Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 5 (30.1.1925)
- Date
- 1925-01-30
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Das Jü mscne Echo 69 heit, die von uns immer als die vordringlichste und letzten Endes entscheidende gewürdigt worden ist, in den Gemeinden noch immer nicht auf das nötige Verständnis gestoßen ist. Dieser Eindruck entsteht bei uns aufs neue gerade bei der Lektüre dieses Buches, wobei allerdings von vorneherein und um jeden Zweifel auszuschließen, gesagt werden soll, daß dies natürlich nicht Schuld des Verfassers, des Chronisten sein kann, sondern sich notwendigerweise gerade aus einer objektiven Darstellung der Geschichte der Nürnberger Gemeinde ergeben muß. Es soll nicht die Aufgabe dieses Artikels sein, eine umfassende Würdigung des auch außerhalb der Mauern Nürnbergs sicher interessierenden Buches vorzunehmen; diese Würdigung wird in einer der nächsten Nummern unseres Blattes von berufener Seite aus erfolgen. Wir wollen uns lediglich darauf beschränken, an der Darstellung, die der Verfasser in dem Unterabschnitt VIII seines Buches, das der Mitarbeit an der jüdischen Gesamtheit gewidmet ist, eine, wie uns scheint, unerläßliche Kritik zu üben, insoferne er dort mit kurzen Worten das Verhältnis der Zionistischen Ortsgruppe zur Gemeinde berührt. Es wird dort folgendes ausgeführt: „Nur langsam und schwer gewann die zionistische Bewegung in Nürnberg Boden, zumal sie zuerst hier wie überall außerordentlich aggressiv auftrat und es an Provokationen gegen die führenden Männer der Gemeinde in Versammlungen und in der Presse, noch dazu aus dem Munde ebensowenig berufener wie würdiger Eiferer nicht fehlen ließ. Mit der Übernahme der Führung der Zionistischen Ortsgruppe durch Dr. jur. Meinhold Nußbaum änderte sich dies unerfreuliche Bild und es trat eine versöhnliche Haltung zutage, welche das Bestreben nach gemeinschaftlicher aufbauender Arbeit in der Gemeinde bekundete 'und guten Erfolg erzielte.“ Eine historische Zusammenfassung ist keine Leichenrede und wir sind deshalb durchaus mit dem Verfasser einer Meinung dahingehend, daß wirkliche Schwächen, wo sie vorhanden waren oder sind, gerade an solcher Stelle aufgedeckt und der Öffentlichkeit vor Augen geführt werden sollen. Um so schwerer aber ist die Verantwortung für denjenigen, der derartige weithin wirksame und den Anspruch auf Objektivität erhebende Feststellungen trifft. Er hat eine ganz besondere Pflicht, die Zusammenhänge so darzustellen, wie sie wirklich in Erscheinung getreten sind, und darf sich nicht durch Stimmungen beeinflussen lassen, so weit sie nicht berechtigtes Resultat genauester Wahrheitserforschung sind. Herr Dr. Freudenthal leitet in dem oben erwähnten Abschnitte seines Buches, das augenblicklich bestehende, auch von uns selbstverständlich begrüßte, gute Einvernehmen zwischen Gemeindeverwaltung und Zionistischer Ortsgruppe in Nürnberg aus Gründen rein persönlicher Art ab. Er hat seiner Meinung dahin Ausdruck gegeben, daß durch einen Führungswechsel innerhalb der Zionistischen Ortsgruppe sich auch ihre „Außenpolitik*1 vorteilhaft verändert hätte. Diese Feststellung enthält zunächst und unmittelbar einen schweren Angriff auf die Geschäftsführung der früheren Vorsitzenden der Zionistischen Ortsgruppe in Nürnberg, der ohne besondere Empfindlichkeit von den in Frage kommenden Herren — es sind noch dazu ganz wenige — als beleidigend empfunden werden kann. Der Vorsitz der Zionistischen Ortsgruppe wurde vor Herrn Dr. Nußbaum von den Herren Dr. Blöde, Dr. Bamberger und Dr. Singer nacheinander geführt. Wir sind uns keiner Tatsache bewußt, die gerade diesen Herren, deren Name in Nürnberg nicht den schlechtesten Klang hat, gegenüber das Recht geben würde, sie als Unberufene und Unwürdige vor der Öffentlichkeit zu brandmarken. Wir erlauben uns die Anfrage an Herrn Dr. Freude n t h a 1, durch welche Tatsachen er eine derartig scharfe Stellungnahme belegen will, eine Anfrage, deren Berechtigung, wie wir hoffen, gerade von ihm, den wir sonst durchaus als verständnisvollen Beurteiler und Förderer gesamt jüdischer Probleme kennen und schätzen gelernt haben, richtig verstanden werden wird. Wir betrachten es ferner als eine Ehrenpflicht, unsererseits gerade bei dieser Gelegenheit zum Ausdruck zu bringen, daß die Zionisten in Nürnberg einschließlich der in Gegensatz zu ihnen gebrachten neuen Leitung in voller Würdigung der Verdienste dieser Männer um die zionistische Arbeit, durchaus auch heute noch sie als legitime Vertreter ihrer Forderungen und Anschauungen würdigen und betrachten. Es scheint uns, als ob der Verfasser der Gemeindegeschichte sich gerade in diesem Punkte in einem nicht unerheblichen Irrtum befunden hat. Es soll nicht bestritten werden, daß die zionistische Taktik, daß verschiedene zionistische Forderungen im Laufe der Jahre sich geändert haben, daß hier eine gewisse, auch nach außen hin in Erscheinung getretene Wandlung sich vollzogen hat. Es ging selbstverständlich nicht spurlos an uns vorüber, daß die Palästinafrage aus dem Reiche rein theoretischer Betrachtungen in das Gebiet praktischer Arbeit übergeleitet werden konnte. Hatte man sich noch vor relativ wenigen Jahren \C3Wi POBZEL LAN-\I EDERL AGE MÜNCHEN THEA TINERSTRASSE 23 gegenüber der Feldherrnhalle GRÖSSTE AUSWAHL, IN GEBRAKCHSFOBZELLAK TÄGLICHE LAGEREKGÄSZIIliG