Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 9 (26.4.1866)
- Date
- 1866-04-26
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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71 binischer Anschauung nicht die Aebeshandlung sondern die lieb nde Art ihrer Ausführung deren Werth und Gottge- ' ^Nachdem schließlich auf die das Gefühl der Armuth schonende Liebe des Nächstenliebevereins hin gewiesen, der der Hingeschiedenen sowohl als der noch lebenden Förderer gedacht wurde, schloß diese Rede mit einem Gebete für den allerdurchlauchtigsten Herrschergreis dessen glorreicher Geburtstag vor 25 Jahren Anlaß zur Gründung dieses Vereins wurde, und dessen hochherzige Spenden sich der Verein bis zur Geqenwart alljährlich erfreut. *• Mislil) (Mähren) Hier starb kürzlich der hiesige Lehrer an der'Schule Herr Jsak Kann in einem Alter von 80 Jahren. Er hatte 45 Jahre seinem Amte vorgestanden und sich die allgemeine Anerkennung erworben. Die ganze katholische und protestantische Geistlichkeit der Umgegend, ferner Deputationen von Gemeinden hatten sich zur Leichen- 16 jüdische Familien, allesammt Eingewanderte aus Polen, England und Amerika, die daselbst einen lebhaften Handel treiben. Vor 6 Jahren ließ sich die erste jüdische Familie daselbst nieder. Die Regierung hat den dortigen Juden einen eignen Begräbnißplatz angewiesen. Wie der Berichterstatter erfuhr, soll tief in Innern des Reiches ein Stamm leben, den man von jüdischer Abkunft hält. Doch konnte man darüber nichts bestimmtes erfahren. Australien. Der Statthalter von Neuseeland hat den Israeliten von Aukland ein Grundstück zum Aufbau einer Synagoge und ein zweites zur Anlegung eines Friedhofs geschenkt. Luchschau. feier eingesunden. Wien 20. April. Die Deputation der Lemberger Israeliten, bestehend aus den Herren: Prediger Löwenstein, Hönigsmann, Julius Kolischer, Blumfeld, Mayer, Nachmiel Mises und Sekretär Novik, welche ihre Bitte um Nichtsanktionirung des von dem gallizischen Landtage angenommenen Gemeindegesetzes der Stadt Lemberg zu den Stuffen des Thrones niederlegte, wurde heute von Sr. Majestät dem Kaiser in der Audienz empfangen, und fand eine huldvolle Ausnahme. * Bei der am 12. Abends im Vereinlokale des Letha Midrasch stattgesundeneu erste Generalversammlung wurden die Herrn Dr. Jellinek, S. Apfel, I. W. Guttman, M. Weiß und I. Baumgarten in den Vorstand gewält. * Die oberste Hofthcater Direktion hat, wie die„Morgcnpost" mittheilt Herrn Sonnenthal unter dem Titel eines Beitrages für die Heilkostcn eine Zulage von 500fl. zu er- .kam,t. Unter den Kränzen welche Herr Sonnenthal bei dem »WA2. stattgchabten Empfange erhielt, zeichnen sich zwei dAWHjM Sinttigkcit des Einfalles «u.. Der einr ist ein LorbeerMnz, dessen Blätter säuuntliche Rollen L>onnenthalö zeigen, der andere trag aus zwei Atlasbändern zwei Daten; in schwarzer Umrahmung das Datum des '23. Nov. 1865 des Unglückstages, an welchem Sonnenthal das Misgeschick mit dem Fuße traf; in Goldrahmung dann das Datum des 11. April 1866. * Herr Oberkantor Sulzer hat für Uebcrreichung des zweiten Bandes seiner Composition Schir-Zion von Sr. Majestät dem Kaiser einen kostbaren Brillantring erhalten. Pest. Frau B. H. Pollak hat dem vom Oberrabbiner Dr. Meisel gestifteten Darlehensvcrein, für arme israel: Gewcrbs- und Handelsleute 1000fl. gespendet mitdemVersprechen einer weitern Spende von 3000fl. so bald der Verein seine vollständige Organisation erhalten haben werde. Hamburg. Leider muß ich Ihnen heute eine traurige Botschaft mittheilen. Unser hochverehrter Prediger Dr. Frankfurter hat das Zeitliche gesegnet. Jerusalem. Sir Moses Montefiore ist glücklich undwohlbehalten hier angelangt. Unmittelbar nach seiner Ankunft begab er sich in die große Synagoge, um sein Dankgebeth für die glücklich zurückgclcgte Reise zu verrichten. Auf