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Central-Verein-Zeitung · 1936-02-13 · 7 (13.2.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
7 (13.2.1936)
Date
1936-02-13
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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Westen) 25,45 Punkte;?. Männer-Hochreckriege (Abteilung Mitte) 24,07 Punkte. — Frauen: i. Barrenriege (Abteilung Mitte) 22,28 Punkte; 2. Sprungkastenriege (Abteilung Mitte) 20,36 Punkte; 3. Schwebebankriege (Abteilung Mitte) 20,1 Punkte. — Mädchen: Barrenriege I (Jugendabteilung Mitte) 23,08 Punkte; 2. Barrenriege II (Jugendabteilung Mitte) 22,89 Punkte. — Knaben: 1. Bodenturnriege (Jugendabteilung Mitte) 23,1 Punkt": p. Stiitzreckriege (Jugendabteilung Mitte) 22,25'Puntie. . _ M. F. Rheinland-Westfalen Zum dritten Male: Bonn Die Fußballmeisterschaft des Bezirks Mittelrhein im RIF ist entschieden. Zum dritten Male wurde die Mannschaft aus Bonn mit dem Meistertitel ausgezeichnet; nun kann sie sich darauf vorbereiten, den Titel des westdeutschen Verbandsmeisters, den sie ebenfalls trägt, erfolgreich zu verteidigen. Gegen Düren zeigten sich die Bonner wieder in ausgezeichneter Form. Bereits Lei der Pause hatten sie mit 5 :0 den Sieg bombensicher in Händeü. Die Dürener nahmen dann eine geschickte Umstellung vor ünd vermieden dadurch eine zweistellige Niederlage. 7:1 hatten die Gastgeber am Schluß des fairen Treffens gewonnen. Es machte nichts aus, daß die zweite, Mannschaft ihren Dürener Kameraden mit 1:3 unterlegen war. In Düsseldorf gab es ebenfalls eine größere Anzahl Tore, aber die Verteilung war hier besser. Die Düsseldorfer schossen nämlich vier und die M- Gladbacher drei, wodurch die Düsseldorfer, den zweiten Tabellenplatz fest , in Händen haben. Der Kampf war fair und ausgeglichen. Die Gäste spielten im Angriff sogar etwas besser, aber ihre Verteidigung machte entscheidende taktische Fehler, die der Düsseldorfer Jnnensturm geschickt ansnützte.> Der Sieg war verdient. Die Sportgruppe Trier hat sich wieder eine Fußballmannschaft zugelegt, die zu Hause in einem Freundschaftsspiel gegen eine Kombination von Koblenz-Kastellaun zum ersten Male in Aktion trat. Beiderseits wartete man mit recht guten Stürmerleistungen auf; wenn die Kombination das Zusammenspiel nicht übertrieben hätte, wäre sie wohl nicht geschlagen worden. So mußte sie in eine 5 :4- (3 : 2-)Niederlage willigen, die nach ritterlichem. ünd spannenden Kampf zustande kam: J, G. Wer Wird Verbandsmeister? Da am 22. März der westdeutsche Fußballmeister bereits das Vorrundenspiel um die Reichsmeisterschaft in Nordwestdeutschland bestreiten muß, ist der Termin des westdeutschen Endspiels auf den 8. März festgesetzt. Der Meister des Bezirks Mitte l r h e i n (Bonn) trifft auf den Sieger des Spieles vom 23; Februar oder 1. März (Bochum gegen Westsalenmeister), das in Bochum zum Austrag gelangt. Die Bochumer, Meister des Jndustriebezirks, sollten sich für das Endspiel qualifizieren, vielleicht erreichen sie dieses auch kampflos, denn die Ermittlung'des Westfalenmeisters ist keine einfache Sache.,,. , Im Westfalen bezirk steht nur, ein einziger Platz (in Wiedenbrück) zur Verfügung, sto daß von den nach dem Rücktritt Münsters und Fürstenaus von den Punktespielen verbliebenen vier Mannschaften jeweils zwei in Aktion treten können. Unter Umständen muß also um einem Verzicht vorzubeugen, nach dem 23. Februar der Westfalenmeister „ernannt" werden. Augenblicklich können von den, vier Mannschaften noch drei Meister werden, nachdem Paderborn den Sieg gegen Wiedenbrück verschenkt hatte. Die Päderhorner mußten im Gegenteil froh sein, daß Herbert Brück Der langjährige Hockey- und Eishockey-Internationale des Wiener Eislauf-Vereins, der mit seinem Bruder Walter auch die österreichischen Farben auf den Olympischen Winterspielen 1928 in St. Moritz vertrat und nach seiner Uebersiedlung nach Berlin als Mitglied des damals , berühmten Eishockeyteams des Berliner Schlittschuh-Clubs, dessen Blütezeit als erfolgreicher Stürmer mitmachte, hat sich vor kurzem dem Tennisclub Grunewald in Berlin angeschlossen. Wie Brück unserem N.