Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 3 (7.2.1867)
- Date
- 1867-02-07
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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21 letztere dafür ein jährl. Honorar p. 4 fl. zu entrichten haben. Ist nun aber kein Rabbiner an einem solchen Orre ansässig, so wird dem etwaigen israel. Lehrer daselbst gestattet, als Substitut des Kreisrabbiners den Religionsunterricht zu ertheilen oder derselbe wird sogar provisorisch von der Statthalterei als Religionslehrer ernannt. Run fragt sich aber, welchen Umfang soll dieser Religionsunterricht haben, der in etwa zwei Stunden pr. Woche ertheilt wird? Was ist bisher an den verschiedenen Anstalten hierin geleistet worden? Welcher Gewinn erwächst dem Iudenthume oder der jüd. Religion überhaupt durch einen derartigen Religionsunterricht? Ist es nicht an manchen Orten sogar zur bloßen Formsache herabgesunken, um nur damit die leere stelle im Zeugnisse auszusütten? Ich fühle mich bei weitem nicht berufen, alle diese Fragen gehörig zu beantworten, möchte vielmehr diesen meines Erachtens nicht unwichtigen Gegenstand angeregt haben, damit von competenter Seite darüber referiert werde. Ich meinerseits habe darüber nachgedacht und bin nun nach reiflicher Erwägung zu folgendem Resume gelangt: „Der Menscb als solcher, als ein mit Vernunft begabtes Wesen hat in jedem Verhältnisse des Lebens die Religion nöthig; er bedarf ihrer nicht bloß, um sich einst der ewigen Seligkeit würdig zu machen, sondern auch schon in diesem Leben um als Mensch unter Menschen leben zu können, muß ihm ein gutes Stück religiösen Wissens und Wollens innewohnen; denn welchen Werth hätte der Eid eines Menschen, der von göttlichem Lohn und göttlicher Strafe nichts weiß, nichts wissen will? Welchen Begriff muß der gottlose Mensch sich von dem Mein und Dein bilden, wenn die Sonne des Glückes ihm zu leuchten aufhört und er von seinem Mitmenschen weniger beachtet wird als zuvor? Wenn endlich die finstere Nacht des Unglücks unaufhörlich ihn verfolgt und Misgeschick jeden seiner Schritte begleitet, was bleibt ihm dann noch übrig, wenn jede Aussicht auf menschliche Hilfe ihm verschlossen ist? Ich mag das Wort, das grauenerregende, nicht aussprechen; doch von diesem furchtbaren Gedanken beseelt, habe ich mir vorgenommen, bei jeder Gelegenheit dahin zu wirken, daß die Religion zum Nutzen u cd Heile der Jugend gehörig unterrichtet werde. Nun aber kann ich als Jude mir unter dem Worte Religion durchaus keinen andern Begriff machen als den Inhalt der fünf heiligen Bücher, diesen erklärt und erläutert so haben wir eine Religion, wie sie dem profanen Menschen zur Noth genügt, um als Jude leben zu können. Hieran wird der einsichtsvolle Lehrer auch die verschiedenen Gebräuche und Zeremonien beim Gebete und anderen religiösen Handlungen anknüpfen und überhaupt auf alle im religiösen Leben vorkommenden Vorschriften aufmerksam machen. Außer diesem ist es noch nothwendig, daß der Lehrer dann und wann eine Exhorte hält, in welcher mit warmen Worten über das Verhältniß zu Gott und Menschen gesprochen wird. Nur darf dieß nicht zu oft geschehen. Sind die Schüler nun hierin vorgeschritten kaun auch die weitere Geschichte des Judenthums bis zur Zerstörung des Tempels und auch die nachbiblische und endlich auch die Psalmen im Urtexte gelehrt werden. Ein derartiger Unterricht hätte den Zweck, daß ein großer Theil der Schüler dem Iudenthume und seinen Satzungen treu bliebe und jeder von ihnen doch allenfalls einige Kenntniß von den jüdischen Schriften und Lehren hätte. Ich will nun nicht zweifeln, daß es Lehrer gibt, die die Religion sei es auf dieser oder jener Weise gewiffenhaft lehren; hingegen steht fest, daß es (leider nicht wenige) auch solche Lehrer gibt, die anstatt Religion zu lehren und zu verbreiten, sie verunglimpfen und mehr schaden als nützen; ja es ist dahin gekommen, daß man einer guten Klasse aus der Religion im voraus gewiß ist, daß es als Gräul betrachtet wird, wenn ein Lehrer einem Schüler, der keinen Dunst von Religion hat, eine weniger gute Klasse einträgt. Wohin soll nun das führen? Welch rigoroser Dtwi *?iSn ist dieß den katholischen Lehrern gegenüber, die das ganze