Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 3 (Marzo, 1961)
- Date
- 1961-03-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 BOLETIN INFORMATIVO Marzo 1961 LAGUNA DE LOS PADRES Ein Meilenstein des Reifens einer Jugendbewegung Von Rabb. Egon Loewenstein Das dritte Seminar fuer Madrichim und Prae —Madridern des. Chasit Noar Drom— Amerikait (Frente Juvenil Judío Latinoamericano) —des Jugendverbandes der “Centra”—, das in Laguna de los Padres in der Naehe von Mar del Plata vom 27. Januar stattgefunden hat, gehoert der Vergangenheit an. Es nahmen teil: 13 Jugendliche aus Buenos Aires, 8 aus Rio de Janeiro, 10 aus Sao Paulo, 4 aus Puerto Alegre, 8 aus Santiago de Chile und 14 aus Montevideo, im ganzen 57 Jugendliche. Hinter diesem nuechternen Tatbestand verbirgt sich eine gewaltige Vorbereitungsarbeit, die von der Leitung der Centra mit ihrem dyna mischen und idealistischen Praesidenten Herrn Rudolf Hirschfeld und auch von der Frente Juvenil von Buenos Aires geleistet worden ist. In Laguna de los Padres hat die Congregación de la República Argentina in Buenos Aires ein Jugendcamp “Rama” unter der Leitung ihres energischen Rabbiners Herrn Marshall Meyer ins Leben gerufen. Dankenswerterweise wurde uns ermoeglicht, auf diesem Gelaenäe unser drittes Seminar durchzufuehren. I. Am Rande eines Sees, umgeben von den Reizen einer sich in ihrer ganzen Pracht zeigenden Natur, ist innerhalb weniger Wochen ein Camp entstanden, das allen Erfordernissen eines modernen Jugendlagers entspricht. Es wurden kleine Haeuser gebaut mit Essaal und Kueche. Schlafzimmer fuer die Chaweroth (die Chawerim schlafen in Zelten), Baedern, Zimmer fuer die erste Hilfe, Wohnungen fuer die Leiter des Camps. Ausserdem finden wir Sportplaetze und ein Schwimmbad. In einer Waldlichtung stehen Baenke, ein Vorbeterpult und ein Toraschrank. Das ist das Beth Haknesset. Hier versammeln wir uns jeden Morgen und am Schabbat zum Gebet, sowie auch zu den ernsten Beratungen. Alle Inschriften sind in hebraeischer Sprache. Die Wege im Camp haben hebraeische Strassennamen, z. B. Jabnestrasse, Rambamstrasse usw. In diesem Camp lebten wir 12 Tage —abgeschlossen von der Welt, ohne Radio, ohne Zeitung. Sogar die Uhrzeit, die im Lager herrscht, its eine andere. Wir mussten unsere Uhren um eine Stunde zurueckstellen - lt. Campordnung. II. Wie haben wir die Tage verbracht? Um 7 Uhr wurden wir durch den Gesang des hebraeischen Liedes: “Wie schoen sind Deine Zelte Jacob Deine Wohnungen Israel” —durch eine Grammophonplatte auf Lautsprecher uebertragen, geweckt. U m l!2 8 Uhr begann der gemeinsame Gottesdienst fuer die Teilnehmer des Camps “Rama” (Kinder von 9-14 Jahren) und fuer uns. Nach dem Fruehstueck eroeffneten wir unsere Tagesarbeit mit Iwrith in vier Gruppen, in die die Chawerim und Chaweroth je nach ihren Vorkenntnissen aufgeteilt wurden. Um 1/2 10 Uhr versammelten wir uns im Beth Haknesset, um uns dem Studium juedischer Fragen, unserer Geschichte und Problemen der Gegenwart zu widmen. Es sprach Oberrabbiner Dr. G. Schlesinger ueber: “Israel und das alte Aegypten”. Daraus ergab sich eine eifrige Diskussion ueber das Problem Individuum und Masse in der modernen Gesellschaft. Rabbiner M. Meyer sprach ueber die religioesen Stroemungen im Judentum der Gegenwart und suchte, uns die Synagoge als Zentrum juedischen Lebens nahe zu bringen. Der Berichterstatter hielt Vortraege ueber: “Der moderne Jude und unsere Geschichte im Altertum, Mittelalter und Neuzeit”, “Die geographische und wirtschaftliche Schichtung des juedischen Volkes in der Gegenwart” (um den Zuhörern die weitgehenden Veraenderungen unserer Situation in den letzten 20 Jahren aufzuzeigen), “Die universalen Werte des Judentums”, und schliesslich “Die hebraeischen Grundlagen der Demokratie”. Stets schlossen sich lebendige Diskussionen an. Der Rest des Vormittags galt dem Sport. Nachmittags teilten wir uns wiederum in vier Gruppen auf. Zunaechst wurde die praktische Anwendung des Vormittags-Themas in einer Jugendgruppe behandelt. Dann besprachen die Leiter David Sztulman (Sao Paulo), Schlomo Maguenzo (Santiago de Chile), und die Madrichim Mario I,ewinsohn (Montevideo) und