Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 28 (16.7.1915)
- Date
- 1915-07-16
- Page
- Seite 227 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 Das Jüdische Echo 227 hingewiesen, daß drei Fünftel der Londoner Geschäftsleute deutsche Juden seien, welche die berechtigte Hoffnung hegen, daß sie nicht mehr so viel zu leiden haben werden, wenn die Deutschen Libau behalten. Französischer Antisemitismus. Die Zeitungen „Libre Parole" und „L'Action" beschuldigen den Pariser Rothschild, daß er geheime Beziehungen zu den deutschen Zweigen seiner Familie unterhalte, und zwar zuungunsten der Verbündeten. Zum Glück nimmt niemand die idiotische Anklage dieser antisemitischen Blätter ernst.. „Libre Parole" griff auch den Großrabbiner von Frankreich an, weil er den Rabbiner in Algier bat, er solle für die religiösen Bedürfnisse der deutschen jüdischen Kriegsgefangenen Sorge tragen. Rumänischer Antisemitismus. Nach Moskau gelangte die Nachricht, daß in Rumänien ein Dekret herausgegeben wurde, nach welchem alle rumänischen Juden aus den Orten, die an der österreichisch-rumänischen Grenze liegen, innerhalb 24 Stunden ausgewiesen werden sollen. Die Lage der Ausgewiesenen ist kritisch. Sie mußten ihr Hab und Gut zurücklassen. Es ziehen auf den Straßen lange Reihen Fuhrwerke mit Ausgewiesenen, die durch Polizisten beaufsichtigt werden. Das Niederträchtige dieser ministeriellen Verfügung wird besonders deutlich, wenn man erfährt, daß die Ausweisung sich nur auf die rumänischen Juden bezieht, während die deutschen und österreichischen Untertanen wohnen bleiben dürfen. Zur Erneuerung des amerikanisch - russischen Handelsvertrages. Senator Salus brachte eine Resolution vor, die Regierung möge sich um die Gleichberechtigung der russischen Juden bemühen und dafür sorgen, daß amerikanische Juden, die sich in Rußland aufhielten, unbelästigt bleiben. Huldigungszüge in Wien. Die jüdische und allgemeine Presse berichtete von dem eindrucksvollen Umzug, den die galizischen Flüchtlinge anläßlich der Eroberung Lembergs in Wien veranstalteten. Er soll von allen stattgefundenen Freudenkundgebungen die eigenartigste und rührendste gewesen sein. Viele Tausende beteiligten sich an der von der zionistischen Parteileitung angeregten Kundgebung. Nicht weniger imposant war der Zug, der am Todestage Theodor Herzls vor dessen Grabe defilierte. Er zählte 5000 Teilnehmer und bewies, ebenso wie die zahlreich besuchten Gedenkfeiern, bei denen Gemeinderabbiner Dr. Max Grunwald, Rabbiner Dr. Osias Thon aus Krakau u. a. sprachen, wie lebendig die Erinnerung der galizischen Juden an den toten Führer ist. Polnische Agitation in Amerika. Aus Wien schreibt man an die amerikanisch-jüdischen Zeitungen: „Der österreichische Ministerpräsident Graf Stürkh erklärt: Weder ich noch das Ministerium des Äußern gaben den polnischen Führern, die vor einigen Monaten von Österreich nach Amerika fuhren, die Erlaubnis, für ein unabhängiges Polen zu agitieren. Zu. einer solchen Agitation sind sie nicht berechtigt, und wenn sie es doch tun, so machen sie es ohne Zustimmung der österreichischen Regierung und überschreiten die Grenzen ihrer Autorität." Die polnischen Führer, welche bekanntlich vor einigen Monaten nach New-York kamen, sich als Mitglieder einer provisorischen polnischen Regierung in Krakau erklärten und für ein unabhängiges Polen zu agitieren begannen, verhandelten sogar schon mit New-Yorker jüdischen Führern über die Rechte, welche Juden im unabhängigen Polen haben sollen. Aus der Erklärung des österreichischen Ministerpräsidenten ist zu ersehen, welchen Wert diese Verhandlungen haben. Eine Emigrationskonferenz. Im Haag fand in diesen Tagen eine Konferenz bedeutender Persönlichkeiten des holländischen Judentums statt, welche über das Emigrationsproblem beriet. Man glaubt, daß nach Kriegsende eine große jüdische Wanderung aus Galizien und Rußland anheben werde, eine Wanderung, die an Ausdehnung und Schnelligkeit alles Bisherige übertreffen wird. Man will deshalb beizeiten die nötigen Mittel finden, um in die zukünftige Wanderung etwas Ordnung und System zu bringen und die Schmerzen der Wanderer zu mildern. Man denkt, daß Holland als Durchgängsland eine große Rolle in der Regulierung der jüdischen Emigration spielen kann. Die Konferenz war nicht öffentlich. Man hat nicht die Absicht, schon jetzt einen Bericht über ihren Verlauf zu veröffentlichen. Einstweilen soll die Andeutung genügen, daß einflußreiche Persönlichkeiten verschiedener Lager sich an ihr beteiligt haben und daß man entschlossen ist, eine große Aktion in die Wege zu leiten. Vorbereitungen dazu werden in aller Stille gemacht. Gemeindenu. Vereins-Echo Bamberg. Den Tod fürs Vaterland starb cand. jur. Daniel Mayer. Bayreuth. Von der Gemeinde wurden bisher abgeführt an den Jüdischen Hilfsfonds 1915 z. H. des Hilfsvereins der deutschen Juden Mk. 1500.—, an die Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung Mk. 295.—, für die Juden Ostpreußens und Galiziens etwa Mk. 1000.—. Dazu kommen noch ungefähr 12 Kisten mit Kleidungsstücken für die Flüchtlinge dieser beiden Gebiete. Außerdem besteht noch ein Fonds, um späteren Bedürfnissen gerecht zu werden. Frankfurt a. M. Aus dem Bureau der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" wird uns geschrieben: Angesichts der herrschenden Tefillinnot haben wir im Januar ds. Js. um Überlassung aller für den Besitzer entbehrlicher Tefillin zur Befriedigung des starken Bedarfes an solchen in Kriegsgefangenenlagern und in deren galizischen Flüchtlingszentren gebeten. Der Erfog unserer Bitte war befriedigend und wir konnten hunderten von Gesuchen entsprechen, nachdem wir die eingegangenen Tefillin einzeln hatten prüfen und zum Teil hatten reparieren lassen. Der Vorrat ist indessen jetzt völlig vergriffen, während sich die Gesuche sowohl von Seiten russisch-jüdischer Kriegsgefangener als aus den kleinen Orten Böhmens und Mährens, in denen sich galizische Flüchtlinge aufhalten, von Tag zu Tag mehren. Es ergeht daher die dringende Bitte an jeden, der entbehrliche Tefillin zur Verfügung hat, diese unserem Bureau, Schützenstraße 14, so rasch wie möglich zur Verfügung stellen zu wollen. Kaiserslautern. Im Bezirksrabbinat wurden zwei Sammlungen vorgenommen. 1. Für die aus Galizien in andere österreichische Kronländer geflüchteten Juden. Ergebnisi: Kisten mit Kleidern im Gewicht von 1460 kg, Geld im Betrage von Mk. 1000.—. 2. zu Gunsten des von der Großloge, 'dem Hilfsverein usw. unternommenen Hilfswerks. Ergebnis: Mk. 1400.—.