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Das jüdische Echo · 1930-03-14 · 11 (14.3.1930) · p. Seite 148

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
11 (14.3.1930)
Date
1930-03-14
Page
Seite 148 (sequence 8)
Language
German
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148 Das Jüdische Echo Nr. 11 unter der Beschuldigung, Lebensmittel gehamstert zu haben, vor Gericht zitiert; der Prozeß wird in kurzem stattfinden. Eine der von der Charkower jiddisch-kommunistischen Zeitung Stern“ in die jüdischen Wohnorte und Kolonien entsandte sogenannte „Angriffsbrigade“ behauptet, daß sie das Haus des Rabbiners durchsucht und 100 Pud gehamsterten Weizen beschlagnahmt hat. Eine andere „Angriffsbrigade“ des „Stern“ teilt mit. daß sie bei der Durchsuchung der Synagogen in Schmelnik, Bezirk Winitza, mehr als 100 Goldringe und zahlreiche Silbergegenstände vorgefunden und beschlagnahmt hat. Sie behauptet, daß diese Gegenstände individueller Besitz einzelner Juden sind, die ihre Wertsachen in den Synagogen verborgen halten, um der Zahlung der rückständigen Steuern zu entgehen. In der letzten Woche wurden in einer Anzahl Städte der Ukraine, so u. a. in Belo-Zerkow, Balta, Heisin und Olewsk 17 Synagogen beschlagnahmt und für weitere Andachtsübungen geschlossen. Zwei Juden wegen Förderung des Privathandels zum Tode verurteilt Moskau, 4. März (JTA.) Moissej Lewin und Jakob Rachlin, zwei Leiter der Arbeiter-Konsumgenossenschaft in Lugansk, wurden zum Tode durch Erschießen verurteilt, weil sie Waren aus dem Lager der Konsumgenossenschaft an private Händler veräussert haben. Mehrere andere Angestellte der Konsumgenossenschaft wurden wegen des gleichen Deliktes zu Gefängnisstrafen von sechs Monaten bis -zu fünf Jahren verurteilt. Die Verurteilten wurden nicht einer geschäftlich unredlichen Manipulation angeklagt, sondern der Unterstützung des verbotenen Privathandels. Alle jüdischen Studenten aus der Konstantinopeler medizinischen Fakultät hinausgedrängt Konstantinopel, 7. März. (JTA.) Sämtliche jüdischen Studenten der medizinischen Fakultät der Konstantinopeler Universität haben sich unter dem Druck unaufhörlicher Verfolgungen, Belästigungen und Schmähungen seitens ihrer nichtjüdischen Kollegen gezwungen gesehen, den Besuch der Universität einzustellen. In der letzten Zeit herrschte auf der Fakultät unaufhörlicher Tumult. Wo ein jüdischer Student erschien, wurde er mißhandelt, bespuckt und hinausgeworfen. Zu bemerken ist. daß die Professoren die Juden als gleichberechtigt behandelt und sich an der Verfolgung der jüdischen Hörer in keiner Weise beteiligt haben. Das südafrikanische Einwanderungsgesetz in dritter Lesung angenommen Kapstadt, 4. März. (JTA.) Der Gesetzentwurf zur Einschränkung der Zahl der aus Ost- und Südeuropa kommenden Einwanderer durch die Anwendung des Quotensystems ist im Abgeordnetenhaus in dritter Lesung angenommen worden. Er bedarf noch der Bestätigung durch den Senat. Johannisburg, 4. März. (JTA.) Der Sekretär des südafrikanischen Jewish Board of Deputies, Harry Karter, hat in der Versammlung des Deputiertenrates den Vorschlag eingebracht, den 1. Mai 1930, an welchem Tage das gegen Juden Osteuropas gerichtete Einwanderungseinschränkungsgesetz in Kraft tritt, als Trauertaj: für das südafrikanische Judentum zu proklamieren. An diesem Tage sollen in allen Synagogen spezielle Bußgebete gesprochen werden. Revision im Prozeß Hinkis Das Todesurteil in eine fünfzehnjährige Gefängnisstrafe umgewandelt Jerusalem, 11. März. (JTA.) Das Jerusalemer Apppellationsgericht hat am Dienstag, dem 11. März, das Urteil in dem Revisionsprozeß Hinkis verkündet. — Das Appellationsgericht hob das vom Jaffaer Distriktsgericht gegen den Tel Aviver jüdischen Polizisten Simcha Hinkis gefällte Todesurteil auf und verurteilte Hinkis zu 15 Jahren Gefängnis. Das Jaffaer Gericht nahm auf Grund von Aussagen arabischer Zeugen und von Sachverständigen-Gutachten an, daß Hinkis während der Unruhen im August 1929, bei welchen eine Anzahl Juden aus Tel Aviv von Arabern getötet wurde, in das Haus einer arabischen Familie zwischen Jaffa und Tel Aviv eingedrungen war und fünf Glieder dieser Familie vorsätzlich niederschoß. Das Appellationsgericht hat sich der Annahme einer vorsätzlichen Handlung nicht angeschlossen, glaubte aber, daß die Beweise für die Täterschaft Hinkis hinreichend seien., um ihn zu einer Gefängnisstrafe zu verurteilen. Die jüdischen Kreise Palästinas halten Hinkis für vollkommen unschuldig. Die Regierung zahlt 100 000 Pfund Entschädigung Jerusalem, 5. März. (JTA.) Die Palästina- Regierung hat 1Ü0 000 Pfund Sterling zur Entschädigung von Personen, die während der August- Unruhen Schaden erlitten haben, bewilligt; davon werden 80 000 Pfund -— wie die hebräische Tageszeitung „Hazman“ erfährt — zur Entschädigung von Juden und 20 000 Pfund zur Entschädigung von Arabern verwendet werden. Beer Tuvia wird mit früheren Legionären besiedelt Jerusalem, 5. März. (JTA.) Wie die JTA erfährt, hat die Leitung des Palestine Emergency Fund beschlossen, in der im August von den Arabern zerstörten jüdischen Kolonie Beer Tuvia 50 neue Kolonistenfamilien, deren Oberhäupter meist in der einstigen jüdischen Legion gedient haben, anzusiedeln, nachdem die bisherigen Bewohner von Beer Tuvia in diese Kolonie nicht zurückzukehren 'wünschen1. In einigen Tagen werden die ersten 20 früheren Legionäre mit den Wiederaufbauarbeiten in Beer Tuvia beginnen. Die endgültige Zahl der hier anzusiedelnden Kolonisten hängt von der Menge des Wassers ab, das der Kolonie zur Verfügung stehen wird. Eine neue arabische Partei Die arabische Presse bringt wiederum eine Meldung über die Gründung einer neuen arabischen Partei, die insbesondere im nördlichen Palästina ihre Anhänger hat. Nach der Mitteilung von Hassan Zadki, eines der Gründer, wird sich die neue Partei in der Hauptsache mit innerpolitischen und wirtschaftlichen Fragen befassen. In bezug auf die zionistische Politik erklärte Hassan Zadki, daß eine Einwanderung nötig sei, gleichviel ob die Einwanderer Zionisten oder Angehörige eines anderen Volkes seien. Man müsse nur auf Erfüllung einer Bedingung sehen, daß nämlich die Höhe der Einwanderung durch eine parlamentarische Kommission entsprechend der wirtschaftlichen Lage des Landes und der Lage der arabischen Arbeiter festgesetzt werde. Die erste Konferenz der neuen Partei soll unmittelbar nach dem Rammadan- Fest einberufen werden. (Ziko.)

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