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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1970-04-01 · No. 27 (April 1970) · p. Seite 10

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1970
Issue
No. 27 (April 1970)
Date
1970-04-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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"Verein Jüdischer Kaulleute Breslau“ Unter der Überschrift “National-jüdische Handlungsgehilfen” brachte das Israelitische Familienblatt Hamburg in Nr. 9 des 10. Jahrganges, vom 27. Februar 1908 eine Zuschrift meines Vaters Max Walk s.A„ in der es u.a. heisst: 1. “Der Verein jüdischer Kaufleute existiert bereits seit 2 1/2 Jahren. 2. Der Verein vertritt... keine wirtschaftlichen Interessen... er will vielmehr diejenigen jüdischen Kaufleute zusammenschliessen, die ihre Selbstachtung als Juden angesichts der schwierigen Lage der Gesamtjudenheit und der bedauernswerten Teilnahmslosigkeit einer grossen Zahl ihrer Stammesgenossen betätigen wollen. Zu diesem Zwecke will der Verein jüdischer Kaufleute seine Mitglieder mit der jüdischen Geschichte, der jüdischen Literatur der Vergangenheit und Gegenwart vertraut machen; er will ferner seine Mitglieder über die Lage und Lebensbedingungen der Juden in der Jetztzeit unterrichten, um einem Jeden Gelegenheit zu bieten, zur Lösung der Judenfrage tatkräftig Stellung zu nehmen. 3. Der Verein ist auch kein religiöser Verein, sondern umfasst jüdische Kaufleute verschiedener religiöser Anschauungen, Zionisten wie Anti-Zionisten. Zur Zeit veranstaltet der Verein einen Geschichts-Zyklus, von dem wir erwarten, dass er unseren Bestrebungen neue Kräfte zuführen wird”. Wie aus dieser Zuschrift hervorgeht, wurde der V.J.K. im Jahre 1905 gegründet. Aus der Festrede meines Vaters anlässlich des 1. Stifungsfestes des Vereins, am 13. September 1906, lässt sich das Gründungsdatum mit grösserer Genauigkeit feststellen: September 1905. Es dürfte von Interesse sein, die Beweggründe, die damals zur Entstehung dieses Vereins führten, kennen zu lernen. Kommt doch in ihnen der Meinungskampf einer positiv-jüdisch empfindenden Minderheit im deutschen Vorkriegsjudentum zum beredten Ausdruck. Dies der Wortlaut der Rede: Im Namen des V.J.K. habe ich die Ehre, Sie zu dessen erstem Stiftungsfeste begrüssen zu dürfen. Mein Gruss gilt in erster Reihe all denen, die als Vertreter von Vereinen erschienen sind, mit denen wir verwandte Ziele verfolgen. — Von einer Schar begeisterter Jungjuden im Spätsommer des vorigen Jahres gebildet hat sich der V.J.K. in erster Linie, die Pflege und Hebung des Jüdischen Selbstbewusstsein unter der jüdischen Kaufmannschaft zur Aufgabe gesetzt. Als wir an die Gründung des Vereins herantraten, waren wir uns wohl der Schwiegerigkeiten unserer Aufgabe bewusst, da wir nur zu gut den Indifferentismus in jüdischen Dingen unter den Kaufleuten kannten. Aber mutig und unerschrocken traten wir ans Werk, und wenn wir auch heute nach Jahresfrist noch nicht über eine grosse Anhängerzahl blicken können, so haben wir uns doch eine kleine Truppe geschaffen, mit welcher wir unablässig weiter für unsere Ideen kämpfen werden. Das deutsche Judentum bot im verflossenen Jahrhundert ein zerrissenes Bild. Die den Juden gewährte Emanzipation liess eine Assimilationsbewegung entstehen, die bis in die jüngste Zeit dem Judentum manch schweren Schaden zufügte. Die deutschen Juden hatten die Emanzipation, nicht wie es heute unter unzähligen Opfern unserer Brüder in Russland geschieht, erkämpft, sondern sie wurde