Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1976
- Issue
- No. 40 (September 1976)
- Date
- 1976-09-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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GEDENKFEIER FUE RABBINEB pg^j ^jjjg fgg, Dr. MAX SIMONSOHN S.A. das Rabbinaf verlassen wollte... Am 16. Mai fand eine Erinnerungsfeier für den vor 40 Jahren verstorbenen Breslauer Rabbiner Dr. Max Simonsohn in Tel-Aviv statt. Wenn bei dieser Gelegenheit gefragt worden ist: kann eine Gedenkfeier nach so viel Jahrzehnten noch Interesse erwecken? — so wurde die Frage durch die grosse Teilnahme seiner ehemaligen Gemeindemitglieder, Freunde und Schüler beantwortet. Herr Levin, der Organisator des Treffens, berichtete, wie zahllose briefliche und telephonische Anfragen bei ihm einliefen, als die Festsetzung des Abends in den Zeitungen bekannt gegeben wurde. Zahlreich waren die, die in ihrer Kindheit und Jugend von Dr. Simonsohn unterrichtet und in unvergesslicher Weise bereichert worden sind und die an diesem Abend davon erzählten, heutige Professoren und Schuldirektoren. Sie strebten an jenem Gedenkabend, einen Begriff davon zu geben, was Dr. Simonsohn für sie bedeutet hatte. Nicht nur die jüdische Rhediger-Schule wurde in seinem Geiste geführt; er war auch Religijnslehrer, am Gymnasium zum Heiligen Geist, an der Gerhardt Hauptmann Oberrealschule. Dadurch umfasste sein Einfluss einen grossen Kreis jüdischer Jugend. Das Besondere bei ihm war nicht nur die Liebe zur jüdischen Gemeinde, sondern das Interesse für Jeden, sein Optimismus, seine grosse Liebe zu Erez Israel, die besonders nach den mehrfachen Reisen ins Land auf die Jugendlichen ausstrahlte, und die Art seines plastischen Unterrichts, durch den er den Schülern klar machte, was die Gotteslehre für uns Menschen bedeutet. Dadurch hat seine Religionsstunde die Jugend gefesselt. Aus der Bedeutung, die Dr. Simonsohns Unterricht für die Kinder hatte, erwuchsen Freundschaften mit den Vätern, wie aus der Gedenkrede von Dr. Ernst Markowitz hervorging. Ich selbst erinnere mich, dass nach der Vorbereitung meines Bruders zur Bar Mizwah eine nahe Beziehung zu meinem Vater entstand, obwohl er nicht seiner Gemeinde angehörte. Dr. Simonsohn war einer der wenigen Rabibiner, dem es gelang, über die traditionellen Kreise hinaus auch zu assimilierten Akademikern Ver- Es war eine eindrucksvolle, erhebende und wehmütige Feier zugleich, zu der der Preussische Landesverband jüdischer Gemeinden am 24. Oktober eingeladen hatte, um an der Stätte seiner langjährigen Wirksamkeit des grossen Meisters der Halacha, des Lehrers von ganz Israel, des Friedländer Raw’s unsterblichen Andenken zu gedenken. Es ist eine kleine Walllfahrt geworden. Zwei Stunden Autofahrt ist man aus der Umgebung gekommen — allein aus Polzin sind 18 Personen anwesend — Rabbiner, Lehrer, Kultusbeamte, Vorsteher von Gemeinden und Gemeindemitglieder. Noch einmal — seit langer, langer Zeit — ist die grosse Synagoge mit einer andächtigen, festlich gestimmten Gemeinde gefüllt — vielleicht zum letztenmal!? Es ist wie ein Heimkehren und Abschiednehmen zugleich. Stolz in Tradition mutig im Glauben. Da' ist auch die Stimmung der herzlichen Begrüssungsworte, mit denen nach dem Minchagebet Herr Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee namens des Preussischen