Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 17 (25.4.1930)
- Date
- 1930-04-25
- Page
- Seite 238 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Nr. 17 Das Jüdische Echo lieh sehr nahe, denn vor 26 Jahren habe er das Glück gehabt, in persönliche Berührung mit diesem großen Staatsmann zu kommen, und zwar als einer seiner Sekretäre im Committee for Imperial Defence, das Balfour als Premierminister eingerichtet hatte. Meine Anschauungen über Führung öffentlicher Angelegenheiten, sagte Chancellor, sind durch meine Berührung mit ihm dauernd beeinflußt worden. Die Begründer der hebräischen Universität haben das Ziel vor Augen, der jüdischen Forschung und den jüdischen Idealen ein Heim zu bereiten, ein Heim, in dem die jüdische Kultur, eins mit den Kulturen der östlichen und westlichenWelten, sich frei entwickeln kann. Ferner besteht derWunsch, die Universität zu einem Mittelpunkt gelehrter Forschung zu machen, der allen Studenten ohne Unterschied der Nationalität, des Glaubens und der Rasse offen sein soll. Diese Ziele sind jeder Anstrengung wert. Die Eröffnung der Bibliothek bezeichnet eine wichtige Station in der Entwicklung der Wirksamkeit der Hebräischen Universität. Der Ort, auf dem das Gebäude steht, ist eine der schönsten und bedeutendsten historischen Stätten, die die Welt aufzuweisen hat. Diese vornehme Stätte muß würdig ausgestaltet werden, und hier besteht eine Aufgabe für die hervorragendsten Architekten. Der High Commissioner hob billigend den Plan der für die Universität verantwortlichen Kreise hervor, ein Wohnviertel für Studenten und Professoren auf dem Skopus zu schaffen, und gab dem Wunsche Amsdruck, daß die hohen Pläne der Begründer der Universität alle ihre Verwirklichung erfahren mögen. Zum Schlüsse erklärte der High Commissioner das Bibliotheksgebäude für eröffnet. Nach ihm sprach der Direktor der Nationalbibliothek, Dr. Hugo Bergmann. Er skizzierte die Geschichte der Bibliothek seit ihren Anfängen im Jahre 1892, die der Bialystoker Arzt Dr. Joseph Chasanowitsch allein ins Leben rief, und die Schwierigkeiten ihres Werdens. Er erinnerte daran, wie eine Spende von Sir Moses Montefiore im Betrage von 5 Pfund damals in den Anfangsjahren Aufsehen erregte und stellte dem die erste große Bücherspende der amerikanischen Zionisten im Jahre 1920 entgegen. Die Bibliothek hat mehrere Aufgaben zu erfüllen. Sie ist in erster Reihe die Nationalbibliothek des jüdischen Volkes, die alle auf Juden und Judentum bezüglichen Druckschriften und Manuskripte sammelt. Sie ist ferner die Bibliothek der Hebräischen Universität und sammelt als solche Bücher aus allen Gebieten der Wissenschaft und der Kunst. Sie hat aber auch noch — und dies ist ihre dritte Mission — als palästinensische Landesbibliothek allen Schichten und Klassen der Bevölkerung ohne Unterschied der Volkszugehörigkeit und des Glaubens zu dienen. Nachdem Dr. Magnes zahlreiche Glückwunschbotschaften, u. a. vom Präsidenten der Jewish Agency Dr. Weizmann, vom ägyptischen Kultus- und Erziehungsminister, von den führenden jüdischen wissenschaftlichen Institutionen und Persönlichkeiten, von der Neuyorker jüdischen Ärztevereinigung und vielen Freunden der Universität in Europa und Amerika verlas, besichtigten der High Commissioner und die Ehrengäste das Bibliotheksgebäude und seine Einrichtungen. Die Eröffnungsfeierlichkeiten waren durch gesangliche Darbietungen des mit anderen Chören vereinigten Universitätschors umrahmt. Der heutige Bestand der National- und Universitätsbibliothek Jerusalem, 10. April. (JTA.) Bei