Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVIII (1966)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1966)
- Date
- 1966-12-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 BOLETIN INFORMATIVO DICIEMBRE 1966 6. KONGRESS DER CENTRA y^ine Von Montag, den ¿0. Oktober bis Donnerstag, den 3. November fand in Montevideo der 6. Kongress der Centra statt. Damit wurde die Feier des zehnjaehrigen Bestehens dieser Foederation juedischer Gemeinden und Organisationen auf diesem Kontinent verbunden. Voran ging auch eine Tagung des lateinamerikanischen Rafrbinerverbandes, die fast 2 Tage dauerte. Zugleich traf sich die in der “Chazrc Noar D r o m Americait’' zusammengeschlossene Jugend zu einer Besprechung ihrer Probleme. Leider konnten in der Zusammenkunft der Rabbiner nur wenige Fragen besprochen werden. Wir begannen die religioese Situation des Judentums auf diesem Kontinent zu behandeln, spra ehen ueber die Stellung der Rabbiner zu ihren Gemein Jen, ueber Probleme des Uebertritts in das Judentum und andere Fragen. An der Jugendtagung konnte ich leider nur in dem Augenblick teilnehmen, als mit grosser Leidenschaft die ideologische Grundlage der “Chazit” diskutiert wurde. Der Centra-Kongress wurde mit einer allgemeinen Veranstaltung in der sehoenen Synagoge der Nueva Comunidad Israelita de Montevideo eroeffnet, in der der Ehrengast der Gentra, Rabbiner Dr. Max Nussbaum als Hauptredner das Wort ergriff. Sein Thema war “Das einzigartigle Schicksal unserer Generation — von der Tragoedie zum Triumph”. Noch einmal erlebten die Zuhoerer das einzigartige Schicksal einer Generation, die durch Tragoedie und Triumph zugleich hindurchgegangen ist. Aus diesem einmaligen Erlebnis ergibt sich fuer die Geretteten die Ver- Dflichtung fuer Israel zu leben An der atemlosen Stille, mit der das Publikum zuhoerte. spuerte man den tiefen Eindruck, den seine Worte hinterliessen. Am naechsten Morgen begann der Kongress mit dem Rechen schaftsbericht des Praesidenten der Cen t r a, Herrn Rudolf Hirschfeld, der ueber 10 Jahre Arbeit fuer die Centra berichten konnte. Dabei wurde die Taetigkeit fuer die Jugend, fuer das Rabbiner-Seminar in Buenos Aires, die Kleingemeinden und den Kultur-, austausch durch hervorragende Persoenlichkeiten mit Recht hervorgehoben. Dann sprachen die Herren Luis Schydlowsky (Lima) ueber “Probleme des Weiterbestehens! der Kleingemeinden” und Klaus Oliven ueber “Die Arbeit unserer Gemeinden in post-zio nistischer Zeit”. Die Absicht der Programmgestaltung war neue Kraefte zu Wort kommen zu lassen. Diese erfuellte sich mit den beiden Referaten. Auchin der Debatte wurde auf die Vereinsamung vieler Kleingemeinden hingewiesen. Diesen Gemeinden zu heilen und das Gefuehl der Zugehoerigkeit zu einem groesseren Ganzen zu vermitteln, wird auch in Zukunft ein hervorragendes Arbeitsgebiet der Centra sein. Nachmittags sprach der Delegierte des Juedischen Weltkongress in Südamerika, Herr Mark Turkow, und zeichnete in einem ausgezeichneten Referat lebendig die juedische Situation auf diesem Kontinent. In der sich 'anschliessenden Generaldebatte die von dem Praesidenten unserer Gemeinde, Herrn Dr. Hans Reich, geleitet wurde, behandelte man die Probleme der Centra. Leider litt diese unter Zeitnot. Wichtig waren u. a. die Beitraege von Dr. Alfred Hirschberg aus Sao Paulo und Oberrabbiner Dr. H. Lemle aus Rio de Janeiro. Dr. Hirschberg wandte sich gegen antisemitische Zukunftsprognosen, da man mit der staendigen Drohung nicht leben kann. Wir erleben auf diesem Kontinent die soziale Umformung seiner Struktur. Die Auswirkungen dieses Prozesses koennen als antisemitisch empf u n d e n werden. In dieser Entwicklung ist unsere Jugend ideologisch gefaehrdet, da kein ideologischer Gegenstoss spuerbar ist. Der Redner gab der Meinung Ausdruck, dass die durch unsere Rabbiner erzogene . Jugend weniger gefaehrdet ist, den Haenden kommuriisti scher Agitatoren ausgeliefert zu werden. Wir mues sen uns darueber klar sein, dass wir drei Alternativen vor uns haben. Nach Israel zu gehen, ein kuenstiiehes Ghetto zu errichten (was wohl fuer die Mehrheit von uns kaum in Frage kommt) oder in einer freien Welt zu leben, Der letzte Weg ist der schwerste, aber fuer die Meisten von uns die Zukunft. Rabb. H. Lemle wies nochmals auf