Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1982-1983
- Issue
- No. 50 (1982-1983)
- Date
- 1982-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Manuel Joël 8× ep/1002996
- Wrocław 7× ep/1002369
- Jakob Guttmann 2× ep/1002562
- Markus Brann 2× ep/1011647
- Abraham Geiger 1× ep/1011162
- Benno Jacob 1× ep/1011181
- David Kaufmann 1× ep/1000043
- Ferdinand Rosenthal 1× ep/1013128
- Guido Kisch 1× ep/1026184
- Hermann Cohen 1× ep/1004894
- Isaac Heinemann 1× ep/1002810
- Ismar Elbogen 1× ep/1002949
- Julius Guttmann 1× ep/1002777
- Max Wiener 1× ep/1013532
- hazzan 1× ep/1004827
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Die Gemeinde Breslau-ein Vorbild der Eintracht und der Toleranz Als im vorigen Jahrhundert, infolge des Aufkommens der Liberalen und Reformbewegung sich viele Gemeinden in Deutschland spalteten, und neben den Grossgemeinden, welche im allgemeinen von Liberalen geleitet wurden, die sogenannten orthodoxen Austrittsgemeinden entstanden, wurde die jüdische Gemeinde in Breslau das Vorbild der Einheitsgemeinde, in welcher alle Strömungen harmonisch zusammen arbeiteten. Was war der Grund, dass gerade in Breslau so eine Gemeinde entstehen konnte. Viele wollten die Ursache darin sehen dass das Rabbinerseminar, unter der Leitung von Zacharias Frankl, welcher der Wortführer der positivhistorischen Richtung war, grossen Einfluss auf die Gestaltung der Gemeinde hatte. Das ist aber nur einer der Gründe, denn das Seminar als solches, hatte zwar grossen Einfluss auf seine Schüler, war aber nicht so stark mit der Gemeinde verbunden und so war der Einfluss nur teilweise und indirekt. Die Hauptursache ist darauf zurückzuführen, dass die Gemeinde solche Rabbiner als geistige Führer hatte, welche ihr das Gepräge gaben, welches sie zum Vorbild der Einheitsgemeinden machte. Doch nicht immer war es so. Als in den dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts Abraham Geiger als zweiter Rabbiner nach Breslau berufen wurde, wo Rabb. Salomon Tiktin, ein Grosser Talmid Chacham, als Gemeinderabbiner wirkte, kam es zu grossen Zwistigkeiten, zwischen Rabbiner Tktin und dem reformfreudigen, radikalen Geiger. Obwohl Geiger als Rabbiner in Breslau wirkte, erhielt Rabb. Gedalja Tiktin, der nach dem Tode seines oben genannten Vaters Salomon, dessen Nachfolger wurde, von Friedrich Wilheim IV. den Titel eines „kgl. Landesrabbiner in Schlesien”. Rabb. Gedalja Tiktin wirkte von 1843 — 1886. Im Jahre 1849 wurden in Breslau 2 Kultusver- Von E. M. HAUSCHNEB, bände gegründet. Rabb. Gedalje Tiktin war Rabbiner des orthodoxen Kultusverbandes und der Kgl. Landesrabbiner in Schlesien. Geiger wurde Rabbiner des reformistischen Kultusverbandes. Die grosse Wendung in der Breslauer Gemeinde erfolgte mit der Ernennung von Dr. Manuel Joel als Nachfolger Geigers, welcher einer Berufung nach Frankfurt folgte. Vor seiner Ernennung als Rabbiner, war Dr. Manuel Joel Dozent am Rabbinerseminar in Breslau. Als solcher war er der positivhistorischen Richtung Frankl’s nahe und so versuchte er den liberalen Kultusverband, welcher unter dem radikalen Einfluss von Geiger stand, dem traditionellen Judentum zu nähern. Joel war starker Gegner der radikalen Reform von Geiger und kämpfte für die Erhaltung des traditionellen jüd. Charakter im G’ttesdienst. Im Jahre 1854 wurde