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Wiener jüdisches Familienblatt · 1935-02-01 · 15 (Februar 1935) · p. Seite 23

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
3 (1935)
Issue
15 (Februar 1935)
Date
1935-02-01
Page
Seite 23 (sequence 25)
Language
German
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Römer verwehrten ihnen die Stadt. Lautes Jammern erscholl, wenn Fahrzeuge zusammenstießen, und ein schreckliches Krachen, wenn sie zerschellten; die Bemannung wurde teils von den Wellen weggespült, teils ging sie im Schiffbruch unter; ... die meisten jedoch w urden, von den Wellen umhergeschleudert, an den Felswänden zerschmettert, so daß das Meer w eithin von Blut gerötet war und das Gestade voll von Leichnamen lag: denn die lebendig au Land Gespülten brachten die am Ufer stehenden Römer um. Die Zahl der vom Meer ausgeworfenen Leichname belief sich auf 4.200." Ferner kam es zu einer Seeschlacht auf dem Tiberiassee. Auch hier konnten „die auf dem See Zusammengetriebenen nicht aufs Land entkommen, da dieses überall von Feinden besetzt war... Groß und vielartig war überall das Morden ..." Das waren die Seegefechte der Juden - „tollkühnen Leuten zwar und Verächtern des Todes, dabei aber ungeordnet und unerfahren in den Schlachten." Die nächsten Schiffseigner, von tieneu wir in der jüdischen Geschichte erfahren, sind - - nichtjüdischen Blutes. Denn die Chasaren, tief in Rußland hausende Nomaden, w aren mit ihrer gesamten Führerschaft zum Judentum übergetreten. Der Chasarenkönig Joseph alle (liasarenfürsten tragen bibfjische Namen — schrieb in einem Brief an Chasdai ihn Chaprut, den Leibar/t und Finanzminister des Kalifen von Cordova, daß von seinem an der Wolga gelegenen Reiche „Schiffe mit Fischen, Fellen und Waren aller Art" in die Welt gingen. Chasdai ihn Chaprut hatte Sehnsucht nach einem ,,'Reich für die Vertriebeneu Israels". Da er sich das Land der Heimkehr anders vorgestellt hatte, zog er nicht zur Wolga. Aber die religiöse Sehnsucht blieb unter den Juden des Mittelalters stets w ach und manifestierte sich auch als religiös-geographische. So berichtet Benjamin von Tudela, der jüdische Weltreisende des XII. Jahrhunderts, daß er überall, wo er hinkam, auf luden traf, die zu Lande und zu Wasser die verlorenen zehn Stämme Israels suchten, von denen man bald in Afrika, bald in China oder Indien Spuren bemerkt haben wollte - Der merkantile Ehrgeiz spanischer Könige leitet eine große Epoche der Entdeckungen ein. In der Darstellung des jüdischen Anteils benutze ich die wertvollen Forschungen des Historikers Max Kayserling, in einigen weiteren allgemeineren Daten einen Aufsatz des Rabbiners Dr. Max Grunwald. Don Jehudano aus Valencia, der Generalschatzmeister König James I., der reichste Jude Aragouiens, rüstete auf Befehl seines Herrn eine ganze Flotte aus. Für die Eroberung Cerdenas stellte die vermögende jüdische (iemeinde von Tortosa zwei Schiffe mit Mannschaft. Juden waren auch unter der Armada- Besatzung, die im Jahre 1415 das mauritanische Ceuta Fußschmerzen? Ursache: BeginnenderSenkfuß oder aufs geratewolil gekaufte Einlagen. Abhilfe: Die modernst konstruierten Ped ifrit- Einlagen. sorgfältigst angepaßt im erstrangigen Fachinstitut Bnndnqen-lfiTkolnsch Wien, Taborstraße 22 Wertvolle Spezialbroschüre gratis! eroberte. Und der Jude Jafuda Cresques wurde von Heinrich dem Seefahrer zum Präsidenten der von ihm gegründeten nautischen Akademie in Sagres ernannt. Heinrich hatte Glück: um ein Haar wäre nämlich der von ihm so ausgezeichnete „Kompaßjude" etliche Zeit vor seiner Berufung bei einem Judenpogrom in Pahna erschlagen worden... Jafuda Cresques fertigte eine Reihe bedeutender Land- und Seekarten an, trug zur Verbesserung des Kompasses bei, lehrte seine Schüler den Gebrauch nautischer Instrumente, insbesondere auch die Anwendung des astronomischen Astrolabs, von dem Länge und Breite eines mit dem Diopter des Apparats eingestellten Sterns abgelesen werden konnten. Andere jüdische Gelehrte, wie Abraham Ihn Esra, Jacob ben Machir, Jacob Carsoni, tler Leibarzt Joseph Vehinco und der aus Nürnberg gebürtige Kartograph und Seefahrer Martin Behaim vervollkommneten die allgemein üblichen nautischen Instrumente noch. * * * Eines Tages erschien Columbus. König Joao von Portugal mißtraute dem (ienueser und wies ihn ab. Schon wollte er sein Glück in Venedig oder Frankreich versuchen da lud ihn der judenblütige Herzog von Medina, Celi, einer der wohlhabendsten Fürsten Andalusiens, in seinen Palast, beherbergte ihn und vermittelte ihm eine Audienz bei Ferdinand von Aragonien und Isabella von Kastilien, dem doppelmächtigen spanischen Königspaar. Aber auch sie versagten sich Columbus, zumal sich eine zusammenberufene Junta von Fachmännern gleichfalls gegen die Pläne des verhinderten Seefahrers ausgesprochen hatte. Erst eine weitere Konferenz der Gelehrten der Universität Salamanca, an der der jüdische Astronom Abraham Zacuto teilnahm, ließ sich überzeugen, daß „das ferne Indien, durch große Meere und weite Länderflächen von uns getrennt, trotzdem, wenn auch mit Gefahren, erreicht werden könne." Nach diesem Urteil sagte das Königspaar seine Unterstützung zu ■ zog sich jedoch von neuem zurück, nachdem Columbus verlangt hatte, daß er zum Admiral und Vizeköni" auf Lebenszeit aller von ihm entdeckten Inseln und Länder ernannt werde. Der marantische Aragouese S a n t a n g e 1, der Bea. consfield Spaniens, half nunmehr mit 17.000 Dukaten, etwa 5 Millionen Maravedis, aus seiner Privatkasse. 23

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