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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1962-12-01 · 12 (Diciembre, 1962) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIV (1962)
Issue
12 (Diciembre, 1962)
Date
1962-12-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Diciembre 1962 BOLETIN INFORMATIVO 5 Der Festvortrag am Eroeffnungsabend: Oberrabbiner Lern le: NEUE WELT In unserer vorigen Ausgabe brachten wir einen Bericht ueber den in unserem Gemeindehaus abgehaltenen 4. Kongress der Centra (Asociación de Comunidades y Organizaciones Judías en Latinoamérica). Aus Platzmangel war es uns unmoeglich, die bei der Eroeffnung der Tagung gehaltene Begruessungsansprache des Praesidenten der Gemeinde, Herrn Dr. Hans Reich abzudrucfcen, ebensowenig wie den Festvortrag von Herrn Oberrabbiner Dr. Lemle und die Worte, die Herr Dr. Hans Feuereisen (Sao Paulo) in Namen der auslaendischen Delegierten an die Versammlung richtete. Indem wir dies in dieser Nummer nachholen, glauben wir unseren Lesern ein getreues Abbild dieser Tagung vermittelt zu haben. Als das Direktorium der CENTRA mich bat, das Thema fuer dieses Referat anzugeben, schlug ich vor, ueber die “Neue Welt”, in der wir leben, zu sprechen. Vor einigen Tagen haette dieses Thema ploetzlich eine neue Fassung bekommen muessen. Es schien so, als wir kurz davor stuenden ,in eine “Neueste Welt” geschleudert zu werden, die, wenn sie. ueber uns hereingebrochen waere, ah das, was bisher als “Neue Welt” uns bekannt war, in einer gewaltigen 'Explosion verschlungen h a e tte, Die “Neue Welt” waere dann in einem Augenblick “alte, vergangenen, untergegangene Welt” geworden. Solche, gewaltigen augenb 1 i c k 1 ic hen Bedrohungen sind leider charakteristisch geworden fuer die neue Welt. Bald sind es Explosionen antisemitischer Natur, bald sind es Bedrohungen sozial-politischen Charakters, denen wir ausgesetzt sind, wir wollen nicht in unseren Auszehrungen die iploetzlichen aug e n blicklichen Explosionen betrachten, sondern den gefaehrlichen und gefaehrdeten Untergrund, aus dem Explosionen jeder Art in jedem Auge nblick herausbrechen koennen. Wie sieht diese “Neue Welt” ,die sich so gefaehrlich zeigt, in Wirklichkeit aus? Was ist an ihr neu? Es wird bald dreissig Jahre, dass unser Wanderschicksal begann. Am kommenden 30. Januar jaehrt sich zum dreissigsten Mal der Umbruch in unserem 'Schicksal. Dreissig Jahre entsprechen einer Generation. Von Generation zu Generation vollziehen sich immer Veraenderungen. Die Veraenderungen, die aber in unseren letzten dreissig Jahren sich zugetragen haben, sind gewaltigerer Natur ,als wir sie je kannten. Welten liegen zwischen den Jahren 1932 und 1962. Wir wollen versuchen, einige der Aspekte herauszufinden, die uns ganz besonders diese DIE REDAKTION “Neue Welt”, in der wir leben, zu bestimmen scheinen. Wir wollen versuchen, die “Neue Welt” zu erkennen und dann anzudeuten, wie wir uns dieser.“Neuen Welt” zu stellen haben. Die “Neue Welt”, in der wir leben, ist unser lateinameri kanischer Kontinent. Ich glaube, niemandem Unrecht zu tun, wenn ich sage, dass wir, als wir vor dreissig, vor fuenfundzwanzig, vor zwanzig Jahren in diese unsere Laender kamen, kaum eine Vorstellung davon hatten, wie neu, wie andersartig diese Welt;ist, in die wir erwanderten. Manche glaubten, es waere eine. Art Amerika, es waere eine Fortsetzung des europaeischen Lebens, das wir kannten. Heute wissen wir, dass wir unsere Laender, unseren Kontinent in keiner Weise kannten, sie nicht kennen