Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 8 (16.3.1906)
- Date
- 1906-03-16
- Page
- Seite 63 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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LITERATURBLATT No. 8 63 Es handelt sich bei diesen politischen Bestrebungen nicht um vereinzelte, von der Gesamtentwickelung des Judentums .losgelöste Erscheinungen. Sie gehen Hand in Hand' mit den Kämpfen um die bürgerliche־ Gleichstellung, aber beinahe noch mehr mit dem Aufblühen des jüdischen Humanismus, der die heute in die Erscheinung tretende jüdische Renaissancebewegung von Weitem vorbereitete. Diese ersten Anfänge moderner nationaler Bestrebungen fallen mit den lächerlichsten /ersuchen einer Assimilation in Deutschland zusammen. Gleichzeitig aber finden die wiederholten Reisen Moses Montifiores nach Palästina־ statt, die ebenso der sozialen Fürsorge für die dortigen Juden gewidmet sind, wie die Bemühungen seiner Begleiter, des Salomon Munk und Ludwig Loewe ihrer national-kulturellen Hebung gelten. Ganz ähnlich waren die Bestrebungen einiger Rabbiner in den polnischen Landesteilen der preussischen Monarchie. Zwi Hirsch Kalischer, Rabbiner in Thorn, suchte in seinen Werken דרישת ציון undi־B1£K ישרה die Notwendigkeit einer jüdischen Staatsgründung in Palästina als die Konsequenz des talmudischen Gesetzes zu erweisen. In seinem דרישת ציו befürwortet er die Gründung einer jüdischen Kolonial- Aktien-Gesellschaft für die er Montefiore, Rothschild und noch andere Grossfinanziers vergeblich zu gewinnen hoffte. Im gleichen Sinne wirkte Elias Guttmacher in Grätz, dessen Zionismus freilich ein Ausfluss seines kabbalistischen Wunderglaubens war. Sie fanden einen halben Widersacher bei dem Rabbi Samuel Schwarz in Bankeszy Ungarn), der in einem deutschen Werke unter dem Titel ימות המשיה aus dem Talmud die religiösen Pflichten der Judenheit dahin feststellte, dass sie gehalten sei, die Zeiten des Messias durch eine friedliche Wiedereroberung Palästinas vorzubereiten. Israel Hildesheimer und andere gaben ihre Gegnerschaft auf, sobald sie einsahen, dass diese Bewegung nicht zu einer Störung und Zerstörung des jüdischen Gesetzes beitragen würde, andere, wie der Rabbiner Mecklenburg, stimmten bei. So war das Feld schon von verschiedenen fleissigen Händen vorbereitend durchackert worden, als der französische Schriftsteller Ernest Laharanne an Europa einen glühenden Aufruf richtete Arabien unter der Herrschaft Abdul-Kaders zu einem grossen orientalischen Kaiserreich zu vereinigen und dieses Werk zu krönen durch die Rekonstituierung der jüdischen Nationalität. (Schluss folgt.) Literaturbericht Die Bibel in der Kunst nach Originalillustrationen erster Meister der Gegenwart. Mit erläuterndem kurzen deutschen Bibel-Begleit-Text. Mainz 1905, Verlag von Kirchheim & Co. 20 Lieferungen a 1,50 Mark. Die Bibel, die klassische Literatur des Judenvolkes, hat nicht nur die Grundlage der gesamten ethischen Kultur geschaffen, nicht nur bis in die neusten Zeiten hinein die fruchtbarsten Anregungen zu den modernsten gegeben, sie ist auch zu allen Zeiten von tiefgehender Bedeutung für die