die Probleme hin, die sich in Kleingemeinden bieteh. Die Aufgabe der Centra sah er darin, dass wir versuchen muessen, aus unserem landsmannschaf 11 ichen Kreis herauszutreten. Wir spllten moeglichst viele iuedische Menschen an uns heran zuziehen, .versuchend vor allem die Jugend im religioes-nationalen Geist un serer Gemeinden erziehen. Oberrabbiner Dr. Lemle machte den Vorschlag, eine Kommission bestehend aus Laien und Rabbinern zu bilden, die fuer den naechsten Centra - Kongress konkrete Vorschlaege nach dieser Richtung hih vorbereitet. Wichtig war in diesem Zusammenhang auch der Bericht. der von Herrn Ulli Lewinsky und dem Vizerektor Herrn Rabbiner Mordeiai Edery aus Buenos Aires ue ber die Entwicklung des Lateinamerikanischen ¡Rabbinerseminärs in Buenos Aires gegeben wurde. Erfreulicherweise sind die ersten zwe* Hoerer nunmehr in das Jewish Theological Seminary in New York mit bestem Erfolg eingetreten, um ihre Studien a.bzuschliessen. Einen Hoehepunkt stellte die Debatte der Jugendprobleme der Chazitdes Jugendverbandes der der Centra angeschlossenen Jugendgruppen, dar. Diese wurde mit einem interessanten Referat. von Herrn Oberrabbiner Dr. Fritz Pincuss, Sao Paulo eingeleitet, .in dem das- Problem der . Dvnamik der Jugendarbeit behandelt wurde. Damit wurde auch der Ton der Debatte angestimmt. Chazit Naor Drom Americait' ist im Begriff den Schritt von einer Foederation von Jugendgruppen zu einer Jugendbewegung zu vollziehen. Dieser Weg wurde durch den Scheliach der Jugend, Herrn Josef Nahum, in einem tiefschuerfenden Referat gezeichnet. Am letzten Kongresstag hoerten wir ein Referat von Frau Julia Jacoby (Buenos Aires) die, ausgehend von ihrer persoenlichen Erfah rung in der Leitung des Altersheims in San Miguel (Buenos Aires) ueber das Thema “Bechaeftigungs- 1 h e ,r a pie” hochinteressant berchtete. In der Schlussitzung wurden die Resolutionen detoat tiert und angenommen und die Leitung fuer die naechsten zwei Jahre gewaehlt. Sie bleibt in den Haenden der Herren Rudolf Hirschfeld und Hans Leschnitzer in Montevideo. In die Exekutive wurde u. a. auch Herr Dr. Hans Reich gewaehlt. Im beratenden Ausschuss vertritt unsere Gemeinde Herr Kurt A. Hof mann. Die Leitung des Rabbinerverbandes, die in den letzten Jahren in aufopfernder Taetigkeit Oberrabbiner Dr. Fritz Winter (Montevideo) in Haenden hatte, wurde nach Santiago verlegt und von Herrn Rabbiner Lubliner und dem Unterzeichneten gemeinsam uebernommen, in Zusammenarbeit mit Herrn Rabb,, H Harff (Buenos Aires). Am Donnerstag abend wurde in dem Abschiedsbankett, das die N. C. I. de Montevideo den Delegierten gab, noch einmal der Wille zum Ausdruck gebracht, die Arbeit der Centra fortzusetzen und alles zu tun, um unsere Gemeinden und Institutionen zu staerken und damit das lateinamerikanische Judentum zu festigen. In besonderer Weise wurde der Jahrzeitstag unseres Lehrers in Israel, Rabb. Dr. Leo Baeck, begangen, Alle anwesenden Rabbiner sprachen gemeinsam das Kaddisch-Gebet und in der Radiostunde der N. C. I. de Monte.videb gedachten die Rabbiner Dr. Lemle, Harff und Loewenstein des Weisen unseres Volkes. Rabbiner Dr. Max Nuss bäum, der durch seine Anwesenheit dem Kongress eine besondere Note gab, verabschiedete sich, indem er ausfuehrte: “Wenn man weggeht, tut immer etwas weh. Man hat Menschen wiedergesehen, mit denen uns wichtige Erinnerungen verbinden. Es ist wichtig, dass Erinnerung am Leiben bleibt. So ist die Centra historisch wichtig gewesen. Aber sie wird noch eine geschichtliche Rolle spielen. Wir muessen mehr in die Zukunft sehen als in die Vergangenheit. Das ist nicht einfach. Man muss eine neue Sprachen und einen neuen Ton finden”. Mit diesen Gedanken verabschieden wir uns voneinander. In zwei Jahren wollen wir uns in Porto Alegre oder in Lima treffen. Hoffentlich sind wir dann auf dem Weg in die Zukunft wieder einen Schritt weitergekommen. Loewenstein Die Repraesentanz: Aus dem Protokoll der Sitzung vom Herr Dr. Lehmann , begruesst ' den Praesidenten des Comité Rleprjesentativo, Herrn Gil Sinay, der an der Sitzung teilnimmt, um einen Bericht ueber die Plenar — Si t z u n g des Juedischen Weltkongress in Bruessel zu geben. Herr Sinay, nachdem er fuer die Begruessungsworte von Herrn Dr. Lehman gedankt hat, erlaeutert den Sinn