Gelegenheit einer von der Leitung der Universität für die Presse veranstalteten Vorbesichtigung des Gebäudes der National- und Universitätsbibliothek teilte der Direktor der Bibliothek, Dr. Hugo Bergmann, u. a. folgende Daten mit: Die B’nei Brith-Loge in Jerusalem gründete im Jahre 1892 unter großen Schwierigkeiten eine Bibliothek, die unter dem Namen Beth Midrash Arabanel bekannt wurde. Dr. Joseph Chasanowitz, ein Arzt aus Bialystok, machte es zu seiner Lebensaufgabe, einen Grundstock für die jüdische National- und Universitätsbibliothek zu sammeln; nach seinem Tode im Jahre 1920 wurden mehr als 30 000 Bände, darunter sehr wertvolle hebräische Werke, nach Jerusalem gesandt. Das Gebäude der Bibliothek ist eines der modernsten Bibliotheksbauten im Nahen Osten. Seine Aufbewahrungsräume fassen in den verschiedenen Stockwerken 300 000 Bände und sind mit metallenen Regalen, Glasfußboden und künstlicher Ventilation ausgestattet; ein Aufzug verbindet die Lagerräume mit dem Entleihungsraum. Zwei Safes sind für besonders kostbare Werke bestimmt. Der Zeitschriftensaal (Katznelson-Zimmer) biete 45 Lesern Platz; 2000 Zeitschriften treffen regelmäßig ein. Die Verwaltungszimmer enthalten Mobiliar aus dem Besitz Wolfsohns — den ersten in der Bezalel-Schule hergestellten Teppich, Gobelins von Lilien, ein Porträt Wolfsohns von Isaac Israel, dem Sohne Joseph Israels, das kürzlich von Jacobus Kann gestiftet wurde. Von den 250 000 bereits registrierten Bänden sind die meisten (92 000 Bände) in deutscher Sprache geschrieben; an zweiter Stelle stehen Bände in englischer Sprache (40 000). Die Reihenfolge der am meisten benutzten Sprachen war im Vorjahre bei 31 180 Büchern, die ausgeliehen wurden, folgende: hebräisch, deutsch, englisch, jiddisch, russisch, französisch. Neben schöner Literatur und Büchern jüdischen Inhalts fanden Werke über Philosophie und Psychologie das größte Interesse. Der Beamtenstab der Bibliothek besteht aus 29 Personen. Beamte der Bibliothek wurden nach Neuyork, Paris, London entsandt, um sich in modernen Bibliotheksmethoden auszubilden. Direktor der Universitätsbibliothek ist Dr. Hugo Bergmann, die orientalistische Abteilung wird von Dr. Baneth, die hebräische von Dr. B. Joel geleitet. Frl. R. Cahan hat die Katalogsleitung. Die Bibliothek enthält 181 seltene bibliophile Stücke, darunter 17 Inkunabeln, einschließlich der Proben aus der Druckerpresse von Abraham Conat aus Mantua, der spanischen Drucker, Lissaboner Nahmaniden. Ein einzig dastehender Text ist eine Ausgabe des Hoheliedes von Salomon Rossi, Venedig 1622, das erste hebräische Buch, das Noten enthält. Ferner befinden sich dort 656 Manuskripte, daruner 160 talmudische Kommentare und rabbinische Schriften. Ein Manuskript-Katalog über kabbalistische und chassidische Schriften soll in Kürze von Dr. G. Scholem veröffentlicht werden. 5000 Autogramme und Photographien bedeutender jüdischer Männer und Frauen sind in der Sammlung von Dr. Abraham Schwadron enthalten; darunter ein Brief Heines, in dem er seinen Übertritt zum Christentum bedauert, das Original von Einsteins Relativitätstheorie, sowie Schriften von Disraeli, Ratheau, Freud, Rabbi Akiba Eger, berühmter Talmudisten usw. 900 Pessach-Haggadoth aus verschiedenen Ländern sowie besondere Judaica-, Orientalia- und andere Sonderkollektionen bereichern die Bibliothek. Errichtung einer slavistischen Abteilung an der jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem Belgrad, 21. April. (JTA.) Das jugoslavische Komitee für die Hebräische Universität hat der