-F.-Mitarbeiter versicherte, hat er den Entschluß, sich dem jüdischen Sport zur Verfügung zu stellen, keineswegs gefaßt, um neue sportliche Ehren zu erringen. Was ihn allein zu diesem Schritt bewogen hat, ist die Freude am Sport und ein von Verantwortung getragener Wille, der jüdischen Jugend mit der in der langen Zeit feiner Aktivität gewonnenen Erfahrung und dem großen Können, das er sich mit feinen 36 Jahren noch immer bewahrt hat, zur Seite stehen und sie weiterbildcn zu können: Diese selbstlose Einstellung ehrt den Wiener. Der jüdische Hockey- und Eishockeysport jedvch wird sie mit Dank zur Kenntnis nehmen und von ihr Gebrauch zu machen wissest. Ihn zum Vorbild zu haben, kann unserer Sportjugend in jeder Beziehung nur von Nutzen sein; denn außer seiner aktiben Laufbahn, die beispielhafter, d. h. reich an bedeutenden Erfolgen, reich aber auch an .ernsthaftem, von bester sportlicher Gesinnung diktiertem'Training, gar nicht denkbar ist, erscheint seine gesunde Auffassung vom jüdischen Sport überhaupt in gleichem Maße nachahmenswert. 'Es ist ihm aus seiner sportlichen Erziehung heraus unverständlich, unter den heutigen Verhältnissen geradezu unverantwortlich, erfahren tzu müssen, welches Neben- und Gegeneinander die sie ein 3 : 3 erreichten, denn beim Seitenwechsel führte Wiedenbrück noch 3:0. In Fürstenau traf man sich mit Münster in einem Gesellschaftsspiel, das die technisch besseren Gäste klar 5 :0 für sich entschieden. Die Fürstenauer versagten im Sturm vollständig, so daß die Hintermannschaft allzu sehr überlastet wurde. 3.0. Westdeutscher Makkabi-Fussball Am 2. Februar trafen sich in einem Vorentscheidungskampf die beiden westdeutschen Spitzenmannschaften Jtus -Duisburg und Hakoah- Essen um die westdeutsche Makkabimeist erschafft in Duisburg. Trotz des schlechten Wetters hatten sich mehrere Zuschauer eingesunden, die von dem rassigen und stets fair durchgeführten Tressen begeistert waren. Hakoah- Essen, gegenwärtig wieder außerordentlich kampfstark, gewann durch taktisch kluges Spiel aus der Defensive das größtenteils von ihr überlegen durchgeführte Tressen verdient mit 3:0 (1:0). Der beste Mannsäsirftsteil bei Essen war die ausgezeichnete Verteidigung, während im Sturm der stets gefährliche Linksaußen Stern als bester Mann ein fabelhaftes Tor erzielte; die übrigen beiden schaffen v. d. Walde und Jsaack. Durch diesen Sieg steht Essen in der westdeutschen Makkabi-Meisterschaft mit sieben Punkten an der Spitze ,v.or» dem, vorjähriger! Meister M.-Gladbach mit sechs. Punkten, Duisburg, Düsseldorf, Köln und Wuppertal. . M.R. Arbeit der Verbände beherrscht, dort, wo eine bedingungslose Zusammenarbeit am Platze sein müßte. Die Erziehung unserer Jugend zu jüdischen Sportlern seines Schlages ■ mögen sich die Dereiste angelegen sein lassen. Nur dann wird es einmal Streitigkeiten, wie sie jetzt an der Tagesordnung sind, sticht Mehr geben, und die Führer der Verbände können sich in ihrev Arbeit allein auf den sportlichen Teil konzentrieren. Herbert Brück beim Training Foto Herbert Soritienfeld, Berlin Schlesien Winterhilfsspiele in Breslau Zugunsten der Jüdischen Winterhilfe trafen sich am 9. Februar in Breslau eine kombinierte Mannschaft des RJF-Breslau und eine ans Angestellten der