und die Zusammen setzung des WJC, der in erster Linie ein politisches Instrument ist, um durch die Solidaritaet des juedischen Volkes seine Interessen zu verteidigen. Das wichtigste Organ des Kongresses ist die alle fuenf Jahre stattfindende Plenarversammlung, an der dieses Mal ueber 500 Delegierte aus 50 Laendern teilnahmen. Einer der Hoehepunkte der Versammlung war dié oeffentliche Aussprache ueber das Thema: “Der juedischdeutsche Dialog — ein ungeloestes Problem” an dem der Praesident des deutschen Bundestages Herr Dr. Eugen- Gerstenmaier und Herr Prof. Golo Mann, Sohn von Thomas Mann, der in der Schweiz lebt, und von juedischer Seite die bekannten Historiker Prof. Salb Baron und Gershon Sholem teilnahmen. Alle Debatteredner waren sich derueber einig, dass die Ungeheuerlichkeit der nazistischen Verbrechen ¡eine Wiederaufnahme des G espraeches in dieser Generation unmoeglich machen wuerde, was aber die Hoffnung auf eine zukuenftige Verstaendigung nicht ausschliesse. Herr Dr. Goldmann der die Debatte leitete, erklaerte in seinen Schlussworten, dass, wenngleich Deutschland die materielle Wieder g u t m achung erfuellt habe, noch die moralische bliebe. Ehe nicht auch diese erfuellt sei koenne der Abgrund picht ueberbrueckt werden. Erst dann, wuerde die Moeglichkeit bestehen, den Dialog wiederaufzunehmen, der der Welt so viele sehoene Fruechte geschenkt habe. Neben der eben genannten Debatte befasste sich der Kongress mit anderen allgemeinen Problemen, wie auch mit Aussprachen ueber wichtige Fragen wie "Frieden und Abruestung”; “Israel und die Diaspora”: “Die juedischen Werte und ihre Bedrohung”. Die Worte von Herrn Sinay werden mit lebhaftem Beifall begruesst. Alsdann gibt Herr Hof mann den nachstehenden Direktoriumsbericht, der ohne Pebatte genehmigt wird. “In dem Zeitraum zwischen der letzten Sitzung und unserer heutigen Zusammenkunft, konnten wir sieben neue Mitglieder begruessen, mussten jedoch auch sechs Todesfaelle beklagen. Vor allem moechte ich Dr. Chajim Jachil, Leiter der Zentrale fuer die Diaspora, stellte auf einer Pressekonferenz in Jerusalem Rabbi Herzl Fishman, New York, vor, den Gruender der World Jewish Fellowship Inc. Rabbi Fishman ist zugleich hauptberuflich Leiter der Sciences and Art Camps des Carnegie Fonds in den. USA. Im Rahmen des World Jewish Fellowship sollen amerikanisch-juedische Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren zunaechst fuer zwei bis d^i Sommermonate in israelischen Familien Aufnahme, finden, hm so den Kontakt zwischen Israel und der Diaspora zu staerken. Voraussetzung ist, dass die Familien gleichaltrige Kinder haben. Der Gast aus Amerika soll fuer seinen Aufenthalt nicht bezahlen, hingegen traegt er Zweidrittel der Reisekosten, waehrend Eindrittel von dem Fellowship uebemommen wird. In Beratungen mit dem Erziehungs. und Kulturministerium regte Rabbi Fishman die Bildung von Schuelerraeten an, die geeignete Familien ausfindig machen sollen. Heute besteht der Kontakt zwischen Israel und dem amerikanischen Juden tum hauptsaechlich durch den UJA, die Bonds und die Touristik. (“Canfit”) 13. Oktober 1966 Sie, meine Herren, an die naechste General - Versammlung des Comité Representativo erinnern. Wir haben uns hier oft und viel ueber das C. R. unterhalten und ueber die Notwendigkeit, dass unsere Gemeinde staerker als bisher an ihm Anteil nimmt. Ich bin daher sicher, dass alle unsere Herren Delegierten sich aktiv an den Debatten der General -Versammlung beteiligen werden. E i n weiteres wichtiges Ereignis der Kollektivitaet ist der Kongress des Vaad H"jinuj, zu dem die Gemeinde folgende Delegierte ernannt hat: Die Herren Walter Goldschmidt, Curt Uaac, Hans Kaufmann, Dr. Benno Kiwi und Adolfo Schnitzer Nachdem sich Herr Hofiiiann ^uf den Besuch vo i Herrn Rabbiner Nussbau>u bezogen hat, hebt er das Erscheinen eines Buechletns im Verlag der Bene Berith hervor in dem Herr Rabbiner Loewenstein Sinn una brsprung von Rosh Hashana beschreibt. Alsdann laedt er die Mitglieder der Repraesentanz zu einer am 21. Oktober stattfirdenden Bath - Mizva ein. An die Worte von Herrn Hofmann schliesst sich un ter Verschiedenes eine lgchafte Debatte an, in der die Position der Delegation der Gemeinde zji General - Versammlung ¿es Comité Representativo besprochen wird.