konnten, denn Argentinien ist nicht nur Buenos Aires, und Rio und Sao Paulo zeigen nicht alles von Brasilien, und Santiago ,die Hauptstadt, ist nicht ganz 'Chile, Hinter den Staedten, hinter den metropolitanen Bevoelkerungschichten liegt dieser breite, unendliche, unerschoepfte Kontinent mit den hier lebenden, nur um ihren Platz an der Sonne ringenden /Menschen. Pas ist der erste Aspekt der fuer uns so neuen Welt; Wir leben in einem erwachenden Kontinent. Vom ersten zum zweiten Weltkrieg hat sich eine wesentliche Veraenderung zugetragen. Vor und nach dem ersten Weltkrieg war die Welt erschuettert vom Kampf der Klassen. Jetzt nach dem zweiten Weltkrieg erlebt die Welt den Kampf der Kontinente. Um den ersten Weltkrieg herum drehte es sich um die Forderungen der minderbemittelten Klassen, jetzt dreht es sich um die Aspirationen der unterentwickelten Kontinente. Die Zukunft der Welt haengt von dem Schicksal dieser erwachenden, um ihre Rechte, um ihre Lebensnotwendigkeiten ringenden, unterbemittelten Kontinente in Asien urict Afrika und in Suedamerika ab. IWir sind durch unser Schicksal in einen solchen erwachenden Kontinent hinein getragen hinein gestellt worden. Wir verstehen ihr Ringen wir Verstehen ihre Unsicherheiten, wir verstehen die Erschuetterung des wirtschaftlichen, sozialen und politischen Systems in unseren Laendern. Wir glauben zu wissen, wie , die Endloesung fuer all dies aussehen muss. Wir haben dies als Traum und Ideal, seit die Botschaft der Propheten an die weit erging, durch alle Geschlechter und durch alle Laender mit uns getragen: Sozialisierung und demokratische Gere c h tigkeit, Humanismus. Gerechtigkeit und Gleichheit fuer alle und Respekt vor der Persoenlichkeit, vor dem Goettlichen in jedem Einzelnen. Welches ist unser eigener Platz, unser Platz in einer solchen ringenden Gesellschaft und Wirtschaft? Ich glaube, wir sind in einem neuen Sinne Mittelstand, wir sind Vermittler-Stand. _Wir bringen aus den Zivilisationen, aus denen wir kommen, in unsere Laender, Kenntniss e und Erfahrung, Verstaendnis und Ausbildung und das Gewissen und die Verantwortung fuer zu leistende Arbeit mit. Wir haben damit in 'diesen neuen, sich form ierenden Ordnungen und Systemen einen Platz garantiert, weil wir wirklich so viel zum besten dieser Laender beitragen koennen. Unsere Kinder, die hier geboren, werden . das noch besser verstehen als wir. Wir sind eingewandert. Wir haben uns ehrlich bemueht, die Sprache und die Sitten, die (Fortsetzung Seite 8) DIE EROEFFNUNGS-ANSPRACHE DES "CENTRA" KONGRESS: Dr. Reich: DAS ENDZIEL-UMWANDLUNG DER Im Oktober 1960 habe ich als Delegierter meiner Gemeinde bei jenem wunder. schoenen Kongress in Montevideo Sie eingeladen, den naechsten vierten Centra— Kongress bei uns in Santiago abzuhalten. Fuer uns alle war es damals selbstverstaendlich, dass Sie meine lieben Freunde, die Sie von weither heute zu uns gekommen sind, von dem Manne empfangen und begruesst werden wuerden, der zehn Jahre lang die Geschicke unserer Gemeinde in meisterhafter Weise geleitet hat. Das Schicksal hat es anders gewollt: Siegfried Landau weilt nicht mehr unter uns, kann nicht mehr teil nehmen an den Beratungen unserer Centra, an der er stets so grosses Interesse gehabt hat. Noch im Dezember des vergangenen Jahres hat er der letzten Sitzung unserer Exekutive in Buenos Aires beigewohnt und dort, wie im. iner, durch seine ueberlegene Beherrschung der Materie und seine hinreissende Rednergabe den tiefsten Eindruck auf alle gemacht, die Herr Oberrabbiner