Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIX (1967)
- Issue
- 4 (Abril, 1967)
- Date
- 1967-04-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Max Brod 6× ep/1024844
- Joseph Carlebach 5× ep/1005405
- Franz Kafka 2× ep/1025205
- Ephraim Kishon 1× ep/1009348
- Hartwig Naftali Carlebach 1× ep/1002783
- Johann Reuchlin 1× ep/1026278
- Leopold Neuhaus 1× ep/1012931
- Riga 1× ep/1000826
- Salomon Carlebach 1× ep/1011707
- Schalom Ben-Chorin 1× ep/1009295
- Siegfried Lenz 1× ep/1025301
- Thomas Mann 1× ep/1025357
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ABRIL 1967 BOLETIN INFORMATIVO 9 MAX BROD - EIN MITLER Von JOACHIM HEMMERLE — Düsseldorf Im Jahre 1954 wies Max Brod Traeger und Pfleger einer Grass, Siegfried Lenz und zum erstenmal den Pass des solchen Distanzliebe erscheint Heinrich Boell sind ihm israelischen Staatsbürgers ihm Heinrich Heine. ebenso vertraut wie jene von an Deutschlands Grenze vor. Seitdem Brod diese Ueber- Ludwig Marcuse. Den Bert Damals fehlten in seiner legungein anstellte, sind Brecht freilich sieht er kri- Heimat nicht die kritischen mehr als dreissig Jahre vertisch: “Mutter Courage und Kommentare. In der Bungangen. Jahre der furchtihre Kinder”, “Der gute desrepublik wurde der Bebarsten Katastrophe des Ju- Mensch von Sezuan” finden such des “juedischen Dichdentums. Wenn es moeglich seine Zustimmung. “Ich halters deutscher Zunge" gewar, dass bereits 1966 der te Brecht fuer einen grossen wuerdigt. Gemeinsam mit Juedische Weltkongress mit Lyriker”, bekraeftigt Brod, dem inzwischen versterbegrossem Ernst und einem “aber bei anderen seiner nen Herausgeber der “Allge- Hoechstmass an Sachlich- Werke bin ich nicht auf den meinen unabhaengigen juekeit deutsch-juedische Fra- Geschmack gekommen”. Als dischen Wochenzeitung”, gen diskutierte, so ist das Chefdramaturg von Israels Karl Marx, wurde Brod von gewiss Persoenlichkeiten zu Nationaltheater Habima ver- Bundespraesident Theodor danken, die wie Max Brod folgt er die dramatische Li- Heuss empfangen. Seither Humanitaet als immerwaehnie der deutschen Gegensind die Besuche Brods in rende Pflicht betrachten, wartsliteratur sehr genau Deutschland fast selbstver- Wer sonst, wenn nicht Men- und bemueht sich, “einiges”, staendüch geworden. Weder sehen, die beste Traditionen auf die hebraeische Buehne Kritik noch Alter haben ihn juedischer Ethik und deutzu bringen, davon abhalten koennen, scher Geistigkeit verbinden, Wer das Wirken von Max immer wieder in dieses Land sollten berufen sein, Bruek- Brod auf einen Nenner zu zu kommen als ein Mittler ken ueber Abgruende zu bringen versuchte, muesste im Gebiete des Humanismus, schlagen?! bald resignieren. Zu viei- Fuer die Mittlerrolle ist Max Brod (Tel Aviv) faeltig ist das Lebenswerk. Max Brod wohl praedestikommt als Gast, im Gegen- Einst begann er als Postniert. Am 27. Mai 1884 in satz zu den schrecklich dezibeamter, dann wurde er Prag geboren, einer Stadt, mierten deutschen Juden, Theater- und Musikkritiker, von tschechischer, deutscher die heimkehren wollten. Es entsprach seiner Auffas- und juedischer Kultur ge- Brod berichtete und analysung, die auf alte juedische praegt, war Brod bereits um sierte; er rief das literari- Tradition zurueckgeht, seidie Jahrhundertwende besehe Leben im alten