Jwria-Bank und jüdischen Gemeindebeamten zusammengestellte Elf zu einem Fnßball-Freundschaftskampf. Das Spiel konnte RIF mit 3 :1 für sich entscheiden. Bis zum Wechsel leistetete die kombinierte Mannschaft harten Widerstand, sodaß RjF nur zu einer 1:0-Führnng durch den Mittelstürmer kam. Aach Halbzeit ließen sie jedoch gegen den starken Wind kämpfend sehr nach; RjF konnte durch Mittelläufer und Halblinks zwei weitere Erfolge erzielen, während die Gegner durch den Halblinken wenigstens noch zum verdienten Ehrentor kämen. Oul. Aus Oberschlesien Am 2. Februar trat die Sportgruppe „Schild"- Beythen zum erstenmal mit ihrer Turngruppe an die Oefsentlichkeit. Vor einem zahlreichen Publiknstr wickelte sich eine Reihe von Darbietungen ab, die die Zuschauer mit starkem Beifall quittiertem Dank der Mitwirkung einiger Breslauer RjFer, die mit Uebungen im Keulen- und Fahnenschwingen sowie im Jiu-Jitsu aufwarteten, sowie der Bemühungen der Turnleiter hatte die Veranstaltung vollen Werbeersolg. F. Mitteldeutsche RjF-Meisterschaftskämpfe Die Frauen von Schild D r e s den traten am 9. Februar gegen Schild H alle an. Das sehr spannende Spiel war völlig ausgeglichen. Ergebnis: 3 :3 (3 :1) für Dresden. Im F u ß b all kampf Schild Dresden I gegen Schild Halle I waren die Dresdener von Anfang an führend, obwohl sie kurz nach Beginn euren Spieler durch Verletzung einbüßten und außerdem mit zwei Ersatzleuten antraten. Das Spiel verues trotzdem fair und schnell. Ergebnis: 10 :0 (5:0) für Dresden. Beide Spiele waren Rundenspiele zur Feststellung der mitteldeutschen Schild-Meister- Ichasten. _ 0.3. Württemberg Freundschaftsspiele in Stuttgart Am 2. Februar hatte der Stuttgarter RjF die A. H.- und die 1. Fußballmannschaft P s o r z - heim zu Freundschaftsspielen eingeladen. Dre Stuttgarter AH. spielten fast nur auf em Tor; das 8 :0-Ergebnis besagt alles. . , . Im Spiel der ersten Mannschaften grng Psorzherm bereits nach zehn Minuten überraschend in Führung. Den Ausgleich besorgte der Stuttgarter Halblinke auf eine genaue Flanke des Rechtsaußen. Bald stand es 2:1 für Stuttgart, aber ein Mißverständnis zwischen Torwart und Verteidiger nutzten dre Pforzheimer aus und schossen kurz vor Halbzeit den Ausgleich. Nach Halbzeit gelang es den Stuttgartern, den ausgezeichneten Torwart der Gäste nur noch ern- Reger Handballbetrieb in Göppingen Auf dem RjF-Platz Göppingen herrschte am 9. Februar Hochbetrieb. Es standen sich im ersten Handballkamps die Jugend von Ulm und Stuttgart gegenüber. Die Stuttgarter Jugend hielt sich mit 10 Mann sehr gut und verlor nur knapp 6 :5 gegen die körperlich kräftigeren Ulmer. Die Stuttgarter Jugend spielte ihr erstes Kampfspiel. Im folgenden Handballmeisterschaftskamps der 1. Mannschaften von Stuttgart und Göppingen gelang es den Stuttgartern zum erstenmal rn Göppingen einen einwandfreien 6:2-Sieg zu erringen (Halbzeit 4 :0). Auf beiden Seiten waren die Torhüter sehr gut, und nur der schnellere und wurfkrästigere Stuttgarter Sturm entschied das Spiel. Zum Abschluß spielten die Frauen von U l m und H e i l b r o n n. Das meist verteilte Spiel gewannen die Ulmer Frauen verdient mit 3:1. Odff. Bayern Nürnbergs Handball-Sieg über Fürth Auf Fürths Platz gab es einen überlegenen Handballsteg der 1. Elf des JTUS Nürnberg über die gleiche des JTUS Fürth mit 7 :2. In dem flott durchgeführten Spiel, das Nürnberg jederzeit in. der Hand hatte, erreichte die Nürnberger Mannschaft bereits bei Halbzeit eine 6:0- Führung^ Dieser Vorsprung schien den Nürnberger» zu genügen; das Tempo ließ nach; dadurch konnte Fürth zwei Tore ausholen. A. M. ■ Der Reichsausschutz jüdischer Sportverbände teilt mit: Zu seinem Beauftragten für Bayern hat