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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1970-04-01 · No. 27 (April 1970) · p. Seite 9

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1970
Issue
No. 27 (April 1970)
Date
1970-04-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Rabbiner Dr. Hermann Vogelstein ES fällt uns schwer, zu glauben, dass ein Mann, mit dem wir gemeinsam arbeiten durften, schon hundert Jahre alt wäre. Aber es ist kein Zweifel: Dr. Hermann Vogelstein, Gemeinderabbiner in Oppeln, in Königsberg und in Breslau, ist im Frühjahr 1870 in Pilsen als Sohn des dortigen Rabbiners Dr. Heinemann Vogelstein geboren. Im Allgemeinen kann man feststellen, dass in Kreisen der Orthodoxie die viel stärker ausgeprägte Tradition bewirkt hat, dass ganze Rabbinerdynastien in drei bis 4 Generationen entstanden sind, so die Familie Auerbach in Halberstast, aber auch im mindestens drei Generationen und über viele Ortschaften verbreitet die Familien Bamberger, Carlebach, Hildesheimer us.w. Aber auch bei Konservativen und liberalen sind in manchen Fällen Vater und Sohn Rabbiner geworden. (Eschelbacher, Salzberger, Appel, Steckelmacher, Bärwald, Baeck, Jakob, Kroner, Rosenzweig u.s.w.), in zwei Fällen sogar Grossvater, Vater und Sohn. Dies ist der Fall in der Familie Vogelstein (Stettin, Breslau und Coblenz) und neuerdings in der Familie Winter (Königsberg, jetzt T7.S.A. Uruguay und in Vorbereitung auf das Rabbinat an der südamerikanischen Bildungsstätte. Wir sind aus vielen Quellen über die Familie Vogelstein informiert. Die Tochter des ersten Rabbiners, Julie Braun-Vogelstein hat ihre Biographie im Leo-Baeck-Institut herausgegeben und darin ihren Eltern ein würdiges Denkmal gesetzt. Sie spricht in Liebe von ihrem Bruder Ludwig, dem “Kupferkönig” in USA, und von ihrem Bruder Theodor, aber schweigt über ihren ältesten Bruder Hermann. Was da für familiäre Gründe vorliegen, kann der Aussenstehende kaum ahnen. Heinemann “GIACIN” (Forts. Seite 8) “Dann geht’s zu Giacin, Da bin ich sehr intim, Ich kenne alle Mädchen, Die Trudchen, Gretchen, Kätchen, Lad’ sie zum Rendezvous, Und bald ist man per Du, Sie lassen mich vergessen Ehe Pauker und’s Pennal!” “Nicht-Jugendlichen” über 18 Jahren war der Eintritt nicht geradezu verboten, doch wir betrachteten sie mit misstrauischen Blicken, sie hätten uns “verpetzen” können. Aus imerfindlichen Gründen war der Besuch von “Giacin” von den gestrengen Paukern und Lehrerinnen der “Höheren Töchterschule” verpönt. Warum? Weil die Geschlechter nicht streng getrennt waren, wie damals meist — nicht nur in der Synagoge — üblich? Offenbar stellten sie sich unter diesem harmlosen Treffpunkt von Jungen und Mädeln einen Sünden pfuhl vor. Doch hat man je gehört: Ein Backfisch-rauchte “Hackschisch”? Eisessen ist doch wirklich keine Sünde, und die kandierten Nüüsse und hold erröteten kandierten Aepfel, die es noch, ausser Eis, in diesem Paradies gab, sind keine “Verbotenen Früchte”, keine “Sex-Aeppel”, wie der, mit dem Eva den Adam verführte. Aber es erhöhte natürlich den Genuss, dass dieses Vergnügen als “sündig” galt. Verbot’ne Früchte schmecken gut!... Herr Straus möge mir verzeihen, aber kein Straus — Eis in der Milkbar schmeckt mir so gut, wie das Eis von Giacin! Vielleicht liegt es auch nur daran, dass ein kleines Ingredienz fehlt: Ich bin nicht mehr 16 Jahre! Jenny Breslauer Tel-Aviv, Ben Jehudastr. 