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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1948-06-01 · Edicion Especial (Junio de 1948) · p. Seite 2

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
X (1948)
Issue
Edicion Especial (Junio de 1948)
Date
1948-06-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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2 BOLETIN INFORMATIVO GLUECKWUENSCHE AUS ALLEE WELT Liebe Freunde, ich habe mit grossem Interesse davon Kenntnis genommen, dass Ihre Gemeinde in diesen Tagen ihr zehnjaehriges Jubilaeum feiert. Zehn Jahre! Eine scheinbar kurze Zeit, aber welche Welten liegen zwischen dem Datum Ihrer Gruendung und dem heutigen Tag. Ihre kleine juedische Gruppe hatte ein vielleicht glueckliches Schicksal, fern ab von den grossen Schauplaetzen der Geschichte, fern von den Schlachtfeldern und den Staetten des Schreckens, eine neue Gemeinschaft auf bauen zu koennen; aber wer von uns ist von dem Gang der Dinge verschont! Wir alle sind zusammengehalten durch unloesliche Bande, und so verschieden sich das persoenliche Leben gestalten mag, wir haben einen gemeinsamen Besitz an Geschichte, Kultur, Tradition und Leid; und vielleicht darf ich hinzusetzen: an Hoffnung. In diesen zehn Jahr ren sind Welten zusammengebrochen; was unmoeglich schien, ist heute banalste Wirklichkeit, und noch wissen wir nicht, wo die Welt hinsteuert. Vielleicht gibt es unter ihnen einige, die sich aus Mitteleuropa noch an die “Juedische Rundschau” erinnern. In den letzten Jahren des Erscheinens dieser Zeitung meinten wir, schon den Gipfel des Schrecklichen erreicht zu haben. Aber als die “Juedische Rundschau” vor zehn Jahren ihr Ende fand, begann erst die eigentliche Katastrophe. Und heute stehen wir vielleicht wieder an einem Wendepunkt. Wir alle hoffen, dass es moeglich sein wird, das grosse und heilige Erbe, das das juedische Volk trotz aller Not durch die Jahrhunderte hindurch bewahrt hat, weiterzugeben an kuenftige Generationen; in einer neuen Form, lebendiger und aktiver und staerker mit dem Leben verbunden als bisher, in einer Welt, die dringender als je ein Gesetz der unerschuetterlichen Werte des Geistes und der Seele bedarf, eine Wiedererweckung des Gewissens und eine Gegenwehr gegen die Gefahren des neuen Heidentums, die uns ausserhalb und innerhalb der Mauern umlauern. Jede grosse und kleine juedische Gruppe in der Welt ist berufen, an dieser Mission der treuen Bewahrung und echten Bewaehrung des Judentums mitzuwirken. Ich hoffe, dass es auch Ihrer Gemeinde beschert sein wird, ihren Teil dazu beizutragen. ROBERT WELTSCH London —_o- Der Gemeinde Sociedad Cultural Israelita “B’né Jisroel” moechte ich zu ihrem zehnjaehrigen Geburstage von ganzem Herzen meine Glueckwuensche aussprechen. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, dass auf die gewiss schwere Zeit der Gruendung und Festigung lange Jahre der ruhigen und alle ihre Mitglieder beglueckenden Entwicklung folgen moegen. In dem Dunkel und den Stuermen dieser Zeit, da das juedische Volk noch aus tausend Wunden blutet und mit allen Kraeften um sein Leben ringt, erfuellt es uns mit dankbarer Freude zu sehen, dass die der Katastrophe Entgangenen mit Vertrauen und Seelenstaerke dem Wiederaufbau sich hingeben. Waehrend der wiederbelebte Staat von Israel um sein Daseinsrecht und seine Existenz mit der Waffe kaempft, ist es unser aller heilige Aufgabe, ueberall, wohin wir Verschlagen wurden, juedisches Gut zu bewahren, das Erbe der Vaeter trotz allem zu sichern und zu mehren. Jede juedische Gemeinde, die in neuem Boden Wurzel fasst, macht Heinrich Heine’s Wort zur Wirklichkeit, dass die Torah unser aller tragbares Vaterland ist. Vor Hunderten von Jahren glaubten Entdecker in Ihren Gegenden die verlorenen Zehn Staemme wiederzufinden und so am Vorabend der Erloesung zu stehen. Zur Ge’ullah gehoert der erloesende Gott und der juedische Mensch, der im Judentum die Quelle seiner Kraft erlebt. Das wuensche ich Ihnen als einstiger Rabbiner der groessten deutschen Gemeinde Berlin, dass alle Soehne und Toechter Ihrer Gemeinde, die als Juden gelitten, als Juden den Untergang der ihnen Naechsten gesehen haben, als