Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 5 (30.1.1925)
- Date
- 1925-01-30
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 5 50. Januar 12 Jahrgang Der heutigen Nummer liegt eine Zahlkarte bei, die für die Einsendung des Bezugspreises (8 Mk. für das ganze Jahr 1925) bestimmt ist. Eine neue Weizmann-Rede Wir freuen uns, unseren Lesern von einer Rede Kenntnis geben zu können, die Weizmann während seines kurzen Aufenthaltes in Mitteleuropa in einer zionistischen Massenversammlung in Brünn gehalten hat. Während es sonst nicht immer leicht ist, aus den Reden eines Menschen auf seine Persönlichkeit zu schließen, glauben wir, daß bei dieser, in ihrer und durch ihre Einfachheit wunderbaren Rede sich ganz stark die Persönlichkeit Weizmanns in ihrer Durchdrungenheit von der Schwere der Aufgabe und ihrer Schönheit, in ihrer Bewußtheit vom Führertum und in ihrer starken Verbindung mit dem kleinen Juden in der jüdischen Gasse irgendwo in der Welt, zeigt. Wir halten es nicht für nötig, diese Rede, die ein Kommentar nur abschwächen würde, weiter zu erläutern und machen nur bei dieser Gelegenheit auf das vom Keren Hajessod herausgegebene und von Prof. Einstein eingeleitete Buch: Chajim Weizmann: Israel und sein Land, Reden und Ansprachen*), aufmerksam, welches die bedeutendsten Reden Weizmanns in überaus dankenswerter Weise in schöner Form der Allgemeinheit zugänglich gemacht hat. (D. Red.) * * * Meine Damen und Herren! Ich befinde mich wirklich in einer großen Verlegenheit. Es wurde mir gesagt, daß mir heute Gelegenheit gegeben würde, mit den Zionisten in einer zwanglosen Weise zusammenzukommen, und nun sehe ich hier einen dichtgefüllten Saal, eine große Versammlung, und ich Ärmster muß wieder eine Rede halten. Sie erkennen an meiner Stimme, daß ich fürchten muß, nicht über einige Meter hinaus verständlich zu sein. Und ich'’ muß auch zugeben, daß ich schon alles gesagt habe, was ich sagen könnte. Ganz allgemein kann ich nicht reden, ich habe nur eine Rede und die habe ich schon gehalten, in Prag und in Wien. Sie werden mir verzeihen, wenn ich sehr kurz sein werde und Ihnen nur nochmals danke für die schönen Tage in Brünn, für alles, womit Sie mich in so herrlicher und verschwenderischer Weise überhäuft haben. Fast alle Redner vor mir haben das, was ich sagen möchte, besser gesagt, als ich es sagen würde. Ich will nur auf eine Frage eingehen, die in der Luft hegt. Ich glaube, daß der Gedanke der Schaffung einer jüdischen Einheitsfront nicht aus der Schwäche, sondern aus der Stärke des jüdischen Bewußtseins der Zionistischen Organisation strömt. Unsere Aufgabe war, der Welt den Beweis zu führen, daß man Palästina aufhauen kann und daß man Palästina mit Juden aufbauen kann. Das letztere ist vielleicht wesentlicher als das erstere. Ich unterstreiche das, denn neulich kam ein bekannter Fachmann, ein Nichtjude, aus Palästina zurück und sagte uns: „Palästina ist ein sehr gutes Land, freilich etwas schwierig. Aber wenn es Dänen wären, nicht Juden, mit denen Sie das Land *) Erhältlich durch den Zion. Gruppenverband, Nürnberg, Fiirtherstraße 87, und Ewer-Buchhandlung, München. aufhauen,, dann wäre der Aufbau leichter.“ Unsere Aufgabe bestand darin, den Beweis zu führen, daß es mit Juden möglich ist, und ich glaube, das ist jetzt bewiesen. Im Augenblick, wo dieser Beweis gelungen ist, in diesem Augenblick ist der Zeitpunkt gekommen, das Aufbauwerk auf die Schultern aller Juden zu legen. Darin besteht auch die Sicherheit, daß dieses Aufbauwerk in größerem Maßstabe und schnellerem Tempo vor sich gehen wird. Und wenn jene noch viel an zionistischer Erfahrung zuzulernen haben, auch wir werden bei ihnen noch viel lernen können. So wird eine jüdische Einheitsfront entstehen, die die verschiedenen Widerstände, welche sich gegen uns erheben, kraftvoll überwinden kann. Das ist der Sinn der Jewish Agency, von der so viel gesprochen wird und die ein so umstrittener Punkt in der jüdischen Welt geworden ist. Wenn die Zionistische Organisation sich fester und bewußter zusammenschließen und auf ihre Pflicht bedacht sein wird — denn darin besteht noch immer die treibende Kraft dieser großen Maschine — dann wird für sie noch immer Arbeit genug übrig bleiben, Arbeit geistiger und ökonomischer Natur, die als Beispiel dastehen wird für die anderen Mitglieder der Jewish Agency. Und wir werden sie leisten, wenn die Zionisten weiterhin die innere Kraft fühlen werden, die uns getrieben hat, vor vierzig Jahren schon, uns mit dem Aufbau Palästinas zu beschäftigen. Es ist möglich, daß dieser Schritt ein schwerer und schwerwiegender ist, daß wir manche Gefahr auf dem Wege finden werden. Aber unser ganzer Weg ist mit Gefahren bestreut und es wäre nach meiner tiefen Überzeugung viel gefährlicher, in demselben Tempo wie bisher in Palästina weiter zu arbeiten. So gut unsere Erfolge sind, so muß doch den Zionisten gesagt werden, daß diese Erfolge der Größe der Aufgabe, die uns noch erwartet, nicht adäquat sind. Wenn heute drei, vier, viereinhalb Prozent des palästinensischen Bodens in jüdischen Händen sind, so ist das herzlich wenig. Und wenn heute nur 120 000—130 000 Juden im Lande sind, so ist das herzlich wenig. Es ist wahr; es sind die ersten 120 000 Menschen und die erste halbe Million Dunam, die die größte Schwierigkeit bedeuten, aber sie sind nicht genug als Basis für das, was wir zu bauen haben. Es ist auch nicht genug, daß in einer Stadt wie Brünn oder Prag oder London nur ein Häuflein Zionisten da ist, die auf ihren Schultern die ganze schwere Last der lokalen Arbeit tragen. Zu einem Fest kommen viele Juden, hunderte und tausende. Nach einem Jomtow aber sagen einander die Juden „Gut’ Woch’“, und „Gut’ Woch’“, möchte ich Ihnen auch sagen. Der Feiertag ist vorbei. Wir haben einander Reden gehalten, Sie haben uns mit Herzlichkeit und Gastfreundschaft empfangen und wir wollen Ihnen nochmals die Versicherung geben, daß wir alles tun werden, was in unseren Kräften steht. Aber nun möchte ich „Hawdole“ machen und Ihnen sagen: Morgen beginnt der Werktag, da sollen auch die Hunderte hier, die jungen Männer und Frauen, hinausgehen und arbeiten. Feiwel