Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 28 (11.7.1930)
- Date
- 1930-07-11
- Page
- Seite 397 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 Das Jüdische Echo 397 Irbid eine geheime Tagung abgehalten haben, in Palästina planen. Der kürzlich erfolgte Angriff auf britische Truppen in der Nähe von Nahallal wurde, wie man mit Sicherheit annimmt, von der gleichen Räuberbande ausgeführt. Wiedererwachen der arabischen Opposition gegen den Großmuiti Jerusalem, 6. Juli. (JTA.) Der während der Anwesenheit der arabischen Delegation in London von den arabischen Parteien in Palästina befolgte Burgfriede hat nun aufgehört, die Opposition gegen den Großmufti und gegen führende Kreise der Arabischen Exekutive und des Moslemitischen Rates erwacht von Neuem. Die Haifaer Zeitung „El Karmel“ veröffentlicht einen Aufsatz des Scheich Shoukri aus Acco, in welchem dem Großmufti und dem Moslemitischen Rat das Recht abgesprochen wird, die moslemitische Sache vor der Klagemauerkommission zu vertreten. Der Jaffaer Bürgermeister Azam el Said ist der Mittelpunkt einer Gruppe, die im gesamten Jaffa-Distrikt die Oppositionsbewegung gegen die Arabische Exekutive organisiert. Feuilleton Bilder aus dem religiösen Leben der Juden Während religiöse Darstellungen in allen Jahrhunderten die Malerei außerordentlich stark beherrschten, beginnt eine jüdische Kunst eben erst aufzublühen. Neben anderen Ursachen ist auch dies ein Grund: im christlichen Kult ist der hervorstechende Zug Ruhe und Bild, während der Charakter des jüdischen Kultus Bewegung und Musik ist. Der jüdische Gottesdienst ist niemals eingestellt auf bildhafte Wirkung, sondern das Auge empfängt von ihm Rhythmus und Bewegung der Massen. Bewegung (der religiöse Tanz) spricht wie Musik das religiöse Empfinden am reinsten aus. Seele, Gefühl tritt hier in materielle Erscheinung. Die bildliche Darstellung dieses Elements stellt allerdings an die Malerei große Forderungen. Doch hat die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hier neue Möglichkeiten geschaffen. Die Malerei hat vom Expressionismus eine Gelöstheit zurückbehalten, die zum Rhythmus werden kann und bisher ausgeschlossene Gebiete in das Bereich der Darstellung zieht. Vor mir liegt ein solches Werk, eine Mappe mit sechs Linoleumhanddrucken von Eva Samuel: ,,Hitlahabut“, Bilder aus dem religiösen Leben der Juden.* Die meisten dieser Bilder sind entstanden für die Marburger religionsgeschichtliche Sammlung, die von Professor Rudolf Otto und Professor Heinrich Eriek zusammengeslellt wird. Diese Sammlung zeigt neben den Kultgegenständen in jeder Abteilung auch Bilder, die den Geist des Kultus vermitteln, die hineinführen sollen in dies besondere Leben, das sich aus den toten Dingen nicht erkennen läßt. Eva Samuel wurden die Darstellungen für die jüdische Abteilung übertragen. Die junge Künstlerin, als Tochter eines Rabbiners mit Synagoge und Kultus aufgewachsen, hat eine besondere Begabung für den Rhythmus der Massen, den Ausdruck der Bewegung. Nicht Ruhe, nicht Schönheit ist der Gegenstand dieser Bilder, sondern Bewegung, Ergreifung. Wie der Titel sagt: Inbrunst. Je mehr man sich in sie verlieft, desto stärker sprechen sie und reißen mit sich fort. Die Technik des Linoleumsehnills bedingt die einfache strenge Form, die dem verständnisvollen Beschauer dann so überraschend viel Musik und Innerlichkeit vermittelt. Die Bilder erinnern an die talmudischen Legenden, in deren einfacher Form eine Welt liegt, die so herb und unbiegsam erscheint und Unendliches zu sagen vermag. — Die beiden Blätter „Thoravorlesung“ und „Aufheben der Thorarolle“ zeigen den tätigen Anteil der Gemeinde am Mittelpunkt des Gottesdienstes. * Die. Mappe ist zu beziehen durch Eva Samuel, Essen, Sleeler Straße 29, zum Preise von RM. 20.—, Einzelblätter zu RM. 4.—. Die beiden Bilder von Simchas Thora sprechen die Gefühle für die Thora aus: Freude und Liebe. Der „Umzug“ ist voll Musik. Hier sprechen die Körper, die Gesichter schweigen. Stark aussehreilend schwingt die Reihe der Männer daher, zur Seite stehen die fahnentragenden Kinder. Das andere Bild „Ausheben“ ist auf den stilleren Ton der Liebe und Inbrunst gestimmt. Die ausgestreckten Arme, der Ausdruck der Gesichter, Befriedigung, leidvolle Liebe, im Vordergrund die rührende in sich versunkene .Hinglingsgestalt, sprechen von Schicksalen. Der „Sederabend“ entzückt besonders durch seine einzelnen Gestalten, die Haltung der Versunkenheil und Hingabe. Ist es doch dem Beschauer, als blicke er selbst einen Augenblick von seiner Haggada auf und sehe den Kreis seiner Tischgenossen bewegt wie eine Melodie. Ernst und Leidenschaft kommt in den „Betenden“ zum Ausdruck. Diese drei Gestalten wissen, nichts voneinander, sie sind, obwohl räumlich einander nah, jeder im eigenen Erleben des Gebets, — in sich versunken oder aus sich herausbrechend zum Himmel empor. Ein Bild von besonders starker Innerlichkeit und Einfachheit. Jeder, der jüdisches Leben liebt und einen Blick für den Ausdruck der Bewegung hat, wird Freude an diesen Bildern haben. Else Schuberl-Chrislaller * Die vorstehende Arbeit entnehmen wir dem Aprilheft des „Morgen“. Das Junihofl des „Morgen“ (Nr. 2, VI. Jahrgang) beginnt, zur Erinnerung an den Todestag Julius Goldsteins (25. Juni), mit einer Ansprache: „Die geistige Bedeutung Walther Rathenaus“, die er nach dessen Ermordung hielt. J. Heinemanns Beitrag über „Die geschichtlichen Wurzeln des neuzeitlichen Humanitätsgedankens“ reiht sich sowohl inhaltlich wie auch nach Form und Gedankentiefe seinen früheren Arbeiten im „Morgen“ würdig an. — Das seit einigen Heften angeschlagene Thema „Religiöse Zeitfragen“ wird auch in diesem Heft glücklich weitergeführt. Joseph Carlebach und Max Dienemann stellen sachlich und leidenschaftslos den Begriff des traditionellen Judentums und des liberalen Judentums in Deutschland dar. — Der Freiburger Philosoph Fritz Kaufmann gibt eine literarisch und philosophisch höchst bemerkenswerte Studie: „Der Mensch in Philosophie und Dichtung unserer Tage“, und Margarete Susmann deutet in der ihr eigenen feinsinnigen und eindrucksvollen Weise „zwei ewige Gestalten“ — „Saul und David“. Einen Einblick in die geistige Situation unserer Tage gibt M. Y. Ben-Cavriel in einem Brief aus Palästina. Julius Bab setzt seine „Literarischen Hinweise“ fort und bespricht die „Barbara“ von Werfel sowie den „Lincoln“ Emil Ludwigs. Anzeigen neuer Bücher beschließen das Heft.