Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 8 (16.3.1906)
- Date
- 1906-03-16
- Page
- Seite 64 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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64 No. 8 LITERATURBLATT Kunstentwicklung geworden und hat damit dem Judentum, das in der bildenden Kunst so unfruchtbar gewesen sein soll, einen hohen Wert auch für die darstellenden Künste verliehen. Seit vielen Jahrhunderten erblicken die Künstler aller Länder ihre hehrste Aufgabe darin, die Vorgänge der Bibel in höchster Vollendung zur Darstellung zu bringen. Die Bibel war eine Quelle, aus. der ,die hervorragendsten Künstler schöpften von der Byzantiner Zeit an, das ganze Mittelalter hindurch, zur Zeit der Renaissance bis auf unsere Tage. Am Anfänge des zwanzigsten Jahrhunderts haben sich nun eine bedeutende Anzahl Meister, seit lange der Ruhm ihrer Zeit: Künstler aus Amerika, Belgien, Deutschland, England, Frankreich, Holland, Italien, Österreich, Russland, Spanien, die, hervorragende Aufgabe gestellt, die biblischen Vorgänge und Ueberlieferungen durch die Kunst des Malers von neuem vor uns aufleben zu lassen, indem sie alle ihr bedeutendes Talent daran setzten, das ״Buch der Bücher“ zu illustrieren. Das Werk enthält 97 Gravüren von den hervorragendsten und berühmtesten Meistern der Neuzeit: Jos. Israels, Max Liebermann, Rochegrosse, Sascha, Schneider, G. Segantini, James Tissot, Fritz v. Uhde u. a. m. Etwas ganz Neues und Eigenartiges wird mit der ״Bibel in der Kunst“ geboten. Es ist keine illustrierte Bibel in der seither gewohnten Weise, nicht der komplette umfangreiche Bibeltext mit Einschaltbildern. Diese ״Bibel in der Kunst“ bietet vielmehr eine Anzahl von Szenen aus der Heiligen Schrift von Meisterhand namhafter Künstler geschaffen, zu deren leichterem Verständnis ein kurzer deutscher Bibel-Begleit-Text beigegeben ist. Es erfüllt uns mit Freude, dass an dem von den Behörden der katholischen Kirchie mit dem Imprimateur und Empfehlungen versehenen Kunstwerke zwei jüdische Künstler beteiligt sind, die nicht bloss beide eines bedeutenden Namens erfreuen, sondern uns als Nationaljuden noch ganz besonders nahestehen: Josef Israels und Max Lieber mann. Das Werk umfasst die hebräische Bibel und auch das Neue Testament. Die uns in der Probelieferung vorliegenden Reproduktionen zeigen die hervorragende Technik, die zur Herstellung des Werkes verwendet wurde. Literarisches Wanderbuch. Von G< u s t a v Karpeles. Neue Folge. Slawische Wanderungen. Zweite Auflage. Berlin: Allgemeiner Verein für Deutsche Literatur 1905. VIII, 316 S. 8°. 5 Mark. Jetzt, wo Russland durch die Revolutionsereignisse und für uns im besonderen im Vordergründe dies Interesses steht, sind die slawischer» Wanderungen Karpeles’, die jetzt in zweiter Auflage vorliegen, doppelt willkommen. Sie geben in interessantester Form einen reichen Blick über das vielgestaltige Slaventum an der Moldau, der Weichsel und der Wolga. Von ganz besonderem Interesse für unsern Leserkreis sind die farbenprächtigen Schilderungen der Krim, wo insbesondere Bachtschi- Saraj und Tschufut-Kale mit den Karäern und Krimtschacken und den chazarischen Erinnerungen das Interesse fesseln. Das Karpelessche Wanderbuch kann unsern Freunden recht angelegentlich empfohlen werden. Sie werden davon vieles Neue, manche schöne Beobachtung in der schönsten Form finden. hl. Dr, E. V. Tschlenov: Poloshenie S.ionizma v. Rossijk VII mu Kong res su. St. Petersburg: Z. Krajz 1905. 46 S. 8°. Die sachliche Zusammenstellung des einschlägigen Materials zeichnet alle Schriften Tschlenovs ebenso sehr aus, wie seine gemässigte Ruhe, die sich darum doch um keinen Millimeter von Palästina und dem Zionismus abdrängen lässt. Die vorliegende Schrift ist für die Beurteilung der Lage im Zionismus überhaupt von grossem ' Werte. E—m.