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Das jüdische Echo · 1928-08-24 · 34 (24.8.1928) · p. Seite 540

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
34 (24.8.1928)
Date
1928-08-24
Page
Seite 540 (sequence 16)
Language
German
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540 Das Jüdische Echo / Literarische Beilage Nr. 34 ADLERWERKE vorm. Heinrich Kleyer A.-G. Frankfurt a. M. Filiale München, Auaustenstraße 40 _ 10 PS STANDARD 6 ZYLINDER ... .. _ „ine. 1 oion oe der führende deutsche Gebrauchswagen, sofort lieferbar Weitere Typen: 6/25 —11/50 —18/80 PS ö Lieferwagen für 400 und 800 kg. S c h n e 11 - Lastwagen L 9 für 17, Tonnen und dergleichen, mußte damals in den Katalogen mein Blick mit sehnsüchtiger Wehmut vorbeiziehen. Gleichzeitig begann das dauernde Suchen und Fragen: Welche von den Trägern der unzähligen Namen in den Katalogen sind jüdischer Abstammung und welche sind bedeutend genug, um in die Sammlung aufgenommen zu werden? Dabei war ich fern von jeder Bibliothek, fern von Wissenden und nur mit wenigen primitiven Nachschlagebüchern versehen. * Die Sammlung war bereits auf etwa 200 Stücke angewachsen, als im Jahre 1900 etwas Schreckliches geschah: unser Haus verbrannte und mit ihm die ganze Sammlung, die ich mit* der Erfahrung des grünen Jungen natürlich auf dem Dachboden aufbewahrt hatte. Das war ein großer Schlag. Aber ich gab’s nicht auf. Begann von neuem und mit zehnfachem Eifer, hatte bald den Verlust eingebracht und kam noch darüber weit hinaus, wenn auch vereinzelte Stücke bis heute noch nicht ersetzt werden konnten. Die Sammlung hatte bereits die Zahl von etwa 600 Nummern erreicht, da geschah wieder etwas Schreckliches: Der Weltkrieg brach aus. Die Russen drangen gleich in unser, unweit der Grenze gelegenes Dorf, das ganze Innere unseres Hauses wurde zerstört — nur meine Sammlung hatte ich drei Tage vor der Invasion meiner flüchtenden Schwester nach Wien mitgegeben. In den Jahren des Krieges konnte ich nur selten etwas erwerben. Erst als er aufgehört hatte, begann der systematische, sozusagen fanatisch-wütige Erwerb weiter. * Bisher hatte ich in meiner Sammlung Schriftstücke von fast nur westlichen, d. h. literarischen, wissenschaftlichen, künstlerischen Größen, nicht aber von östlichen, die naturgemäß überwiegend zur Kategorie der Rabbiner, Zaddikim, Talmudgelehrten oder der hebräischen und jiddischen Dichter, Forscher und dergleichen gehören. Jene Westlichen nun konnte ich durch Kauf bei Händlern erreichen oder, einen Teil der Lebenden wenigstens, durch direkte Bitten. Anders die Östlichen. Die sind im Autographenhandel nicht vorhanden. Und ein Rabbiner oder dergleichen dieser Sphäre wird eine Bitte „für das Album“ nicht verstehen. Da war ich ganz auf das Suchen, sozusagen von Haus zu Haus, angewiesen; vagem Hörensagen nachspürend und Erfolge dem Zufall verdankend. Damit habe ich eigentlich erst nach dem Kriege begonnen. Und mußte, wie gesagt, betreffs der Östler gleich von Anfang mit dem individuellen Suchen bei Privaten und dergleichen d a beginnen, wohin ich bei den Westlern erst nach einer gewissen Sättigungsperiode gelangt war. Das ist eine unendlich mühselige, undankbare Arbeit, von unglaublich geringem Ertrage bei allen Kategorien und besonders bei den Östlichen. Weil Briefe von großen Persönlichkeiten des Ostens an sich recht selten sind. Empfänger von Zuschriften Cremieux oder Börnes, wohnten in Paris, Berlin oder in einem anderen Orte des zivilisierten, sicheren Westens und ließen diese Zuschriften in Ruhe Sohn und Enkeln zurück, die ebenfalls sicher und unbehelligt dahinlebten. Anders die Empfänger der Briefe vom Wilnaer Gaon oder Rabbi Akiba Eger. Wie vielen Pogromen, Überfällen, verheerenden Feuersbrünsten und Kriegsereignissen waren in den letzten hundert Jahren die Besitzer wichtiger Briefe im Osten ausgesetzt! Außerdem wußte die Familie, an die beispielsweise Mendelssohn-Bartholdy oder Meyerbeer schrieb, der praktischen Aufbewahrung dieser Briefe entsprechende Sorgfalt zu widmen. Die Sitte aber des Adressaten eines Briefes von Rabbi Meirl Primischlaner z. B. ließ ihn das Schreiben zwischen den Blättern eines Talmudtraktates, als ein Heiliges zwischen Heiligem, aufheben, von wo es ein Kind — wie ich es von zwei Fällen tatsächlich weiß — hinausschaffte und zerriß oder dergleichen. (Derlei Briefe kommen meist zu mir auch, im Gegensätze zu den westlichen, in einem schrecklich defekten Zustande und es kostet viel leidige Mühe, sie zusammenzukleben, herzurichten.) Oder es waren z. B. die Väter des Sozialismus in der hebräischen und jiddischen Literatur, Aron Freemann-Libermann und Dr. Jizchak Kammer, ihren Zeitgenossen nicht bedeutend genug, daß sie deren Briefe aufbewahrt hätten; sie mußten wohl auch aus polizeilichen Rücksichten vernichtet werden. Und gerade wegen ihrer Seltenheit gehören die Briefe dieser beiden, auch an sich nicht kleinen Menschen, zu den wertvollsten der Sammlung. Dazu kommt, daß der Brief des Gan oder Zaddik von seinem heutigen Besitzer als „Schmirah“, als Schutz gegen alles Böse, angesehen und darum meist um keinen Preis herausgegeben wird. Und da, wie gesagt, der östliche Teil meiner Sammlung fast ganz aus den letzten acht Jahren stammt, so ist er auch darum, abgesehen von den angeführten objektiven Gründen, beträchtlich lückenhafter als der westliche, der ja naturgemäß auch noch weit ist von jedem Grade der Vollständigkeit. So spiegelt sich in dieser Sammlung der Unterschied zwischen dem jüdischen Ost und West in verschiedenen Hinsichten recht deutlich ab. Anderseits sind diese beiden Hemisphären gerade in dieser Sammlung zu einer geistig-kulturellen Einheit wieder verbunden. Im allgemeinen habe ich konstatiert, daß ich durch hundert diverse Bemühungen ein bis zwei Stücke erhielt. Vielleicht auch darum, weil mir stets nur bescheidene Mittel zur Verfügung gestanden sind. Im ganzen sind von mir während der dreißig Jahre über 65 000 Briefe, Suchlisten, Prospekte u. dergl. zu Zwecken der Sammlung versandt worden. * Über das essentielle Wesen meiner Schriftstückesammlung kann im allgemeinen das gesagt werden, was von jeder wissenschaftlich-systematischen Autogrophensammlung (die von dem

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