der Deutsche Makkabikreis Dr. Hans Cap ell (Nürnberg) und der Sportbund des RjF Alex I ch e n - Häuser (Fürth) ernannt. Leo Hirsch: Kunst als Kulturschöpfung. In der Donnerstag-Reihe „Jüdische Kultur heute"' des Berliner Jüdischen Lehrhauses sprach Leo Hirsch über „Kunst als Kulturschöpsurig". Maßgebend für den kulturellen' Stand einer Gemeinschaft sei, so führte er aus, wie weit die Gemeinschaft als Ganzes unmittelbar an den kulturellen Leistungen aktiv und Passiv beteiligt sei (Chöre des Aeschylos, Gememschaftsmusik, mittelalterliche Kirchenarchitektonik), oder aber wie weit die Kunst ein Sonderleben neben der Gemeinschaft führe (Museum, Konzert). Das Leben der jüdischen Gemeinschaft sei von vornherein gekennzeichnet gewesen durch die Beziehung zu Gott. Vom Geist Gottes seien stets entweder die jüdische Gemeinschaft oder, soweit diese abgefallen sei, einzelne jüdische Menschen.wie die Propheten, erfüllt gewesen. Dementsprechend hätten auch künstlerische Leistungen der Juden ihren Kern stets im Religiösen gehabt. Allerdings feien diese künstlerischen Ausdrucksformen zunächst nur in geringem Umfange anzutressen gewesen. Erst als die Juden ihr eigenes Land verloren hätten, hätten sie größere künstlerische Leistungen, insbesondere aus dem Gebiete der Dichtkunst, gewissermaßen als Kulturersatz, hervorgebracht. Hierbei handle es sich jedoch nicht um eine Kunst im westeuropäischen Sinne, sondern um eine solche, an die man ö st l i ch e Maßstäbe anlegen müsse. Der östliche kulturschöpferische Mensch (wie etwa Laotse) beziehe alle kulturellen Lebensäußerungen in sein Schassen ein, während im Westen die Kulturleistungen in einzelne Gebiete (Musik, Lyrik, Epik) Zerlegt seien. Deswegen wirke die Kultur des Ostens im Gegensatz zu der „geordneten" westlichen scheinbar chaotisch. Im östlichen Kulturkreis habe die kulturelle Einzelleistung stets einen unlösbaren Zusammenhang mit der G e samt kultur. Im Westen hingegen sei sie losgelöst denkbar. In seinen Schlußaüssührungen kehrte Hirsch zu seinem Ausgangspunkt zurück, daß jüdische kulturelle Leistung von einer bestimmten Grundhaltung auszugehen habe, und er legte am Beispiel des zu jüdischem Sein zurückgekehrten Karl W o l s s k e h l dar, welche Geisteshaltung hier einzunehmen wäre. Das Referat zeichnete sich durch die besondere Fülle des zusammengetragenen Materials aus. Trotzdem konnte es in seinem Aufbau nicht in dem erwarteten Maße zur Klärung des schwierigen Problems beitragen. So sehr wir mit seiner Grundauffassung des unlösbaren Zusammenhanges zwischen Gottesgebundenheit und Kunst im Judentum übereinstimmen und gleich ihm der Meinung find, daß auch außerhalb des eigentlichen jüdischen Landes echte jüdische Kulturleistung in diesem - jüdischer Geist Sinne möglich ist, so halten wir doch die von ihm vorgebrachten Einzelheiten für recht anfechtbar. Kann man zum Beispiel Heines Dichtweise in ihrer Spannung .zwischen Pathos und Ironie in Parallele zur östlichen Dichtkunst setzen, oder handelt es sich nicht vielmehr um eine aus der besonderen jüdischen Läge heraus erzeugten Spannung? Sind nicht mitunter ursprünglich religiös geprägte jüdische Kunstformen wie die Semirot vom innersten religiösen Kern vielfach ebenso , losgelöst, wie umgekehrt die Ausführung Bachscher religiöser Musik einen -j^pnzertsaal in ein Gotteshaus verwandeln kann ühd auch verwandelt? Ist schließlich ein Musikleben, das sich in Konzertsälen abspielt, weniger dichterisch aus der Gemeinschaft gewachsen oder weniger kulturell wertvoll als das :,der griechischen Chöre, oder handelt es sich nicht vielmehr um nur verschiedenartige Ausdrucksformen des Gemeinschaftslebens zu verschiedenen Epochen? .. All diese