Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 6 (9.3.1865)
- Date
- 1865-03-09
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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herbcigckommen waren, um sich au dem seicheuzuge zu betheiliaeu oder deiffelben wenigstens vorbeiziehen zu seheu. Deu imposanten Eig eröffueten die Arbeiteriueu aus deu Pribram'scheu Fabriken im Sonntagsstat; dann kam eine Abtheiluug des bürgerlichen Grenadiercorps mit der Musikcapelle, hierauf der Säugerchor, Prediger und Rabbiner der israelitischen Cultnsgeineinde in ihren Amtstrachten. Dem vierspännigen Todtenwagen zur Seite schritten die Comptoiristen des Dahingeschiedenen und bürgerliche Grenadiers-Nnterofficiere mit Wachskerzen. Dem Todtenwagen folgten die nächsten Verwandten und eine massenhafte Leichenbegleitung, in welcher Handel und Industrie zwar am meisten, aber auch die Beamten, das Militär, die Geineindercpräsentanzen von Prag und Smichow mit ihren Vorständen, verschiedene Corporatienen. sehr zahlreich vertreten waren. Auch kathoUsche Geistliche erwiesen dem Verblichenen die letzte Ehre. Don dem Smichower Stadthause und von dem Smichower Schnlhause, zu welchem der Dahingeschiedenc den Baugrund und die innere Einrichtung gespendet hat, wehten Trauerfahnen. Ein anderes Zeichen der Theilnahme gab die Schmichower „Beseda", indem sie aas Anlaß des Todesfalles eine auf diesen Abend bestimmte Unterhaltung absagte. — Pribram hat aber diese Theilnahme auch in hohem Maße verdient. Seitens der Functionäre der Prager und Smichower Eultusgemeinden hat auf Veranlassung der betreffenden Vorstände, welche berde den Verlust dieses gewichtigen GemeindenütgliedeS zu würdigen gewußt, der Prager israel. Tempelchor unter Leitung und Mitwirkung des Obercantors H. M. Pereles in den Zwischenpausen, welche die dem Conducte beigegebene Musikcapelle der bürgerlichen Grenadiercorps gemacht hat, erhebende Trauergesänge angestimmt und Herr Oberrabbiner Rappaport wie der Tempelprediger k. k. Professor Herr Dr. Kämpf ergreifende Trauerreden gehalten, wovon Letzterer durch eine halbe Stunde in seiner musterhaften Weise sprach, und wird diese Rede auf Kosten der Leidtragenden in Druck gelegt, um von den Familienmitgliedern als Andenken an den theueren Hingeschiedenen aufbewahrt m werden. Der Smichower israelitische Cultusgerneindevorstand hat sich veranlaßt gefunden am 5. d. M. eine Todtenfeier abzuhalten, welche um 5 Uhr Abends in solenner Weise vor sich ging und wozu viele Honoratioren, Freunde und die Bediensteten des Seligen geladen wurden. Der von Theilnehmern am großen Verluste überfüllte Tempel war schwarz decorirt und feierlich beleuchtet. Vor der heiligen Lade rvar der Vorhang angebracht, den die Mutier des Verblichenen dem Smichower Gotteshause gewidmet hatte, und vor der schwarz behangenen Estrade brannte ein starkes Wachslicht von Trauerflor umgehüllt auf einem Postamente, das eine Votivtafet trug. Mit dem gewöhnlichen Abendgebete begann die Feier, nach welchem der Smichower Cantor Herr I. Kerner unter Begleitung seines Ehorpersonales, dem sich auch einige Mitglieder des Prager Tempelchors angeschlossen hatten, mehrere Trauergesänge musterhaft vortrug, dann vor geöffneter Bundeslade das Gebet für den Verstorbenen, das allgemein ansprach. — Der Feier wohnte der Sohn des Gefeierten, Herr Bürgermeister Ringhoffer, Hr. Moses von Portheim, und mehrere Gemeindcräthe so wie mehrere k. k. Herren Beamte bei. Das Andenken Pribram's wird fortdauern, wie er menschenfreundlich es verdient hat. Bemerken wollen wir nur noch, daß der Sohn des Verewigten ganz in Fußstappen seines frommen Vaters zu treten verspricht, indem er es nicht verabsäumt, jeden Samstag den Tempel zu besuchen, um da zum Seelenheil desselben das übliche Kadischgebet zu verrichten; ferner daß bei dieser Gelegenheit die Summe von 12250 fl. ö. W. zu wohlthätigen Zwecken von der Frau Maria Pribram vertheilt wurde. Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Auch im heurigen Jahre, wie in den früheren, hat sich dieser Tage die böhm.