Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1866-04-26 · 9 (26.4.1866) · p. Seite 70

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
9 (26.4.1866)
Date
1866-04-26
Page
Seite 70 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/9050333-9088929-9050727--0405-9050733
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

70 solcher Konsequenz enthielten, daß viele den Tod vorzogen, ist allgemein bekannt; nun wird aber ganz dasselbe auch von den Bewohnern von Creta erzählt, nur daß diese sich des Schweines enthielten, weil es ihnen für heilig galt. Ferner erzählt ja vaeitus, (Anfang 2. Kapit. Buch 5.) daß die Juden aus 6reta stammen, von dort flüchtig wurden und sich in Libyen niederließen u. s. w. Wie nahe lag nun die Behauptung, die Juden halten das Schwein für heilig! Schließlich mache ich darauf aufmerksam, daß 2. König K. 17 V. 31 erzählt wird, die Kolonisten aus Ava hätten einen Götzen, Namens Tarthak, gehabt, welchen letztere jüdische Kommentatoren (siehe Raschi) als einen Götzen in der Gestalt eines Esels erklären. vr. Samuel Mühsam. Charles Sealsfield und K. M. Kerbeny. Gaya. Charles Sealsfield, der große deutsch - amerikanische Unbekannte, starb im Laufe des Jahres 1864 auf seiner Besitzung : Unter den Tannen bei Solothuru. Die deutsche Literatur hat in ihm einen Schriftsteller von großem Weltblick, glänzendem Darstellungstalente und echt humaner Gesinnung verloren. Doch die Persönlichkeit dieses Autors war Zeitlebens von Räthseln umgeben, niemals oder nur ausnahmsweise in die literarische Debatte eingetreten; ja, auf nähere Anschlüsse resienirend, vergaß man Sealsfield selbst zuletzt gänzlich über seinen Werken. Erst die Veröffentlichung einiger Bestimmungen seines Testaments lenkte bald nach seinem Tode auf die misteriöse Persönlichkeit des Deutschamerikaners. Indem man sich aus diesen Bestimmungen Sealsfields Jugendgeschichte zu komponiren versuchte, indem man abenteuerliche und romanhafte Zusammenhänge entdeckte, welche den i großen Autor die Antecedentien eines deutschmährischen flüchtig gewordenen Ordenspriesters gaben, wurde natürlich auch das Verlangen rege über den geheimnißvollen Unbekannten selbst, über seine äußere Erscheinung, seine Lebensweise, seine bürgerlichen Verhältnisse Näheres zu erfahren. Diesem Verlangen kömmt der Ungar Kerbeny m seiner Schrift: „Erinnerung an Charles Sealsfield" (Brüssel und Leipzig, Ahn, 1864) entgegen. Diejenigen, welche nähere Enthüllung über die Herkunft Sealsfields, vielleicht aus seinem eigenen Munde erwarten, werden sich freilich getäuscht fühlen. Kerbcny selbst hält ihn zwar für einen Oesterreicher „Juden," aus Gründen, denen jede Beweiskraft fehlt. Er theilt dann am Schlüsse das Testament Sealsfields mit, dessen Hauptbestimmungen durch die Zeitungen bereits genau und richtig veröffentlicht worden sind. Kerbeny muß nur selbst zugeben, daß die Erbeseinsetzung der Familie Postel „euren freilich starken Verdachtsgrund gibt, Sealsfield sei mit jener Fami- lie — die übrigens den Namen Sealsfield bis dahin kaum gehört haben mag, und nicht wenig verblüfft gewesen sein mag, als ihr jenes Testament eines ihr bis dahin Unbekannten mitgetheilt wurde — wenigstens blutsverwandt gewesen." Also doch gewiß kein Jude, wie in den ersten Briefen gemuthmaßt wird! Es ist übrigens immer tadelnswerth, aus Zeitungsartikeln ein Buch zusammenzustellen ohne jede einheitliche Redaktion, so daß der Anfang und das Ende nichts von einander wissen. Ein Buch ist ein Ganzes so groß oderklein es sein mag; Kerbeny aber häuft nur Materialen auf, welche wohl oder übel zusammenpassen. Wenn ferner Kerbeny zugibt, d>.ß Sealsfield mit der Familie Postel blutsverwandt gewesen sein müsse, so ist durchaus fctn Grund abzusehen, warum er die Identität Sealsfields mit jenem verschwundenen Karl Postel in Frage stellt? denn all die andern nähern Blutsverwandten werden der Familie wohl bekannt gewesen sein. Dr. M. Duschak. Eocale und auswärtige Neuigkeiten. 