Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 1 (3.1.1936)
- Date
- 1936-01-03
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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pheten als Königskritiker gewandt haben. Kampf sollte nur um des notwendigen Schutzes und zur Wahrung der sozialen Gerechtigkeit geführt werden, so wie das Idealbild des Königs David es zeigte. Im babylonischen Exil wurde dieser theokratische Grundzug des jüdischen Staatsgedankens dahin gewandelt, daß der Staat nur noch als Schutzmacht für das volkliche Leben einer Gottesgemeinde angesehen wurde, nicht als Macht in sich selbst. So begnügte sich denn das jüdische Leben Palästinas dann stets mit einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte, gesichert bald durch Persien, bald durch Aegypten, Griechenland, Syrien oder eine andere antike Weltmacht, bis eine solche Schutzmacht in der geistigen Wirrnis des hereinbrecheuden Hellenismus über den politischen Schutz hinausgehend, den ganzen jüdischen Kultus verbot und damit das Idealbild des jüdischen Staatsgedankens und des Gedankens vom Gottesvolk angriff. Der Gedanke einer heiligen, von allem Profanen abgesonderten Gemeinde war bedroht. Das gab der vom hellenistischen Geist noch nicht erfaßten Bauernbevölkerung, den Hasmonüern, die Kraft Zum Aufstand gegen gewisse städtische Kreise des Adels und des Priestertums, zum Aufstand auch gegen die Syrer. Der Aufstand fand in der Reinigung des Tempels seine Erfüllung, seinen Sieg, wiewohl die Rückeroberung der Burg und Zitadelle Zion selbst den Makkabäern nicht gelang. — Die später erfolgte machtstaatliche Ausdehnung des jüdischen Reiches mußte ihr Ende in den durch die geopolitischen Bedingungen Palästinas gegebenen Umständen und neuen politischen Abhängigkeiten von den Römern finden. Jehuda Makkabis eigenes heroisches Erliegen ist Sinnbild für das Schicksal jeder palästinensischen Staatsgründung: auf diesem Boden kann sich kein Staat dauernd als Subjekt des Geschehens halten, er wird immer wieder, wie die historische Betrachtung lehrt, Objekt der großen Politik im vorderen Orient, die um den Besitz von Karawanenstraßen und Oelleitungen geht. Wenn heute im Gegensatz zum rabbinischen Judentum, das die Tempelweihe immer als einen Sieg des Glaubens und der Religion gefeiert hat, die Makkabäer zum Symbol jüdisch-politischer Erneuerungshoffnungen gemacht werden, so ist — so führte Berney aus — dem entgegenzuhalten, daß die Stunde zur Erneuerung jüdisch-politischen Staatswollens nicht gekommen ist, denn Palästina ist nach wie vor das Durchmarschland für die Auseinandersetzungen der großen Mächte. Die zionistische Siedlung in Palästina ist als zentraler Vorgang jüdischer Gegenwart zu bejahen und zu fördern. Doch haben die vielen Niederlagen jüdischer Machtstaatsgedanken eine geschichtliche Lehre auch für uns zu sein, in einsichtiger Besinnung auch in der Diaspora auszuharren in der Gottinnigkeit eines religiösen Erneuerungswillens. Orgelkompositionen von Rheinberger und Reger, von Kapellmeister Curt Stern zu Gehör gebracht, gaben Feier und Vortrag den würdigen Rahmen. Stg. Lehrhaus Köln ' Die Vereinigung Jüdisches Lehrhaus hat Mitte Oktober ihr lausendes Semester mit einem Vortrag „Neues