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Wiener jüdisches Familienblatt · 1935-02-01 · 15 (Februar 1935) · p. Seite 22

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
3 (1935)
Issue
15 (Februar 1935)
Date
1935-02-01
Page
Seite 22 (sequence 24)
Language
German
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Gottgetreu, Jerusalem: ^dlSdieTl SeeSCflladlteiJ 1177(1 anderen Merk- und Denkwürdigkeiten aus der Chronik der jüdischen Seefahrt „Schon Noalv kann man sagen. Noah, auf dessen Auftreten und Fortschwimmen in der Steuer- und segellosem Arche nach biblischer Ueberlieferung die neue Menschheit zurückgeht, war der erste jüdische Seeiah rer. Der zweite war ein Flußfahrer. Moses' Körbchen schaukelte auf den Wellen des Nil. * * * Dil alten Juden behaupteten, daß ein gut gebautes Schiff sechsmal so lang als breit sein müsse. „Groß" war ein Schiff, wenn es beim Betreten nicht schatikeilte und durch Menschenkraft nicht zum Kentern gebracht werden konnte. Nach dem Talmud, dessen nautischer Sprachschatz bewundernswert ist, kannten die Juden die römische Liburna, Kauffahrteischiffe und die sogenannten syrischen Seeschiffe; sie selbst benutzten für den Getreidetransport auf dem Jordan primitive Einbäume, ferner Fähren, Rutenkörbe und — Holzfässer. Aber wagten sie sich auch aufs offene Meer hinaus? „Zur Seefahrt hatte man weder Geschick noch Lust", heißt es in Guthes Bibelwörterbuch. „Die Juden berühren alle Wasserstraßen des Altertums", urteilt Krauss in seiner ,,Talmudischen Archäologie". Soweit die offizielle Wissenschaft. * * # Beweise jüdischer See-Aktivität sind für die biblische Zeit Palästinas nur spärlich vorhanden. Es wohnten ja auch nur die Stämme Sebulon, Dan und Asser direkt am Meer. Eleasar heu Charson soll über tausend Schiffe verfügt haben; wahrscheinlich Seemaunslatein. Zimmer- und Dekorationsmaler S. Fgjjjjjj WIEN Gegr.1880 BADEN Ausst e llungsraum: Wien I., Mahlerstraße Nr. 11 Telephon Nr. R 27.4.59 22 Schon König David erkämpfte für sein Reich den Zugang zum Roten Meer und damit den Seeweg nach Indien. Man weiß von König Salomes Expeditionen an die Ophirküste. König Josaphat von Juda. ließ zehn Schiffe ausrüsten, doch zertrümmerte sie der Sturm vor ihrer ersten Ausfahrt - zur Schadenfreude des Stammes Israel, den er an der Handelsschiffahrt nicht hatte teilnehmen lassen wollen. In Babylonien betätigten sich Juden als Reeder in den Handelsstädten Seleukia, Ktesiphon und Zeugina. In Aegypten beaufsichtigten sie die Schiffahrt an der Meeresküste und auf dem Nil. In Alexandria gab es jüdische Reeder, Steuerleute und Matrosen. Zuhause blieb das Interesse theoretisch. Es wird erzählt, daß Rabbi Gamliel zwei Schüler hatte, die imstande waren, die Zahl der Meerestropfen mit mathematischer Genauigkeit zu berechnen. „Gleichwohl hatten sie nichts zu essen und anzuziehen." * * * Von Flavius Josephus erfahren wir im IX. Kapitel seines Berichtes über den Jüdischen Krieg (Osiander'sche Uebersetzung), daß nach der Besetzung von Caesarea durch Vespasian „sich die in Aufständen aus ihrer Heimat Vertriebenen und die aus den zerstörten Städten Entflohenen in nicht geringer Anzahl daran gemacht hatten, das früher von Cestius wüste gelegte Joppe (Jaffa) als einen AnhaUspunkt für neue Kriegsunternehmungen wieder zu befestigen. Da sie sich in die vom Feinde unsicher gemachte Gegend nicht hinauswagen durften, so beschlossen sie, sich dem Meere zuzuwenden. Sie bauten eine große Anzahl Piratenschiffe und raubten auf dem Verkehrsweg zwischen Syrien, Phönmen und Aegypten, so daß sie die dortigen Meere ganz unschiffbar machten." Also jüdische Seeräuber — „Da Vespasian von ihren Unternehmungen hörte, sandte er Fußvolk und Reiterei nach Joppe, welche bei Nacht in die unbesetzte Stadt eindrangen. Ihre Bewohner hatten den Angriff vorher erfahren, aus Furcht vor den Römern auf ihre Verteidigung verzichtet und sich auf die Schiffe geflüchtet, wo sie außerhalb Schußweite übernachteten." Gegen Morgen erhob sich ein furchtbarer Sturm. „Einen Teil der Schiffe zerschellte er sogleich aneinander, einen andern an den Felsen; viele, die aus Furcht vor dem klippenreichen Ufer und den dasselbe besetzenden Feinden der Brandung entgegen die offene See zu gewinnen suchten, versenkten die turmhoch sich erhebenden Wogen in die Tiefe. Nirgends zeigte sich ein Zufluchtsort, nirgends eine Rettung, wenn man blieb; die Gewalt des Windes trieb sie aus dem Meer, die

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