditionellen Erziehung hatte er von Jugend aus den Gehalt des jüdischen Schrifttums, des biblischen und des rabbinischen, in sich ausgenommen. Die Möglichkeit, sich ganz der Wissenschaft zu widmen, bot ihm seine 1917 erfolgte Berufung an das jüdisch-theologische Seminar in Breslau, wo er die Philosophie des Judentums und die Homiletik übernahm. Seine Forschungs- und Publikationsarbeit konzentrierte er auf den jüdischen Hellenismus und in erster Reihe auf dessen lichtvollste Gestalt, Philo von Alexandrien. Die Uebersetzung der Werke Philos, an der er schon früher mitgearbeitet hatte, übernahm er nach dem Tode Leopold Cohns als Leiter und führte sie, unter großen Schwierigkeiten, bis zum glücklichen Ende fort. Der Persönlichkeit des Philosophen gilt seine tiefschürfende Untersuchung über „Philos griechische und jüdische Bildung".- Um die Grundlagen der hellenistischen Philosophie zu ergründen, hatte er sich mit dem universalen Gelehrten befaßt, dessen große Bedeutung erst neuerdings entdeckt worden ist, und „Poseiüonios' metaphysische Schriften" klassisch analysiert. Von anderen Forschungen, die sich mit der Berührung jüdischen und hellenischen Geistes befassen, zu schweigen, sei hier nur sein letztes Buch erwähnt, welches die Allegorietik im Hellenismus und im Midrasch behandelt. In Anerkennung seiner Verdienste um die Förderung der klassischen Philologie berief ihn die Breslauer Universität zum Honorarprofessor, bis 1933 hat er auch dort vielbeachtete Vorlesungen gehalten. Seit 1920 ist Heinemann Schriftleiter der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", der ältesten und vielseitigsten Zeitschrift, welche Probleme des Judentums wissenschaftlich behandelt. Seine Ausgabe ist eine dornenvolle, da er möglichst allen Gebieten dieser weitverzweigten Forschung gerecht werden, dabei die Zeitschrift lebendig gestalten und nicht nur den Fachgelehrten, sondern auch dem weiten Kreis der jüdischen Gebildeten zugänglich machen will. Denn Heinemanns Interesse ist nicht ausschließlich der Wissenschaft zugewrndt, es ist im besten Sinne des Wortes lebensnahe, es gibt kein Gebiet des aktuellen jüdischen Lebens, das nicht seine Aufmerksamkeit und seine Förderung findet. In dieser Atmosphäre der Aktivität ist er ausgewachsen, sein Vater gehörte zu den Männern, die im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts das rege jüdische Leben der Frankfurter Gemeinde erweckt und die dortige Gemeindeorthodoxie unter Führung von Rabbiner Dr. Markus Horovitz ausgebaut haben. Nach dem frühen Tode seines Vaters hielt er es für eine Ehrenpflicht, dessen Wirksamkeit fortzusetzen, und dank seiner vielfettigen Begabung gehörte er schon in jungen Jahren zu den markantesten Gestalten der altehrwürdigen Gemeinde. In Breslau setzte er sein Wirken fort, bald wurde er zum Mittelpunkt, um den die thoratreuen Kreise der Gemeinde sich scharten, insbesondere die jüdische Schule hatte in ihm einen der zielbewußtesten, tatkräftigsten und sachkundigsten Vorkämpfer. Auch außerhalb der Gemeinde trat er überall in die Bresche, wo es galt, die geistigen und religiösen Interessen des Judentums zu fördern, die Erziehungsaufgäben zum Bewußtsein zu bringen; die Bne-Briß- Logen, der Central-Verein konnten stets aus seine Mitwirkung rechnen, seine populären Vorträge, die vielfach im Druck erschienen, haben eine nachhaltige Wirkung erzielt. So hat Heinemanns beschauliches und tätiges Leben sich ergänzt, ihn zu tiefer Beeinflussung des Judentums unserer Zeit befähigt und Anspruch auf unsere Dankbarkeit erworben. Als Dreiundzwanzigjährigen habe ich ihn kennengelernt, er besitzt heute noch die geistige Beweglichkeit und.Empfänglichkeit, die ihn in jenen glücklichen Tagen der Jugend ausgezeichnet haben. Es ist unser aller aufrichtiger Wunsch, daß sie ihm erhalten bleiben; ich möchte ihn in das Wort des Wochenäbschnittes kleiden: Ken jihje tamid! „Nach'lath Z'wi“, eine