Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1954)
- Date
- 1954-09-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Noviembre, 1954 BOLETIN INFORMATIVO 3 JOSEF TCHORNITZKY YAD VASCHEM Am Montag, den 25. Oktober eroeffnete José Tjornitzky, Schaliach des Keren Hajessod Jerusalem, im Sektor der “B’ne Jisroel” die Magbit 5715. Eroeffnet wurde diese Veranstaltung mit einem Film, der uns “Die ersten Schritte” dés werdenden Staates Israel zeigte. Der Praesident unserer Gemeinde, Dr. Siegfried Landau, begruesste den Gast, der schon vor sieben Jahren in den Tagen der Entscheidung ueber Palaestina in den Vereinigten Nationen aufregende Stunden mit uns verbracht hat, Dr. Landau zeichnete das Verhaeltnis zwischen unserem Staat und den Juden in der Welt als das, zwischen Mutter und Kind. So wie eine Mutter ihr Kind nicht nur zur Welt bringt, sondern auch auf Jahre hinaus mit seiner Liebe umhegt und begleitet, so muessen auch wir Juden in der Welt dafuer sorgen, dass unser Staat jene oekonomische Sicherheit erhaelt, die die Vorausetzung fuer seine politische Sicherheit ist. José Tjornitzky sprach ueber die innere und aeussere Position der Medinat Israel. Innerlich ist seine Lage dadurch charakterisiert, dass Staat und Volk sich in einem gaerenden Entwicklungsprozess befinden. Die Medina hat leinen entscheidenden Wandel mit sich gebracht. Die einstmals zionistische Fuehrerschaft hat sich in die Fuehrerschaft eines Staates verwandelt. Frueher genuegte es fuer die Verwirklichung einer Vision zu kaempfen, Jetzt leben Juden aus 74 Laendern mit 33 Sprachen im Land und die Regierung kann nicht ein- Am Donnerstag, d. 28 Oktober sprach im Rahmen der Vortragsreihe “Der juedische Mensch” Herr Dr. Ernst Reichmann ueber “Der liberale Jude”. Nach einfuehrenden Worten von Rabbiner E. Loewenstein, in denen er den religicesen Liberalismus als eine der beiden Antworten des Juden des 19. Jahrhunderts an die Emanzipation charakterisierte, nahm Dr. Reichmann das Wort. Er zeichnete zunaechst den Juden des Mittelalters, seine Lebens —und Denkweise, um dann auf den politischen Liberalismus als Produkt der Aufklaerungsperiode einzugehen. Der Jude fand in ihm seine eigene Gedankenwelt wieder, in die er im Bewusstsein seiner Gleichberechtigung mit vollen Segeln eintritt. Es wurde die religioese Entwicklung des 19. Jahrhunderts gezeichnet und dabei auf Abraham Geiger und Samson Rafael Hirsch Verstaendnis fuer die historische Bedeutung, die sowohl dem religioesen Liberalismus bewies dabei ein weitgehendes eingegangen. Dr. Reichmann fach diktieren, sondern muss versuchen, die Menschen an die Staatsnotwendigkeiten anzupassen. Und das ist nicht immer leicht, denn viele der orientalischen Juden glaubten, dass die Tage des Messias gekommen seien und kommen aus sehr primitiven Bedingungen. Das schafft gewaltige Probleme. Andererseits ist durch das Entstehen der Medina das Leben eines jeden Juden geaendert worden, auch desjenigen, der sich offen zum Staat bekennen will. Der Redner zitierte Achad Haam: Wer sagt —frueh, mittags und abends—, er ist kein Jude, der ist oft 200% mehr Jude als die Anderen. Er ist eben nur ein Jude mit einem Komplex. Die aeussere Position Israels wird dadurch bestimmt, dass wir in einer nervoesen Welt leben und in dieser Welt gibt es ein Land, das genau weiss wass es will. Die Tragcedie unserer Welt ist, dass sie kein Programm und keine Hoffnung hat. Sie lebt in einer Atompsychose. Mit dieser Welt haben wir es zu tun. Wir haben die Vision, einen Staat zu bauen, der anders ist als alle anderen. Drei Aufgaben stehen uns bevor: Den Staat zu befestigen, Menschen zu bringen und einen neuen Juden zu erziehen. Ausserhalb Israels ist eine anormale soziale Situation moeglich, in Israel nicht. Darum muss der Staat in manchen Faellen grausam sein und Menschen in Berufe bringen, die ihnen nicht angenehm sind, denn wir sind reich an Boden aber uns fehlen die Menschen, die diesen Boden bebauen. Das ist als auch der Orthodoxie zukcmmen, unterliess