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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1976-09-01 · No. 40 (September 1976) · p. Seite 12

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1976
Issue
No. 40 (September 1976)
Date
1976-09-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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ZWEI LEHRER DES JUEDISCH- THEOLOGISCHEN SEMINARS IN BRESLAU Am 5. Juni 1976 hätte Prof. Dr. Isaak Heinemann s.A. seinen 100. Geburtstag gefeiert. Für uns, die wir diesem grossen Gelehrten menschlich und geistig nahe stehen durften und uns mit Stolz als seine Schüler betrachten, darf dieses Datum nicht vergessen werden. Der Schreiber dieser Zeilen hat in No. 30 dieser Mitteilungen seiner gedacht. Darum bringen wir einen Nachruf, den Rabb. Dr. Max Eschelbacher s.A. zum 1. Jahreszeitstage von Prof. Heinemann für AJR Information, London schrieb. Die 18 Jahre, die seit der Veröffentlichung vergangen sind, haben die Bedeutung von Isaak Heinemann für die "Wissenschaft des Judentums” nur noch unterstrichen. Darüber hinaus: In den Sprüchen der Väter, Abschnitt 3,1 wird gefragt: "Wer ist geehrt? Antwort: Wer andere zu ehren weiss”. Darum veröffentlichen wir aus diesem Anlass auch den ehrenden Nachruf, den Prof. Heinemann seinem Kollegen am Breslauer Seminar Dr. Albert Lewkowitz s.A. widmete und der seinerzeit im Mitteilungsblatt des Irgun Oie Merkas Europa erschien. Es sei mir gestattet, bei dieser Gelegenheit noch über eine persönliche Erinnerung an unseren Lehrer Dr. A. Lewkowitz zu berichten. Es war einer jener Tage des an Aufregungen so reichen Jahres 1938. Viele wurden verhaftet, die irgendwann eine Polizeistrafe erhalten hatten. Wir sprachen Im Kolleg über Fragen der Pädagogik. Dieses Gebiet lag ihm sehr am Herzen. Es war schwer sich auf theoretische Fragen zu konzentrieren. Man spürte die nervöse Atmosphäre.'Da sprach der lebensnahe Lehrer und Denker ein Wort, das vielen seiner seiner Schüler richtungweisend geworden ist. “Meine Herren, wenn Sie auswandem und neue Gemeinden in der Welt gründen, dann bemühen Sie sich zuerst um die Jugend und erobern Sie durch die Jugend die Eltern”. Ich gestehe, dass ich oft in unserer Gemeindearbeit an dieses Wort gedacht habe. Was ihm am Herzen lag, hat er in jenen Worten zum Ausdruck gebracht, die er mit seiner ausdrucksvollen und ästhetisch schönen Handschrift in unser Exemplar seines Buches: “Das Judentum und die geistigen Strömungen des 19. Jahrhunderts” schrieb: “Möge Reinheit des Herzens und Wahrheit des Denkens uns immer tiefer vereinigen in der Liebe zum Judentum”. Ihr Lewkowitz. Rabbiner LÖWENSTEIN, Jerusalem Lnhp \ I I I I s Willst du gute Speisen speisen, lasse dich zu TCHELET weisen. Ob es Chuppe oder Briss, Eine Sache ist gewiss: Waller weiss auf alle Fälle, Dort das Fest bat Athmosphäre! Glaub mir, wenn ich dir erkläre, — wie er dich zufrieden stelle. I I § „T C H E L £ T" TEL-AVIV, SHEINKINSTR. 59. TEL. 22 05 45 i 1 I I i l i ü i i i i i i ALBERT LEWKOWITZ sei. And. Das Hinscheiden von Albert Lewkowitz, der im 72. Lebensjahre, aber in voller Rüstigkeit den Folgen einer Operation erlag, hat in den Kreisen seiner Freunde und Verehrer tiefe Bestütrzung hervorgerufen. 1883 in Georgenberg (Oberschlesien) als Sohn eines streng religiösen talmudkundigen Vaters geboren, erwarb Lewkowitz am Beuthener Gymnasium das Zeugnis der Reife. Er studierte in Breslau am Jüdisch-theologischen Seminar, wo er aus Israel Lewys Händen das Rabbinatsdiplom erhielt, und fand an der Universität an dem Philosophen Eugen Kühnemann seinen Lehrer, dem er sich mit besonderer Verehrung anschloss. 