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Das jüdische Echo · 1930-03-14 · 11 (14.3.1930) · p. Seite 146

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
11 (14.3.1930)
Date
1930-03-14
Page
Seite 146 (sequence 6)
Language
German
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146 Das Jüdische Echo Nr. 11 Aus der jüdischen Welt Die Einbürgerungsfrage im Preußischen Landtag Berlin, 5. März. (JTA.) In einer kleinen Anfrage im Hauptausschuß des Preußischen Landtags hatte der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Kube sich darüber beschwert, daß „seit Jahren in Preußen eingewanderte Ostjuden bevorzugt berücksichtigt würden bei ihren Naturalisierungsgesuchen, während die gleichen preußischen Regierungsstellen den Einbürgerungsgesuchen von Sudeten-Deutschen, Deutsch-Österreichern. Wolga-Deutschen und anderen Menschen deutschen Stammes überwiegend ablehnend gegenüberstehen“; österreichische Juden gelangten sogar, wenn sie Sozialdemokraten seien, im Reiche wie in Preußen in hohe Regierungsstellen. Kube wies darauf hin, daß „der deutsche Volksgenosse“ Elsner aus Heepen bei Bielefeld auf seinen Antrag nicht naturalisiert worden sei. Er verlangte Auskunft, warum dieses Gesuch abgelehnt sei, wieviel Ausländer seit 1919 in Preußen naturalisiert seien, Angaben der Namen dieser Naturalisierten und schließlich wieviel Einbürgerungsgesuche in Preußen seit 1919 abgelehnt worden seien. Der preußische Innenminister antwortete, daß es unrichtig sei, daß in Preußen Ausländer deutschen Stammes in bezug auf die Einbürgerung schlechter behandelt werden als Ostausländer nichtdeutscher Herkunft. Diese werden vielmehr entsprechend dem Beschlüsse des Preußischen Landtages vom 6. April 1927 in der Regel erst nach einem mindestens zehnjährigen Aufenthalt im Reichsgebiet eingebürgert, während von deutschstämmigen Ausländern eine solche Aufenthaltsdauer nicht gefordert wird. Der Einbürgerungsantrag des Schneiders Rudolf Elsner aus Heepen ist abgelehnt worden, weil dieser wegen einer im Jahre 1928 erlittenen Gerichtsbestrafung zurzeit nicht als ein erwünschter Bevölkerungszuwachs angesehen werden kann. Seit 1919 sind in Preußen 107 599 Ausländer eingebürgert worden (96 864 Deutschstämmige, 7654 Ostausländer nichtdeutscher Herkunft und 3081 sonstige Fremdstämmige). Der Minister lehnte es ab, die Namen der seit 1919 eingeführten Ausländer anzugeben, ebenso lehnte er es ab, genaue Auskunft über die Ablehnung von Einbürgerungsgesuchen zu geben, weil dazu umfangreiche Ermittlungen erforderlich seinen, von denen man schon aus Sparsamkeitsrücksichten absehen müsse. Ein deutschnationaler Vorschlag Berlin, 7. März. (JTA.) Der deutschnationale Landtagsabgeordnete Gieseler weist in einer kleinen Anfrage an das preußische Staatsministerium am 5. März darauf hin, daß, um das Defizit im Reichssäckel zu decken, von sozialdemokratischer Seite ein Notopfer der Festbesoldeten in Vorschlag gebracht worden ist. Er ersucht das Staatsministerium, statt dieses Notopfers bei der Reichsregierung eine Gesetzesvorlage in Vorschlag zu bringen, wonach „die Vermögen der nach dem Kriege eingewanderten und aus der deutschen Not reich gewordenen Ostjuden für dieses Notopfer beschlagnahmt werden sollen“. (Die Deutschnationalen wollen offenbar Hitler Konkurrenz machen — sie sind entschieden gelehrige