es aber auch nicht Irrtuemer und Fehler aufzuzeigen. Vor allem sprach er sich gegen die “Spiritualisierung” des Judentums aus, suchte diese aber historisch zu erklaeren. Sehr eindeutig nahm der Redner gegen Samuel Holdheim, den Begruender der Berliner Reformgemeinde und der von ihr ausgehenden Reformbewegung Stellung. Er sieht in ihr ganz richtig einen historischen Irrtum, der die Essenz des Judentums verfaelschte. Vor allem hob Dr. Reichmann das Truegerische des politischen Liberalismus hervor das darin besteht dass in ihm viel von messianischer Hoffnung lebte. Das fuehrte zur Verfaelschung der alten messianischen Hoffnung im Judentum, die in der Zukunft und nicht in einer erfuellten Gegenwart liegt. Da aber das liberale Zeitalter nicht das paradisische war, so begann mit der erfolgten Emanzipation der Juden in Mitteleuropa auch ihre Krise im politischen und geistigen Räum. ßEI IIU die grosse Sorge der Regierung. Sie muss den Lebensstandard seiner Bewohner, der verschieden war, auszugleichen versuchen. Und dazu leben wir im Kriegszustand mit unseren Nachbarn. Fuer den nicht zionistisch vorbereiteten Juden ist es schwer zu begreifen, dass er auf’s Land muss, denn die Sonne Israels drueckt oft schwer und der Boden laesst sich am Anfang bitten, seine Ernte herzugeben. Es gibt in Israel Licht und Schatten. Aber was geleistet worden ist, ist mit Hilfe der Juden in der Welt geleistet worden. Und der Redner gab sehr interessante Ziffern uöber die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Landes. So ist das juedische Volk in einer pessismistichen Welt ein optimistisches Volk. Es kostet Schweiss, Blut und Geld. Der Redner charakterisierte noch unsere Beziehungen zu den Arabern und gab der Hoffnung Ausdruck, dass wir noch einmal zu einem Frieden mit ihnen kommen werden. Die Magbit ist die Demonstration des juedischen Volkes, dass das ganze Volk hinter seinem Staat steht und bereit ist, als Socios seine Verpflichtung gegenüber dem gemeinsamen Werk zu erfuellen. Reicher Beifall dankte dem Redner fuer seine interessanten Ausführungen. Im Anschluss daran wurde der zweite Film “Israel 1954” gezeigt, der von den leider nicht allzuzahlreich anwesenden Mitgliedern unserer Gemeinde sehr interessiert aufgenommen wurde. Damit kam es auch zum Gegensatz zwischen Zionismus und religioesem Liberalismus, den Dr. Reichmann aber als keinen echten Gegensatz bezeichnete. Er charakterisierte in diesem Zusammenhang auch die Position Franz Rosenzweigs, dessen Leben und Werk weitgehende Folgen gehabt hat. In der Haltung des grossefi Weisen Leo Baeck zu Zionismus und religioesen Liberalismus und seinem Versuch diese beiden Bewegungen in einer Synthese zu vereinen, beziehungsweise Religion und Volk als eine Einheit zu bewahren, liegt das wahre Judentum. “Der Nationalismus des einzigartigen, des auserwaehlten Volkes, —das ist eine Ideeneinheit, aber kein Ideenwiderspruch”. Nachdem Dr. Reichman untersuchte, wie es zum Antisemitismus der buergerlichen Epoche kam, kennzeichnete er die Krise des emanzipierten Juden, die auch eine Krise des Juden als Buergers ist. Der Sozialismus wurde in seinem Verhaeltnis zum Judentum untersucht, wobei mit Recht festgestellt wurde, dass der Sozialismus so alt wie das Judentum ist, da er im Wesen der prophetischen Religion Die Knesset, das Parlament der Medinat Israel, nahm am 8. Elul 5713 ein Gesetz an, in dem der Bau eines Monuments in Israel beschlossen wurde, um das Andenken der Opfer der Nazibarbarei zu verewigen. In diesem Monument sollen die Namen der Umgekommenen in einem Register niedergelegt werden. Medinat Israel verleiht allen 6 Millionen Juden die israelis c h e Staatsangehoerigkeit post mortem. Jahrhunderte lang haben Juden ihrer Opfer gedenken muessen ,die durch Fanatismus und Grausamkeit ihr Leben im Kiddusch Haschern Liessen. In unserem Siddur legt das Aw Harachamim fuer die Jahrhunderte von allen denen Zeugnis ab die waehrend der Kreuzzuege des Mittelalters ermordet wurden. Maasebuecher