seine Anordnung wurden zugleich Gebethe für den Sultan und den Pascha abgehalten. Der durch seine Wohlthätigkeit gegen alle Unglücklichen ohne Unterschied der Abstammung und des Glaubens ausgezeichnete Quäcker, Dr. Hodgkin, der sich in der Begleitung des Sir Moses befand, ist zum Leidwesen aller, die ihn kannten in seinem 86. Lebensjahre mit Tode abgegangen. Die Ankunft des edlen Montefiore, der stets als Helfer in der Noth erscheint, hat die Einwohner Jerusalems mit Jubel erfüllt. Bei seiner Landung in Jaffa wurde er von Deputationen aller hiesigen Gemeinden freudig begrüßt. Man hofft, daß er über das Wochcnfest hier verweilen werde. Asten. Nach einer dem Jew: Chronicle zugekommenen Mittheilung wohnen in Kanagawa, einer Hafenstadt Japans 27 Predigten von Dr. Michael Sachs. Aus dessen schriftlichen Nachlaß herausgegeben von Dr. David Rosin. Erste Lieferung Festpredigten Berlin, Louis Gcrschel's Verlagsbuchhandlung 1866. IV. 172. „Schöner noch ist deine letzte Liebe als die erste" riefen wir mit Boas als wir diese erste Gabe des posthumen Schatzes unsres, dem Jndenthume allzufrüh entrissenen Lehrers M. Sachs zu Gesichte bekamen. Wenn die, von dem Verewigten selbst herausgegebenen literarischen Arbeiten einigermaßen trösteten über den schmerzlosen Verlnst des großen Mannes, so mußte man es um so mehr bedauern, daß diese nur den Dichter und Uebersetzer, den Sprach- und Alterthumforsckier wieder ins Gedächtniß zurückriefen daß aber der Vorzug, der ihn vor so Vielen auszcichnete, seine glänzende Kanzelberedsamkeit, nachdem der Mund des hochbegabten Redners für immer geschlossen ist, verlogen sein sollt', ohm der hounlcti schen Wissenschaft auch nur eine Probe seiner Leistungen hinterlassen zu haben. So lange er lebte waren die Blicke ans ihn gerichtet fast öurs.-a* uiciic chcanu-sv ge st zig seine Schätze der lernbegierigen Jüngerschaft vorcinbielt, woher seine Freunde jubelten, als Dr. Rosin'in dem ihm gewidmetem 'Nekrologe auf einen homiletischen Nachlaß Hoffnungen erweckte. Nun sind sie erfüllt, und wir begrüßen mit aufrichtiger Freude diese erste Lieferung wünschend es möchten noch recht viele folgen. Diese Freude und diesen Wunsch erklären es hinlänglich, warum wir unser Urtheil über die Bedeutung dieser Predigten für die jüdische Homiletik einstweilen noch zurückhalten nnd nur davon Act nehmen, daß diese, noch immer in den Kinderschuhen einherwandelnde Wissenschaft durch die Predigten v. S. um sehr schätzbares Material bereichert worden ist. Die Predigt der deutschen Inden hatte bis jetzt zwei Richtungen eingeschlagen, die man als die westliche und östliche bezeichnen kann. Die erstere als deren Schöpfer und Hauptrepräscntant der sel. Salomon in Hamburgs anzusehen ist, kleidet den Geist des Judenthums in ein völlig deutsches Gewand, die Form im Ganzen, der Pcriodcnbau und der Ausdruck im Einzelnen schließt sich den Klassikern der deutschen Kanzelberedsamkeit an und erinnert nur noch durch Bibelstellen an die orientalische Quelle, Letztere hingegen, die im Wiener Jellinek, der in Leipzig noch der crstern angehörte, einen glänzenden Vertreter gefunden hat, läßt den jüdischen Geist auch in orientalischer Gewandung auftretcn. Hierzu lagen der deutschen Schule zwei Originalmuster vor, das schöpferisch-begeisterte, wie cs in der Rhetorik der Propheten, in der Lyrik der heiligen Sänger sich darstellt und das ver st ündiggei st reiche wie es im auslegenden Midrasch sich gestaltete. Bildungsgang der Redner und Bildungsstufe der Hörer machen es begreiflich warum das letztere Muster in dieser Richtung vorherrschend wurde. Dabei war!es unvermeidlich den deutschen Vortrag beständig mit hebräischen Citaten zu vermischen weil das Sinnrelche der Auslegung durch das Originalwort verständlich ist.— Die Kanzel wurde somit zugleich Katheder. Wir referiren