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Das jüdische Echo · 1930-03-14 · 11 (14.3.1930) · p. Seite 147

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
11 (14.3.1930)
Date
1930-03-14
Page
Seite 147 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 147 Die Claus-Synagoge in Mannheim Mannheim, 7. März. (JTA.) Die völlig umgebaute Claus-Synagoge wurde feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Die Synagoge ist der Kern der 1708 von dem kurfürstlichen Oberhof- und Milizfaktor Lemle Moses Rheinganum gegründeten Lemle-Moses-Stiftung. Vom Pferdehändler war Lemle Moses zu Würden und Einfluß emporgestiegen. Die Stiftung entsprang dem Wunsche des kinderlosen reichen Mannes, seinen Namen der Nachwelt zu erhalten. Die Synagoge, die im Jahre 1887 schon einmal umgebaut wurde, war wieder zu klein geworden. Architekt Seidemann (Heidelberg) schuf durch Heranziehung von Eisen- und Betonkonstruktion und Einbau eines Oberlichts einen weihevollen Gebetsraum, der mit über 500 Plätzen fast doppelt soviel Plätze aufweist wie früher. Ansprache von Dr. Shiels an eine zionistische Abordnung London, 6. März. (JTA.) Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Shiels, empfing während seines Besuches in Edinburgh eine von' Rabbiner Dr. Salis Daiches geführte Abordnung der Edingburgher Zionistischen Vereinigung, die ihm die Auffassung der Vereinigung und die anderer Juden mit Bezug auf die jetzige Lage in Palästina und die Zukunft dieses Landes unter dem Mandat vortrug. Dr. Daiches unterstrich mit Nachdruck die Notwendigkeit einer eindeutigen und entschiedenen öffentlichen Erklärung seitens der britischen Regierung, daß sie bereit sei, für eine größere Sicherheit von Leben und Eigentum zu sorgen, eine größere Einwanderung von Juden in Palästina zu unterstützen, die Polizeimacht zu verstärken und zu reorganisieren, verständnisvollere Beamte zu entsenden und Staats- und Ödland für eine zusammenhängende jüdische Siedlung, wie das Mandat es vorschreibt, zu bewilligen. Dr. Shiels erwiderte: Die Regierung hat bereits erklärt, daß sie in keiner Weise beabsichtigt, von der im Mandat und in der Balfour-Deklaration niedergelegten Politik abzuweichen. Er sehe vollkommen die Nützlichkeit ein, die Bestimmungen des Mandats klar und unmißverständlich zu erläutern und die richtige Beziehung aufzuzeigen, wie die Errichtung des Jüdischen Nationalheims bei gleichzeitiger Wahrung der Rechte und Privilegien der Araber zu bewerkstelligen ist. Auf jeden Fall aber wird England das Mandat zur Durchführung bringen und die Hauptrichtlinien der Politik unverändert beibehalten. Die Palästinaregierung, fuhr Dr. Shiels fort, befasse sich gegenwärtig mit der Bodenfrage. Er glaube, es würde ein Fehler sein, eine Masseneinwanderung zu fördern, da eine Einwanderung gemäß der Aufnahmefähigkeit des Landes und der angemessenen Ansprüche der verschiedenen Gemeinschaften geregelt werden müsse. Was die Haltung der britischen Beamten in Palästina betrifft, so dürfe man nicht vergessen, daß sie recht mühsame und delikate Pflichten zu erfüllen hatten. Die Tatsache, daß sowohl Juden wie Araber der Administration Parteilichkeit vorwerfen, deutet darauf hin, daß die beiderseitigen Anklagen ungerechtfertigt seien. Die Regierung, schloß Dr. Shiels, ergreift angemessene Schritte zur Reorganisierung und Verstärkung der Palästina-Polizei. Weitere 200 britische Polizisten wurden rekrutiert, die nach Palästina gehen. Die Regierung hat den Generalinspektor der Ceylon-Polizei nach Palästina entsandt, auf dessen wertvollen Ruf man sich verlassen kann. Die Sicherheitsfrage als ganze bilde gegenwärtig Gegenstand einer Erwägung seitens der Regierung. Antisemiten stören einen Pan-Europa-Vortrag des Grafen Coudenhove Warschau, 10. März. (JTA.) Der polnische Paneuropa-Verband veranstaltete in der Aula der Warschauer Universität eine Kundgebung, in der der Schöpfer der Pan-Europa-Bewegung, Graf Coudenhove-Kalerghi, einen Vortrag hielt. Obwohl sich unter den Zuhörern der Außenminister Zalesky mit einigen anderen Ministern, der Rektor mit zahlreichen Professoren und mehrere Vertreter des diplomatischen Korps befanden, drangen antisemitische Studenten in die überfüllte Aula ein und schrien: „Nieder mit den Juden!“ „Nieder mit den Bolschewisten und Freimaurern.“ „Solche Referate sind jüdisches Gift!“ Die Schmährufe wurden in polnischer, deutscher und französischer Sprache gemacht, damit auch die ausländischen Gäste sie verstehen sollen. In der Aula anwesende Studenten wurden attackiert. Es kam zu einer schweren Schlägerei. Schließlich wurden die antisemitischen Studenten hinausgedrängt, so daß Graf Coudenhove nach einer halbstündigen Unterbrechung seine Rede beenden konnte. Offizielle Mitteilung über die Auflösung der „Jewsekzija“ Gedrückte Stimmung unter den jüdischen Kolonisten Moskau, 5. März. (JTA.) Die von der Jüdischen Telegraphen-Agentur vor einiger Zeit bereits mitgeteilte Auflösung der „Jewsekzija“ (Jüdische Sektion der kommunistischen Partei) durch das Zentralkommitee der kommunistischen Partei Rußlands wird nun offiziell bestätigt. Die in Minsk erscheinende jiddische kommunistische Tageszeitung „Oktiabr“, die diese offizielle Mitteilung bringt, schließt hieran die Bemerkung, daß die Auflösung der Jewsekzija eine Maßnahme ist, die mit der allgemeinen Reorganisation der Parteimaschinerie in Zusammenhang steht. Die Zeitung stellt fest, daß die Auflösung der Jewsekzija auf die jüdischen Kommunisten deprimierend gewirkt und Äußerungen der Unzufriedenheit hervorgerufen hat. Die Zeitung meint, daß viele Jewsekzija-Mitglieder die Lage falsch beurteilen, wenn sie glauben, daß nun die jüdische Tätigkeit eine Schwächung erfahren wird. Wir können uns eine Panik nicht gestatten, fährt die Zeitung fort; wir müssen gegen Stimmungen der Enttäuschung ankämpfen. „Oktiabr“ schließt: Mit der Abschaffung der Jewsekzija wird sich die Lage der Juden im Sowjetreich sowohl in legaler als auch in wirtschaftlicher Beziehung zweifellos verbessern, weil nun an Stelle der Jewsekzija die kommunistische Partei selbst an den Angelegenheiten des jüdischen Lebens direkt interessiert sei und so auch die direkte Verantwortung für die Arbeit zum Wohle der jüdischen Bevölkerung tragen wird. Anklage gegen den Rabbiner von Neu-Slatopol Weitere 17 Synagogen beschlagnahmt Moskau, 5 .März. (JTA.) Der Rabbiner von Neu-Slatopol, dem Hauptorte des zweiten autonomen jüdischen Rayons in der Ukraine, wurde

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