Prag in nen Lebensunterhalt durch kannt und anerkannt. Er die Erinnerung und sprach Berufsarbeit zu bestreiten, hat viele Zeitstroemungen ueber das neue Israel. Er ist um sich der Dichtung, unmiterlobt und ueber den ein unsentimentaler und liebeschwert von materiellen Prager Kreis an der deutbender, den positiven Stroe- Erwaegungen, widmen zu sehen Literatur grossen Anmungen verbundener und koennen. Franz Kafka uebeiteil. Unter dem Einfluss doch Distanz wahrender nahm dies Konzept von sei- Schopenhauers war der jun- Gast. Der Hochbetagte bleibt nem Freund. Erst in Prag, ge Brod zu “hoeherer Gleichtrotz aller erfreulichen Ehab 1939 in Palaestina/Israei gueltigkeit” gelangt, dann rungen, die ihm hierzulande bestaetigte er sich als Mae- Jedoch bahnte sich die widerfahren, ein unbestechzen des Geistes und Dichter. Rueckkehr zur Realitaet an. ücher Beobachter. Wenn er Im vergangenen Jahr war In diese Zeit faellt auch sein ueber Deutschland spricht, es ihm vergoennt, zum er- Bekenntnis zur national jueweiss er zu differenzieren. Er sten Mal eine Auffuehrung dischen Idee, dem politiempfaengt oft freundliche von Lessings “Nathan der sehen Zionismus. Der “Indif- Impressionen - aber Dr. Weise” in hebraeischer Spraferentismus” wurde aufge- Brod bedenkt, dass der geche in Israel zu erleben. Wie hoben durch eine im Diesehrte Gast zugleich auch ein wichtig dem Dichter diese seits zu vollendende Idee, abgeschirmter ist, dem gegen- Demonstration guten Willens Damals, zu einer Zeit, da ueber sich andere, negative ist, laesst sich in seiner Auder Expressionismus in Blue- Eindruecke nicht so schnell tobiographie “Streitbares Lete stand, schrieb Brod “Tybemerkbar machen. Dass ben” nachlesen. Dort heisst eno Brahes Weg zu Gott”, hinderte ihn nicht daran, es: seinen ersten grossen histo- Deutschland ein Geschenk "Den Tag, an dem die Hänschen Roman. In den folzu machen, dass kaum noch bima Lessings “Nathan den genden Jahrzehnten wahrte genug einzuschaetzen ist. Weisen” spielen, den grosser seine dichterische Eigen- Vor zwei Jahren legte er die herzigen Arabersultan Saart jenseits aller literarihistorische Monographie lah-ed-Din (Saladin) mit sehen Moden. “Johannes Reuchlin” vor. dem Juden Nathan Versoeh- Der israelische Publizist Brod wollte “einen Deutnungsworte tauschen lassen Schalom Ben-Chorin hat sehen zeigen, der in geiaehrkoennen, wuerde ich als eine treffend bemerkt, es sei in ücher Zeit fuer das Judender gluecklichsten meines der Literaturgeschichte wohl tum eingetreten ist.” Fuer restlichen Lebens ansehen, einmalig, dass ein so proden Dichter ist Reuchlin das nicht etwa weil ich die Auduktiver und an Einfachen Seltenste, was es gibt: ein gen davor verschüesse, dass ueoerreicher Autor wie Max anstaendiger Mensch. “Ich Kunst und politische Arbeit Brod wertvolle Jahre seines glaube, dass dieses Buch, m getrennten Raeumen vor Leben und die ganze Fuelle mit dem ich vielleicht meine sich gehen - sondern weil seiner Energie der Erschiiesliterarische Laufbahn abich von der symbolischen sung des Werkes eines anschliesse, einiges dazu bei- Bedeutung der Kunst fuer deren gewidmet hat. Gemeint tragen wird, um die Dunbeide Raeume ueberzeugt war Franz Kafka; doch kelheiten und Duesternisse bin. Ich bin nicht so naiv, gibt es noch viele andere, zu