1914 wurde ihm ein Lehrauftrag am Jüdisch-theologischen Seminar für neuere und systematische Philosophie übertragen. Bisher hatte dort als Lehrfach nur die Jüdische Philosophie des Altertums und des Mittelalters gegolten; auf die Fragen der Weltanschauung, die die Studenten stellten und die sie später einmal ihren heranwachsenden Schülern beantworten sollten, erhielten sie nur in gelegentlichen Vorlesungen eine Antwort; die philosophischen Vorlesungen an der Universität, die die Studenten des Seminars freilich hörten, vertraten gewiss nicht den Standpunkt des Judentums. So blieb denn im Lehrplan des Seminars eine sehr empfindliche Lücke, zu deren Ausfüllung Lewkowitz nach jeder Richtung berufen war, da er mit gründlicher Kenntnis der Philosophie und ihrer Geschichte ein bedeutendes Lehrtalent verband. Er fasste seinen Lehrauftrag im weitesten Sinne auf. Bei der Darstellung der neuen Philosophie wies er insbesondere das Verhältnis der nichtjüdischen Systeme zum Judentum nach; wenn ihm Kant als Gegner einer mechanistischen Weltanschauung gewiss im Rechte zu sein schien, so hob er doch im Laufe der Jahre mit zunehmender Klarheit hervor, dass Kant die Religion viel zu stark auf die Ethik konzentriert hatte, und stellte sich grundsätzlich auf die Seite von Otto, Bergson und Scholz im Kampfe gegen diese Einseitigkeit. Und nicht nur die Philosophie im strengen Sinne des Wortes, sondern auch die moderne Religionspsychologie wusste er seinen Hörem nahe zu bringen und die Eigenart der nicht jüdischen Religionen vom Standpunkt des Judentums aus zu beleuchten. Auch die modernen Einwände gegen die Religion, bis zur marxistischen Weltanschauung, fanden in seinen Vorlesungen ihre kritische Darstellung; und da er Fragen seiner Schüler nicht nur zuliess, sondern ermutigte, so wusste er' ihnen zu einem religiösen Welt- und Lebensbild zu verhelfen, welches die Grundlage ihrer späteren Wirksamkeit als Prediger und Jugendleiter bilden konnte. Da die wenigen Stunden, die der neueren und systematischen Philosophie im Lehrplan des Seminars zugewiesen waren, die Tätigkeit eines Dozenten nicht voll ausfüllten, nahm Lewkowitz während der ersten Jahre Lehrgänge für Bibel und Talmud an der Vorbereitungsabteilung des Seminars hinzu. An deren Statt übernahm er später eine Stelle mit halber Stundenzahl bei der Breslauer jüdischen Gemeinde, als Religionslehrer an höheren Lehranstalten. Auch diese Stelle kam aber seiner Lehrtätigkeit am Seminar zustatten. Er hatte inzwischen anstelle seines verstorbenen Kollegen Brann am Seminar einen Lehrauftrag für Pädagogik des Religionsunterrichts übernommen; und seine Behandlung dieses wichtigen Faches war um so erfolgreicher, da er nicht nur die neuesten Richtungen der Erziehungslehre nach ihrer weltanschaulichen Grundlage kritisch darzustellen verstand, sondern, wie seine Schüler wohl wussten, sich auch praktisch als Pädagoge bewährt hatte, der sowohl zu Kindern zu sprechen, wie auch namentlich den Heranwachsenden im Kampfe um die Lebensanschauung als verstehender Führer zu helfen imstande war. Die Würdigung, d. Lewkowitz’ Tätigkeit am Seminar zuteil wurde sprach sich in dem guten Besuch aus, dessen sich seine Vorlesungen erfreuten, obschon, mit Rücksicht auf die philologisch-historischen Fächer, eine ausdrückliche Verpflichtung nur zur Teilnahme an