25 jährige Jubelfeier des Präger israelitischen Nächstenliebevereins. Am 18. April 1866 als am Vorabende des Geburtstages Sr. Majestät Kaiser FeudinanH, des Gütigen, beging der Prager israelitische Nächstenliebeverein zugleich die Feier seines 25jährigen Bestandes, und es wurde aus Anlaß dieses Doppclsestes der im israel. Tempel veranstaltete Gottesdienst von vielen Andächtigen besucht, unter welchen sich auch mehrere christliche Honoratioren einsanden. Wir erwähnen als uns namentlich bekannt, Herrn Prager Bürgermeister J. U. vr. Belsky, Herrn Bürgermeister-Stellvertreter Dittrich H. k. k. Polizeirath Weimann und k. k. Schulrath Maresch. Die Ordnung der 'Feier war eine erbauliche, Ausführung der Gesangstücke, durch das Chorpersonale unter Leitung des H. Oberkantors Pereles eine erhebende. Als Glanzpunkt, der der Feier Leben und Bedeutung gab, müssen wir die geistreiche Festrede des Professors vr. Kämpf bezeichnen. Wir beschränken^ uns der Kürze des Raumes halber die Bestandteile dieser Rede flüchtig zu skizziren, und überlassen es dem Leser sich die Gewalt des lebendigen Wortes, die oratorische Ornamentik, die ausdrucksvolle Mimik dieses vollendeten Kanzelredners hiezu zu malen. Der Redner entwickelte aus der bloßen Benennung des Vereines, N ä ch st e n, Liebe, Verein, dessen Tendenz, Wirksamkeit und Tragweite als natürliche Menschenpflicht, überging hierauf zu dem veredelnden Charakter zu der heiligen Weihe zu der diese Naturpflicht durch Auffassung als Gottesgeboth empor steigt; er wies nach, wie diese Verklärung der Naturpflicht durch die ganze Profetische Bibelperiode fest gehalten, und mit den letzten Profeten (Mal. 2. 10.) zum Abschluß gebracht wurde. 1. Abth. Schon die biblische Schöpfungsgeschichte, welche gemeinsame Abstammung des gesammten Menschengeschlechtes verbindet, involvirt den unverrückbaren Grund zur Nächstenliebe, durch Anerkennung der Brüderlichkeit, welche durch keine später eingetretene Scheidung nach Farbe, Race, Gestalt, Nation, Sprache, Vaterland, Konfession alterirt werden kann. — Der Mensch in der Schöpfungsgeschichte als Ebenbild Gottes dargestellt, bleibt etwas Ewiges, und die Pflicht der Nächstenliebe überragt die Zeit seines irdischen Seins; unser Nächster als Ebenbild Gottes hat auf unsere Liebe auch nach seinem Austritte aus dem irdischen Lebenein Anrecht auf unsere Liebe. Das später hiezu getretene mosaische Geboth der Nächstenliebe, das sich speziell an das Judenthum richtet/ nachdem sich mit dem Menschengeschlechte mannigfache Veränderungen und Unterschiede ergeben, deutet auf den Beruf dieser Nation die Naturpflicht gleichwohl als unabänderliches Gottesgeboth zu erfassen; und als Nachruf für alle nachbiblische Folgezei en tönt der Mahnruf des letzten Profeten an Israel die Nächstenliebe ebenso von dem Gesichtspunkte ihrer gemeinsamen irdischen Brüderschaft als ihrer gleichen Verwandschaft mit dem himmlischen Vater aufzusassen und fest zu halten; jede Trennung des Menschen vom Menschen als Trennbruch anzuerkennen. 2. Abth. In der 2. Abth. dieser Erbauungsrede, welche die Form besprach in der die Nächstenliebe zur Thal wird, wurde die von dem Tanaiten Hillel einem Israeliten gegenüber ausgesprochene Auffassung der Nächstenliebe als Fundamentalsatz des Judenthums besprochen, wie nähmlich darum die negative Form: Was du willst das dir nicht geschehe u. s. w. darum tan attisch erseits als Prinzip hingestellt wird weil nur diese die natürlich mögliche und allgemein verbindende sein kann. Zugleich mit dieser gebotenen Unterlassung alles Misliebigen muß das rabbinisch positive Geboth des Mitgefühls*) als charakteristisches Kennzeichen religiöser Nächstenliebe zur Geltung kommen. Es b estimmt somit nach rab- .narr Sr -pi« *]nnr» (*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.