Juden eine neue kraftvolle segenerfuellte Gemeinde aufbauen moegen. Wir sind jetzt alle einander so nahe. Mehr als je haben wir ein Schicksal. Dem Gott unserer Vaeter koennen wir uns nicht entfremden, dem juedischen Volke nicht die Treue aufkuenden. Ja, wir sind jetzt wahrhaft ein Volk geworden. Moegen wir alle dieses sehen und alle zusammen einstehen fuer Leben und Ehre unseres Volkes! Moege Gott Ihre Gemeinde, Ihre Rabbiner, Ihre Leiter und alle Ihre Mitglieder segnen und Sie auf dem juedischen Weg in die Zukunft fuehren! Das ist mein aufrichtiges Gebet. RABBINER Dr. MAX WIENER New York ■—o- Eine dichterische Vorstellung, ein “moderner Midrash”, erzaehlt davon, dass in der Stunde des Auszugs aus Aegypten Mose, unser Lehrer, mit Gott noch ein letztes Zwiegespraech gefuehrt habe. Er, der zu so schwerer Aufgabe Berufene, fragt den Herrn der Geschichte und Voelker, wozu denn dieses Volk der Juden nun seinen eigenen Weg durch Zeit und Welt antreten solle. Ist’s um Staedte zu bauen —siehe da, schoenere als die der Aegypter kann es garnicht geben. Ist’s um Land zu bebauen, wo wird Faehigeres geschaffen werden koennen als die Felder berieselt mit dem Wasser des Nils? Ist’s aber, um Denkmaeler zu errichten — nichts wird an Dauer und Ruhm die Pyramiden und die Sphynx zu uebertreffen vermoegen. Und Mose, dem Fuehrer des Volkes aus der Sklaverei hin zum Sinai und in sein Land und in die Welt, ward die Antwort: Fuehre dieses Volk auf seinen Weg und mache aus Gewuermen Menschen und aus Menschen ein Volk! Seitdem sind wir so gegangen zum Sinai, vom Sinai; nach Eretz Israel, aus Eretz Israel; in die Laender der Welt, weg von den Laendern der Welt und wieder zurueck nach Eretz Israel und immer wieder in neue Laender der Welt. Und immer wieder wehrten wir uns dagegen, Gewuerm zu werden unter den Fuessen der anderen, die uns zermalmen wollten; immer wieder Hessen wir es nicht zu, dass wir zerrissen ueber die Welt hinflatterten, gleich blutige Fetzen hier, blutige Fetzen dort. Wir blieben Menschen und ein Volk. Wir danken dies der Kraft, die unaufhoerlich in allen Jahrhunderten aus der Gemeinde sich ergoss. In ihren Synagogen beteten wir zu Gott und blieben Menschen; und eben dort beteten wir miteinander und blieben Volk. In ihren Institutionen der Sorge und Fuersorge halfen wir einer dem anderen, und helfend hoben wir uns ueber das Gewuerme und waren miteinander Glieder des Volkes. In Ihren Festen uns freuend und erfreuend erhielten wir das Menschliche in uns und das volkhaft Gemeinsame mit den anderen. In ihren Schulen formten sich alle die Generationen, die, trotz allem, Menschen wurden und Volk blieben. Zaehlt man die echten Kraefte menschlicher Kultur, so wird man immer unter den ersten die juedische Gemeinde zu nennen haben. Die Maenner und Frauen, die in diesen schicksalsschweren Tagen in Santiago de Chile mit Stolz darauf zurueckblicken duerfen, dass sie 10 Jahre hindurch am Aufbau einer statt liehen und starken juedischen Gemeinde mitgearbeitet haben, koennen sich sagen, dass sie ihren Teil dazu beigetragen haben, Menschen, die das Schicksal zusammengeworfen hatte, in eine bewusste und glaeubige Gemeinschaft zusammengeschlossen zu haben. Unter der geistigen Fuehrung ihres Rabbiners Dr. Loewenstein haben sie “die Scheite aus dem Feuer”, das die alten Gemeinden vernichtete, gerettet und um sie herum einen neuen, festen Bau errichtet Moegen Gottes Segen und Schutz Sie weiter in Ihrer Arbeit begleiten und fuehren, bis dass wir die Zeit des vollen Glanzes der Sonne einer besseren und gluecklicheren Zukunft fuer di» ganze Menschheit und besonders fuer unser Volk erleben duerfen, — der Sonne, deren erste Strahlen in diesen Tagen auf uns fielen. RABINO Dr. H. LEMLE Rio de Janeiro -o- Sehr geehrter Herr Praesident, Nachdem ich hoere, dass die Sociedad Cultural Israelita “B’né Jisroel” Ende Juni ds. Js. ihr zehnjaehriges Bestehen feiert, moechte ich nicht verfehlen,. Ihnen in meinem eigenen Namen meine Glueckwuensche zu diesem Jubi- Iaeum auszusprechen. Ich, der ich an dem Geschick Chile’s und speziell der Juden, insbesondere aber der deutschsprechenden besonderen Anteil nehme, weil ich jahrelang dort gelebt habe, habe