verewigten die Namen aller derer, die sich weigerten, dem Druck der Umwelt nachzugeben und Israel die Treue bewahrten. In unseren Tagen wird den Maertyrern unserer Gegenwart in einer neuen und wuerdigen Form ein Denkmal fuer die Ewigkeit errichtet. Unser Staat hat beschlossen, ihr Andenken dadurch fuer die Ewigkeit zu sichern, dass er sie alle als Buerger seines Staates post mortem erklaert hat. Er erfuellt damit das Ein langgehegter Wunsch fand endlich am 18. September seine Verwirklichung. An diesem Tage wurde in feierlicher Form der neue Friedhof in Bellota eingeweiht. Eine grosse Anzahl der Gemeindemitglieder hatte sich am Eingang versammelt, um zusammen mit den Herren Rabbinern Loewenstein und Lubliner unter Singen einiger Psalmenverse die neue Staette zu betreten. Nach dem zeremoniellen Teil, der aus dem Vortrag von Psalmen in hebraeischer und spanischer liegt. So ruehrt der Fanatismus der juedischen Sozialisten aus dem Messianischen im Judentum. Auch in der heutigen Welt waere die Schechina zu finden, keimt ein zartes Gottesgefuehl denn der Mensch glaubt zu jeder Zeit; auch wenn er sich in Religionssersatz ausdrueckt. Dieser Religionsersatz hat die Menschen weithin erfasst. Bedeutet also das Ende des buergerlichen Zeitalters das Ende des Liberalismus, des liberalen Menschen? Ja, wenn der Mensch aufhoert unter Unfreiheit zu leiden, sich gegen Unrecht aufzulehnen und beginnt an der Unwahrheit Geschmack zu finden. Solange ihm aber Welt und Leben nur moeglich und wert sind durch Freiheit, Recht und Wahrheit, wird er den liberalen Kampf kaempfen”. Dr. Reichmann schloss seine tiefgruendigen Ausfuehrungen mit einem Zitat von Kurt Tu- Wort des Propheten Jesaja (56,5): “Ich geoe ihnen in meinem Haus und imieinaio meiner Mauern uenKinai und Namen, icn werae innen ewigen Namen geoen, aer ihnen niemals mehr wieder genommen werden wird, ’ öo ueienet sien Israel darauf vor, m der heuigen Stadt Jerusalem, das Andenken unserer geneoten und reinen seeien, unserer Brueder und Scnwestern, die nicnt in juediscner Erne ihre ewige Runestaette gefunden haoen, zu bewahren, um nies zu ermoegiichen, werden wir auf gerufen, einen Fragebogen amzuiuenen, der ane jene Angaben enthaelt, die notwendig sind, um unsere teueren lviaertyrer zu identifizieren. So wird ihr Name niemals vergessen werden. Das Gedenken an sie wird die Mauern Zione befestigen. Die geliebten Seelen im Leben werden niemals von uns getrennt sein, von uns, der ewigen Gemeinschaft Israels. Die Eintragung in das Register wird kostenlos erfolgen. Die entsprechenden Formulare stehen in unserem Gemeindebuero unseren Mitgliedern zur Verfuegung. Wir bitten, sie von dort abzuholen und sie uns so schnell wie moeglich ausgefuellt zu zustellen. Sprache bestand, ergriff der Praesident Leo Weglein das Wort, um all denen zu danken, die an der Verwirklichung dieser Ewigen Staette mitgearbeitet haben. Dann erstattete Herr M. Weinstein seinen Dank. Im Anschluss daran sprach Rabb. Lubliner ueber die Bedeutung des Bet- Olam im Judentum. Die feierliche Einweihung des Gottessackers schloss mit dem El male rachmim und dem Kaddisch-Gebet, beides von Herrn Kantor Freund vorgetragen. cholsky, in dem dieser seinem tiefen Glauben an die Wiederentdeckung des Liberalismus beredten Ausdruck gab. So war dieser Vortrag nicht nur eine Fortfuehrung in der Vortragsreihe “der juedische Mensch”, sondern fuehrte uns auch tief hinein in die Problematik des Menschen unserer Gegenwart, an der wir Juden unseren grossen Anteil haben. Der religioese Liberalismus wurde richtig als ein Teilproblem des Liberalismus in der Welt gesehen und doch zugleich auch angedeutet wie der religioese Liberalismus in den beiden Grossen-Franz Rosenzweig c. A. und Leo Baeck sich selbst ueberwindet und den Weg zu den Quellen wiederfindet. Die leider nicht allzu zahlreich anwesenden Zuhcerer dankten dem Redner durch anhaltenden Beifall fuer seine hochinteressanten Ausfuehrungen. E. LN. Der lib erale Jude Friedhof - Valparaiso