Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 5 (30.1.1925)
- Date
- 1925-01-30
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103075-9153754--06433-9079142- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
68 Das Jüdische Echo Nr. 5 und ich werden morgen schon auf der Eisenbahn sein und weiterfahren, nach Berlin und nach England und nach Amerika, und so wie wir, sollen auch Sie hinausgehen und mit den Juden reden und ihr Geld verlangen und ihr Herz und ihre Anstrengung und ihr Leben. Wenn diese tausend Menschen hier das nur einmal in der Woche tun, dann sind das tausend Arbeitstage in jeder Woche. Und dann wollen wir Zusehen, ob wir Angst haben müssen! Dann brauchen Sie keine Angst zu haben, daß Ihnen irgendein „Assimilant“ ins Handwerk pfuscht. Dann wäre Ihr Zionismus auf einer so gesunden Basis, daß jene zu Zionisten werden müßten und daß Sie nie Gefahr liefen, etwas von Ihrem Zionismus aufzugeben. Ich habe nie Angst, mit den Herren zu verhandeln, die sehr gute Juden sind und im jüdischen öffentlichen Leben stehen, die aber in einem Punkte nicht so stark sind wie ich — und deswegen kann mir nichts geschehen. Ich wage Ihnen das mit einer Anekdote zu verdeutlichen. In einem Orte gab es einen sehr gescheiten jüdischen Versicherungsagenten und einen Bischof, der großen Wert darauf legte, daß dieser Mann bekehrt werde. Als alld anderen Mittel vergeblich waren, lud er ihn zu sich ein und sie diskutierten stundenlang im verschlossenen Zimmer. Die Juden warteten draußen besorgt, und als er herauskam, fragten sie ihn: Nun, bist du getauft? Nein, sagte er, aber der Bischof ist versichert. So geschieht es, wenn Sie, zielbewußt im Zionismus und ihrer Pflichten bewußt, miteinander verhandeln. Sie werden nicht getauft, aber jene bekommen eine Versicherung. Und nur in diesem Sinne wirkt unsere Zusammenarbeit und das wollen auch jene. Im Grunde genommen ist, was Sie zu uns zieht, doch nicht unser gesellschaftlicher Standard, denn wir sind wirklich Menschen aus dem Volke. Meine Damen und Herren, Sie nennen mich Präsident, Sie machen Geschichten mit mir, eine große Aufmachung — ich bin ein einfacher Jude und das ist meine Stärke. Darum kenne ich sie so gut und darum kennen Sie mich vielleicht zu gut. Diese ganzen Geschichten sind für die Welt; für mich — ich brauche das nicht. Aber was Sie an uns von Wert finden, ist nicht diese Aufmachung, Die Mitarbeit an der Von dem sehr rührigen Verlage J. Bulka in Nürnberg wurde in diesen Tagen ein neues Buch des Nürnberger Rabbiners Herrn Dr. Max Freudenthal herausgegeben, das dem 50jähr. Bestehen der Nürnberger Gemeinde gewidmet ist und den Titel „Die israelische Kultusgemeinde Nürnberg 1874 — 192 4“ trägt. Es ist entschieden begrüßenswert, daß Herr Dr. Freudent'hal es unternommen hat, gerade bei einer so verhältnismäßig jungen Gemeinde wie Nürnberg ein Entwicklungsbild zu geben, ein Bild, das auch dem oberflächlichen Leser klar machen wird, welche starke Kräfte in dem komplizierten Organismus einer Gemeinde von der Bedeutung der Nürnberger arbeiten müssen, wenn es erreicht werden soll, Bestehendes zu erhalten, Neues aufzunehmen, ohne Altes zu zerstören, Würde und Ansehen nach innen wie nach außen zu wahren und zu fördern. Eine jüdische Großgemeinde ist eben ein Verwaltungskörper, der, was man sich immer klar macht, am Umfang der Geschäfte, wie überhaupt an Bedeutung sich sehr wohl mit der Verwaltung einer Stadl vergleichen lassen kann, der einen Regierungs- und Beamtenapparat erfordert, an welchen in jeder Hinsicht höchste