Lügengewebe einer solchen Klassifikation durchschauen? Wahrlich: ixr noe Tsnnoi tdiho PH. Lederer. Bresla». Am 27. Januar feierte das jüdische theologische Seminar sein dreizehntes Stiftungsfest, das alljährlich zugleich mit der Gedächtnißfeier des seligen Stifters begangen wird. — Lang vor 11 Uhr war der große Seminarsaal. der mit den Bildern des Königs, und der Gebrüder Fränkel geschmückt war, von Freunden und Gönnern der Anstalt dicht gefüllt. Wir bemerkten darunter Vorsteher der hiesigen Synagogengemeinde, Stadtverordnete, auch mehrere Professoren der Universität. Wie verlautete, wollte auch der Herr Fürstbischof Heinrich die Feier mit seiner Gegenwart beehren, wäre er nicht durch den Gottesdienst, den er zu gleicher Zeit im Dome zu celebriren hatte, am Erscheinen verhindert gewesen. — Die Feier begann mit einem herrlichen Choräle (Trn dhdö), der vom Herrn Cantor Deutsch dirigirt und von dem Seminarchore unter Begleitung eines Harmoniums vortrefflich ausgesührt wurde. Hierauf bestieg der Herr Direktor Frankel die Kanzel und hielt die Gedächtnißrede. — „Wie Asien die Wiege der Menschheit sei, so wäre Asien auch die Wiege der reinen Gotteserkenntniß. Die Menschheit fand überall ihre Wohnsitze, nicht so die reine Gotteserkenntniß; diese wurde überall und immer verfolgt und angefeindet. Im Alterthume, Mittelalter bis in die neuere Zeit wurde die jüdische Wissenschaft verkannt, und sogar von jenen christlichen Gelehrten, die sich speziell mit ihr befassten, der Verachtung und dem Haffe Preis gegeben, So habe Buxtorf jeder Seite seines chaldäisch talmudischen Wörterbuches Stetten aus dem Talmud zitirt, die beweisen sollten, wie wenig jüdische Theologie mit Humanität übereinstimme. — Doch die Gegenwart sei von diesen Vorurtheilen abgekommen, allgemein wird jetzt der hohe Werth der jüdischen Wissenschaft anerkannt und 'in gebührender Weise gewürdigt. — Es werden ihr Pflanzstätten errichtet, um sie, die so lange vernachlässigt war, und beinahe der Vergessenheit anheim zu fallen drohte, zu hegen und zn pflegen. — Und nun ging der hochwürdige Redner auf die unsterbliche That des edlen Stifters über, der mit der Gründung des Seminars sich für ewige Zeiten das schönste Denkmal gesetzt habe. — hierauf verlas er die Namen derjenigen Hörer, die in diesem Jahre mit einem Stipendium bedacht wurden, und forderte den Kandidaten Herrn Dr. Philipp Bloch aus, im Namen seiner Collegen über.den Beruf eines Rabbiners der Gegenwart zu sprechen. — Dr. Bloch entrollte in einem geistvollen Vortrage ein Bild von den religiösen Strömungen im 9. und 10. Jahrhundert, wo der Islam mächtig wurde und auch auf das Iudenthum, seinen Einfluß ausübte. Auch da entstanden Partheiungen, wie die Karäer und andere Sekten, die das Glaubensgebäude des Judenthums erschütterten. Doch da trat ein Mann zur Zeit auf, R. Saadja, Exilarch von Sura, der muthig den Kampf gegen alle Feinde seines Glaubens aufnahm, und mit den Waffen des Geistes siegreich durchführte. — Der Redner zählte nun die bedeutendsten Werke des großen Gaons aus, und hob besonders sein religions-philosophisches Hauptwerk, Emunot we-Deot hervor. — Auch die Gegenwart zeichne sich durch gewaltige religiöse Strömungen aus, und so sei jener große Mann ein Vorbild, ein Muster für die Rabbinen der Jetztzeit; können wir ihn auch nicht erreichen, so sollen wir wenigstens darnach streben, ihm nahe zu kommen, und wir haben dann unfern Beruf erfüllt. — Hieraus erfolgte die feierliche Entlassung der beiden Kandidaten Dr. 1?llil. Bloch aus Tworok in Schlesien und Dr. Alexander Kohut aus Kcckemet in Ungarn, (vr. Samuel Kohn aus Baja in Ungarn, der ebenfalls entlassen werden sollte, war bei der Feierlichkeit nicht anwesend, da er bereits seit einem halben Jahre als Rabbinats - Assessor und Prediger in Pest angestellt ist.) — Der Herr Director hielt eine warme Ansprache an sie, worin er anknüpfend an seine frühere Rede ihnen besonders die Pflege der Gotteslehre an's Her; legte. Sie sollten in den Gemeinden, zu deren religiösen Leitung sie berufen werden, den Geist für die jüdische Wissenschaft zu erwecken, und die Ausbreitung derselben zu befördern suchen. Schließlich forderte er sie und alle ihre Collegen im Amte auf, alljähr-