Landesverbandes die Feier eröffnet. In dieser Weihstunde des Gedenkens will er einen Auftakt sehen zur Wiedergeburt des historischen Judentums. Wohin das Schicksal uns auch verschlagen mag, unser Judentum nehmen wir als unsere Heimat mit uns. bindungen anzubahnen. Einer der Teilnehmer an der Erinnerungsfeier erzählte, wie er ihm, seinem Schüler geantwortet habe, als er ihm sagte, er könne nicht glauben: Denke an die zahllosen Generationen, die geglaubt haben — sind sie — so fragte er ihn — alle dumm gewesen? Es lohnt sich auch für Dich, zu glauben. Als derselbe frühere Schüler bei seinem Abschiedsbesuch im Jahre 33 vor der Auswanderung wieder Zweifel, aber in andrer Richtung äusserte und auf den Abfall im Lande selbst hinwies, bekam er zur Antwort, dass man das nicht zu ernst nehmen brauche. Denn Kinder und Kindeskinder werden den Weg zum Judentum zurückfinden. Dieser Gedanke ist auch heute für uns bedeutungsvoll Tatsächlich sei auch heute die Jugend besser, als man denkt, betonte der Redner. Es wurde auch daran erinnert, wie der überaus beanspruchte Raw und Lehrer, wenn er von einer kleinen unbedeutenden Gemeinde um Teilnahme gebeten wurde, doch noch die Zeit fand, einen Abend durch seine Anwesenheit zu bereichern. Auch die aus dem Osten eingewanderten Juden hat Dr. Simonsohn in sein Interesse einbezogen, und man konnte ihn im Club der Ostjuden in der Freiburgerstrasse antreffen. Bei dieser Gelegenheit wurde an ein Scherzwort über die in Posen geborenen Juden erinnert: “Sie seien ebenso gut wie .Jeckes’, aber nicht so schlecht wie ,Jeckes’.... ” Simonsohns Sympathie und Verständnis für den Chassidismus wurde betont und gleichzeitig dabei erwähnt, dass seine Abstammung wohl in diese Kreise und diese Umgebung zurückführe. Es wurde auch betont, dass Dr. Simonsohns Sorgenkinder seine besonderen Schützlinge waren, und so gelang es, den an den verehrten Lehrer Zurückdenkenden, ihn als “Vater” der Jugend lebendig werden zu lassen und uns Heutigen zu zeigen, wofür es zu leben und zu kämpfen lohnt, ein Erbe, das wir hüten und halten müssen und das im Hause Simonsohn lebendig gewirkt hatte. Wir danken Herrn Levin und allen, die ihn unterstützt haben, dafür dass wir diesen Rückblick in die reiche Vergangenheit von Breslau tun durften. A. L.-P. Herr Bezirksrabbiner Dr. Plotke zeichnete dann in grossen Umrissen das Bild der einmaligen, überragenden Rabbinerpersönlichkeit Akiba Egers, dessen Grösse und Bedeutung man heute würdigt, unabhängig von der religiösen Einstellung des Betrachters. Herr Rabbiner Dr. Harry Levy (Berlin) gab sodann einen klaren überblick über das geistige, wissenschaftliche und rabbinische Schaffen des Meisters, gewährte einen Einblick in die Werkstatt seines Lehrens und Forschens, schilderte seinen Einfluss auf die Entwicklung des Judentums in Deutschland, im besonderen durch das Lebensbild einiger seiner bedeutendsten Schüler, in deren Wirken Vorbild, Idee und Methode Akiba Egers ganz weiterlebten. Gesänge des Chors, des verdienten Lehrers der Friedländer Gemeinde sowie des stimmbegabten Kantors und Lehrers von Deutsch-Krone Lasowski umrahmten die Feier. Nach dem Vortrag des historischen El mole rachamim auf Akiba Eger, das noch heute bei jedem Maskir in Märkisch-Friedland gesprochen wird, schloss Dr. Klee die Feier mit bewegten Worten und verteilte