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Das Abendland · 1866-04-26 · 9 (26.4.1866) · p. Seite 72

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
9 (26.4.1866)
Date
1866-04-26
Page
Seite 72 (sequence 8)
Language
German
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72 hier nur wie es ist, urtheilcn nicht wie cs sein soll wollen nur daraus aufmerksam machen, daß die uns vorligenden Predigten von S. ihrem Hauptgcpräge nach in dem schöpferisch begeisterten Worte der Propheten, in der Lyrik der heiligen Sänger ihr Vorbild haben. — Das quillt und sprudelt aus übervollem Herzen, ergießt sich gleich einem gewaltigen Strome, der Welle auf Welle den Born des ewigen Gotteswortes der Seele zuführt, dessen mächtiges Rauschen dem Ohre beständig den Donner vom Sinai, den Posaunenhall der Propheten zutönt. Der Vrf. hat einige, meist sehr bekannte, licbgcwordene, in ihrer Originalgestalt ergreifende Bibelstcllen hebräisch angeführt, die meisten aber in deutscher Ilebcrsctzung. Von diesen hat der Herausgeber bei manchen die Quelle angegeben, bei einem weit größern Theile aber dics^ unterlassen; aber an vielen Stellen ist die Sprache ein Mosaik von lauter echten Steinen des Bibelwortes. Darum empfehlen wir diese Predigten vor vielen den Jüngern der jüdischen Theologie: Leset und leset wieder diese Vorträge; denn diese ist die Sprache, die ihr sprechen sollt zum Hause Israel. Doch hütet Euch vor Einem! — Wenn wir ein großes Vorbild uns aneignen wollen, so sind wir versucht seine, vom Gewöhnlichen abweichenden Eigenthümlichkeiten zuerst anznnehmcn „wie er sich räusperte." Eine solche Eigenthümlichkeit unsres Redners ist es, das Aussagewort stets vor die Aussage zu setzen. Laßt dies nicht das Erste sein, was ihr nachahmet, an einer Sonne sind die Flecken Schönheiten, aber seid ihr nur erst Sonnen, für die Flecken wird euer Naturel schon sorgen. Auch wenn die Gebete zu Anfang «und zu Ende dieser Predigten nicht so herzig-innig so rührend-schön wären, müßten wir ihr Dasein rühmend hervorheben; denn es hat den Anschein in jüngster Zeit, als ob unsre Prediger sich über diesen wichtigen Bestandteil der Predigt ganz hinwegsetzen wollten. Wir haben Predigten gelesen, die eher in einer Kammer, als in einer Synagoge gehalten zu sein schienen, ja es liegt uns eine Sammlung als sehr „sinnig" und „geistreich" gerühmter Predigten vor, die mit dem Buche Esther den Umstand gemeinschaftlich haben, den Namen Gottes nicht zu gedenken. Nur in den beiden Homilien für das Weihfest und den 9. Ab fehlen die Gebete zu Anfang und Ende auch bei S., Darum sind es auch eben Homilien. Nickt unterdrücken können wir die Bedenken, die die Anwendung von talmudischen, besonders halachischen Stellen zu allgemeinen Moralsätzen erregen müssen. So dürfte eine strenge Orthodoxie an der S. 92 gemachten Anwendung der Gesetze über „das Wohnen im heiligen Lande, das Reden der heiligen Sprache, das Lesen des Schema Morgens und Abends" Anstoß nehmen; aber selbst .die Wissenschaft wird sich nicht damit einverstanden erklären, wenn mrm vrvn'B bmx übersetzt wird „Wer jeden Genuß des Lebens weiht" und in diesem Sinne moralisch verwerthet ist. Schließlich noch/in Wort an den Herausgeber. Er nehme seine Aufgabe nicht zu leicht. — Der Prediger einer bestimmten Gemeinde hat, wie der Vater zu seinen Kindern zuweilen Dinge zu sagen, die nur für sein Haus und nicht für das große Publikum gehören. Von diesem Gesichtspunkte aus glauben wir, hätte der Vrf. der Wochenfestpredigt das, was damals auf spezielle Vorgänge in der Berliner Gemeinde Bezug hatte, und ihm so schwer auf oem Herzen lag, wohl nicht der Öffentlichkeit übergeben. Diese ganze Predigt wird von einem Zorngefühlc, wie von einem Bleigewichte niedergedrückt. Wir hätten sie daher lieber wcggewünscht! Auch sind wohl Ausdrücke wie (S. 119) „die Knospe ist uufgeborsten" und (S. 121) „tiefgefressenc Gewohnheit" schwerlich dem Munde, oder der Feder des fei. S. entflossen, sondern sind auf Rechnung der unleserlichen Handschrift zu setzen.