138 ZUM HUNDERTSTEN GEBURTSTAG Vogelstein war Rabbiner in Pilsen und kam 1879 nach Stettin. Hier wurde im Frühjahr 1883 sein ältester Sohn Hermann Barmizwa. Durch Zufall fand ich im Archiv der Gemeinde Elbing einen Briefwechsel zwischen dem damaligen Elbinger Gemeindevorsteher Sanitätsrat Dr. Jacoby und Dr. Vogelstein in Stettin aus der Jahreswende 1882/83. Er bittet Dr. Vogelstein um Auskunft über einen jungen Rabbiner, Dr. Max Kopfstein in Pasewalk, der als Nachfolger für den nach Stockholm berufenen Elbinger Rabbiner Dr. Gottlieb Klein, in Frage kam. Vogelstein gibt sorgsam abwägend und überlegt eine gute Auskunft, und Kopfstein wird nach Elbing (später nach Beuthen) berufen. Im Anschluss an diesen amtlichen Brief schreibt Vogelstein, dass in Kürze sein ältester Sohn Hermann Barmizwa wird; Er erwähnt, dass Maybaum’s nach Ausgang des Schabbos aus Berlin kommen werden, und lädt auch Dr. Jacoby, den er als “lieber Freund” anredet, ein. Heinemann Vogelstein stammte aus alteingesessener ländlicher Familie in Lippe. Der Zusammenhang mit der Scholle war bei ihm besonders stark entwickelt, und daraus wohl lässt sich sein ausgeprägtes Deutschtum erklären, welches in der liberalen Gemeinde Stettin deutlich zum Ausdruck kam und auch auf seinen Sohn Hermann wirkte. Dieser studierte am Breslauer Seminar und an der dortigen Universität und fiel in wissenschaftlichen Kreisen dadurch auf, dass er schon sehr früh, zusammen mit seinem Studiengefährten Paul Rieger, das grosse Zweibändige Werk über die Geschichte der Juden in Rom verfasste (Berlin 1895/96). Nur kurze Zeit, 1895 bis 97, blieb er Rabbiner in Oppeln, das schon von seinem Vorgänger Aron Wiener zu einer Hochburg des Deutschtums und des Liberalismus entwickelt werden war. Dann kam er als Nachfolger des gemässigten Isak Bamberger als erster Rabbiner nach Königsberg. Hier war seine Einstellung in doppelter Hinsicht Angriffen ausgesetzt. Sein Liberalismus passte nicht zu der gemässigten Gemeinde Königsberg, und die Betonung des Deutschtums kam immer wieder in Zusammenstössen mit dem jungen Zionismus zum Ausdruck und musste die zahlreichen aus dem Osten gekommenen russischen und polnischen Juden verletzen. Es war damals jene Zeit, in der Theodor Herzls Weckruf gerade begonnen hatte, die deutschen Juden aus ihren Träumen aufzurütteln, und es war die Zeit, in der die deutschen Rabbiner in Verkennung der Gegenwart und ohne Fingerspitzengefühl Protest gegen den Zionismus einlegten. In der gleichen Zeit entstand auch in Königsberg eine Austrittsgemeinde nach dem Vorbild der Berliner, Frankfurter und Kölner Gemeinde. Ob auch hier die brüske Betonung des deutschen Liberalismus mitsprach, oder ob es zufällige Gegebenheiten waren, wie der Zuzug des Bankiers George Marx aus Köln nach Königsberg, lässt sich schwer entscheiden. Dankbar sei jedoch betont, das Vogelstein die Interessen der Ostjuden immer wahrnahm und in den letzten Jahren seines Königsberger Wirkens, in der Kriegszeit, sich besonders um die Flüchtlinge aus Litauen bemühte und die Verbindung mit ihren Verwandten in den besetzten Gebieten herzustellen suchte. Seine Diskussionen mit den zionistischen Studenten gingen freilich manchmal zu weit, und sein Eifer wäre einer besseren Sache wert gewesen. 