im Namen der Muttergemeinde Berlin einige Exemplare der Akiba-Eger-Gedenk-Plakette. b. A. Rabbi Akiba Eger (eigentlich Guens) (1761— 1837) war einer der grössten Talmudgelehrten des Jahrhunderts. Gebürtig aus Eisenstadt, lernte er in jungen Jahren bei seinem Onkel, Benjamin Wolf Eger und Chaim Jona Teomim-Fränkel in Breslau. Als Rabbiner wurde er zunächst nach Märkisch Friedland berufen, von 1814 bis zu seinem Ableben war er der hochgeehrte geistige Führer der Gemeinde Posen. Inzwischen war sein Ruf weitverbreitet als Autorität in allen talmudischen Wissenschaften, und seine Responsa wurden überall anerkannt. Seine Anmerkungen zum Babylonischen Talmud sind dem Lernenden unentbehrlich. Rabbi Akiba war von grosser Bescheidenheit, und besonders abhold den oft hochtrabenden Titeln und Anreden, die die Thoragelehrten sich gegenseitig zulegten. Die beamtete Rabbinats-Tätigkeit wurde ihm verhasst, u. er hätte es vorgezogen, sich zurückzuziehen und sich nur der Lehrtätigkeit zu widmen. Einen Brief, in dem er diesen Wunsch zum Ausdruck bringt, hat Raw Maimon in seinem Sammelwerk “Midei Chodesch Bechodsho”, Vol. 6, Seite 88, veröffentlicht. Dieser Brief ist an seinen Schüler, Rabbi Naftali Hirsch, Bleichrode, gerichtet, der später eine Enkelin von Rabbi Akiba heiratete. (Vielleicht weiss ein Leser, ob dieser ein Vorfahre des Berliner Rabbiners und Gelehrten, Dr. J. Bleichrode, war, von dem Prof. Gerschon Scholem, einer seiner Schüler, mit grosser Verehrung spricht, er lebte in den 30er Jahren in Jerusalem, und ich erinnere mich sehr gut an seine liebenswürdige, eindrucksvolle Persönlichkeit.) In diesem Briefe klagt Rabbi Akiba darüber, dass er wegen der seiner Meinung nach zu grossen Ansprüche seiner Frau und Kinder nicht auf das Einkommen des bestallten Rabbiners verzichten kann, obwohl, wie er meint, sie sich alle mit bescheidener Bekleidung und Ernährung wohl begnügen sollten. Als seine Absicht, sich zurückzuziehen, bekannt wurde, so erzählt er, boten ihm die Brüder MAY aus Breslau an, für seine finanziellen Bedürfnisse zu sorgen, und es war sogar die Rede davon, dass er sich nach Dyhrenfurth zurückziehen soll. Warum wohl nach dort? Die Antwort darauf fand ich in der Enzyclopädia Judaica, Jerusalem 1970 unter “Dyhernfurth” Band 6, Seite 330! Die dort von Rabbi Shabatai Bass im Jahre 1688 gegründete hebräische Druckerei hatte verschiedene Nachfolger, darunter bis 1819 eine, im Besitze von M. L. May und es ist anzunehmen, dass dies die Familie der Mäzene war, die dem grossen Gelehrten das grosszügige Angebot machten. Rabbi Akiba Eger blieb in Posen, wie er in seinem Briefe schildert, auf Zureden seiner Angehörigen, und er verharrte nolens volens im Rabbineramte bis zu seinem Ableben. Es wird erzählt (auch dies bringt Raw Maimon), dass er sich in seinem Alter um die frei gewordene Stelle des Bademeisters der Mikwa, bewarb, um sich nicht von dem Rabbinereinkommen zu ernähren, aber auch dieses Vorhaben gelang ihm nicht... Mitgeteilt von Mordechai Noy (Manfred Neuberger, Ramat Chen, früher Frankfurt a/Main). Allen unseren Freunden, Verwandten und J Bekannten J wünschen wir von ganzem Herzen t ein gesundes, glückliches und friedliches! NEUESJAHR j Paul u. Marga FALKENBURG, geb. Weiss | und Kinder t Kiryat Haim-Haifa, 85/D Moshe Sharetstr.! »Eger«~Feier in Märkisch-Friedland ii