Monatsschrift für Judentum in Lehre und Tat Wer nur die Inhaltsübersicht des letzten Heftes der von der Rabbiner-Hirsch-Gesellschast im Verlag David D r o l l e r, Frankfurt a. M., herausgegebenen Zeitschrift überfliegt, wird allein durch die Vielseitigkeit der behandelten Themen interessiert. Am stärksten fesselt der Beitrag des Führers der Agudas Jisroel, Dr. Jsaac Breuer mit seiner dort abgedruckten Rede „Hundert Jahre 19 Briefe", die er anläßlich der Jahrzeit-Gedenkseier für Rabbiner Hirsch gehalten hat, und in der er beweist, daß die vor 100 Jahren aufgeworfenen Fragen „Was bin ich denn als Jude? Was ist Judentum?" in ihren Motiven und Antworten heute so aktuell sind wie damals. Der Rückblick auf die vergangene Epoche wird fortgesetzt durch Rabbiner Dr. Raphael Breuers Beitrag über „Die geschichtlichen Aufgaben der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" und seinen Aussatz „Der Kampf gegen die Assimilation in Ost und West". Dort heißt es unter anderem: „Die Eigengesetzlichkeit der beiden jüdischen Külturkreise wird gegenseitig vielfach noch immer nicht anerkannt", eine Tatsache, die wohl kein Kenner der Verhältnisse anzweifeln und nicht beklagen dürste. — Das Jubiläumsjahr der „Freien Vereinigung" gibt Rabbiner Pinchas K o h n, dem alten, verdienstvollen Leiter der Agudas Jisroel, I. Bibliographien und Quellen 1. R. Schneider: Bibliography of Jewish life in the liction of America and England. Albany 1916. 2. E. Deinard: Quohelet Ameriqua. (Catalogue of Hebrew books printed in America from 1735—1925.) Saint Louis 1926. 3. A. 8. Rosenbach: An American Jewish Bibliography, (Being a list of books and pamphlets by Jews or relating to them, printed in the United States from the Establishment of the press in the colonies until 1850.) New- York 1926. Die Bibliographie über die einzelnen amerikanischen Staaten und Städte findet sich in „The Jewish Encyclopedia“ und zwar bei den Artikeln über die einzelnen geographischen Namen, z. B. Mexiko, Chile, New- York, Philadelphia usw. Ferner ist ausserordentlich viel Material zur Geschichte der Juden in Amerika und den Einzelstaaten in den „Publications of the American Jewish Historical Society.“ (Bisher 33 Bände, 1893 ff., in dieser bibliographischen Sammlung abgekürzt mit „Public“) enthalten. II. Gesamtdarstellungen über die Juden in Amerika 1. Isaac Markens: The Hebrew in America. New-York 1888. 2. M. Kayserling: Christoph Kolumbus und der Anteil der Juden an den spanischen und portugiesischen Entdeckungen. Berlin 1894. 8. M. Peters: The Jews in America. Philadelphia 1905. 4. Karl Knortz: Das amerikanische Judentum. Leipzig 1914. 5. Samuel Joseph: Jewish Imigration in the United States from 1881 to 1910. New- York 1914. 6. Mary Antin: Vom Ghetto ins Land der Verheissung. Stuttgart 1914. 7. M. Katz: Di judize färmerej in Ameriqua. Warschau 1917. 8. Burton I. Hendrick: The Jews in America. London 1923. 9. Sam. Mac Call: Patriotism of the American Jew. New-York 1924. 10. George Cohen: The Jews in the making of America. Boston 1924. 11. Joseph Leiser: American Judaism (The religion and religious institutions of the Jewish people in the United States.) New- York 1925. 12. Chajirn Bloch: Das jüdische Amerika. Wien 1926. 13. Raisin: Israel be Ameriqua. Tel-Aviv 1928. (Hebräisch!) 14. Anita Lehman Lebeson: Jewish pioners in America (1492—1848). New-York 1931. 15. L. I. Levinger: A History of the Jews in the United States. Cincinnati. 1931. 16. Peter Wiernik: History of the Jews in America. New-York 1931. 17. P. Massermann and Max Baker: The Jews come to America. New-York 1932. 18. Philipp Cowen: Memories of an American Jew. New-York 1932. 19. L. M; Friedmann: Early American Jews. Cambridge 1934. III. Darstellungen einzelner Verhältnisse der Juden in Amerika 1. B. Felsenthal: Jüdisches Schulwesen in Amerika. Chicago 1866. 2. Rieh. Gottheil: Columbus in Jewish literature. Public. II. 1894. 