die Arbeit Ihrer Organisation mit besonderem Interesse verfolgt und stets zu meiner Freude festgestellt, wie Sie und die verschiedenen, frueheren Praesidenten und Mitarbeiter des Vorstandes mit warmen Interesse und grossem Enthusiasmus die nicht immer leichte, aber bedeutungsvolle Arbeit im Interesse der neu eingewanderten und beduerftigen Juden leisteten und leisten, Dass auch in den kommenden Jahren derselbe Geist in Ihrer Organisation herrschen moege, wodurch Sie sich die Dankbarkeit all derer sichern, denen Sie helfend, mit Rat und Tat zur Seite stehen, das ist mein innigster Wunsch zu diesem bedeutsamen Tage. In diesem Sinne begruesse ich Sie, alle Damen und Herren des Vorstandes sowie alle Ihre Mitglieder mit traditionellem “Schalom”, als Ihr ergebenster RODOLFO LUSTIG Bunos Aires Lieber Dr. Hirschberg, Die Schicksalsgleichheit, die uns aus unsern alten Bindungen und Sicherungen herausfuehrte, besteht im neuen Kontinente fort. Wonach wir streben, sind neue Gebundenheit und neue Sicherungen, und wir wissen, dass die Tatsache von der Unteilbarkeit unseres juedischen Schicksals umso staerker zutrifft, wenn es sich um Nachbargemeinschaften des selben Kontinents handelt. Die Organisationen, die wir in Suedamerika geschaffen haben, sind zu Zentren juedischen Lebens nicht nur fuer den Kreis geworden, aus dem sie erwuchsen, sondern sie sind zu einem bedeutsamen Elment allgemeiner juedischer Arbeit geworden. Moege es Ihnen und uns beschieden sein, die Fruechte unseres Einsatzes reifen zu sehen, und dass uns, der Generationen des Ueberganges, ■ unsere Kinder als Generation der Gewissheit einmal folgen werden. Mit herzlichen Gruessen an Sie und alle gemeinsamen Freunde und Bekannten Ihr Dr. ALFRED HIRSCHBERG Sao Paulo (Brasil) ( -o- Liebe Freunde, Zum zehnjaehrigen Gruendungs-Jubilaeum Ihrer Gemeinde sende ich Ihnen aufrichtige Glueckwuensche. Wo immer wir ehemaligen europaeischen Juden heute leben, gemeinsame Erinnerungen und gemeinsame Hoffnungen binden uns zusammen zu einer Gemeinschaft des Schicksals und des Glaubens, die selbst Raum und Zeit nicht aufloesen kann. Es ist fuer mich eine Quelle der Genugtuung zu wissen, dass in welchem Lande der einst so weiten und jetzt so klein gewordenen Welt auch immer die Menschen unseres einstigen Lebenskreises eine neue Heimat gefunden haben, sie neue Center juedischen Lebens auf gebaut haben. Nur dann waere die grosse und auch heute immer noch unfassbare Tragoedie, die ueber uns gekommen ist, eine voellig niederschmetternde, wenn Tod und Zerstoerung, die das vergangene Jahrzehnt brachten, auch in uns den Willen zum Leben ertoetet und den Glauben an den Sinn juedischer Existenz zerstoert haetten. Die Geburt eines juedischen Staates im Lande unserer Vaeter und das Aufbluehen neuer juedischer Gemeinden in den Laendern der Diaspora sind Zeugnis unseres ungebrochenen Lebenswillens und die einzig wuerdige Antwort unseres Volkes auf den jahrtausende-langen Versuch des Heidentums, Israels Namen aus dem Buch 1 des Lebens auszuloeschen. ■ Aber Israel lebt; und es wird leben, solange es Juden gibt, die gleich unsern Vorfahren bereit sind, Gottes Ruf zu folgen selbst in die , Wueste, in unbesaetes Land. Ueber Zeiten und Zonen ist es die aelteste juedische Institution, die Kehilla, Hueterin juedischer Tradition, und Kraftquelle juedischer Energie, gewesen, die das Judentum erhalten hat. Als Erben einer Gemeinde - Tradition in unseren frueheren Heimat-Laendern, die bisher noch nicht ihresgleichen in der Welt gefunden hat, ist es unsere besondere Aufgabe, die bleibende Werte der europaeischen “Gemeinde” in unsere neue Umwelt zu verpflanzen. Moegen wir, die wir den unverdienten Vorzug hatten, dem Schwerte zu entrinnen, fuer immer eingedenk bleiben unserer historischen Schuld gegenueber den Generationen, die vergangen sind und denen, die kommen werden, in Dankbarkeit und in Demut. Vom Mittel-Westen Nord Amerikas sende ich meinen Freunden und Landsleuten in der Socied.ad Cultural Israelita in Chile zu dem Jubilaeum ihrer Gemeinde herzlichste Gruesse und Glueckwuensche. RABBINER MANFRED SWARSENSKV Madison, Wisconsin, USA

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