Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1981
- Issue
- No. 48-49 (1981)
- Date
- 1981-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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DER MALER ALFRED GOETTE DER KUNSTKREIS HOFGEISMAR (HESSEN) UND SEINE BEDEUTUNG FÜR DIE ISRAELISCHEN MALER Die Tendenz Kunst in das breite Hinterland zu tragen, ist die allgemeine Richtlinie, die in Dr. Götte’s Kunstkreis Hofgeismar einen Widerhall fand und in seinen Ausmassen ist etwas ähnliches nicht aufzuweisen. Dr. Alfred Goette, Maler und auch ausübender Zahnarzt, war bereits das 3. Mal in Israel. Ich bat ihn um ein Gespräch, nachdem ich ihn in seinem Haus in Hofgeismar besucht hatte und dort einen unvergesslichen Abend im Rahmen. des Kunstkreises erlebt hatte, auf den ich noch zu sprechen komme. Das Fachwerkhaus in Hofgeismar enthält 17 Ausstellungsräume und 6 Gastbetten und damit praktisch den Gastkünstlern aus aller Herren Länder ein Heim bietet, die Möglichkeit einer Ausstellung und das Austauschen von Meinungen und Diskussionen mit den Kollegen. 5 Sprachen werden oft am Abendbrottisch gesprochen. Und hier beginnt die Brücke, die Alfred Goette zwischen Deutschland und Israel geschlagen hat. Alfred Goette stammt aus einer alten Kassler Familie, die Jahrhunderte ' lang hervorragende Handwerker und Akademiker der Stadt Kassel lieferte. Er besuchte in seiner Heimatstadt Gymnasium und Kunstakademie, wo er durch seine Lehrerin Frau Prof. Michel stark künstlerisch beeinflusst wurde. (Frau Prof. Michel war zufällig auch die Zeichenlehrerin im Kassler Mädchen- Gymnasium der Schreiberin dieser Zeilen). Nach der Kunstakademie begann Goette in Frankfurt Zahnmedizin zu studieren, wurde vom Krieg überrascht und war 4% Jahre in russischer Gefangenschaft. Diese Zeit war für ihn von grosser künstlerischer Bedeutung und er war dort sehr produktiv. Bei Kriegsende nach seiner Rückkehr machte er seine Staatsexamen in Zahnmedizin, eröffnete eine Praxis in Grebenstein (Hessen), heiratete und legte den Grundstein seiner Existenz. Und nun begann seine künstlerische Aktivität — Landschaft war sein Thema — Skizzenblock sein steter Begleiter und seine Medien Aquarel und Tempera und viel später dann öl. Als er 1971 den in 1969 gegründeten Kunstkreis übernahm, begann/er seine Ideen in diesem Rahmen auszubauen. Obwohl er schon selbst in Ausstellungen seine Arbeiten gezeigt hatte und bei Publikum und auch Kritik gut aufgenommen war, kam Jetzt die internationale Kunst zum Zuge. Selbstverständlich gibt es eine permanente Kollektion im Hause am Markt, das der Kunstverein als Besitz erworben hat. Ansonsten wechseln die Ausstellungen alle 4—6 Wochen und die Vemisage ist keine örtliche Angelegenheit. Die Mitgliederzahl ca. 150 und das dazugehörige Publikum wächst dauernd und breitet sich in ganz Deutschland aus. Die Diskussionen nach der Eröffnung sind ein wesentlicher Faktor, da die Ausstellungen und Künstler aus fast allen Ländern Europas — auch hinter dem eisernen Vorhang, auch aus Afrika und Israel kommen. Dr. Goette versucht auch die Gast-Künstler zu Vorträgen Uber ihre Länder in Schulen und Organisationen zu gewinnen. Der Maler Jona Mach, Jerusalem, sprach in Hofgeismars Schulen. Der Kontakt mit Israel wurde durch Frau Inge Zumbach (Hessischer Rundfunk) hergestellt, die den Maler Kurt Dublon aus Jerusalem (früher Mannheim), mit Dr. Goette bekannt machte. Daraus ergab sich am 30. Jahrestag des Staates Israel eine Ausstel- JUNI 1981 - DER MAGISTRAT DER STADT FRANKFURT HAT MEHR ALS HUNDERT EHEMALIGE BUERGER ZU GAST Uber hundert ehemalige Frankfurter, darunter 34 Israelis, der Rest aus den USA, Südamerika, Südafrika, Belgien und Schweden, waren für vierzehn Tage Gäste ihrer ehemaligen Heimatstadt. Vorfreude ist eine der grössten Freuden. Und als in Tel-Aviv Herr Sigi Gross (Express-Tours), in dessen