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Jüdische Rundschau · 1906-06-22 · 13 (22.6.1906) · p. Seite 108

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
13 (22.6.1906)
Date
1906-06-22
Page
Seite 108 (sequence 4)
Language
German
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i 08 Li T £ R A f U R B L A t T No. Ul Aiifsätzen kein Interesse und fiir Grätz’ historische Ansc 11;111;! 112cn vom Judentum kein Verständnis. Die Gründung der Alliance Israelite Universelle im Jahre 1862 durch den elsässischen Juden Karl Netter war durchaus im -gleichen Sinne gedacht. Cremieux, der erst einige Monate später der Alliance beitrat, hatte keine andere Auffassung von dem Zweck der Alliance. Noch tiefer wurden eine Reihe von Rabbinern ergriffen, die mit ihrem gansen Denken und Fühlen noch am Judentume hingen. Der Rabbiner Zwi Hirsch Kalischer in Thorn wurde der Träger der Idee nach dem Osten. Er aber, der früher immer für die Armen in Jerusalem und den and. rn heil gtn Städten Chalukahgelder gesammelt hatte, der das soziale Elend an der polnischen Grenze dauernd vor Augen hatte und zugleich es als eine unabveisbare Forderung des talmudisehen Gesetzes kannte^ dass es nur in 'Erez Jisrael wirklich erfüllt werden könnte, ging alsbald an der Versuch der Ausführung. Er gründete nach dem Beispiel Moses Hess’, der bereits in Frankfurt am Main eine gleiche Gründung veranlasst hatte, eine Ge- Seilschaft zur Kolonisation Palästinas. . Seine Freunde taten das gleiche, S:e wollten ebenso wie er selbst, dass :ihre Gesellschaften in die Alliance a.s Unterorganisationen aufgehen. Rabbiner Natonek aus Ungarn unterbreitete dieses Projekt,dem Zentralkomitee der Alliance und diese, unter der Leitung von Netter und Cremieux, drückt dem Kolomsationsplan ihre volle Sympathie aus. Sie erbietet sich zur Verwaltung der Gelder, die erst verwendet werden sollen, wenn sie eine ausreichende. Höhe erreicht haben und stellt diplomatische Schritte in Aussicht, die Cremieux unternehmen will, um den Juden in Palästina das Recht zu erwerben, Grundeigentum nach demselben Recht wie die Muslimin zu erwerben. Albert Cohn, der alte Anhänger der Judenstaatsidee, erklärt sich bereit, in Paiästlna Jüdische Schulen zu gründen und der Grandrabbin von Frankreich erklärt sich in einem offenen Schreiben als Anhänger dieses Ideenkomplexes und dieser Pläne. Ein Unstern waltete aber hie. eiber, da der mit d׳v Ausführung betraute Rabbiner Natonek auf der Rückreise zu seiner Familie nach Ungarn schwer erkrankte und, wie es scheint, bald darauf starb. Seinen Plan, im Sommer 1868 nach Paris zurückzukehren, um gelegentlich der Ausstellung einen Kongress der Kolonisationsfreunde abzuhalten und mit Hilfe der Alliance Israelite den Grund zu einer Zentralgesellschaft zu lege, hat er nicht mehr erfüllen können. Zwi Hirsch Kalischer war nicht der erste gewesen, der versucht hätte, in Palästina selbst Hand aus Werk zu legen. Das war bereits seit dem Jahre 1838 mehrfach durch Moses Montefiore geschehen, der hierin vor! Ludwig Loewe, Salomo Munk und Cremieux unterstützt wurde. Aber Kalischer war der erste, der den ganzen Nachdruck auf die Kolonisations-. m.,Wendigkeit des altisraelitischen Landes legte. Nachdem er bereits im Jahre 1840 in seinem Werke דרי“'ת צדן den Nachweis zu erbringen versucht hatte, dass die von aern rabbinischen Judentum noch immer erwartete Ge'uläh nicht plötzlich, sondern allmählich vor sich gehen werde und nicht durch ein Wunder, sondern auf ganz natürlichem Wege. An der

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