wenigen philosophischen Stunden bestand. Neben dieser didaktischen Tätigkeit vertrat aber Lewkowitz seine Fächer auch in einer grösseren Reihe von Veröffentlichungen. In den wissenschaftlichen Beilagen zu den Jahresberichten des Seminars, die von allen Dozenten turnusmässig geliefert wurden, behandelte er philosophische u. pädagogische Themen; in der “Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums” setzte er sich mit philosophischen Neuerscheinungen auseinander; ausserdem veröffentlichte er, im Aufträge der “Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums”, im Rahmen des "Grundrisses der Gesamtwissenschaft des Judentums”, sein grosses Werk “Das Judentum und die geistigen Strömungen des 19. Jahrhunderts” (1935; 570 S.). Dem Jüdisch - theologischen Seminar hielt Lewkowitz die Treue bis zur Schliessung durch die Nazis Ende 1938. Es gelang ihm alsdann nach Holland zu entkommen; dort erhielt er einige LelJ&aufträge in seinen Fächern, von denen einer mit dem Professortitel verbunden war. Nach schweren Jahren in Konzentrationslägern kam er am Ende des Krieges nach Haifa. Dort fand er eine Wirksamkeit als Prediger an einer Synagoge für Einwanderer aus Mitteleuropa und namentlich als Lehrer für erwachsene Schüler, die er mit gleichem Erfolge wie in Breslau in Philosophie und Pädagogik einzuführen wusste. Gleichzeitig steuerte er zur Hebräischen Enzyklopädie (Verlag Massada) eine Anzahl von Artiklen zur griechischen Philosophie bei. Bei aller Hingabe an die Wissenschaft war Lewkowitz weit entfernt, das Leben und seine Aufgaben hintanzusetzen. Er war eine gesellige Natur; das Zusammensein mit Gleichgesinnten, zumal die Teilnahme am Leben der Breslauer Lessinglose U.O.B.B., war ihm Bedürfnis. Seinen Schülern war er nicht nur Lehrer und Vorbild, sondern auch väterlicher Freund, in dessen Heim sie viele schöne Stunden verlebten. Alle diejenigen, die ihm als Freunde oder Schüler näher traten, werden ihm ein dauerndes, ehrendes Andenken bewahren. ISAAK HEINEMANN ZUM TODE VON Dr. AHARON LOTHAN (ARNOLD LUBINSKI) s.A) Der Tel-Aviver Chemiker Dr. Aharon Lothan, 1906 in Posen als Sohn von Max und Johanna Lubinski geboren, verschied am 26. Juni 1976. Der Verblichene, schon als Gymnasiast sehr wissensdurstig, ergriff die Laufbahn des Chemikers u. arbeitete nach Beendigung des Studiums in Berlin für grosse, einschlägige Betriebe. Neben seinem interessanten Beruf, zu d. er wie prädestiniert war, arbeitete er höchst intensiv für d. Zionismus. 1933 kam er nach Palästina und nahm am Aufbau des Landes aktiv teil. Geistig beschäftigten ihn vorzugsweise Probleme des Judentums und des Staates Israel. Beruflich zuletzt jahrelang im Standard Institut angestellt, vertiefte er sich, wie gesagt, zusätzlich in die Kenntnisse 'des Judentums. Auch auf diesem Gebiet hat man A. L. kennen und schätzen gelernt, und man bewunderte, wie er jüdische Tradition mit dem altneuen Land und seinen Erfordernissen verband. Seine Karriere war der wissenschaftlichen Arbeit gewidmet, sein privates Leben war von Gesetzestreue geprägt. Immer fand er Zeit, zur Erfüllung gottesdienstlicher Pflichten. Er war auch aktiv und umsichtig in vielen Ausschüssen tätig, in die man ihn wählte. Er war ein Pflichtenmensch durch und durch. Allzufrüh hat er uns verlassen, möge ihm die Erde seiner Heimat leicht sein! Eine Persönlichkeit von besten Qualitäten, wie es der Verstorbene war, wird unvergessen bleiben. 12

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