verscheuchen.” die politische Bedeutung zu die Max Brod entdeckt, er- Max Brods “Reuchlin” war ueberschaetzen, die die Aufmutigt und gefoerdert hat. gewiss einer der Hoehepunkfuehrung eines aegyptischen Genannt seien nur Franz te im Leben dieses streitba- Dramas auf der hebraei- Werfel, der Komponist Leo ren Humanisten und Publisehen Buehne haben koenn- Janacek und der israelische zisten - Abschluss war es te. Aber ich glaube an die Satyriker Ephraim Kishon. glücklicherweise nicht. In Anfaenge”. Dass Max Brod Zionist den letzten Jahren erschiewurde und blieib, bestimmt nen im Zsolnay-Verlag Neusein Verhaeltnis zur deutschauflagon seiner Theaterjuedischen Frage. Bereits in und Musikkritiken (“Prager seiner 1 9 3 4 erschienenen Sternenhimmel”) sowie der Heine-Biographie hat er Band “Ueber die Schoenheit seine Auffassung dargelegt, haesslicher Bilder,- Ein Va- Er zeigte die Hinneigung demecum fuer Romantiker der Juden zu den deutschen unserer Zeit”. Der Kohlham- Klassikern und Romantikern mer-Verlag veroeffentlichte und analysierte den beiden “Prager Kreis”. Hier aerseitigen Einfluss. Als Ernimmt Brod Gelegenheit, gebnis der geschichtlichen seine 1960 erschienenen Le- Schau praegte er den Bebenserinnerungen zu ergaengriff der Distanzliebe. Brod zen, indem er Luecken aussieht sie als Geigenthese der fuellt und neues Material - wie er glaubt - “verirrten vorlegt. Kurz darauf folgte Liebe” etwa Walther Ratheim Starczewski-Verlag der naus und Alfred Kerrs. Dis- Lyrikband “Gesang einer tanzliebe hegt wohl den Giftschlange”. Wunsch, Abstaende zu ueber- Der Dichter Max Brod ist bruecken, ohne jedoch den nicht nur der klassischen letzten Rest von Distanz zu deutschen Literatur verbunuebersehen, Als bewusster den. Werke eines Guenter Annahme Anzeigen fuer da* Boletín Informativo Los Seremos 476 OC. 22-23 (Catedral Höhe 1250) 9-1 ü. 2-6 Tel. 87765 Das Martyrium des Hamburger Oberrabbiners Dr. Joseph Am 8. Nissan, der in diesem Jahre auf den 18. April faellt, ist ein Vierteljahrhundert vergangen, seit der Oberrabbiner des “Deutsch- Israelitischen Synagogenverbandes”, Dr. Joseph Carlebach, mit seiner Lebensgefaehrtin Lotte, der Tochter des Berliner Arztes Dr. Julius Preuss, und den vier juengsten Kindern in Riga, wohin die Famiüe verschleppt worden war, von entmenschten SS-Horden ermordet wurden. Ihr Maertyrertod fuer die Heiligung des goettlichen Namens und die Ehre des juedischen Volkes soll in diesem Augenblick abermals unseren Menschen ins Geda<echtnis zurueckgerufen werden. Oberrabbiner Dr. Joseph Carlebach war 59 Jahre, als ihn das furchtbare Schicksal erreichte. Durch rechtzeitige Auswanderung - seine fuenf aelteren Kinder waren bereits in Sicherheit - haette er sich und die uebrigen Familienmitglieder retten koennen. Doch er wies den Gedanken, seine Gemeinde zu verlassen, ' entschieden von sich, und so kehrte auch seine Gattin aus England zurueck, als feststand, dass Carlebach unter keinen Umstaenden emigrieren wuerde; gemeinsam gingen sie den Weg bis zum bitteren Ende. Nur sechs Jahre, von 1936- 1942, stand Dr. Carlebach an der Spitze der bedeutenden und ehrwuerdigen orthodoxen Gemeinde von Hamburg, nachdem er zwischen 1920 und 1936 zunaechst als Direktor der Talmud-Thora- Realschule in Hamburg und danach als Oberrabbiner