Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 3 (Marzo, 1961)
- Date
- 1961-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Marzo 1961 BOLETIN INFORMATIVO 3 ALLE TAGE DEINES LEBENS Von Rabbiner Manfred Lubliner Keinen wirkungsvolleren Abschluss haette Leon Uris fuer seinen Exodus-Roman finden koennen als die alte traditionelle Sederfeier, an der er Juden wie Nichtjuden in gleicher Weise teilnehmen laesSt. Denjenigen die sich vielleicht ein wenig ueber die Zusammensetzung der Teilnehmerschaft wundern, sei gesagt, dass in der Tat der Aufbruch aus der aegyptischen Sklaverei in die Freiheit nicht nur ein epochemachendes Ereignis in der juedischen, sondern auch in der Menschheitsgeschichte ist. C. G. Montefiore hat vollkommen recht, wenn er in einer seiner Schriften darauf hinweist, dass die Bewohner aller Erdteile Anlass haetten, mit den Juden zusammen das Fest der Freiheit zu begehen. Mehr als dreitausend Jahre sind seit dem ersten Exodus vergangen, aber noch heute nimmt dieses Geschehen im juedischen Leben seinen besonderen Platz ein. Jeziat Mizrajim, “Der Auszug aus Aegypten”, ist im Judentum zu einem zentralen Begriff geworden. Nicht nur in der biblischen Gesetzgebung, sondern auch an den nationalen Festtagen, aber ganz besonders in den Tagen des Werkens, frueh und abend, begleitet diese Idee den Juden “alle Tage seines Lebens”. Die juedische Gesetzgebung ist bestimmt durch die beiden _grossen ideale Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit als voraussetzende Bedingungen fuer das ideale Leben in der Gemeinschaft und mit den Voelkern der Welt. Der grosse Pathos des “Ich bin der Ewige, der Euch aus Aegypten in die Freiheit gefuehrt”, durchstroemt den Geist all dieser Gesetze. Er weist die Richtung der Haltung an, die der Jude allen denen gegenueber einnehmen soll, die des Schutzes beduerfen. Insbesondere das Fremdengesetz zeigt den grossen humanen Charakter des Judentums auf upd ist geschaffen aus der einmaligen Erkenntnis, dass nur der die Seele des Fremden kennt, der selbst als Fremder in dieser Welt gelebt hat. Vergesst niemals Aegypten, das Haus der Knechtschaft. Verfallt niemals in den gleichen Fehler, begeht niemals die gleichen Verfehlungen, warnt das alte Exodus-Buch mit aller Schaerfe, Deutlichkeit und Eindringlichkeit. Deshalb ist es nur allzu verstaendlich, dass selbst die Gesetze, die das Problem der Haltung von Sklaven innerhalb Israels in jenen Uranfaengen behandeln, viel menschlicher, viel gerechter gefasst sind, auf einem viel hoeheren Niveau stehen, als die der umliegenden Voelker in jenen Zeiten. Ganz besonders in den Sklavengesetzen betont die Bibel die Tatsache der Befreiung aus der aegyptischen Sklaverei. Und dort, wo ein menschliches Wesen aus freier Entschlusskraft die Knechtschaft, das heisst die Abhaengigkeit, vorzieht, hat das juedische Gesetz eine besondere Prozedur angeordnet, die den Mann fuer alle Zeitem als einen Unfreien, “Veraechter der Freiheit”, kenntlich macht. Unter die Tuer oder den Tuerpfosten soll er gestellt werden und sein Herr soll ihm sein Ohr mit einer Pfrieme durchbohren. Unsere Weisen fragen mit Recht; Warum ist gerade das Hoerorgan zu dieser Bestrafung ausersehen worden?, und sie geben gleichzeitig die sinnvolle Antwort; “Das Ohr, das einst die goettliche Stimme am Sinai vernommen, die Stimme, die ausrief, Kinder Israels, Knechte des Ewigen sollt Ihr sein—, hat sich gleichsam taub gestellt und den irdischen Herren vor dem wahren Befreier den ..Vorzug gegeben”. Was fuer die Gesetzgebung gilt, i findet auch seine' Erwaehnung in den Festtagen, insbesondere in den beiden anderen