Anforderungen gestellt werden müssen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Nürnberger Juden das Glück gehabt haben, Männer das ist, daß wir Ihnen das Beispiel gegeben haben, daß man dieses Leben in den jüdischen Ghettos, das zu sieben Achteln daraus besteht, daß man fremden Göttern dient, auch so gestalten kann, daß man einem Gotte dient. Das ist das Reinigende, das sie auch wollen und das sie anzieht; das ist die zwingende Kraft der zionistischen Idee. Dieser Mischkan, den wir in uns tragen, dieses Heiligtum, mit dem wir vorwärts gehen, wie die Juden, durch die Wüste gegangen sind, und das wir hineintragen in das vergoldete Ghetto von New York oder Berlin oder Wien oder Prag oder Brünn — wenn Sie ein Stückchen von dieser Heiligkeit mit sich tragen, kann es Ihnen niemand nehmen und Sie werden die Sieger sein. Es ist die moralische Kraft und die felsenfeste Überzeugung, daß wir endlich und schließlich mit diesem Lande verwachsen sind, und deswegen hatte ich nie Angst vor Verhandlungen. Jene mögen meine Philosophie nie verstehen und meine Vergangenheit nicht begreifen und nicht den Cheder durchgeschmerzt haben wie ich. Aber ich kann ihnen etwas zeigen, was wir haben und jenen abhanden gekommen ist, und ihnen das zu zeigen ist meine Pflicht und unsere Pflicht. Und so liegt der Jewish Agency eine viel größere Idee zugrunde, die wirkliche Achduth, die brüderliche Einheit des gesamten Judentums, die dem Juden immer als Ideal vorgeschwebt hat und die wir ihnen nun zurückbringen als ein neues großes Ideal. Um sie herbeizuführen, müssen wir, müßt Ihr stark und zahlreich sein, nicht nur an den Feiertagen, auch an den Tagen der kleinen, aufreibenden, mühsamen Arbeit. Nicht festlich gestimmt sein, ist, was uns emporhebt, sondern diese kleine, mühselige Arbeit — ich weiß es, wieviel ich leiden und mich mühen mußte und wie oft ich antichambrieren mußte, bis ich soweit gekommen bin, daß ich heute nur das Telephon zu nehmen brauche und irgendeinen Machthaber anrufen kann. Ich mußte gehen und arbeiten und das müssen auch Sie, bis Sie zu dieser Heiligkeit kommen werden. Und so wollen wir diesen Jomtow beenden; ich wünsche Ihnen Gut’ Woch’. Gut’ Woch’, Juden! jüdischen Gesamtheit in ihren Reihen zu finden, oder auch sich solche Männer von außen zu gewinnen, die mit jener letzten Hingabe, ohne die ein solches Werk niemals erstehen kann, sich für die Arbeit in der jüdischen Gemeinde Nürnbergs eingesetzt haben. Das Buch Dr. Freudenthals enthält denn auch eine reiche Aufzählung von Namen, die jedem, der sich mit der Entwicklung jüdischen Lebens in Nürnberg befaßt hat, vertraut sind, die aber doch in einer derartigen Gesamtdarstellung uns aufs neue stark ins Gedächtnis gerufen werden, die uns in ihrer Vielheit ein imponierendes Bild geben. Wenn wir immer betont haben, daß wir gerade in grundsätzlichen Fragen durchaus nicht immer mit den Beschlüssen der Gemeindeverwaltung einverstanden waren und natürlich auch heute noch nicht sind, so kommt dies eben daher, daß wir mit der Gesamteinstellung, die nicht nur in Nürnberg, sondern überhaupt in Deutschland die Gemeinden gerade den wichtigsten Fragenkomplexen gegenüber einnehmen, nicht übereinstimmen können. Unsere Forderungen, die auch jetzt wieder gelegentlich des Wahlkampfes in Preußen besonders akut geworden sind, dürfen als bekannt genug vorausgestzt werden, so daß sie in diesem Zusammenhänge einer Aufzählung nicht bedürfen. Schlagwortartig kann vielleicht gesagt werden, daß die Frage der Mitarbeit an der jüdischen Gesamt-