1920 wurde er als Nachfolger des gemässigten Professor Jakob Guttmann als liberaler Gemeinderabbiner nach Breslau berufen. Im Gegensatz zu Königsberg stand ihm ein gleichrechtigter orthodoxer Gemeinderabbiner in Dr. F. Rosenthal und nachher in Dr. M. Hofmann gegenüber. Hier waren die Grenzen genau abgesteckt. Auch der liberale Rabbiner hatte sein fest umrissenes Arbeitsgebiet, sodass friedliche Zusammenarbeit gewährleistet war. Auch der scharfe antizionistische Kurs milderte sich allmählich. Nur im grösseren Rahmen konnte er noch einmal 1921 beobachtet werden. Bei der Versammlung des allgemeinen Rabbinerverbandes im Frankfurt winde u.a. zu dem neugegründeten Keren Hajessod Stellung genommen. Es lebte noch mancher Protestrabbiner aus dem Jahre 1897, aber die Situation hatte sich geändert. Nach einer teilweise aufgeregten Debatte begrüsste der Rabbinerverband mit überwältigender Mehrheit das Wirken des Keren Hajessod. In der hitzigen Debatte erhoben nur zwei Rabbiner ihre Stimme dagegen, nämlich Benno Jakob (Dortmund) und Hermann Vogelstein. Sie verwerteten ungefähr dieselben Argumente wie 1897, und man musste sich auch hier fragen, ob dieser Fanatismus, diese Aufregung wirklich am Platze war. Die Schmach von 1897 war jedenfalls getilgt. In der grossen Breslauer Synagoge am Schweidnitzer Stadtgraben konnte Vogelstein friedlich und einflussreich fast bis zum Schluss wirken. Eine ganz besondere Genugtuung war es für ihn, dass sein ältester Sohn Max sich entschloss, Rabbiner zu werden und, wie sein Vater und Gossvater, ln Breslau zu studieren. Er war Rabbiner in Koblenz und später in Great Nack (USA). In der bitteren Zeit seit 1933 nahm Vogelstein kein Gehalt. Er konnte mit den Zinsen, die ihm aus der Erbschaft seines verstorbenen Bruders aus Amerika zuflossen, auskommen. Erst, als er sah, dass keine Hoffnung mehr bestand, und er sich selber dem 70. Jahre näherte, bemühte er sich 1938 um einen Nachfolger. Denselben Rabbiner, der sein Nachfolger in Königsberg war, Dr. Reinhold Lewin, empfahl er nach Breslau. Er selber entschloss sich nach dem Synagogenbrand schweren Herzens, nach Amerika zu gehen, und die letzten Jahre dort ohne Aufregung zu verleben. In New York gab er noch einmal in der Serie der Gemeindegeschichten eine kurze Zusammenfassung seiner Geschichte der Juden in Rom (Philadelphia 1940) heraus. Neben seiner grossen Arbeit über Rom verfasste er einige kleinere Arbeiten. Er beteiligte sich am Sammelwerk zum hundertsten Geburtstag von Abraham Geiger (Berlin 1910) mit einer Einleitung “Zur systematischen Theologie”, schrieb mehrere Arbeiten über die Entwicklung des Religionsunterrichts in Königsberg und zahlreiche Aufsätze in wissenschaftlichen Zeitschriften wie in Hebrew Union College Annual. Er starb im Alter von 72 Jahren, 1942, in New York. Ein ausführlicher Nachruf mit Bibliographie ist ihm in Central Conference of American Rabbis, Jearbook 1933, gewidmet. Rabbiner Dr. Neufeld Alles für den Schreibtisch, Alles fürs Büro — Niemals bleibt es gleich sich, WAS du kaufst — und WO! 1. ROTKOWITZ Office Equipment and Stationery GIFTS FOR ALL OCCASIONS TEL-AVIV, RAMBAM ST. 24 TEL. 62 5420 Riesenauswahl in Geschenken für alle Gelegenheiten! . 9

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