Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVIII (1966)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1966)
- Date
- 1966-12-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DICIEMBRE 1966 BOLETIN INFORMATIVO tf O KURT R.. GROSS MANN (NEW Wenn man die Ereignisse der Wahlen von 8. November, an denen sich mehr als 56 Millionen Amerikaner (von 116 Mill. Wahlberechtigten) beteiligt haben, streng nach Parteien analysiert, dann hat die Republikanische Partei beachtlichen Erfolg errungen. In einem Wahljahr, da kein Praesident gewaehlt wird, ist es, ausser im Wahljahr 1936, immer so gewesen, dass die regierende Partei Sitze und Stimmen verloren hat. Die Frage des Wahljahres 1966 ist daher: haben die Republikaner ueber das uebliche Mass hinaus gewonnen und was bedeutet ihr Erfolg? Was die Zahlenanalyse anlangt, so liegt der groesste Erfolg der Republikaner — wie erwartet — in den Gouverneurswahlen. Von 35 Staaten haben die Republikaner 24 fuer sich erobert, darunter die fuenf groessten Staaten: Kalifornien (wo der konservative •— Goldwater — Republikaner Ronald Reagan gewann); New York, mit Nelson Rockefeiler, der zum dritten Mal zum Gouverneur gewaehlt wurde; Romney in Michigan (zum dritten Mal); Pennsylvania, wo der stellvertretende Gouverneur Raymond P. Shafer das Rennen gegen einen reichen Demokraten und Industriellen (er spendete 4 Mill. Dollar seines eigenen Geldes) machte; Maryland (wo der gemaessigte — liberale Republikaner Spirit. Agnew einen extrem — rechten Demokraten besiegte). Die Demokraten siegten ueberraschend in Kansas und Maine, zwei republikanische Hochburgen. Der sensationellste Sieg ist der von Nelson Rockefellers Bruder im Suedstaate Arkansas, wo das erste Mal ein gemaessigt - liberaler Republikaner, Winthrop Rockefeller, zum Gouverneur gewaehlt wurde, und. zwar gegen den radikalen Demokraten, Richter Jim Johnson, der mit demagogischsten Mitteln und Schmaehungen gegen Washington den Wa h 1 k a m p f fuehrte. Wenn man also die Gouverneurswahlen in ihrer Gesamtheit analysieren will so haben sie, ausser in Kalifornien, gemaessigte oder liberale Republikaner in die Staatshaeuser gebracht. Was den Senat anbetrifft, so ist diese Tendenz hier noch staerker sichtbar. Die Demokraten haben ihre Mehrheit behalten, aber die Republikaner haben .drei Sitze gewonnen. Die Sensation der Wahlnacht war der Sieg von Edward W. Brooke von Massachussets, ein Neger, der mit grosser Mehrheit — nach fuenf undach tzig Jahren das erste Mal — nach Washington entsandt wird. Er besiegte einen liberalen Demokraten, den frueheren Gouverneur Peabody, der stets fuer die gleichen Rechte fuer Neger eingetreten ist. Ebenso interessant ist der Sieg des frueheren republikanischen Gouverneurs von Oregon, Mark Hatfield, der ein Gegner der Johnson-Politik in Suedvietnam ist und von dem man sagen darf, dass er die prominenteste “Taube’ ist, die sich in dem Gebaelk des Kongresses fuer die naechsten sechs Jahre eingenistet hat. In Tennessee besiegte der gemaessigte Republikaner H. H. Baker den frueheren Gouverneur Frank G. Clement, einen konservativen Demokraten. Endlich im Haus werden, wenn alle Stimmen gezaehlt sind, die Republikaner etwa 45 Sitze gewonnen haben, was ihnen nicht die Mehrheit gibt, aber die alte konservativ-republikanische und konservativ - demokratische Koalition wiederhers teilt, Hier ist die Einbusse des Prestiges und der , Regierungsfaehigkeit Lyndon Johnsons am staerksten sichtbar. Im Jahre 1964, mit dem triumphalen Johnson-Erfolg, kamen 48 neue liberale, demokratische Abgeordnete ins Haus, von denen aber nur 20 den republikanischen Angriff 1966 ueberlebten. Das heue Repraesentantenhaus .wird 252 Demokraten und 183 Republikaner aufweisen. Welche Gruende sind fuer den bescheidenen Rechtsruck massgebend? Im Sueden wird wie erwartet, in Alabama Lurleen Wallace, als Gouverneursstatistin fuer ihren Mann, die wirkliche Macht in Alabama, ins Staatshaus einziehen. George Wallace hat seine Praesidentschaftskandidatur fuer eine dritte Partei bereits angekuendigt. In Georgia hat einer der wildesten Rassenhetzer, Lester Maddox, zwar