Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 13 (22.6.1906)
- Date
- 1906-06-22
- Page
- Seite 107 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 13 LITERATUR BLATT 107 sein Buch den hochherzigen Vorkämpfern aller nach historischer Wiedergehurt ringenden Kulturvölker widmet. Sein Ziel ist ein nationale!■ Zentarn; für alle luden, aber er setzt voraus, dass die Diaspora neben c iesem geistigen Zentrum bestehen bleiben wird. Die Mission׳ des Judentums, eine mit missverstandenen Hegelschen Sätzen genährte krn'ppelhafte Lehre führt' er, ׳ohne sie zu verwerfen, auf ein historisches Mas׳s zuriicl und tut überhaupt "alles, um den Groll und die Erbitterung jener jüdischen Generation hervorzurufen, die damit beschäftigt war, dem Ju lontum sein historisches Gewand auszuziehen und es mit den bei allen Nationen und Religionen zusammeu'geborgten und zusammengestohlenen Lumpen ׳und Klick werk zu 'bekleiden.' Dieses Lumpengewand, das von seinen Machern als das historische Rrunkgewand hingestellt wird, kennzeichnet er als das, was es ist und hat bald die ganze Meute der Entjud'ungsheefschäaren um s'ioh bellen, ln einer Erwiderung an ׳Itnmanuel Löw verteidigt er seine Auffassung des Messiasglaubens, während er in einem offenen Briefe an Abraham Geiger die ganze Hohlheit und Verlogenheit des Reformschwindels in Deutschland klar darlegt. Hess.stand aber beinahe allein. Denn damals hatte grade die feige Fahnenflucht im Judentum, die alles Heil in dem bedingungslosen An- Schluss an die umgebenden Völker erblickte, den Höhepunkt erreicht. Be. 011־ ders!in der jüdischen Gelehrtenwelt Deutschlands war dies der Fall. Männer, die wie Zunz und David Cassel im innersten Herzen nationaljüdisch waren und in unentwegter 'Freue an der alten Kahne festhieEcn, von der sie erwarteten, dass sie wieder in Zion flattern werde, wagten sich gege die Ueberzahl nicht hervor. Die entstehende Neuorthcdoxie, vertreten durch Samson Raphael flirsch, war nicht minder in den assimilatoiischen Vorurteilen befangen und baute gar nicht, wie sie meinte, auf historischem Judentum, sondern auf den Lehrsätzen der von ihnen bekämpften Reform auf. Die Neuorthodoxie war nur eine umgekehrte Pt form, bewegte sich aber doch in der gleichen Richtung. Immerhin war ihr Kampf gegen Hess' ״Rom und Jerusalem“ wenigstens sachlich. Während in anderen Ländern die nationale Bewegung der luden gar kein Echo fand — nur in Melbourne fand ■im. Jahre 1861 im Hause des Dean of Melbom&e ein Meeting statt, das ganz dieselben Anschauliegen zu Tage förderte, wie sie ein Jahr später in Hess’ Buch monumental niedergelegt wurden, und ein christliches Komitee bildet sich, um zu diesem Zwecke. Gelder zu sammeln, — konnte doch in Deutschland sich eiii kleiner Anhang bilden. Hirsch Grätz, der Verfasser der Geschichte der Juden, der durch sein Werk Hess das Waffenarsenal lieferte, dessen er in seinem nationalhistorischen Kampfe bedurfte, gehörte mit seinen ganzen Sympathien dieser Bewegung an; und, so wie sein grosses Werk von heissem nationalen Fühlen durchdrungen' ist, so sprach er sich in gelegentlichen Aufsätzen ohne Rückhalt für die nationale Idee im Ji יtum und für die Hoffnung auf die Wiederherstellung ehies Judenre1 ■: s ai.s. Diese Aufsätze wurden aber vergessen, da seine Schüler Theo! ו sein wollten und keine Historiker waren. Sie hatten an diesen nahe 1• .1