Wallfährtsfesten, die in engste Beziehung zum Auszug aus Aegypten gesetzt sind. Aber nicht nur die Festtage, sondern jeder Tag unseres Lebens soll uns an die nationale Geburtsstunde erinnern. In der Hagada Schel Pessach erfahren wir von dem klassischen Symposion, das die Grossen von B’ne Brak einst abhielten. In diesen n a e c htlichen Diskussionen stand als Ausgangspunkt der Diskussion der bekannte Satz der Bibel: “Gedenke des Tages, als Du auszogst aus Aegypten, alle Tage Deines Lebens”. Die Bedeutung der Worte “Alle Tage Deines Leberts” war der Streitpunkt unter den verschiedenen. Festteilnehmern. Aber abschliessend wurde er so interpretiert: Die Tage . und Naechte des menschlichen Lebens, das ist der Sinn von “alle Tage Deines Lebens”, und sie zogen daraus die Schlussfolgerung, dass der bewusste Jude an jedem Abend und an jedem Morgen —so wie es bis heute ueblich ist— im Sch’ma des Auszugs aus Aegypten zu gedenken hat. An jedem Morgen und Abend soll sich der betende Jude seiner Verantwortung bewusst werden, dass er das Banner der Freiheit fuer den Einzelnen und fuer die Gesamtheit hochzuhalten hat. In den dreitausend Jahren sind wir genuegend geschlagen, gepeinigt, verfolgt und gequaelt worden, haben mehr als einmal den Exodus aus Aegypten am eigenen Leibe gespuert. Und doch sind wir nicht den Verfolgern zum Opfer gefallen, nicht in Erez und nicht draussen in der Welt. Was ist unser Geheimnis des Ueberlebens? Wir meinen, dass nicht nur der aeussere gemeinsame Feind, die Liebe zur Tradition oder ein gewisses Gefuehl fuer eine Gemeinschaft uns in allen schweren Gefahren zusammengeschmiedet hat. Das haette sicherlich nicht zweitausend Jahre lang ausgereicht, um Erniedrigungen, Scheiterhaufen und Gaskammern zu ertragen. Zu diesen drei Faktoren kam ein anderer hinzu und nur er hat dieses Ueberleben garantiert. Es war das unerschütterliche Vertrauen zu Gott, zu seinem unsterblichen Wort** das in jeder Generation, wenn nicht von allen, so doch von eine Teil vernommen worden ist und das die Gottesknechtschaft der Menschenknechtschaft vorgezogen hat. Der Anruf am Sinai “Ich bin der Ewige, der Dich aus menschlicher Knechtschaft befreit”, war die unversiegbare Quelle, auszuharren bis zu der Stunde, in der die prophetischen Worte in Erfuellung gingen, dass die Zerstreuten zur Mutter Zion heimkehren werden und eine neue Geschichtsepoche einleiten werden, ohne jemals die Bedeutung des ersten grossen Exodus herabzumindern. Viel Wunderbares, ja an Wunder Grenzendes ist in jenen Urtagen vor mehr als dreitausend Jahren gesche-, hen und hat sich auch bis SED ER ABEND Die Gemeinde veranstaltet fuer ihre Mitglieder und deren Familien am ersten Pessach Abend (Freitag den 31 Maerz 1961) einen ©EMEDNIDE SEDEIR Anmeldungen bis spätestens Montag den 23 Maerz 1961 im Ge^ meindebureau erbeten, da der Gemeindeseder nur bei genuegender Beteiligung abgehalten werden kann Gedeck E° 5.— auf unsere Tage wiederholt. Viele Zusaetze und Ausschmueckungen hat die kuenstlerische Volkssele diesen Geheimnissen hinzugefuegt. Der Fromme akzeptiert sie ohne zu fragen. Er nimmt sie als goettliche Wahrheit Der Zweifler laechelt darueber oder lehnt sie mit spitzer Zunge ab. Der Gelehrte sucht sie in den Zusammenhang der Naturgesetze zu stellen und zu deuten. Wer hat recht? Buber hat in seinem Moses-Buch darauf geantwortet: “Es ist gar nicht wichtig, ob so etwas passiert ist, ob in grossem oder kleinem Umfang,' ob maechtig oder schwach. Was wichtig ist, dass das Ereignis in seiner Zeit als goettlicher Akt gedeutet wurde. Wenn wir das Bild Gottes als das des Befreiers unseres Volkes, als, einen, der