Lernen" durch Rabbiner Dr. Ignatz Maybaum, Frankfurt a. O., eröffnet. Der Redner zeigte als Ziel seiner Darbietungen ein parteibefreites Judentum, das Theologisierung, Historisierung und Politisierung gleichermaßen verwirft und das „Neue Lernen" im urjüdischen, nicht im akademischen Sinn zu erstreben. habe. Besonders feinsinnig gelang die Definition der Akademie des alten Hellas, das auf dein Sklavenwesen aufgebaut war im Gegensatz zum alljüdischen, religiös-ethisch unterbauten Volksleyrhaus. Als zweite größere Veranstaltung folgte am 20. November ein Vortrag von Oberrabbiner Dr. C a r l e b a ch, Altona, „über den ethischer: Gehalt des Talmud", der begeisternden Widerhall bei der Hörerschaft fand. Die nächste größere Veranstaltung ist für den 6. Januar, 20 Uhr 30 Min., im großen Saal des Gemeindehauses, Cäcilienstraße 18-22, vorgesehen. Aus Anlaß des 15 0. Todestages Moses Mendelssohns wird der Leiter des Jüdischen Lehrhauses Berlin, Dr. Fritz Bam berge r, Berlin, über Mendelssohns j ü d i s ch e' L e i st u n g. Jhre Jdee und ihr Schicksal sprechen. 20 Arbeitsgemeinschaften und Vortragsreihen sind den Gebieten: Bibel, Ueberlieserung, Philosophie und Ethik, Sprache, Geschichte und Literatur entnommen. Als Lehrkräfte wirken: Dr. Siegfried Braun, Rabbiner Dr. Carlebach, Rabbiner Dr. Caro, Dr. Esther Frank, Seminarstudienrat Gut, Amtsgerichtsrat Otto May, Gemeinderabbiner Dr. Kober, Direktor Dr. K l i b a n s k y, Konrektorin T. L ö b, Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal, Kalman-Schlesinger, Rabbiner Dr. Seligsohn, Bonn, Dr. Siegmund Stein. Jugendveranstaltungen wurden durchgeführt durch Dr. I. Herzfeld und Dr. Jacobi; Ilse Löwenthal wird für Mädchen und Frauen eine Arbeitsgemeinschaft am 15. Januar beginnen, die sich an Hand des Bibeltextes mit den „Frauengestalten der Bibel" beschäftigen wird. Eine Reihe englischer und spanischer Kurse, die alle sehr gut besucht sind, hält Studienreferendarin F. Josef. Auskünfte erteilt die Geschäftsleitung des Lehrhauses: Leo Grünebaum, Köln-Sülz, Lotharstraße 34. Die Arbeitsgemeinschaft jüdischer Jugend Darmstadt, deren Programm für den Winter 1935/36 unter dem Motto „Wir kehren heim" steht, eröffnete ihre Arbeit in der Hauptsynagoge mit einer Kundgebung von Rabbiner Dr. Lemle (Frankfurt), der in eindringlichen Worten die heute noch in der jüdischen Sache indifferent Gegenüberstehenden ermahnte, den Weg zurück zum Judentum einzuschlagen. Das Winterprogramm besteht aus sieben Arbeitskreisen, die auf religiösem, kulturellem und praktisch-wirtschaftlichem Gebiet neue Kenntnisse vermitteln. So spricht Rabbiner Dr. B i e n - heim über das Buch Josua, Dr. mack. S. B l a ch über Pubertätskrise und Persönlichkeitsbildung, R.-A. Dr. Fr. Freund über das jüdische Aufbauwerk in Palästina, Studienrat Jakob über Bildung und Erziehung, Lehrer H. Löwenthal über jüdischen Brauch in Synagoge und Haus, R.