Ricardo Meinrat (Rio de Janeiro) methodologische Fragen der Jugendarbeit. Probleme der Ausgestaltung des Programms, das juedische Jahr mit seinen Festen, Fragen der Gestaltung einer Gruppe, das sexuelle Problem in der Jugendgruppe usw. wurden behandelt. Eines der wichtigsten Referate hielt Chawer David Sztulman, in dem mit Erfolg eine ideologische Grundlegung un serer Jugendbewegung versucht wurde. Dann traten die verschiedenen Kommissionen zusammen, um Fragen des Seminars zu besprechen, wir trieben Sport oder lernten neue Lieder. Die Abende sahen ein vielfaeltiges Programm vor. Wir tanzten israelische Taenze, hebraeische Gesaénge und Spiele. Wir hoerten einen Bericht der Leitung der Chasit Noar Drom - Amerikait ueber die im vergangenen Jahr geleistete Arbeit und Fragen der Bewegung, wurden ueber die Taetigkeit und Probleme der Landesverbaende informiert, sassen am Lagerfeuer, sangen und bereiteten deh Schabbat vor. Der Schabbat wurde in traditioneller Weise begangen. Am E r e w Schabbat begruesten wir ihn mit dem vorbereiteten Programm, an das sich der Gottesdienst anschloss. Am Schabbat Morgen sprachen wir nach dem Gottesdienst ueber die ideologischen Probleme unserer Bewegung. Nachmittags gingen wir spazieren. An die Hawdala schloss sich ein Programm an, in dem die Delegationen aus der Folklore ihrer Laender Gesaenge und Taenze vorfuehrten. Ein jeder Tag war mit intensiver geistiger Arbeit —mit Lernen— aber auch mit Spiel und Gesang ausgefuellt. Ein Ausflug nach Mar del Plata brachte froehliche Abwechslung. Leider konnte das urspruenglich vorgesehene Lernprogramm aus Mangel an Zeit nicht komplett durchgefuehrt werden. III. Worin sehe ich das Ergeh nis dieser 12 Xage in Laguna de los Padres fuer unsere Chasit Noar? (Wir wollen in Zukunft nicht mehr von der INDA sprechen, da dieses Wort ohne inhaltliche Bedeutung ist, sopdern von der Chasit Front. Darin drue^kt sich unser Wille aus, eine Front fuer die Gestaltung und Zukunft des juedischen Lebens auf diesem Kontinent zu bilden). Ich will versuchen dieses Ergébnis auf Grund der gemeinsam ausgearbeiteten “Conclusiones” zu finden. (Zwecks Stellungnahme empfehle ich jedoch den Text der Conclusiones zu lesen). Das Seminar bedeutet einen Schritt vorwaerts in der Kristallisierung der Ideen, des G e m e i nschaf tswillens und der methodologischen Prinzipien, die die Arbeit unserer Jugendbewegungen staerken und vereinheitlichen wollen. In ihm suchten wir zu klaeren, was “integrales Judentum” als Erziehungsziel bedeutet. Jede der angeschlossenen Jugendorganisationen soll auf der Grundlage d.er religioesen, nationalen, kulturellen, ethischen und traditionellen Werte des Judentums arbeiten und eine enge Identifizierung mit dem Staat Israel und seinen Werten suchen; zugleich wird in den juedischen und religioesen Inhalten- und in der Gemeinde (Kehilla) die Erfuellung juedischen Lebens ausserhalb Israels gesehen. Um diese Werte einer moeglichst grossen Zahl von Jugendlichen dieses Kontinents vermitteln zu koennen, soll in unsere Jugendbewegung jeder juedische Jugendliche Aufnahme 'finden, der den Weg zu uns sucht —ungeachtet des Ursprungslandes seiner Eltern. Chasit ist in Fragen der Politik unpolitisch und erlaubt die freie Meinungsaeusserung eines jeden Mitgliedes, so weit diese mit dem allgemein gezeichneten Weg in Einklang steht. Wichtig ist auch die Feststellung der Unabhaengigkeit der Chasit Noar und der ihr angeschlossenen Jugendorganisation in Fragen der Erziehung und der .inneren Problematik. Um die finanziellen Probleme und Fragen der .Orientierung zu loesen, wird den Gemeinden empfohlen, eine Jugendkommission zu bilden, in der Vertreter der Gemeinde, die in Fragen der Jugendbewegung Erfahrung haben, und Vertreter der Jugendbewegung die zur Debatte stehenden Fragen gemeinsam beraten. Auch ueber praktische Aufgaben wurde gesprochen Das Studium der hebraeischen Sprache wird als ein Teil der persoenlichen Verwirklichung der Ideale der | Bewegung angesehen.. Die Beteiligung an der Magbit Juvenil und im KKL ist von erzieherischem Wert. Die Chawerim sollen am religioesen Leben im Haus und in der Synagoge teilnehmen. Die J