die Mehrheit der_ Stimmen bekommen, ist aber unter 50 Prozent geblieben, so dass das Repraesentantenhaus von Georgia zwischen dem extremen Demokraten und dem konservativen : Republikaner waehlen muss. Da das Haus in seiner grossen Mehrheit demokratisch ist, wird Lester Maddox keinen Schwierigkeiten begegnen. Es besteht kein Zweifel darueber, dass diese Wahlen zum ersten Mal in sehr entschiedener Weise von dem sogenannten “white backlash”, die Furcht oder das Ressentiment gegen die Neger, beeinflusst waren. Opfer dieser Ideologie waren in Kalifornien Earl Brown, der bisherige Gouverneur, in Illinois der verdiente, liberale Senator Paul Douglas, der achtzehn Jahre dem Lande alles gab, was er in sich hatte. In Florida wurde Claude R. Kirk, Jr., ein rechtsstehender Republikaner, zum Gouverneur gewaehlt. Endlich in New York City wurde das Referendum, den von Buergermeister John V. Lindsay errichteten Zivilen Polizeibeschwerdeausschuss a b z uschaffen, im Verhaeltnis 3 zu 2 angenommen. Hier haben sich die Waehler aus ihrer anti-Negereinstellung ueber die Empfehlungen ihrer Kandidaten und Senatoren - Nelson Rockefeiler, Frank O’ Connor, F. D. Roosevelt, Jacob Javits, Robert Kennedy und John V. Lindsay — hinweggesetzt und damit nicht zur friedlichen Entwicklung der Stadt beigetragen. Ueberall da, wo die Demokratische Partei gespalten ist — wie in New York, Illinois, Michigan, Minnesota und Texas hat sie entweder vollkommen verloren oder, wie YORK): z.B. in Minnesota, den demokratischen Senatskandidaten durchgebracht, aber, trotz aller Bemuehungen von Hubert H. Humphrey, den Gouverneursposten an die Republikaner verloren. Die Spaltung in New York hat Frank O'Connor den Sieg gekostet; denn haetten die Liberalen F. D. Roosevelt Jr., nicht aufgestellt und wie traditionell die Demokraten gestuetzt, haette O’Connor mit etwa hunderttausend Stimmen gesiegt. Die Liberale Partei in New York hat trotz des grossen Rooseveltnamens nur wenig mehr Stimmen erhalten als der bisher unbekannte Kandidat der Konservativen. Das Wachstum der Konservativen (keine Extremen) ist eines der t-pdenklichsten Z e i c h e n fuer einen Staat, der sich ruehmt, in seiner uebergrossen Mehrheit liberal zu sein. Die letzte Frage, die man zu beantworten versuchen muss, ist: Was bedeuten die Wahlergebnisse vom 8. November 1966 fuer die Praesidentenwahlen des Jahres 1968 und fuer Johnsons Politik? Was die Letztere anbelangt, so v/ollen die Waehler: “Verlangsame dein Programm auf El SONDER-BERICHT mt FÜR DAS B. I. dem Gebiete der Erreichung Johnson in Romney, Reagan, deiner “Grossen Gesellmoeglicherweise Charles Perschaft”, deiner Gesetzgebung cy in Illinois, Mark Hatfield fuer die t Neger und andere in Oregon und schliesslich Minderheiten und stocke den Nelson Rockefeiler. (trotz Krieg in Suedvietnam nicht seiner gegenteiligen Beteueauf”. In New Hampshire und rungen) Gegenkandidaten er- Oregon und auch in Illinois wachsen, die sehr wohl Johnsind die Senatskandidaten, sons sicheren Sieg fuer eine die auf der Johnson-Linie zweite Legislaturperiode in stehen oder gar einer Auf- Frage stellen koennen. Die Stockung des Kriegs das Wort Republikaner haben aus reden, besiegt worden. Insoder 8. November-W a h 1 fern also wuenschen die gelernt, dass ihre ge- Waehler augenscheinlich in maessig t e n Repraesentandiesen wichtigen Fragen zuten Waehler anziehen, und mindest Maessigung. Die uian spricht schon heute von Rechtselemente sind, wenn einer moeglichen Romneyauch unter mildernden Um- Reagan Kombination, d i e staenden, durch diesen Trenn ^em gegebenen Kraeftevergestaerkt worden. In Kaliforhaeltnis_gemaessigter und nien haben sie sich mit Rokonservativer Republikaner nald Reagan verbunden. In Rechnung traegt. New York stehen sie hinter. Zusammenfassend kann der Abschaffung des Zivilen gesagt werden: es haette Polizei- Beschwerdeausschlimmer kommen koennen, Schusses. Ihre Kraft ist noch und bis auf die angefuehrten nicht entscheidend, jedoch Ausnahmen haben die Waehsicherhoh staerker geworden ]er gezeigt, dass sie nach wie Fuer das Praesidentenwahlvor gegen abenteuerliche, exjahr 