— Das schmälert aber nicht im Geringsten die Verdienste des Herausgebers. Wenu diese Schlacken vom Golde fern bleiben können, desto besser, aber wo nicht, so möchten wir bei Leibe nicht um der Schlacken willen des köstlichen Goldes verlustig gehen.^-s^'^s^.. Rabbiner Dr. A. Ttcirr. lprc^&, Nachricht. an die verehrlichm Herr» Mitglieder des Vereins zur Unterstützung isr. Lehrer, Lehrer-Witlven, Waisen in Böhmen. Das Unterzeichnete Comite hat den, von der letzten General-Versammlung angenommenen Statutenentwurf der hohen k. k. Statthalterei zur Genehmigung vorgelegt und hochdieselbe hat mit h. Erlasse v. 28. März l. I. Z. 8999 dieselben, so weit sie auf die Gründung des Vereins im Allgemeinen sich erstrecken genehmigt. Allein in Betreff der Verwaltung hat sie so weit gehende Modificationen und so manche Ergänzungen gefordert, daß das Comite seine Vollmacht zu überschreiten glaubt, wenn es solche zur Genehmigung vorlege. Dasselbe hat daher beschlossen einen neuen Entwurf mit Berücksichtigung aller der von der h. Statthalterei gemachten Ausstellungen und geforderten Zusätze auszuarbeiten, diesen aber zuerst der G. V. vorzulegen um zu hören, ob sie mit diesen Modificationen zur Gründung des Vereins überhaupt-' noch bereit ist. Es wird daher um die Bewilligung einer Generalversammlung baldigst nachsuchen und sobald dieselbe erfolgt ist dies zur Kenntniß der Betheiligten bringen. Prag 25. April 1866. Im Namen des Comite Ernst Wehli Vorsitzender. Concurs. Bei dem neugegründeten „Israelitischen Cultus-Vereine zu Trautenau, ist die Stelle eines geprüften Lehrers, der unter einem Kore, Schochet und Cantor ist, zu besetzen. Mit dieser Stellung ist ein Jahresgehalt von fl. 450 — nebst freier Wohnung und üblichen Emolumenten verbunden. Bewerber haben ihre eigenhändig geschriebenen Gesuche mit Röthigen versehen, bei der gefertigten Rcpräsentun^—FrMco einzubringen. Auf talmudisches Wissen, wird besonders geachtet. Dem Acceptirten werden Reisespescn vergütet. Die Repräsentanz d. „Israelitisch. Cultus- Vereines" Trautenau 1. April 1866. Leop. L. Rettet Ed. Lederer Em. Kohn. Intelligente israel. Aeltern, denen ernstlich daran gelegen ist, ihren Töchtern eine gründliche Ausbildung zu verschaffen, wollen behufs der Aufnahme für das nächste Sommer-Semester, welches mit dem 9. April l. I. beginnt, in m e i nße m I n st i t u t s - L o c a l e, kl. Rin g Nr. C. 142—1., freundlichst die Anmeldung machen. Die ersprießlichen Erfolge meines jahrelangen gewissenhaften Strebcns, die sich nicht nur durch Zeugnisse der bei den öffentlichen Prüfungen anwesenden Hr. Hr. Fachmänner und Aeltern meiner Zöglinge sondern hauptsächlich durch die erfreuliche Thatsache documentireu, daß sehr viele der meine Anstalt absolvirten Mädchen jetzt selbst im In- und Auslande als Lehrerinnen und Erzieherinnen, sowohl in Familien, als auch an öffentlichen Unterrichtsanstalten zur vollsten Befriedigung thütig sind, berechtigen mich zu der angenehmen Erwartung, daß auch fernerhin der Besuch meiner Anstalt ein frequenter sein wird. Der Unterricht in den einzelnen Fächern wird von bewährten Lehrkräften geleitet, und das anticipando zu leistende Honorar beträgt je nach der Klasse von 2—4 fl. Pr. Monat. Mädchen vom Lande werden'auch in Wohnung und gänzlicher Verpflegung ausgenommen, wofür inclusive sämnjtlicher Unterrichtsgegenstände das gewiß sehr mäßige Honorar von 250—300 fl. ö. W. jährlich beansprucht wird. Auch werden Programme gratis ertheilt. Prag am 27. März 1866. Rosalia Robitschek. J>istituts-V orsteh erin 1«? .b. V- <v rv\ Druck von Senders öc Brandeis in Prag.

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