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Das jüdische Echo · 1929-06-28 · 26 (28.6.1929) · p. Seite 411

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
26 (28.6.1929)
Date
1929-06-28
Page
Seite 411 (sequence 20)
Language
German
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Nr. 26 Das Jüdische Echo 411 Aufruf an jüdische Dramatiker Prag, 18. Juni. (JTA.) Die neugebildete Theatergemeinschaft „Jung-jüdische Bühne“ in Brünn ersucht die jüdischen Autoren, ihr Dramenmanuskripte, die wegen ihrer jüdischen Tendenz von allgemeinen Bühnen nicht aufgeführt werden, zur Verfügung zu stellen. Manuskriptsendungen sind an Dr. Ed. Drachmann, Brünn, Masarykstraße 22 bis 24, zu richten. Schächtverbot in Norwegen Oslo, 16. Juni. (JTA.) Der norwegische Od'elting (untere Parlamentskammer) hat mit 88 gegen 21 Stimmen einem Gesetzesantrag zugestimmt, laut welchem in Norwegen das Schächten nach jüdischem Ritus verboten sei. Der Odeltingbeschlnß kam für die Judenschaft Norwegens wie für die gesamte Öffentlichkeit überraschend. Die Regierung selbst war gegen den Beschluß eines Schächtverbotes. Die loyal gesinnten norwegischen Kreise tadeln es, daß sich die Parlamentsmehrheit von Kreisen beeinflussen ließ, für die bei dem Schächtverbot antisemitische Gründe maßgebend waren und die schließlich glaubten, man könne sich in Norwegen auf das Experiment nur deshalb einlassen, weil man sicher sei1, daß die kleine jüdische Gemeinschaft Norwegens nicht genug Widerstand wird entgegensetzen können. Vom Oberhaus bestätigt Oslo, 20. Juni. (JTA.) Der Lagsting (die obere Kammer des norwegischen Parlaments) hat mit allen gegen eine Stimme das im Odelting (untere Kammer) angenommene Gesetz über das Verbot des Schächtens nach jüdischem Ritus bestätigt. Oberrabbiner Dr. Marcus Ehrenpreis 60 Jahre Stockholm, 21. Juni. (JTA.) Am 21. Juni 1929 vollendete der Oberrabbiner von Stockholm, Herr Dr. Marcus Ehrenpreis, sein 60. Lebensjahr. Dr. Ehrenpreis wurde 1869 im Lemberg geboren, studierte und promovierte in Deutschland. Noch in ganz jungen Jahren nahm er als glänzender Schriftsteller und Stilist an der Bewegung für die Renaissance der hebräischen Sprache und Literatur hervorragend Anteil und war neben N. J. Berdyczewsky einer der Führer der junghebräischen Bewegung. Ehrenpreis hat seit dem ersten Zionistenkongreß, an dessen Vorbereitung er lebhaften Anteil nahm, eine große Rolle in der zionistischen Bewegung gespielt. Auf den Zionistenkongressen trat er als Referent in Kulturfragen hervor. Von 1900 bis 1914 war Ehrenpreis Großrabbiner von Bulgarien und ist seitdem Oberrabbiner von Schweden. Jüdische Ladenschilder in Litauen verboten Kowno, 19. Juni. (JTA.) Die Kownoer Polizeiverwaltung ordnete, die Entfernung aller Schilder mit jüdischen Aufschriften an. Die jüdische Bevölkerung ist über diese, der jüdischen Gleichberechtigung Hohn sprechende Verordnung, empört. i Polizeiliche Ritualmordhetzte in Litauen Kowno, 19. Juni. (JTA.) In der Synagoge zu Kroszsch, einem Städtchen in) der Nähe von Schauten, erschien die Ortspolizei, um nach einem verschwundenen christlichen Kinde zu suchen. Die Thoralade und alle Schränke wurden geöffnet und1 durchsucht. Hand in Hand damit ging eine Pögrompropaganda gegen die jüdische Bevölkerung, die des Ritualmords bezichtigt wurde. Schließlich wurde das verschwundene Kind im Hause eines Christen wohlbehalten gefunden. Weitere Synagogenbeschlagnahmungen in Rußland Die Jeschiwah von Sluzk in einen Arbeiterklub umgewandelt Moskau, 19. Juni. (JTA.) Die Synagogen in Kasan, Jewpatoria, Uman, Klinzi und einer Reihe anderer Städte wurden, wie hier eingetroffene Nachrichten besagen, beschlagnahmt und in Arbeiterklubs umgewandelt. In Proskurov wird jezt ein; Kampf zwischen den religiösen Juden und den Kommunisten durchgefochten, bei dem es um die Beschlagnahme von sechs Synagogen geht. Die berühmte Jeschiwah in Sluzk, die in der letzten Zeit noch illegal geführt werden konnte, wurde endgültig beschlagnahmt; im Gebäude befindet sich jetzt ein Arbeiterklub. Fünf Juden im südafrikanischen Parlament Kapstadt, 17. Juni. (JTA.) Bei den jüngst durchgeführten Wahlen für das südafrikanische Parlament wurden von den bisherigen sieben jüdischen Parlamentsmitgliedern fünf wiedergewählt, nämlich Sir Ernest Oppenheimer, Eli Buirski, Emile Nathan und Charles P. Robinson, die auf der Liste der Südafrikanischen Partei kandidierten, sowie M. Kentridgo, der Mitglied der Arbeiterpartei ist. Morris Alexander, der seit 21 Jahren dem Parlament als unabhängiger konstitutioneller Demokrat ängehörte, wurde nicht wiedergewählt. Der über 70 Jahre alte Sir David Harris, der durch mehrere Perioden dem Parlament angehört hatte, hat diesmal auf eine Wiederwahl verzichtet. Weitere Erleichterungen für die Palästinaeinwanderung — Die Vorschläge der Zionistischen Exekutive angenommen Jerusalem, 21. Juni. (JTA.) Der Oberkommissar für Palästina, Sir John Chancellor, der sich soeben zur Verbringung seines Urlaubs über Genf, wo er der Tagung der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes beiwohnen und Erklärungen über die Verwaltung Palästinas abgeben wird, nach London: begab, hat noch vor seiner Abreise wichtige Entscheidungen über Fragen der Einwanderung in Palästina getroffen und vor allem den Vorschlägen der Zionistischen Exekutive hinsichtlich der Chaluzim-Zertifikate zugestimmt. Diese Vorschläge beziehen sich u. a. auf die bewilligten Einwanderungszertifikate. Bekanntlich hat die Regierung für das Halbjahr Mai-Oktober der Exekutive 2400 Einreisezertifikate für Chaluzim gewährt, von denen über 1000 sofort verfügt wurde. Nunmehr hat Chancellor zugestimmt, daß die für zionistische politische Flüchtlinge aus Rußland gewährten 100 Zertifikate nicht auf die noch verbliebenen 1400 Zertifikate angerechnet werden; auch werden die Aufenthaltsscheine, die jenen Personen erteilt werden, die vor dem 1. Mai als Touristen in Palästina eingetroffen waren und dann dauernd im Lande Wohnsitz genommen haben, nicht auf die Zahl der Chaluzim-Zertifikate angerechnet. Schließlich werden den in Palästina einwandernden Arbeiterinnen (Chaluzoth) Erleichterungen gewährt, indem nunmehr die Kwuzoth- Verwaltungen die Garantie für die Beschäftigung der einwandernden Chaluzoth übernehmen, während bisher nur eine Garantieleistung seitens einzelner Arbeitgeber anerkannt worden war. Die

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