ihnen gewissermassen geschenkt. In ihrer Dankbarkeit glaubten sie nun alles Jüdische verleugnen und sich immer mehr und mehr dem Deutschtum assimilieren zu müssen. Mit einer gewissen Scheu trat man an etwas Jüdische heran; die Selbstverleugnung trieb in dieser Zeit ihre üppigsten Blüten. Eine Folge dieser Zustände war das Heranwachsen eines Geschlechtes, welches nicht in sich die Grösse der Makkabäer fühlte, sondern in sklavische Ergebenheit allem Nichtjüdischen zujubelte und alles Jüdische verachten lernte. In diese schmachvolle Periode der jüdischen Geschichte erhob der moderne Antisemitismus sein Haupt und beginnt seit den 70er Jahren seinen Siegeslauf durch die deutschen Lande. Doch noch immer wollte man nicht einsehen, welch Antagonismus zwischen den Juden und den anderen herrschte. Man merkte nicht, dass das deutsche Volk unsere Verschmelzung nicht wünschte und begann noch immer nicht einzusehen, dass ein freies sich selbstbewusstes Volk sich die Achtung der Mitmenschen erringen, während eine sich selbst verleugnende Nation die Nichtachtung, ja den Hass anderer erwecken muss. Die Flutwelle des Antisemitismus ergoss sich nun über ganz Deutschland und hat sich heute aller Gesellschaftsschichten bemächtigt. Da entstand eine Bewegung, welche anfangs verspottet und verlacht sich bald die Achtung aller selbstbewussten Juden errang. Ein neuer lebendiger Strom durchzog das Judentum und wirkte befruchtend nach jeder Richtung. Eine moderne jüdische Kunst entstand, begeisterte Dichter sangen das Lob ihres Volkes. Männer traten an die Spitze des Volkes, welche stolz auf ihre Abstammung nicht das Heil in der Assimilation, sondern in der freien unbehinderten Entfaltung der in ihrem Volke ruhenden Kräfte erkannten. Auch in Deutschland wusste sich diese Bewegung Eingang zu verschaffen. Während aber ein grosser Teil der Akademiker sich dieser neuen Richtung anschloss, war es nur eine kleine Gruppe von Kaufleuten, die in diese Bewegung eintraten. Ein Teil der jüdischen Kaufleute hielt es noch für richtiger, mit allerlei nichtssagenden Vergnügungen seine freie Zeit zu verbringen, erregt oft durch sein lächerliches nachahmungssüchtigen Auftreten den berechtigten Spott der Anderen. Manche glauben durch den Eintritt in gewisse meist für die Geselligkeit bestimmten Vereine genug für ihren Geist getan zu haben, sie betrachten das Judentum als quantite negligeable. Ein anderer Teil stürzt sich mit Begierde auf alle neuen literarischen Erscheinungen und weiss mit einer fabelhaften Sicherheit alles echt jüdische zu übergehen. Sie können bei ihnen die neuesten Moderomane finden, werden aber vergeblich nach einem Buche der jüdischen Literatur suchen. Soll ich Sie noch an vieles andere bekannte erinnern, welches sie täglich, ja stündlich zu beobachten Gelegenheit haben? Nicht wenig zur Heranzüchtung dieser Zustände trägt die Unkenntnisse der jüdischen Geschichte bei. Wer sich in dieselbe versenkt, dieselbe studiert, wird stolz sein, einem Volke anzugehören, dass der Welt die Bibel geschenkt und einen Moses hervorgebracht hat. Unser Verein ist nicht in die Erscheinung getreten, um die schon bestehenden geselligen Vereine um einen zu vermehren, sondern ist einem notwendigen Bedürfnisse entsprungen, um dem eben gezeichneten Treiben eines grossen Teiles der jüdischen Kaufmannschaft einen Damm entgegenzusetzen. Im verflossenen ersten Jahre unseres Bestehens suchten wir durch Geschichtsvorträge, durch Referate über die allgemeine Lage der heutigen Judenheit unsere Mitglieder mit dem Judentume