Einzelheiten brauchen naturgemäß die Grundthese Hirschs nicht zu erschüttern. Aber eine anders ausgerichtete Argumentation hätte eine noch befriedigendere Wirkung unter den Zuhörern äusgelöst. Dr. Werner Rosenstock. Eröffnung des Sozial- und Heilpädagogischen Seminars Frankfurt/M. Am 3. Februar wurde in der Aula der Religionsschule, Hermesweg 7, das von der Zentralwohlsahrtsstelle, dem Provinzialverband und dem Jüdischen Lehrhaus errichtete Sozial- und Heilpädagogische Seminar eröffnet. Das Seminar, das zunächst nur mit zwei Lehrgängen beginnt, soll der Erfüllung von zwei Aufgaben dienen. Rabbiner Dr. H o r o v i H hielt die Eröffnungsansprache, in der er die Notwendigkeit einer guten Schwachsinnigen- und Psychopathenfürsorge eindringlich darlegte. Arzt und Pädagoge müssen Zusammenwirken, um diesen schwierigen Kindern zu helfen und. sie vor Verwahrlosung zu schützen. Den hierzu Berufenen das nötige Rüstzeug zu liefern, ist die Ausgabe des Heilpädagogischen Seminars. In einem längeren Vortrag schilderte sodann Professor Dr. B o n d y die zurzeit bestehenden Schwierigkeiten. So gibt es z. B. in Berlin unter den vielen Kindergärten keinen einzigen für Schwererziehbare, keine Hilfsschule usw. Aehnlich ist es überall im Reich. Schwer psychopathische Kinder sind stets eine Gefahr für die gesunde Umgebung. Heute muß ein Kind, das eine solche Gefahr bildet, um der Gesamtheit willen ausgeschieden werden, aus dem Heim, dem Kindergarten, der Schule oder dgl., obwohl man genau weiß, daß es damit um so sicherer der Verwahrlosung anheimsällt, denn es fehlen uns die Einrichtungen, die es dann aufnehmen und bewahren könnten. Professor Bondy zog in seinen weiteren Ausführungen die Grenzen zwischen der Wirksamkeit. des Arztes und der des Erziehers, um aber schließlich die Notwendigkeit beider und die Wege ihrer gegenseitigen Ergänzung aufznzeigen. Er schilderte die verheerende Wirkung der Enttäuschung aus die Persönlichkeit des Erziehers, der, nachdem er seine beste Kraft vergebens eingesetzt hatte, schließlich selbst eine Gefahr für die Kinder werden kann. Dem kann am besten durch eine gediegene fachmännische Ausbildung begegnet werden, die ihn befähigt, das Krankhafte vom Gesunden im Kinde rechtzeitig zu unterscheiden. Aber auch vor der übertriebenen Anwendung des Gelernten sei zu warnen. Nach ihm ergriffen noch die beiden Leiter des Lehrgangs, Dr. med. Max Meyer und Dr. med. Arnold M e r z b a ch, das Wort, um eine kurze Disposition ihrer Arbeit und die Aufteilung des Stoffes unter die beiden Referenten darzustellen. Das Seminar ist auf voraussichtlich 3 bis 4 Semester berechnet und soll später auch mit praktischen Uebungen verbunden werden. Lehrhaus Wiesbaden In dem Zyklus „Jüdische Religion gestern und heute" sprach Rabbiner Dr, Grünewald, Mannheim, über: „Werdende Religion in P a l ä st i n a". Der Redner suchte in seinem Vortrage zunächst die spezifisch jüdischen Religionseleinente von den Religionsvorstellungen der Umwelt zu unterscheiden. Er gab dann einen Ueberblick über die verschiedenen religiösen Gruppierungen in Palästina und ihr Verhalten dem religiösen Anspruch gegenüber. Dabei wurden die Bedingungen der Entfaltung dieses Anspruchs aus den Besonderheiten des Landes und seines Ausbaus entwickelt und der Anteil der drei Faktoren, des Wachsens, des Planens und der geschichtlichen Revolution behandelt. Dem Weg „von unten" her (religiöses Erlebnis, Rückkehr, Kampf des einzelnen) begegnet der Weg „von oben" (Begründung einer sichtbaren religiösen Autorität), wobei der zuletzt angeführte auch für die Juden in der Zerstreuung von großer Bedeutung ist. Das Neue in der Entwicklung des religiösen Lebens in Palästina liegt