-jüdische Landesrepräsentanz in ihren meisten Gliedern vertreten hier zusammengefnnden, um ihre Rechnungen zu ordnen, und, soweit thnnlich, die ihnen mäßig zu Gebote stehenden Einkünfte für wohlthätige Zwecke zu verwenden, indem sie den eingelangten Ansuchen nach Möglichkeit gerecht wurde. Die Sitzungen fanden am 1. und 2. d. Monates im sogenannten jüdischen Landhause statt, und ward der Entwurf eines, von der Statthalterei abverlangten motivirten Gutachtens über ein, von der Prager Eultusgemeinde-Repräsentanz bei der vorgenannten Stelle eingebrachtes Gutachten, daß das, zur Errichtung eines Waisenhauses bestimmte, den Israeliten Prags und denen vom Lande gemeinschaftlich gehörende Vermögen getrennt werden soll, beschlossen. Die Landesrepräsentanz soll sich mit diesem Vorschläge nicht für einverstanden erklärt haben, obgleich verschiedene schon längere Zeit gezeigte Meinungsdifferenzen diese Theilung rechtfertigen dürften. — Mehrere israelitische Badehospitäler Böhmens haben um Subventionen angesucht, und sind je einem 100 fl. bewilliget worden. Bezüglich der Verleihung der Kaiserin-Elisabeth-Heirathsstiftung wurde Beschluß gefaßt und mehrere administrative Maßregeln geordnet, endlich die Rechnungen geprüft und zur Neuwahl des Obmannes und Schriftführers geschritten. Als Obmann wurde mit Acclamation wiedergewählt der ebenso lüchtige als energische H. Gabriel Taußig so wie die Wiederwahl zum Schriftführer auf den sehr intelligenten H. Samuel Ochs siel. Diese sich schon zweimal wiederholte Wiederwahl gibt den besten Beweis, in welch' gute Hände die Leitung der Repräsentanz gelegt ward. — Zum Schlüße machte H. Obmann Taußig die Mit' theilnug, daß das Finauzminlsterium nicht nur, so wie früher die Portofreiheit, sondern nnmnehr noch die Stempelfrciheit in ihrem Verkehre mit den k. k. Behörden zugcstanden habe. Wir können nicht umhin es hervorzuheben, wie die Herren Landesrepräsentanten, ihr eigenes Interesse hintansetzend, dem allgemeinen Wohle zu Liebe auf eigene Kosten hier mehrere Tage zubringen, und mit dem besten Willen ihr Möglichstes für die jüdische Population Böhmens arbeiten, und dürfte ihnen das Ziel ihrer Bestrebungen nicht so ferne liegen, wenn sie all'die Hindernisse und Verdächtigung zu beseitigen im Stande wären, die ihnen in den Weg gelegt werden, die endlich aber doch überwanden werden dürften, denn das Gute dringt überall durch, wen» auch etwas später. * Herr Gustav Schitz ist zum wirklichen Oberlieutenant des k. k. Scharfschützencorps ernannt worden. * Am Sterbetage des verewigten Dr. Michael Sachs, Rabbinatsassessors in Berlin, und ehemaligen Predigers am hiesigen Tempel, fand daselbst eine solenne Trauerfeier statt, der der Vorstand des Tempelvereines, die hier studirenden Rabbinatscandidaten, wie auch ein zahlreiches Publicum beiwohnten. Wie gebräuchlich, brannte eine Wachskerze als iomb nn£>J und war für eine paffende Decoration gesorgt. Nach dem Gottesdienste hielt der Prediger Herr Prof. Dr. I. S. Kämpf einen Vortrag über einen Abschnitt der Mischna, warauf er das übliche pm icnp sprach. Im Laufe des Tages fand die Betheilung aus der Sachsstiftung an arme, bedürftige und würdige Rabbinatscandidaten statt. Diese Sachsstiftung wurde auf Anregung des Prof. Dr. Kämpf und des Vorstandes Herrn S. K. Frankel znm Andenken an das fromme Wirken des Verewigten gegründet, mit dem Zwecke, junge Leute, die sich den religiösen Wissenschaften widmen, zu unterstützen; die Vertheilung soll am Sterbetag des Verewigten jährlich stattfinden. Möge diese Stiftung immer mehr Gönner finden, die durch ihre Beitrüge demselben einen größer» Wirkungskreis ermöglichen. * Unter den Antiquitäten des deutsch-historischen Vereines befinden sich drei Judenprivilcgien in Original, unterzeichnet von der Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Joseph II. Dieselben sind auf weißem Pergament sehr schön geschrieben, in dunkelrothem Sammt gebunden und mit goldenen Schnüren durchzogen, an denen in großen Kapseln die kaiserlichen Siegel befestigt sind. * Herr Professor Julius Sulzer ist, wieder „Tgsbt. aus B." anzcigt, Mittwoch in Prag angekommen, um die Proben seiner Oper „Johanna von Neapel," die demnächst bereits im deutschen Landestheater zur Aufführung gelangen wird, persönlich zu leiten. Herr Sulzer ist eben von einer längeren Kunstreise nach Konstantinopel zurück, wo er vor dem Sultan spielte und so großen Beifall fand, daß er zum Os« ficier des Meschidieordens ernannt wurde. Juteressant ist die Mittheilung, daß Herr Sulzer auch aufgesordert wurde, sein