in alter und neuer Zeit bekannt zu machen. Wir begannen uns auch mit der modernen jüdischen Litteratur zu beschäftigen, um so unseren Mitgliedern einen Einblick in die Geistesarbeit unserer Besten zu gewähren. Auch hatten wir Gelegenheit uns aktiv bei dem Wahlkampf in der hiesigen Gemeinde zu betätigen. In diesem Kampfe und bei diesen Bestrebungen bedürfen wir der Unterstützung all derer, die an eine Zukunft des Judentums glauben. Unser Ruf ergeht in erster Reihe an die Jünglinge. Dieselben werden unsere Ideale besser verstehen als die ältere Generation, die noch zum Teil tief im Golus steckt. Wenn Sie in unsere Reihen eintreten werden Sie Arbeit finden, Arbeit die Sie nach jeder Richtung hin befriedigen wird, die Sie zu freien aufrechten Menschen machen wird. Dann wird man nicht wie bisher mit Verachtung von dem deutschen jüdischen Kaufmannstande sprechen. Die oft gezeichneten Karikaturen werden allmählich verschwinden. Das jüdische Volk steht momentan an einem Wendepunkte in der Geschichte. Der grösste Teil unserer Brüder liegt in einem schweren Kampfe mit gewaltigen Mächten in Russland. Ströme Blut sind in dem verstrichenen Jahren auch in den letzten Tagen geflossen und noch wissen wir nicht, ob es unseren Brüdern jenseits der Grenze gelingen wird, die Freiheit zu eringen. In Rumänien und Galizien werden Sie ökonomisch nach jeder Seite hin gedrückt und zur Auswanderung gezwungen, aber schon verschliessen sich auch die letzten Tore derjenigen Länder, die bis jetzt den Juden eine Zufluchtstätte boten. In dieser Periode des verzweifelten Ringens des jüdischen Volkes ist es Pflicht eines jeden, mannhaft in die Reihen zu treten, um für die Ehre und Freiheit des jüdischen Volkes zu kämpfen, und sich nicht feige zurückzuziehen. Im Zeichnen des selbstbewussten Judentums möge unser Fest verlaufen. Josef Walk, Jerusalem LESERBRIEF Heute erhielt ich durch meine Schwester aus Tel-Aviv zum ersten Male Ihre Zeitung. Ich lese sie und 48 Jahre rollen weg. Darf auch ich meine Erinnerungen berichten? Ich wanderte schon 1923 aus, selten zu dieser Zeit. Damals war ich entschlossen, nach 2 Jahren zurückzukehren und in Breslau als Kindergärtnerin zu arbeiten. So dachte ich! — was für Errinerungen von Breslau: die Augustaschule (wir wohnten am Hohenzollernplatz), der Sauerbrunnen mit den Ruderbooten, nicht weit davon ein schöner Spaziergang — der Kinderzobten, wo wir Schlitten fahren gingen. Die Oder — wo ich schwimmen lernte mit Fischhaken und Kork-Gürtel, der Hauptbahnhof — für einige Pfenninge konnte man ein Billet lösen und dann oben den Reisenden nachwinken. Der 95 Pfenning Bazar nicht weit von Barasch. Die heissen koscheren Würstachen (Wiener Würstchen) auf der Goldenen Radegasse. Aber ganz besonders der “Blau Weiss”. Der Blau Weiss, der meine Jugend vollkommen erfüllte. Unsere Sommer Fahrten mit dem vollen Rucksack. Die Völker Ball Tournamente. Das grosse Feuer und die Gesänge ringsherum, stundenlang. Unsere Aecker mit Radieschen, Tomaten und Blumen. Die Trampel Loge (ganz oben) im Stadt Theater und die Thalia und Lobe Theater. Der Storch Tempel, wo Rabbiner Simonsohn auch mein Lehrer war. Der Bar-Kochba — niemals konnte ich richtig über die Barren schwingen! Alles ist so deutlich, als ob es gestern wäre. Wie gut ist es, eine Breslauer Zeitung zu lesen. Wie gut an Sie zu schreiben! Kann ich irgend etwas für die Zeitung tuen? Hoachtungsvoll Hedel Schwartz-Wasser, geborene Kurzbart 324 Beach 59 Street, Rockaway 116 92 N. Y. 10

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