Schüler und werden wohl bald ihren Meister noch übertreffen.) Wegen Ermordung einer jüdischen Familie viermal zum Tode verurteilt Koblenz, 9. März (JTA.) Vor dem Schwurgericht in Koblenz stand der Monteur und einstige polnische Bahnwärter und Grenzschmuggler Stanislaus Szmaj, der angeklagt war, vor neun Jahren zwei jüdische Männer und zwei Frauen in grauenhafter Weise zu Raubzwecken ermordet zu haben. In dem kleinen Städtchen Prosna an der deutsch-polnischen Grenze wurde am 11. April 1921, in der Zeit, wo in Deutschland die Inflation herrschte und der Grenzschmuggel in hoher Blüte stand, der 34 Jahre alte jüdische Händler Jakubowicz mit einem Schnitt am Hals tot in seiner Wohnung aufgefunden. Seine Ehefrau, deren Schwester und der 80 Jahre alte Hauslehrer Wiesenfeld lagen, durch Revolverschüsse getötet, am Boden. Der Verdacht richtete sich gegen den bei der polnischen Regiebahn angestellten Weichenwärter Szmaj, der als Schmuggler verrufen war. Szmaj flüchtete nach Deutschland, legte sich hier den Namen Joseph Müller bei und kam nach Vestum bei Sinzig im Rheinland, wo er sich, nachdem seine erste Ehe geschieden war, wieder verheiratete. Vor zwei Jahren stöberte ihn die deutsche Polizei wieder auf, und er kam wegen vierfachen Mordverdachts in Haft. In der Zeugenvernehmung vor dem Koblenzer Schwurgericht machte die Frau des jüdischen Händlers Koczerrek, in dessen Hause das Verbrechen geschah, aufsehenerregende Mitteilungen. Frau Koczerrek schilderte ausführlich die Vorgänge in der Mordnacht. Sie hat sich, wie sie sagt, das Bild des Mörders so deutlich eingeprägt, daß sie ihn auch heute noch nach neun Jahren unter Tausenden wiedererkennen würde. Sie behauptet auch heute wieder, daß der Angeklagte der Mörder sei, ein Irrtum ihrerseits sei vollkommen ausgeschlossen. Unter großer Bewegung der Zuhörer wurde dann der junge Sohn des ermordeten Jakubowicz vernommen. Er war zur Zeit der Tat erst acht Jahre alt und schlief in der Mordnacht mit seinem Vater in einem Bett. Der junge Mann kann nicht mit Bestimmtheit behaupten, ob Szmaj der Mann ist, den er im Zimmer seines Vaters gesehen hat. Am Samstag gegen 3 Uhr nachmittags sprach das Schwurgericht das Urteil gegen den Monteur Stanislaus Szmaj. Er wurde wegen Mordes in vier Fällen viermal zum Tode verurteilt; die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm auf Lebenszeit aberkannt. Der Angeklagte erklärte, das Urteil nicht anzunehmen und Revision einlegen zu wollen. Die deutsche Wochenausgabe von „Dawar“ Berlin, 10. März. (JTA.) Die deutsche Wochenausgabe der palästinensischen Tageszeitung „Dawar“ wird nunmehr endgültig Ende März 1930 zu erscheinen beginnen. Sie wird also am 2. April in die Hände der Abonnenten gelangen. Die deutsche Wochenausgabe wird in Erez Israel redigiert und gedruckt werden und wird ständig die wichtigsten Publikationen der letzten Nummern der hebräischen Tageszeitung bringen. Sie will durch die Herstellung eines unmittelbaren Kontaktes zwischen der deutschsprechenden Judenheit und dem Aufbauwerk in Palästina eine Bereicherung des allgemein-jüdischen und des zionistischen Lebens bewirken. Der Bezugspreis ist 1 RM. monatlich. Bestellungen sind zu richten an das Sekretariat; Berlin N 24, Auguststraße 17. „Dawar“ — Deutsche Wochenausgabe.

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