-A. Dr. Ranis über Recht und Wirtschaft im Spiegelbild der Heiligen Schrift, Lehrer A. Rose n h e r g über die Geschichte der Juden seit Mendelssohn. Außerdem sind Sprachkurse in Hebräisch, Englisch und Französisch eingerichtet. Für die Junggruppen finden Heimnachmittage und Oneg-Schabbat-Feiern statt. Die erste Hälfte der Winterarbeit wurde durch eine Stunde des Bundes, die jüdischen Dichtern unserer Zeit gewidmet war, abgeschlossen. Unter Hinweis auf die Leistungen der Makkabäer, derer letzter Gedanke war, für Eigenes zu kämpfen, betonte Jos. Dombrower die Notwendigkeit, heute wieder Eigenes zu gestalten, gerade auch in kultureller Beziehung, da die geistige Not unserer Tage der wirtschaftlichen nicht nachstehen dürfe. Diese Ausführungen wurden unterstrichen durch Rezitation einiger Gedichte von Bialik, isturmann und Wohlfskehl. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Urausführttng eines Sprechchors von Gerson Stern (Leitung Bernhard David), einem Mahnruf an die Menschen, sich ihrer Kleinheit im großen Weltgeschehen bewußt zu bleiben und durch gute Werke sich die Liebe der Mitmenschen und die wahre Daseinsfreude zu sichern. Die Feier wurde von einer Anzahl hebräischer Lieder umrahmt, die von Lehrer A. Ro s e n b e r g mit den Junggruppen einstudiert waren. Für die zweite Winterhülfte ist u. a. ein Singtag unter Leitung von Direktor' Karl Adler (Stuttgart) vorgesehen. Kultur- und Sozialarbeit in Schneidemühl. In der Reihe der diesjährigen Wintervorträge sprach Rabbiner Karl Richter (Schievelbe'in i. Pom.) über „Das Problem der Religion im modernen Judentum". — Eine Feierstunde zugunsten der Jüdischen Winterhilfe vereinigte am 21. Dezember den größten Teil der Gemeindemitglieder in der Synagoge. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Vortrag des Bezirks- Rabbiners Dr. I o s p e über „Sterne, die jüdische Geschichte erzählen". — Auf Veranlassung des Provinzialverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege der Grenzmark und des Bezirksrabbinats waren zehn jüdische Kinder aus Dörfern der Grenzmark während der ersten drei Chanukkatage Gäste der Gemeinde Schneidemühl. Die Kinder, die zum großen Teil noch niemals einen Gottesdienst besucht hatten, nahmen am Schabbatgottesdienst und an einer Chanukkaseier für die Jugend teil. Außerdem wurden sie zu einer Freitagsabendseier im Gemeindehaus vereint. Die Tage, hinterließen in den Kindern einen außerordentlich starken Eindruck, und es ist beabsichtigt, die Einladung sobald wie möglich zu wiederholen, um den in den Dörfern oft sehr. isoliert lebenden Kindern Gelegenheit zu geben, Gottesdienst und Gemeinschaft kennen zu lernen. Lehrhaus Berlin Donnerstag-Vortragsreihe: Der dritte Teil der Donnerstag-Vortragsreihe umfaßt vier Vorträge unter dem Gesamttitel „Jüdische Kultur heute". 1. Mar Wiener: „Gibt es heute eine jüdische Kultur?" 9. Januar 1936. 2. Max Nußbaum: „Sprache als kulturtragendes Element." 23. Januar 1936. 3. Leo Hirsch: „Kunst als Kulturschöpsung." 6. Februar 1936. 4. „Gesellschaftliche Voraussetzungen jüdischer Kultur." (Redner wird noch festgesetzt.) 