3. M. Kayserling: The earliest rabbis and Jewish writers of America, Public III. 1895. 4. Simon Wolf: The American Jew as Patriot, saldier and Citizen. Public III. 1895. 5. Max I. Köhler: The Jews and the American anti-slavery movement (in Public V. 1897). 6. I. D. Eisenstein: The History of the first Russian American Jewish Congregation. (In Public, vol. IX. 1901.) 7. Max I. Köhler: The German Jewish Migration to America. Public, vol. IX. 1901. 8. Max I. Köhler: Jewish activity in American colonial commerce (in Public. X. 1902). 9. M. Strook: Switzerland and American Jews (in Public, vol. XI. 1903). 10. Isaac Markens: Lincoln and the Jews. Public, vol. XVII. 1909. 11. Charles Seligmann Bernheimer: The Russian Jew in the United States. 1905. 12. Lee I. Levinger: Antisemitism in the United States. (Its history and causes.) New- York 1925. 13. H. S. Baron: Haym Salomon. Immigrant and Financier of the American revolution. New-York 1929. 14. Charles Edouard Rüssel: Haym Salomon and the revolution. New-York 1930. IV. Staaten und Städte 1. Max I. Kollier: Beginning of New-York Jewish history Public I. 1893. davIdsstern Eine Filmidee von Käthe Wienskowitz (6. Fortsetzung) „Glaubst du, Hochehrwürdiger und Erhabener, mein Söhnchen Tfching hätte die Terrassen des Todes nicht erstiegen, wenn ich zu dem Unsichtbaren, von dem es kein Bildnis gibt, gebetet hätte? Weshalb haben Moses und seine Propheten dir höchst weisem Greis denn nicht beigestanden, dein Gelübde zu erfüllen? Und weshalb hat dein Etunoi es zugelassen, daß ich damals den Brief des überaus klugen Herrn Usebeck zerriß, um ihn als Reiterchen für meine Drachenschnur zu verwenden? Aber was willst du denn? Wir haben doch später die Papiersetzchen wieder gesammelt und nach Dee-Ko (Deutschland) geschickt, wie dein würdevoller Freund es wollte! Bin ich etwa schuld daran, daß das Reich deines unsichtbaren Gottes in unserer Heimat sein Ende fand? Konnte er es denn nicht schützen, wenn er so allmächtig ist, wie du sagst?" Darauf will ich dir eine Antwort geben", erwiderte der Greis mit dem schneeweißen Zopf, der sonderbar von dem gebräunten Gesicht abstach, „weil der rechte Mann gefehlt hat, der den Glauben unserer Väter, deiner überaus erhabenen Ahnen, in unseren Metrischen lebendig erhalten konnte. Bernhard Usevcck, der Mann aus Dee-Ko, der ebenfalls Hebräisch wie Chinesisch sprach, war der letzte. Und als er nicht mehr war, strebte alles von Kai-song-su fort, um sich über das ganze Reich auszübreiten... Was aber den Brief betrifft, du größter Dummkopf unter den Lebenden, so hat er zwar nach dem letzten Willen des Toten wahrscheinlich seinen Bestimmungsort erreicht, aber ohne die wichtigen Papierfetzen, die der Sturm von deiner Drachenschnur abgerissen und sortgetrieben hat." Der letzte Schammes von Kai-song-su schwieg bekümmert. Noch immer bedrückte ihn der Schmerz, daß er dem Freund übers Grab hinaus nicht seinen letzten Wunsch erfüllen konnte. In einer Steinhöhle hatte Usebeck das kostbare Heiligtum ausgespürt und Lian, als den Hüter jüdischer Tradition, unverzüglich von seinem Fund in Kenntnis gesetzt. Diese Jahrhunderte hindurch verloren geglaubte Tora, ein Werk jüdischchinesischer Kunst, war nicht die übliche Schristrolle, die um hölzerne Stäbe gewickelt ist. Das Pergamentpapier mit den heiligen Textworten war vielmehr fächerartig angeordnet, die Fassung bestand aus lichtgrünem Jadestein und geschmiedetem Rotgold. Eine weitere Eigenart dieser Tora war, daß darin das Andenken dessen, der sie geschrieben, geehrt wurde, indem etwa dem Schluß der Genesis ein Anhang angesügt war, der folgendermaßen begann: „In der Stadt, die ursprünglich Pienlang hieß, in der heiligen Stadt „Kai-Fung- Foo" (ursprüngliche Schreibweise), ist durch Hilfe des Himmels das Gesetz, das 53 Parafchen enthält. O Israel! Der Anfang des Gesetzes ist abgeschrieben im Jahre 1933 seleucidischer