Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1981
- Issue
- No. 48-49 (1981)
- Date
- 1981-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Wie Erzvater Jakob sagte er sich tagtäglich: Lijschuathcha kiwitl adonaj. Auf Deine Hilfe hoffe ich, o Gott! Alfred Korn war ein Mensch, dessen Wesen Im Glauben verankert war, und so weigerte er sich, anzuerkennen, dass seine ihm angetraute, geliebte Frau für immer dahingegangen sein sollte. Er hielt es mit Jesaja’s Trostworten, die wir am kommenden Sabbath in der Haftarah lesen werden, berega katon asawtich uwerachamim gedolim akabzech nur einen kurzen Augenblick habe ich dich verlassen . und mit grosser Liebe werde ich mit dir wieder vereint. Dieses Beieinander von Leid und Hoffnung formten den Charakter dieses Menschen. Und so sah er seine Lebensaufgabe darin, Leid, wo er es erblickte, zu lindern, die Gebeugten aufzurichten. Er hat eine grosse Anzahl von karitativen Taten lm Alltag vollbracht, die wahrscheinlich insgesamt keiner von uns weiss. Er gehörte zu den sechsunddreissig Zadikim, den sechsunddreissig gütigen und gerechten Menschen, die gerade dann das Gute tun, wenn niemand davon weiss. Es gibt so manchen Wohltäter; er ist oft deswegen wohltätig, damit es die Öffentlichkeit erfährt. Anders die echten Zadikim und Chassidim! Sie tun das Gute, RABBI ISAIAH BERLIN (PICK) - PRIVATGELHRTER UND RABBINER IN BRESLAU „Areschet“, das Jahrbuch für 1980 für Bibliophile Forschung, herausgegben vom Rabbi Kook- Institut in Jerusalem, widmet einen ausführlichen Beitrag von Mosche Sanders, dem im Jahre 1719 (nach Encyclopedia Judaica 1725 (?)) in Eisenstadt geborenen eminenten Thoragelehrten, und von 1793 bis zu seinem Tode Rabbiner von Breslau. Den Namen erhielt er wegen seines Aufenthalts, mit seinem Vater in Berlin, und nach Beendigung seiner Studien in der Jeshiva in Halberstadt zog er nach Breslau, heiratete dort Frumet, die Tochter des begüterten Wolf Pick und adoptierte deren Familiennamen. Rabbi Jesaiah Berlin (Pick) wurde Kaufmann, aber seine Haupttätigkeit lag auf dem Gebiete der Forschung der talmudischen und nach-talmudischen Literatur. Seine Zeitgenossen, die ihn den anderen Grossen seiner Zeit, dem Gaon von Wilna, dem Rabbi Jecheskel Landau (Noda Bijhuda) u.a. gleichstellten, bezeugten, dass er zu jedem Buch, das er studierte, gelehrte Anmerkungen schrieb. Die dem Artikel beigefügte Bibliographie umfast 25 gedruckte Werke (einige sind noch bis heute nicht im Druck erschienen). Sie umfassen, z.B., Anmerkungen zu den Talmudtraktaten, die seither in fast allen Talmudausgaben am Rande vermerkt sind, ein ausführliches Werk über die Sche’iltot des Acha Gaon, sowie der Thoraübersetzung ins Aramäische des Onkelos, des Alfassi, die Mischna und viele andere. Als er zum Rabbiner von Breslau gewählt wurde, war er schon hochbetagt (sein Vorgänger war Rabbi Jizchak Josef Te'omim), er starb wenige Jahre danach, im Jahre 1799. Seine Friedensliebe war sein hervorstechender Charakterzug, der es ihm möglich machte, die schon damals in der Breslauer Gemeinde auftretenden Konflikte zu vermeiden, auch die dort tätigen „Maskilim" (Aufklärer) zollten ihm Respekt, obwohl er ihre Ideen angriff. Der bedeutenden Gelehrte Abraham Berliner, s.Zt. Dozent am Hildesheimerschen Rabbinerseminar in Berlin, widmete R. Jesaiah Berlin eine Biographie. Mitgeteilt von Mordechai Noy, um des Guten willen! Geradezu verschämt! Sie teilen die Not mit den Armen und Geplagten und geben oft genug über das Mass ihrer Verhältnisse hinaus. Zweimal hatte ich den Vorzug in der kurzen Zeit unserer Bekanntschaft, ihn zu erleben. Es war am Schabbath ,ßhuva“. Ich sollte zur dritten Mahlzeit das Wort ergreifen. Da