von Geiger ein Gebetbuch herausgegeben u. in seiner Gemeinde eingeführt. Dieses Gebetbuch war sehr von dem traditionellen Ssiddur entfernt. Manuel Joel entfernte das Geigerische Gebetbuch aus dem G'ttesdienst und gab anstelle dieses, ein neues Gebetbuch heraus, welches trotz verschie- ■ dener Reformen an den traditionellen Ssiddur anknüpfte. Das interessante an diesem Gebetbuch ist, dass neben dem offiziellen Text, welcher für den Chasan massgebend war, der Text des traditionellen Ssiddur in kleineren Buchstaben daneben gedruckt war, so dass jeder der wollte, nach dem traditionellen Ritus beten konnte. Aber auch in der Breslauer Synagoge entfernte Manuel Joel verschiedene Sachen welche Geiger eingeführt hatte: Geiger führte den 3 jährigen Zyklus der Thora Vorlesung ein; Manuel Joel kehrte zum einjährigen Zyklus zurück. Auch publizistisch trat er gegen Geiger auf. Im Jahre 1869 veröffentlichte er eine scharfe Polemik gegen Geiger „Zum Schutz gegen Trutz”. Diese Polemik richtete sich gegen Geigers Schrift: „Etwas über Glauben und Beten, zu Schutz und Trutz”. Die Beziehungen zwischen Dr. Manuel Joel und Rabb. Gedalja Tiktin waren gut. Bemerkenswert ist auch dass Dr. Markus Brann, auch Dozent am Breslauer Rabbinerseminar, stellvertretender Rabbiner von Dr. Manuel Joel war, und so also die positiv - historische Richtung gewahrt wurde. Die Beziehungen zwischen den Rabbinern der verschiedenen Richtungen besserten sich noch, als nach dem Tode von Rabb. Gedalja Tiktin, Rabbiner Dr. Ferdinand Rosenthal als. orthodoxer Gemeinderabbiner ernannt wurde. Dr. Rosenthal war ein grosser Talmid Chacham welcher seine Rabbinerwürde von der berühmten Pressburger Jeschiwa erhielt. Rabb. Dr. Rosenthal war der erste orthodoxe Rabbiner in Deutschland, welcher sich dem Allgemeinen Deutschen Rabbinerverband anschloss. Diesem Beispiel folgten weitere Rabbinen dieser Richtung. Dr. Rosenthal war ein Mann von grosser Herzensgüte, welcher bei allen sehr beliebt war. Zu seiner Zeit wurde der von uns allen so verehrte Rabb. Dr. Simonsohn als 2. Rabbiner, an die Seite von Rabb. Dr. Rosenthal nach Breslau berufen. Bezeichnend für die guten Beziehungen zwischen den Breslauer Rabbinern ist die Tatsache dass Rabb. Dr. Rosenthal zusammen mit dem schon erwähnten Dr. Markus Brann das „Gedenkbuch für David Kaufmann” herausgab. Nach dem Tod von Dr. Manuel Joel im Jahre 1890, wurde als sein Nachfolger Prof. Jakob Guttmann im Jahre 1891 nach Breslau berufen. Prof. Guttmann, auch ein Absolvent des Breslauer Rabbinerseminars, ging in den Fusstapfen seines Vorgängers in der positiv-historischen Richtung. Sowohl Dr. Manuel Joel wie auch Prof. Jakob Guttmann waren berühmte Forscher auf dem Gebiet der Religionsphilosophie des Mittelalters. (Fortsetzung auf Seite 3) GEDANKEN ZUM JUBILAEUM (Fortsetzung von Seite I) vorhebung all dessen was sich nach Posen und Breslau orientiert hat, sei keineswegs eine Abwertung aller der Kräfte ausgesprochen, die unserer jüdischen Gemeinschaft in ihrer Art unvergängliche Werte geschenkt haben. In Mitteleuropa und anderswo. Aber dennoch wagen wir es auszusprechen, dass Posen upd Breslau ein Besonderes darstellen. Die erste Pflanzstätte jüdischer Wissenschaft, Bildung und religiösen Wirkens, ist 1854 in Breslau errichtet worden. Dass Andere folgten — wie gut war diese Folge. Der Primat jedoch gebürt Breslau. 