1968 sind Praesident treme Experimente sind. JOACHIM HEMMERLE (DUESSELDORF): GENERATION IM SCHATTEN HITLERS Wie stehen nichtjuedische deutsche Jugendliche den Juden gegenueber? Die ^Antwort ist fuer das zukuenftige Zusammenleben in der Bundesrepublik wichtig. Wegen der geringen Anzahl von; Juden in Deutschland fehlt oft der unmittelbare Kontakt. Daher lautet die entscheidende Frage: Wann hoeren deutsche Jugendliche erstmals von der Existenz der Juden, und was wird ihnen gesagt? Die Antwort eines 25 jaehrigen Angestellten erscheint typisch fuer die Art der ersten Konfrontation deutscher Jugendlicher mit der “juedischen Frage” .Das erste Mal hoerte ich von meinen Eltern etwas ueber Juden. Sie sagten mir, die Juden seien Geschaeftemacher, sie seien unehrliche, charakterlose Menschen. Ob ich einen Juden kenne? Bewusst habe ich noch keinen kennengelernt. Da sie in der Regel keinen Juden kenne, nehmen Jugenliche das ihnen von Eltern und Lehrern Gesagte zunaechst einmal als Tatsache hin. In der Kindheit wird sich die Antwort erfahrungsgemaess tief in das Unterbewusstsein eingraben. Spaeter ist dieses.Vor-Urteil nur noch schwer zu korrigieren. Damit sind Moeglichkeiten spaeteren Einflusses begrenzt. Zahlreiche Eltern sind nicht in der Lage, ein objektives Bild vom Judentum zu vermitteln, weil viele, vielleicht die meisten Deutschen der aelteren Generation, zumindest eine Befangenheit schon dem Wort “Jude” gegenueber zeigen. Selbst bei gutwilligen Menschen dieser Generation finden sich antisemitische Rudimente. Auch gibt es jene belasteten Eltern, die sich nicht vom Antisemitsmus befreien wollen und ihren Judenhass auf die Kinder uebertragen. Anders sind die zum Teil erschreckenden Aeusserungen der Intoleranz, ja des unverminderten Hasses nicht erklaerlich, wie sie gelegentlich auch bei jungen Menschen festgestellt werden, die nicht mehr direkt von der NS-Propaganda erfasst wurden. Aus eigener Anschauung ist mir gekannt, dass es Klassen gibt, in denen alle Schueler mehr oder weniger ausgepraegte antijuedische Vorurteile haben, obwohl die meisten offenbar noch nie einen Juden kennenlemten. im Gegensatz hierzu steht der Bericht eines jungen Mannes, der an' einer Schule cter Evangelischen Kirche im Rheinland unterrichtet wurde: “Ob die “juedische Frage” aufgetaucht ist? Ja, im Laufe der Behandlung des Dritten Reiches sowohl in Geschichte als auch in Gemeinschaftskunde. ich erinnere mich, allein ein zusammenfassendes Referat (“Judenfrage” - “Endloesung”) von einer Stunde gehalten zu haben, und an sehr ausführliches Literaturstudium. Bei aller kritischen Einstellung meinen Lehrern gegenueber muss ich sagen, dass hier wirklich “Unterrichtung” erteilt wurde”. ANTI — PHILOSEMITISMUS Ein Jugendlicher kritisiert in einer Tageszeitung die unaufrichtige Eilfertigkeit, mit der manche Eltern heute ihren Kindern die “juedische Frage” als die eines Tabus nahebringen. Er folgert daraus: “Wie nobel das auch gemeint sein mag, die Folgen sind durchaus nicht im Sinne der Humanitaet: Die Juden darf man nicht angreifen, wird uns suggeriert... Denn das schlechte Gewissen laesst die Gesinnung vieler Deutscher <von einem Extrem in das andere pendeln. “Aus dieser Situation resultiere eine neue Art von Antisemitismus, der eine Reaktion auf das darstelle, was den Jugendlichen ueber die Juden erzaehlt werde. NUR VON SEKUNDAERER BEDEUTUNG Einem Lehrer, den ich ueber seine Erfahrungen ueber das Verhaeltnis jugendlicher Deutscher zum Judentum befragte, erschien die Beurteilung der Juden nur von sekundaerer Bedeutung. Er gab zu bedenken, dass eine isolierte Befragung der Jugend ueber die Juden wenig Sinn habe: “Denn Worte werden meist nur Eltern, Lehrern usw. nachgeplappert. Vielmehr muesste man nicht nur den noch selten vorhandenen SS-Geist, sondern auch anderes pruefen: in welchem Grade die Jugend der Brulalitaet und Rohheit faehig ist oder waere, in weichem Grade sie betont “deutschbewusst” ist, ob sie “starke Maenner” wuenscht, warum sie James Bond liebt und verehrt, was der Antibolschewismus bei ihr bewirkt hat, welche Art von Zeitungen sie (Fortsetzung Seite 6)