wurde mir gesagt, dass R. Alter Korn zur Bedeutung des heutigen Tages etwas zu sagen hätte. Ich ergriff sofort die Gelegenheit und bat ihn, sich zu mir zu setzen, und er sollte bei unbegrenzter Redezeit sagen, was er zu sagen habe. Er erzählte von einem ungewöhnlich begüterten und frommen Mann. Einmal jedoch habe dieser Mann bei irgendeiner Gelegenheit einen Fehler begangen, sei es, dass er nicht die notwendige Geduld einem Bittsteller gegenüber gezeigt habe, sei es, dass er einer religiösen Forderung nicht so nachkam, wie man es von ihm, der immer auf dem Pfade der Tugend gewandelt, erwartet habe. So wurde ihm eine Vision zuteil, er solle sein wohlbehütetes und gut ausgestattetes Haus verlassen und auf Wanderschaft, in die Verbannung gehen. Der Vortragende erzählte nun — wie von innerer Ekstase gepackt, — welche Demütigungen, Strafen dieser Mann erleiden musste, bis er schliesslich nach langer Zeit von oben erfuhr, dass es genug sei und er wieder heimkehren dürfe. Es waren mehr als zwanzig Minuten vergangen, und die Zuhörerschaft war ergriffen, wie selten. Das war in der Tat eine Stunde der Stimmung zu wahrer Teschuwa, eine Stunde innerer Umkehr. Und. die kleine Gemeinde war beglückt und erbaut und vielleicht auch ein wenig stolz, dass solch ein Maggid, ein Prediger unter ihnen weile, der imstande ist, die wundersamen Geschichten des chassidischen Ostens im Detail so spannend zu erzählen, als ob er sie selbst miterlebt hat. Ein Martin Buber hat derartige Geschichten dem gebildeten und aufnahmefähigen Publikum im Westen in literarischer Form herübergebracht. Hier aber hörten wir Form und Inhalt im Original. Und lassen Sie mich schliessen mit dem zweiten und letzten Erlebnis. Alfred Korn lag auf seinem Krankenlager, ich trat am Vortage des Sukkot-Festes in sein Krankenzimmer, Eine milde Herbstsonne flutete hinein. Alfred schlief. Ich weckte ihn nicht. Und siehe, er wachte nach kurzer Zeit auf, erkannte mich, streckte die noch gesunde Hand nach mir aus und sagte, nur freundlich lächelnd: Der Doktor, der Rebbe! Trat näher, umarmte ihn und gab ihm den Bruderkuss. Er war wie verklärt und glücklich. Ich fragte in etwas ostjüdischer Sprachform: Von wo seid Ihr eigentlich, Reb Alter? Er erwiderte: Von Krakov. Sofort entspann sich ein intensives Gespräch über die Wichtigkeit und den Ruhm dieser Stadt. Die Krönungsstadt der polnischen Könige. Die berühmte Universität des ausgehenden Mittelalters. Oder die edle rabbinische Persönlichkeit der zwanzigerjahre Osias Thon, Mitglied des Sejm. Und er fragte mich alsbald: Aber Rebbeleben, wie kennt Ich Euch aus in Krakov? Und es sprudelte aus ihm nur so heraus, als ob er sich der besten Gesundheit erfreue. Als ich nun gar die Städte Neu Sandez und Kschanoff erwähnte, und auch einige rabbinische Namen nannte, die dort gelebt und gelehrt hatten, war er überglücklich und erzählte wiederum, wie in einer Trance von Glück und. freudiger Erinnerung an seine Jugendzeit. Schliesslich wusste ich, dass man einem Kranken nicht zuviel zumuten darf. Mit einem herzlichen „Chag sameach“ und nicht wenfger herzlichen „Sukkot zu gesund“ verabschiedeten wir uns. Alter — Alfred Korn war in seine Heimat zurückgekehrt und selig und überglücklich. Denn wenngleich er hier im Westen weilte, die Quelle seiner inneren Kraft bezog er vom Osten. Er war vielleicht einer der wenigen Letzten, die dieses wundersame chassidische Potential in seiner Persönlichkeit verkörperten. Er sei uns ein Meliz Joscher, ein Fürsprecher am Throne der göttlichen Majestät. Jehi sichro baruch Sein Andenken sei ein Segen! Rabbiner Dr. Hans Chanoch Meyer (Haifa) Der letzte Oberrabbiner von Hamburg - Altona Dr. Joseph Carlebach f 32 i