ugendbewegungen sollen den Besuch einer juedischen Schule oder der von den Gemeinden eingerichteten Religionsschulkurse foerdern. Die Leitung der Chasit Noar Drom-Americait bleibt auch fuer das naechste Jahr in den bewaehrten Haenden der Chawerim der Agrupación Juvenil de la N. C. I. de Montevideo. Sie haben es seit dem 1. Seminar in Piriápolis im Jahre 1959 verstanden, Chasit Noar zu einer Wirklichkeit jm juedischen Leben dieses Kontinents werden zu lassen. Wir hoffen, dass es der neuen Leitung gelingen wird, Jugendorganisationen^ anderer Laender und Gemeinden zum Anschluss an die Chasit Noar zu veranlassen. Fuer kuenftige Seminkre soll die Zahl der Teilnehmer begrenzt werden und das Programm rechtzeitig bekannt gegeben werden, um eine umfassende geistige Vorbereitung zu ermoeglichen. VI. Ich komme zum Abschluss meines Berichtes. Drei Seminare haben die Centra und Chasit durchgefuehrt: Piriápolis, Campo de Jordao und Laguna de los Padres. In diesen zwei Jahren ist Chasit Noar gereift. Mein Bericht ueber Piriápolis war voller Sentimentalitaet und Romantik. Zum* ersten Mal lernte ich damals eine lateinamerikanische juedische Jugend, erfuellt von innerer Bewegung und mit idealem Streben, kennen. In Laguna de los Padres fand ich vieles von dieser jugendlichen Romantik wieder. So soll es in einer Jugendbewegung sein. Wir sangen, tanzten, lachten, suchten Kameradschaft und fanden Freunde. Aber wir bemuehten uns auch um unseren Weg in die Zukunft. In Piriápolis lebten wir 10 Tage in einer idealen Welt, die wir uns selbst schufen. Damals waren viele von Sorge erfuellt, ob es rnoeglich sein wird, den Geist von Piriápolis in die Wirklichkeit der realen Jugendarbeit zu uebertragen. Es ist gelungen. Dieses Zeugnis darf vor allem unseren Chawerim aus Buenos Aires, die in Laguna de los Padres teilnahmen, ausgestellt werden. Campo de Jordao brachte uns mit der Problematik der juedischen Gegenwart in Kontakt. In Laguna de los Padres lebten wir abgeschlossen vom Alltag. Aber die Juedische Welt und unser Aufgabenkreis war staendig mit uns. Das Gefuehl der Gemeinsamkeit des Weges kam bei dem feierlichen Abschluss des Seminars am Lagerfeuer zum lebendigen Ausdruck, wir stehen nicht mehr allein Wir reichten uns im Kreis die Haende. Wir wissen Chasit Noar Drom-Americait ist eine Wirklichkeit im juedischen Leben dieses Kontinents. Piriäpolis, Campo de Jordao und Laguna de los Padres sind Meilensteine. In ihnen zeigt sich die Entwikklung, einer um ihr juedische Selbstbewusstsein ringenden Jugend. Sie sind Stadien des Reifens. V. Abschliessend will ich aus der Ferne den Chawerim David Sztulman und Schlomo Maguenzo fuer ihre zielbewusste und verantwortungsvolle Mitarbeit in der Leitung des Seminars danken, sov/ie auch dem Madrichim Mario Lewinsohn, Ricardo Meinrat und der Chawera Esther Maguenzo, deren Hilfe uns unentbehrlich war. Ihnen ist es zu danken, dass unvermeidliche Schwierigkeiten gluecklich ueberwunden werden konnten. Dank auch Herrn Rabbiner Marshai Meyer, dessen bewunderungswürdige Energie die technischen Voraussetzungen fuer das Erlebnis in Laguna de los Padres schuf. Aber alles waere nicht rnoeglich gewesen, ohne die Disziplin und Mitarbeit der Cha\yerim und Chaweroth aus ’ Argentinien, Brasilien, Chile* und Uruguay. Sie schufen den Geist des Seminars. Ihr Singen, Spielen und Lachen, aber auch ihr geistiges Ringen um unseren Weg gibt uns in unsere juedische Zukunft auf diesem Kontinent Vertrauen. Ihpen verdanken wir, dass das dritte -Seminar ein Meilenstein wurde. Lehitraot-Chasäk v’Ale. *Aus Chile nahmen 8 Mitglieder der Organisation Juvenil “Barcai” am Seminar teil. Marianita Benger, Nanette Rappäport, Sylvia Teitelbaum, Eduardo Hardy, Jorge Jung, Tomäs Reichmann, Harry Schanzer, Marcos Wisch. Es darf mit besonderer Freude festgestellt werden,^ dass unsere Delegation besonders aktiv am Seminar teilnahm. Es gab Augenblick, in dem wir stolz auf diese Chawerim und Chaweroth waren. SICHERE EXISTENZ Wegen Wegzug verkaufe: kleines Geschaeft pleno centro — in bester Lage — Neubau — billige Miete. Laufender guter Umsatz und Verdienst nachweisbar. 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