darin, daß es nun wieder Teil unseres ganzen Lebens ist, dessen Bestimmung, zumal soweit es sich um geistige und seelische Führung handelt, aus Selbstbestimmung beruht. Wie bei allen Fragen, so wird auch die Frage nach dem Religiösen, nach seinem Ort, seiner Behauptung Und seiner Prävalenz zu einer Frage nach dem ganzen Leben überhaupt. Ihre Lösung kann nicht losgelöst sein von der Gemeinschaft und der Arbeit, die zum Ausbau führt Damit wird die Grenze einer religiösen Propaganda klar, die sich in Wort und Schrift äußert und nicht zugleich in dem persönlichen Beitrag, den der einzelne in der Arbeit für die Grundlagen einer neuen Gesellschaft leistet — in Freiheit und Demut. Die überaus zahlreiche Zuhörerschaft dankte dem Redner für seine interessanten Ausführungen, L. * Der Weltverband für religiös-liberales Judentum hat sich an Rabbiner Dr. Max Dienemann mit dem Ersuchen gewandt, eine Palästinareise zwecks Feststellung der Bedingungen für die Entwicklung moderner religiöser Formen in Palästina zu unternehmen. Rabbiner Dr. Dicnemann soll die Aufgabe haben, zu untersuchen, ans welche Weise dem Bedürfnis nach neuzeitlichen Formen des Gottesdienstes und Gebetes , in einer sowohl den besonderen Landesverhältnissen . als auch der seelischen Haltung der jetzt in Palästina lebenden religiös-liberalen Inden angemessenen Art entsprochen werden könnte. Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt wird, ist an den Weltverband die Bitte herangetragen worden, bei der Entwicklung einer modernen Form der Religionsübung in Palästina mitzuwirken, die unter Benutzung der hebräischen Sprache und aus die psychologische Eigenart des Jischuw eingestellt sein soll. Es wurde ausdrücklich betont, daß keineswegs etwa das liberale Judentum Englands oder der Vereinigten Staaten nach Palästina verpflanzt werden soll, sondern daß die neuen Gebetssormen sich in gleicher Weise der Eigenart des neuen Palästina anpassen sollen wie der religiöse Liberalismus den Verhältnissen der westlichen Länder. Dr. Dienemann soll sowohl die allgemeinen religiösen Verhältnisse Palästinas als auch die vorhandenen Ansätze zur Entwicklung eines modernisierten Gottesdienstes im Lande studieren und dem Weltverband einen Bericht erstatten, der diesem als Unterlage für seine Aktion zur Förderung eines spezifisch ' palästinensischen religiösen Liberalismus dienen wird. Ländliche HauswirtschaftsschuleAhlem Der Vorstand der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem (Post Hannover-Limmer) hat eine Ländliche Hauswirtschaftsschule eingerichtet. Bezweckt wird, jüdische Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren in einem zweijährigen Lehrkurs in allen Zweigen der ländlichen und städtischen Hauswirtschaft auszubilden. Die Kurse, die von geprüften Haus- und Wirtschaftslehrerinnen geleitet werden, umfassen im ersten Lehrjahr Hausarbeit, bürgerliche Küche, Backen, Decken und Servieren, Waschen, Plätten und Nähen, im zweiten Lehrjahr wird die Ausbildung im Kochen u. a. durch Erlernen der^Diätküche, in der Nadelarbeit durch Erlernen der «chneiderei ergänzt. Sonderlehrgang in Lehnitz für 14- und 15jährige Mädchen Das Problem, während einer Uebergangszeit der in der Entwicklung stehenden jungen Menschen zugleich Erholung und Vorbereitung auf die Jahre der Arbeit zu bieten, wird durch die in Lehnitz neu eingerichtete Berussvorlehre in jeder Hinsicht gelöst. Dieser Sonderlehrgang beginnt erstmalig Ostern 1986 in dem nach modernen sozialen Grundsätzen geleiteten Erholungsheim des Jüdischen Frauenbundes am Lehnitzsee, das in 40, Minuten Fahrzeit mit der Vorortbahn von Berlin aus zu erreichen ist.

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