vor ihm hergeht und es weiterfuehrt, zerstoeren, dann rauben wir dem juedischen Volk seine historische Realitaet”, Vor dreitausend Jahren ging dep aus der Knechtschaft Befreiten eine Wolkensaeule am Tag, eine Feuersaeule in der Nacht, voran —das war die goettliche Manifestation—, und hat sie durch die unwirtliche Erdenwueste gefuehrt, weitergefuehrt bis auf diesen Tag. “Alle Tage unseres Lebens” sollen wir dieser Fuehrung gedenken, nie vergessen, was das Leben dieses ewigen Volkes aufrecht erhalten hat. Ist es nicht der grosse, ewig sich erneuernde Anruf: “Ich bin der Ewige, Dein Gott, der Dich aus dem Hause der Knechtschaft in die Freiheit gefuehrt hat?” —alle Tage Deines Lebens. DIE OFFENBACHER HAGGADA Vor uns liegt die Offenbacher Haggada, herausgegeben von Herrn Dr. Siegfried Gugenheim, der mehrere Jahrzehnte als Rechtsanwalt und Notar in Offenbach a|m gewirkt hat. Sie ist nunmehr in 2. Auflage erschienen. Ich verdanke die Einsichtnahme in dieses schoene Werk dem Bruder des leider kuerzlich verstorbenen Herausgebers, unserem Gemeindemitglied Herrn Carlos Gugenheim. Ich hatte schon frueher viel von dieser. Haggada gehoert leider aber niemals Gelegenheit gehabt, sie selbst zu lesen. Vor 30 Jahren zum ersten Mal erschienen, ist sie dem Andenken des unvergesslichen, leider viel zu frueh dahingegangenen Offenbacher Rabbiners Dr. Max Dienemann gewidmet. Sie istwie der Verfasser im 1. Vorwort mitteilt—, aus den Sederabenden im Vaterhaus hervorgegangen und fuer die Vielen gedacht, deren Kenntnisse nicht ausreichen, um sich am Sederabend ohne Hilfe an den traditionellen Text der, Haggada schel Pessach zu halten. Sie will durch Erklaerungen und moderne Hinzufuegungen “etwas von den Seelenschaetzen des Judentums lebendig machen an die Demut und den Stolz unsere Glaubens ruehren”. Von den hebraeischen Texten sind alle wesentlichen uebersetzt. Ein Teil der hebraeischen Lieder ist in deutschen Buchstaben gedruckt, so dass auch der des hebraeischen Unkundige die 'Lieder mitsingen kann. Sowohl in der aeusseren Ausgestaltung wie auch m der Auswahl der Texte und Deutungen spuert der Leser die Liebe und tiefe Ueberzeugung des Verfassers, die ihn mit der Religion seiner Vaeter und der Weisheit der Generationen verbinden. Es geht ihm nicht so sehr darum, zu den vielen frueheren Ausgaben der Haggada eine neue hinzuzufuegen, sondern er will den Wahrheitsgehalt des Judentums fuer die Nahen und Fernen in dieser “Nacht der Hut” verbreiten helfen. Die Illustrationen, die den Text begleiten und von Herrn Fritz Kredel stammen, sind modern und entsprechen dennoch weitgehendst dem Inhalt. Herr Dr. S. Gugenheim hat das Erscheinen der 2. Auflage noch mit tiefer Befriedigung erleben duerfen. Wir koennen nur hoffen, dass der Wunsch des Verfassers im Vorwort zur 1. Auflage sich erfuellt: “Leben gab dem Werke der Geist des Hauses. Er wirke weiter”. Es zu wuenschen, dass eine Uebersetzung der Erklaerungen und Deutungen in die spanische Sprache ermoeglicht werden kann. Auf diese Weise kann eine herrliche Frucht des einstigen Judentums in Deutschland als befruchtendes Erbe weiterwirken. Loewenstein. LIGA DE DAMAS Unsere Kleiderkammer ist wieder regelmaessig alle 14 Tage ab Mittwoch, den 1. Maerz 1961, vormittags von 10 - 12 Uhr geöffnet. Wir bitten alle Freunde und Goenner, uns mit Kleidung, Waesche und Schuhe fuer Herren, Damen und Kinder zu versorgen, da unsere Schraenke nahezu gelehrt sind. Schicken Sie uns nur gut erhaltene Sachen in unsere oficina Avda. Portugal 810, oder, falls Ihnen dies nicht moeglich sein sollte, rufen Sie uns unter N.o 32357 an, wir lassen gern alles abholen.