1963 erschien ein umfangreicher Band: Das Breslauer Seminar, Gedächtnisschrift, herausgegeben von Guido Kisch, Selbst wer (wie der Schreiber dieser Zeilen) um die Bedeutung dieser Anstalt wusste, ist dennoch von neuem beeindruckt von den Namen, die mit ihr verbunden sind: Hermann Cohen Leo Baeck, Ismar Elbogen. Welch „eine Fülle der Gesichte” verbinden sich mit diesem Triumvirat jüdischer Geistigkeit. Auf deren Wirken kann auf diesem beschränkten Raum nicht eingegangen werden. So wenig wie auch dasjenige, d. zahlreichen Gelehrten und Rabbiner, die in Breslau wirkten oder dort ausgebildet wurden, oder die sich nach Breslau orientierten, z.B. Manuel Joel, Benno Jacob, Isaak Heinemann, Julius Guttmann, Israel Rabin, Max Wiener und Ephraim Urbach l’chajim aruchim! Das Theologische Seminar verfügte über eine Ausstrahlung auf Mitteleuropa und hatte die Gründung von Schwesteranstalten in Berlin, Wien und Budapest zur Folge. Der wissenschaftliche Ertrag, den Breslau zeitigte, wurde in der Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums niedergelegt. Sie wurde vorbildlich für zahlreiche Andere die in aller Herren Länder zu Nutz und Fromm von Israels Geschichte gegründet und weiterhin heute noch existieren. Und nun wird wohl verständlich, welche Aufgabe sich unser Blatt gestellt hat. Die Herausgeber, durchglüht von der Erkenntnis und dem Wissen um das, was einst gelebt und geblüht hat und nun zertrümmert daliegt, können das Faktum der Zerstörung nicht aus der Welt schaffen. Sie haben sich aber andererseits die Frage vorgelegt: Soll all das was da gelebt und gewirkt hat, in Äonen verschwinden und dem absoluten Nichts anheimf^llen? Ist es nicht unsere Pflicht, von diesem Erbe in breitem Umfang zu erzählen so lange wie wir es vermögen. Den verantwortlichen Trägem dieses Blattes kann garnicht genug gedankt werden, dass sie selbstlos und uneigennützig alles, was das Leben an Schwierigkeiten mit sich bringt, hintenangestellt haben, und das Wagnis auf sich nahmen, auszusagen was über den erwähnten Komplex noch auszusagen ist. Sie dürfen für sich in Anspruch nehmen, dass sie ihr Möglichstes getan haben, und im Anklang an die Losung der Pessach Haggada „b'chol dor wador” gehandelt. Das will sagen: in unserer Generation haben wir alles getan, was in unserer Kraft lag, um für die Verlebendigung des. sen, was in der Vergangenheit war, Sorge zu tragen. Wir tun dies „k'illu” wie es weiterhin die Haggada sagt, so als ob dies alles, noch heute lebt, und wenn es auch nur in unserem Inneren lebt. Israel hat Jahrtausende hindurch an dieses k’illu geglaubt. Es war nicht vergebens. So sei auch dieses k’illu nicht vergebens. Es erfülle sich die jesajanische Kündung und Hoffnung: der Same von dem grossen gefällten Baum lebt weiterhin, und er wird durch keine Katastrophe oder durch sonstige Ereignisse aus der Weit geschafft. Wir sehen ihn aufgehen und aufbltihen in der Fortsetzung der Pflege der Wissenschaft des Judentums! In den vielen existierenden Gemeinden in der Welt, die eine Synthesis von Überlieferung und Moderne in ihrem Wesen verkörpern! Ihr Ursprung und ihr Sosein emtstand in einem Zentrum, das einst eine Lebensmacht war, und das trotz gewaltsamer Zerstörung in den Herzen von zahlreichen jüdischen Menschen weiter leben und wirken wird. 2