Zeitrechnung (das ist 1622 der heutigen Zeitrechnung), im Monat Ab. am ersten Wochentag, am dritten Tag des Monats. Das Schreiben des ganzen Gesetzes wurde beendet im Jahr 1937, im Monat Jjar, am vierten Wochentag, am zwölften Tag des Monats. Unser Lehrer und Meister Rabbi Jacob, Sohn des Rabbi Obischai, Enkel des Rabbi Eldad, Schreiber und Schulmeister, hat es beendet. Völlig beendet hat es Rabbi Schade. Sohn des Rabbi Jacob." Und der Schluß lautete: „Gesegnet seist Du bei Deinem Eingang und gesegnet bei Deinem Ausgang. Er, (Abraham), war sehr reich an Vieh und Silber. Aus Deine Hilfe vertraue ich, o Herr!" Diese kostbare Tora war herrenlos, seitdem eine jüdische Gemeinde in Kai-song-su nicht mehr bestand. Den paar armen, hungernden Juden, die noch in der Stadt ihr Leben fristeten, hatte der Finder des Heiligtums dadurch geholfen, daß er nicht die kostbare heilige Schrift, sondern ein Dokument aus der Dynastie Ming zugunsten seiner Glaubensgenossen verkaufte. Seltsam, die Tora war offenbar dazu bestimmt, immer wieder Retter in der Not zu werden. Freilich schien es im Augenblick, als ob die Juden in dem kleinen Ort an der polnischoberschlesischen Grenze wenig Aussicht hätten, in den Besitz ihres Erbes zu kommen. _ Das erregte Gespräch zwischen Lin und seinem Sohn wurde plötzlich unterbrochen. Mit allen Anzeichen der Bestürzung erschien eine alte Frau auf der Schwelle. Sie sah sich ängstlich um, bevor sie auf verkrüppelten, von Leinwandbinden umschnürten Füßen heranhinkte — ein Zeichen ihrer hohen Abstammung. Erst als sie sich nochmals versichert, daß niemand in der Nähe war, und die mit Reispapier an Stelle des Glases versehene Tür hinter sich zugeschoben hatte, sprudelte sie hastig flüsternd hervor: „Mögen mein gelehrter, überaus würdiger Gatte, und mein wohlerfahrener, ältester Sohn es meiner Unwissenheit und schlechten Erziehung zugutehalten, wenn ich ihre Unterredung unterbreche. Draußen sitzt ein Fremder mit einer überraschenden Botschaft. Er sagt, er komme aus Dee-Ko, heiße Aaron Hartmann und verlange den Depotschein, um die Tora abzuholen. Er sei ein naher Verwandter des unendlich weisen Herrn Hartmann, des Onkels unseres Wohltäters Usebeck ..." Vater und Sohn waren aufgesprungen. Während der junge Mann wie versteinert zur Tür blickte, krampfhaft bemüht, die Maske der Teilnahmslosigkeit, die jeder Chinese trügt, zu bewahren, war der Alte bereits gemessenen Schrittes hinausgegangen, den längst erwarteten Bevollmächtigten gebührend zu begrüßen. 13. Lin, der Brätttigam der kleinen Wan-Eul arrs Peiping, war ein Mann von Welt. Jahrelanger Aufenthalt in den Getreidezentren Amerikas tmd Europas hatten den Sohn des Fernen Ostens zu einem Menschen mit internationaler Einstellung gewandelt. Sein Haus, am Rande des Ausländerviertels, das sich seit einiger Zeit in Lan-tschou aufgetan, war mit westlicher Kultur und amerikanischer Bequemlichkeit eingerichtet. Als Senta den Besuch, den Liu ihr und Rex Flowerbrink im Hotel abgestattet hatte, erwiderte, war sie von seiner Häuslichkeit aufs angenehmste überrascht. Auch mit ihm zu Plaudern war anregend, um so mehr, als sie während dieser Zeit die Rolle der taubstummen tai-tai mit der gerne Plaudernden Dame vertauschen durfte. . Bei dem chinesischen Abendessen, das Liu seinen Gästen an dem vollendet europäisch gedeckten Tisch gab, flogen Sentas Gedanken immer wieder nach Unterzoßnitz zurück. Vor ihr standen etwa vier Dutzend winzige Schüsselchen auf der Tafel, jedes mit einer anderen Delikatesse gefüllt. Tigerknochenwein aus dem äußersten Süden Chinas wurde dazu getrunken, und neben Reiswein auch französischer Sekt und Marsala aus Spanien. Bei dem Gedanken an ihre Glaubensgenossen in Unterzoßnitz schämte sich Senta 'ein wenig, daß es ihr so gut ging, während die armen Menschen zu Hause darbten. Als der Gastgeber sich für kurze Zeit ent-

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