in Altona segensreich gewirkt batte. Fuer alle seine Aufgaben hatte er die denkbar guenstigsten Voraussetzungen mitgebracht: Ein ungewoehnlich tiefes talmudischhalachisches Wissen, eine sehr gediegene allgemeine Bildung und Belesenheit, eine hervorragende Predigerbegabung und den leidenschaftlichen Wunsch, traditionelles, unverfaelschtes national-religioeses Judentum im juedischen Leben zu verankern. An seinem gesetzestreuen Standpundt unerschütterlich festhaltend, kannte er dennoch keine Herabsetzung anderer, ehrlich gemeinter Auffassungen, wenn diese juedischem Liberalismus entsprangen, und so unterhielt er freundlichnachbarliche Beziehungen zu dem Amtskollegen der beiden anderen religioesen Richtungen und ihren Organisationen in Hahburg. Der Gedanke der juedischen Einheit bedeute ihm ungeheuer viel. Die Familie Carlebach zaehlte und zaehlt zu den angesehensten Rabbinerfamilien Mitteleuropas. Der Carlebach fromme Vater, der fast fuenf Jahrzehnte in Luebeck amtiert hatte, wo auch Joseph geboren wurde, Rabbiner Dr. Salomon Carlebach, starb im Jahre 1919. Ihm hatte sein beruehmter Landsmann, der Luebecker Thomas Mann, in dem Faust-R o m a n vom “Tonsetzer Leverkuehn” in der Figur der Rabbiners ein unsterbliches Denkmal gesetzt. Einer seiner Soehne wurde Rabbiner in Leipzig, ein anderer in Koeln; die aelteste Tochter war mit dem Bremer Rabbiner Dr. Rosenack verheiratet; heute leben von den zwoelf Geschwistern leider nur noch zwei: die Witwe des Rabbiner Leopold Neuhaus, eines Ueberlebenden von Theresienstadt, und der in New York wirkende ehemalige Berliner Rabbiner Dr. Hartwig Naphtali Carlebach. der im Jahre 1959 ein ausgezeichnetes Buch ueber den grossen Bruder Joseph unter dem Titel “Joseph Carlebach und seine Generation” veroeffentlich hatte, vom dem man wuenschte, dass sich ein Verleger fuer eine deutsche Ausgabe faende, denn dieses Werk ist ein wertvoller Beitrag zur neueren Geschichte der Juden auf deutschem Boden. Dr. Joseph Carlebach war ausserordentlich begabt;, er studierte in Berlin am Hildesheimerschen Rabbinersemi nar unter dem hochgelehrten Rektor Prof. David Hofmann und ergaenzte dann diese Studien bei den grossen Rabbinen Osteuropas. Schon in ganz jungen Jahren, 1905- 1907, wirkte er als Lehrer in Jerusalem, und aus jener Fruehzeit ist ihm die tiefe Liebe zu Erez Israel geblieben, das er 1935 auf einer Informationsreise gemeinsam mit Rabb. Leo Baeck nochmals besuchen durfte. Der vornehme Mensch in ihm war seine hervorstechendste Eigenschaft, die seine lehrreichen Schriften noch ueberragte. Seinen Lebensinhalt und seine Aufgabe hat Joseph Carlebach einmal in den Worten zusammengefasst, mit denen diese Gedaechtniszeilen abgeschlossen werden sollen: “Endziel und Sinn ist die juedische 'Einzelpersoenlichkeit, die selbstverantwortlich, die alle heiligen Werte in sich selbst traegt, die, im Feuer des Gesetzes geschmiedet und gehaertet, die Thora verlebendigt, das Gebot verwirklicht, Endziel und Sinn ist der juedische Mensch, aus dessen Worten und Taten, aus dessen Leben in Beruf, Familie und Gesellschaft man gewissermassen das Gesetz a b 1 e s e n kann”. Curt Wilk San Antonio 65 Eigene Fabrikation KITTEL fuer Haus und Buero sowie feine Unterwaesohe Morgenroecke — Blusen fuer Damen und junge Maedchen Tel. 381900