Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 3 (7.2.1867)
- Date
- 1867-02-07
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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22 lich einmal bei ihm zusammenzu kommen, um die in ihren Wirkungskreisen gemachten Erfahrungen gegenseitig austauschcn und dieselben mit einander besprechen zu können. — Dann übergab er ihnen ihre Diplome. — Das Gebet für den König, das gleich dem ersten Liede vom Seminarchore meisterhaft vorgctragcn wurde, bildete den Schluß dieser erhebenden Feier. — Nach dem Jahresberichte, der an demselben Tage ausgegeben wurde, studircu am Seminar im Ganzen 5)8 Hörer, wovon 4 der Lchrcrabthcilung angchörcn. — Bon den übrigen 54 Rabbinerseminaristen, sind 25 Ocsterreicher, 24Preußen, 3 Badenser, l Würtemberger und 1 Lippe Detmolder. Die dießjährige Prcisuusgabc lautete: Die Uebcrsetzung des Jonathan den Usiel zum Pentateuch nach ihrer halachischen Paraphrase und Angabe der Quellen. — Herrn Caud. phil. N. Glaser aus Nikolsburg wurde der Preis zuerkannt. — Auch in diesem Jahre erhielt die Anstalt mannigfache Beweise des Wohlwollens und der ehrenden Theilnahme. ■— Es wurden ihr bedeutende Legate vermacht, und auch sonstige Unterstützungen zugewendet. — Eine vortreffliche Abhandlung vom Seminarlehrer Dr. B. Zuckermann: „das jüdische Maaßsystem und seine Beziehungen zum griechischen und römischen" geht dem Jahresberichte voran. — Es ist diese Arbeit eine Fortsetzung Jcr von demselben Gelehrten im Jahre 1862 hcrauogcgebcncn Abhandlung: „Ucber talmudlsche Münzen und Gewichte," die bereits so glücklich war, auf Kosten der Akademie der Wissenschaften zu London in's Englische übersetzt zu werden. — K. Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Bei der am 30. v. M. hier stattgefundenen Wahl für den böhmischen Landtag wurden in der Josefsladt die frühern Bertreter Dr. Tedesko und Lh°. Wiener mit großer Majorität wieder gewählt. Die Prager Handels- und Gewerbckammer hat ihren Präsidenten Herrn Max Dormitzer als Depulirten für den Landtag gewählt. In dem von der Advokaleukamiuer gewählten Comtte zur Abfassung eines Entwurfs für eine neue Eivilproceßordnung stellte Herr Dr. Wiener den Antrag, daß die Eides Formel für alle Eonfesfioncn eine gleichlautende sei, welcher Antrag auch einstimmig angenommen wurre. — Der Krelsrabbiucr H. Albert Kohn in Raudnitz hat vom h. Kriegsministerinm ein Anerkenuungsschreiben für seine zum Wohle der verwundeten Krieger entwickelte ThättJ'cit ee halten. * Am 3. d. Bi. wurde der Neubau des hiesigen Tempels mit einem Kostenauswande von 50000fl. definitiv beschlossen, und soll der Bau schon im nächsten Monate in Angriff genom...en werden. — ' , Lübeck. Der Leiter einer hiesigen christlichen Schule, ein Geistlicher, wollte die arme Mutter eures seine Anstalt besuchen, eu 12 jährigen Knaben überreden, ihr Kind taufen zu lassen, und verfprach ihr eine bedeutende Geldsumme, wenn fre seinem Ruthe Folge leiste. Die arme Frau nahm das Kind sogleich aus der Schule aus Furcht, es könnte gewaltsam gelaust werden. Herr Oberrabbiuer Dr. Wolf in Copenhagen, der von der Sache Hörle, schickte der armen Frau e>ue hiureicheiide Geldsumme damit fie mit ihrem Kinde nach Eopeuhagen reifen kvnlie. H. Dr. Wolf nahm den Knaben in fein Haus auf, uiid fvrgl nun väterlich für seine Erziehung. — Bern. Ter gelehrte Dr. Munk aus Breslau, der in reinem Baterlande seines Glaubens wegen zu keinem seinen Fähigkeiten angemesfeneu "Popen gelangen konnte, wurde zum Direktor der pottiea,m>Lcn Buiioesfchule ui Bern ernannt. Venedig. Ein Hunger hochgefreleeer katholischer Geistliche macht gewöhnlich einen Abcndfpaziergaug und lässt bei diesem Gange keine Gelegenheit vorübergehen, wo er einem Unglücklichen eine Gabe reichen kann. Unlängst sah er einen Inden