20. Februar 1936. Montag-Einführungs-Vorlesungen in die Jüdische Geschichte: Wiederbeginn mit Fritz Bamberger am 13. Januar 1936: „Der abendländische K u l t u r k r e i s". Logenhaus, Kleiststraße 10, 20.30 Uhr. Arbeitsgemeinschaften (Nummern im Planheft). Es beginnen in der Woche vom 6. bis 12. Januar 1936 folgende Arbeitsgemeinschaften: Moirtag, 6. Januar. Hochwald: „Jüdischsoziale, Arbeit und ihre Rechtsgrundlagen" (Fasanenstraße 79, Klasse). — Eppstei n, Reichmann - I n n g m amt; „Religionssoziologische Besprechungen zur jüdischen Gegenwart" (Marburger Straße 5, 1 IT.) — Landau: „Das 19. Jahrhundert in Briefen und Kritiken seiner Komponisten" (Fasanenstraße 79, Dortragssaal). Dienstag, 7. Januar. Joseph: „Quellen zur Geschichte der Juden in der hellenistischen und römischen Zeit" (Fasanenstraße 79, .Klasse). — Wischnitzer: „Die Juden in der Welt" (Prinzregentenstraße 69, Klasse). — Bach: „Jüdische Denker und Gestalter" (Marburger Straße 5, 111.) Mittwoch, 8. Januar. A l t m a n n : „Mvrallehre des Talmud" (Fasanenstraße 79, Bibliothek).— Fraenkel: „Große jüdische Aerzte und Naturforscher" (Marburger Straße 5, 111.) — A s ch n e r : „Quellen zur neueren jüdischen Parteiengeschichte" (Marburger Straße 5, 111.) — O t t e n h e i m c r : „Quellen zur Erziehungs- und Bildungsgeschichte der Juden in Deutschland" (Lützowstraße 16, III.) — Eisenberg: „Diskussionsübungen und Hebungen in der freien Rede" (Lützowstraße 16, III.). In die Sprach- und Werkkurse können noch Teilnehmer ausgenommen werden. Hörerkarten, Anmeldungen und Auskunft im Sekretariat, Marburger Straße 5, 111. (Telephon: B 4 5587), 10 bis 13 Uhr, 18 bis 20 Uhr. Auswandererkurse. Das Lehrhaus veranstaltet gemeinsam mit dem Hilfsverein der Juden in Deutschland, E. V., Auswandererkurse in: Englisch, Portugiesisch, Spanisch, Landeskunde (Brasilien und Argentinien). Die Kurse beginnen Mitte Januar und finden je einmal wöchentlich in der Steglitzer Straße 9 (Hilfsverein) statt. Hebräische Konferenz. Für Ende Dezember war von der Schulverwaltung der Jüdischen Gemeinde eine Konferenz der bei der Jüdischen Gemeinde beschäftigten Lehrer des Hebräischen vorgesehen. Aus dieser Konferenz sollten wichtige Fragen des Hebräischen im Unterricht besprochen werden. Diese hebräische Konferenz, die wegen der Versammlungssperre verschoben werden mußte, soll nun in der zweiten Januarhälste stattsinden. Die Schulverwaltung lädt zur Beteiligung an der Aussprache auch die nicht bei der Gemeinde tätigen Lehrer des Hebräischen freundlich ein. Nähere Mitteilungen ergehen noch. . Kunstausstellung im Klubheim des Jüdischen Frauenbundes. Das im Neichsverband der Jüdischen Kulturbünde neugegründete Sekretariat für Bildende Kunst wird fortan regelmäßig Ausstellungen von Werken jüdischer Berliner Künstler im Klubheim, Berlin W 50, Marburger Straße 5, I, veranstalten, dessen Räume für diesen Zweck zur Verfügung gestellt werden. Die. erste dieser Ausstellungen, die allmonatlich wechseln soll, wird Sonntag, 5. Januar 1936, mittags 12 Uhr, eröffnet und zeigt Arbeiten von Paula Neufeld und Herbert Koh n (Her ko). Die Ausstellung findet vom 5. bis 19. Januar 1936 einschließlich statt und ist geöffnet von 11 bis 2 Uhr ausschließlich Sonn^ abend vormittag. Eintritt frei gegen Vorzeigung der .Kulturbundmitgliedskarte oder des R-Aus^ weises. Die Graupe-Auktion 149 ist auf den 7. Zanumi verlegt worden. Die Besichtigung findet am 3., 4» und 6. Januar in der Zeit von 10 bis 14 und 15 bis 18 Uhr statt. M HiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim I HERREN-KONFEKTION I iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiw GRÜN & CO. Gebr. Kurzwes G. m. b. 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