Prof. Lemle bein Eroeffnungssabend der Centra das Glueck hatten, ihn zu hoeren. Als sein Nachfolger habe ich die hohe Ehre, Sie meine lieben Freunde von der Centra im Namen meiner Gemeinde aufs Herzlichste zu begruessen. Unser Haus ist Ihr Haus im wahrsten Sinne des Wortes. Wir alle werden uns bemuehen, diesem Viert e n Kongress der Centra denselben Glanz und dieselbe Wuerde zu verleihen, den die vergangenen drei Kongresse gehabt haben. Mit besonderem Stolz erfuellt es uns, dass wir an dem heutigen Eroeffnungsabend, einen unserer be. waehrtesten und treuesten Freunde hier begruess e n duerfen, Herrn Botschafter Dr. Doron, der seine stete Verbundenheit mit uns wieder dadurch sichtbar zum Ausdruck gebracht hat, dass er sich bereit erklaerte, ein e Begruessungsansprache zu halten. I Agradezco muy sincera, j mente su presencia a los se- | ñores Presidentes de las dos organizaciones máximas del Yishuv Chileno, la Federación Sionista y el Comité Representativo de la Colectividad Israelita, señores Miguel Maldavsky y Gil Sinai, respectivamente. Ellos son también amigos antiguos y fieles de nuestra comunidad, (que nos honran como en tantas otras ocasiones con su presencia en este acto solemne. Igualmente, doy mis más sinceros agradecimientos a los señores Presi. dentes y a las señoras Presidentas de las Instituciones amigas aquí presentes. Con todas estas Instituciones nos unen lazos de amistad y comprensión mutua. Bevor wir uns den Arbeiten eines neuen Kongresses zuwenden, muessen wir uns Rechenschaft geben, was Der Praesident der SCI "B'ne Jisroel" Herr Dr. Hanfe Reich begruesst den Kongress lichem und kulturellen Material und durch Besuche von Rabbinern, sowie schliesslich die hervorragende Teilnahme der Centra an der Schaffung des Rabbiner- Seminars in Buenos Aires, an dem unser lateinamerikanischer Nachwuchs ausgebildet werden soll. Fuer das, was die Leitung der Centra lediglich auf diesem von mir nur fluechtig angedeuteten Gebiet geleistet hat, ist ihr unser Dank gewiss. Die Centra darf und will sich nicht ausruhen auf den Lorbeeren dessen, was vollbracht worden ist. Wenn wir uns an den folgenden Tagen ueber die Ausrichtung unserer ku mftigen Arbeit unterhalten werden, so muss man dabei als Endziel die Umwandlung unserer Gemeinden von mitteleuropaeischen in lateinamerikanische Gemeinden vor Augen schweben, soweit das bisher noch nicht geschehen ist. Gelingt uns dieser Verwandlungsprozess nicht, ist die Zukunft unserer Gemeinden voll schwerer Prounsere Centra in den letzten zwei Jahren geleistet hat. Es ist selbstverstaendlich nicht meine Aufgabe, an dieser Stelle eine eingehende Schilderung ueber die Arbeit der Centra zu geben, da ich den Geschaeftsbericht unseres verehrtten Praesidenten Rudolf Hirschf e 1 d nicht vorwegnehmen kann und will, den dieser: uns morgen geben wird. Eij nige wenige Punkte glaube ich jedoch hervorheben zu sollen, die mir von solcher Wichtigkeit erscheinen, dass eine groessere Oefentlichkeit sie erfahren muss. Einmal, die Abhaltung der verschiedenen internationalen Jugendlager, in denen unsere Jugend von ueberragenden Persoenlichkei t e n geschult wurde. In diesem Zusammenhang muss die Gewinnung eines Jugendfuehrers erwaehnt werden fuer die der Centra angeschlossenen Gemeinden, des- I sen Taetigkeit ausserordent! liehe Erfolge mit sich bringen kann und muss, die Betreuung der kleinen Gemeinj den durch regelmaessige Uebersendung von gottesdiensl- (Fortsetgunz Seite 8) 0966

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