an der Eie einer Gasse stehen, der jämmerlich weinte. Was fehlt Ihnen? fragte der fromme Priester den Armen, vielleicht kann ich Ihnen helfen. Der arme Jude erzählte ihm, daß seine Frau schwer krank darniederliege, und er aller Mittel entblößt sei, um ihr Hilfe zu verschaffen. „Führen Sie mich zu der Kranken, versetzte der Geistliche, ich werde ihr nach meinen Kräften bcistchen." Ich muß jedoch Eu: Eminenz bemerken, äußerte der Arme schüchtern, daß ich Jude bin. „Jude und Christ antwortete der Geistliche, sind bei mir gleich, wir alle sind Kinder eines Gottes, und ich werde euch als Bruder beistchen." — Beide gingen nun in das Haus der Kranken. Der Geistliche reichte ihr ein hübsches Geldgeschenk, und gab seinem Hausarzte den Auftrag, die Kranke ans seine Kosten zu küriren. Am 8. v. M. ging die wieder genesene Frau zum ersten Male aus; ihr erster Weg, den sie in Begleitung ihres Mannes machte, war zu dem edlen Wohlthäter um ihren Dank für die ihr geleistete Hilfe auszusprechen. Der Geistliche nahm sie freundlich auf und beschenkte sie abermals mit einem nahmhaftm Geldbeträge. — Solche edle Handlungsweise bedarf keines Comcntars, durch sie wird die Toleranz mehr gefördert als durch die schönsten Worte. Florenz. Herr Horaz Landau, Agent des Hauses Rothschild auf hiesigem Platze hat von Sr. Majestät dem Kaiser von Oestreich den Orden der eisernen Krone 3. Klasse erhalten. * Der Dcputirte Pesaro Maurogonato (Jsraelite) hat die bedeutende Zahl von k04 Stimmen für die Bicepräsidentschaft der Kammer auf sich vereinigt; bei der zweiten Abstimmung erlangte der Deputirte Terraris die Majorität. Die gerechte Rücksicht für die ältern Provinzen, welcher der venezianische Deputirte weichen musste, gab bei der Abstimmung den Ausschlag. * Oberstlieutnant Guastalla, unser Glaubensgenosse wurde zum Offizier des Militärordens von Savoyen ernannt. Aucona. Bei den Neuwahlen für die Handelskammer wurden unter 13 Mitgliedern 3 Israeliten gewählt. Rovigo. Beim Leichenbegängnisse des verstorbenen Bischofs versah auch eine Abtheilung der Nationalgarde den Ehrendienst. In dieser Abtheilung befanden sich auch 4 Israeliten. Der Offizier R. der die Abtheilnng kommandirte, glaubte im fanatischen Eifer, daß die Ccremonie durch die Anwesenheit der Israeliten entweiht würde, und setzte diese ohne Umstünde vor die Thüre. Herr G. B. einer der erwähnten Nationalgardisten konnte den ihm, seinem Kameraden und dem ganzen Eorps angethanen Schimpf nicht ertragen, und als er dem Offizier auf der Strasse begegnete brachte er die 5 Finger seiner Hand mit dessen Wange in eine etwas unsanfte Berührung. Es muß bemerkt werd en, daß der Jsraelite G. B. ein alter Soldat ist, der alle italienischen Kriege von 1848 bis 1866 mitmachte. Der Offizier, anstatt diese wohlverdiente Strafe durch eine Herausforderung zu rächen, brachte den Fall vor die Gerichte, auf deren Entscheidung man gespannt ist. Inzwischen hat das ganze Offizierkorps das Betragen des Offiziers R. höchlichst mißbilligt, in Folge dessen derselbe auch seine Demission einreichen mußte. (Educ. Isr.) Vercelli. Herr Jakob Segre erhielt die militärische Verdienstmedaille; derselbe hatte bereits im Kriege von 1859 eine ehrenvolle Wunde davongetragen, und ward im letzten Kriege auch bei Custozza verwundet. Paris. In Cernay, Departement Haut Rhin wurde eine seltene Hochzeit gefeiert. Der Bräutigam, ein christlicher Adeliger, hatte sich in ein jüdisches Mädchen aus Thann verliebt, und hatte die Absicht es zu ehelichen. Da jedoch die Braut durchaus ihrem Glauben nicht mckreu werden wollte, so entschloß sich der Bräutigam zum Judenthume, für das er schon früher eine besondere Neigung hatte, überzutreten. Bei der Trauungsceremonie, die mit großer Feierlichkeit begangen wurde, war eine große Menschenmenge anwesend.