Händen die Keisevorberejtungen lagen, seine Gruppe zusammenrief, wurde dieses Treffen, die Stunde des „Wieder“-kennenlernens, durch seine charmante Art zu einer der kleinen Vorfreuden. Herr Gross, Ex-Beriiner, der vor zwölf Jahren die Idee der Städteeinladungen dem damaligen Berliner Oberbürgermeister Klaus Schütz — später deutscher Botschafter in Israel — unterbreitete und zur Wirklichkeit (rerhalf, erhielt zehn Jahre später bei einem Festakt im neuerbauten Berliner Kongress-Haus eine Ehrenurkunde und ein Jahr später das Verdienstkreuz Erster Klasse. Viele deutsche Städte haben sich dieser Idee angeschlossen. Frankfurt am Main begann damit lm Jahre 1980. Dieses Jahr, 1981, sind über hundert ehemalige Frankfurter der Einladung ihrer Heimatstadt gefolgt. Der Frankfurter Oberbürger - lung von 5 israelischen Künstlern mit über hundert Arbeiten-Gemälde, Zeichnungen und Holzschnitte. Die Künstler Kurt Dublon, Jona Mach, Jakob Pins, Giora Oppenheimer und Giora Dublon, die 3 Ältesten sind ältere in Deutschland geborene Israelis, die letzteren zwei gehören der Jungeh Generation an. Seit dieser Zeit (Mai 78) gibt es Jedes Jahr im Kunstkreis Hofgeismar eine Ausstellung Jüdischer Künstler und auch in den permanenten Ausstellungen sind sie vertreten. Der Kunstkreis schickt wiederum seine Ausstellungen weiter ins Land, kleinere Orte, wie Cuxhaven, auf die Insel Sylt und auch ins Ausland. Diesen Weg machten auch die Israel-Ausstellungen. Eine sehr interessante Ausstellung fand vor einiger Zeit in Deutschland statt — Thema: „Kunst in Israel" und „Israel von Deutschen Künstlern gesehn". Die Israelis Kurt Dublon, Jona Mach, Jakob Pins, Anna Ticho und die graphische Werkstatt von 35 Jerusalemer Künstlern standen Alfred Goette und Werner Percy aus Deutschland gegenüber. Alfred Goette meinte dazu „dass es beeindruckend sei eine solche Ausstellung zusammenzustellen". Es sei aber auch Interessant, die Vielfalt und die unterschiedlichen Auffassungen zu sehen. Es sei ausserdem eines seiner Ziele eine ägyptische und israelische Zusammenarbeit im Kunstkreis Hofgeismar vorzustellen. Ich möchte noch von dem Abend erzählen, den ich im Kunstkreis Hofgeismar erleben durfte. Eine Ausstellung von 5 Rumänischen Malern wurde durch Alfred Goette eröffnet und der Bukarester Dichter Franz Johannes Bulhard vorgestellt. Der Dichter las seine Gedichte mit musikalischer Untermalung und zeigte die dazu gehörigen Dias zu den Bildern. Die Verschmelzung der verschiedenen Musen war ein sehr gelungener Versuch und eine Bereicherung der künstlerischen Interssierten, die noch in langer Diskussion zusammen sassen. Unser Dank Dr. Alfred Goette und seiner Frau Hanna, die in ihren Aktivitäten den modernen künstlerischen Ereignissen offen sind und auch Israelischen Künstlern eine Heimstätte bieten. Friedei Schwartz meistev Dr. Walter Wal.mann begrüsste persönlich Jeden Gast am Flugplatz. Vertreter des Magistrats, der Vorstand und Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, sowie Vertreter der verschiedensten jüdischen Organisationen, der Presse, des Rundfunks und der Television waren in reicher Anzahl erschienen. Der Oberbürgermeister in einer kurzen Begrüssungsrode, sprach von einer gewissen Beklommenheit — von nicht unbefangen diesem Wiedersehen entgegensehend und von der ausgestreckten Hand. Unterschwellig waren die emotionellen Regungen der Gäste und Gastgeber zu spüren. Dr. Wallmann schloss mit den Worten: Man solle nichts beschönigen und auf die Zukunft vertrauen! Dann übergab er an den an diesem Tage 80jährigen Israeli, Herrn Storz, eine Goethe-Biistc. Die Gäste zwischen 75 und 93 Jahre alt, zum Teil in Begleitung von Familienangehörigen, fanden sich am nächsten Tag im Kaisersaal des Römers (Rathaus) zum offiziellen Begrüssungsakt. Auch hier sprach Dr. Wallmann von den Problemen, die die Bewältigung der Vergangenheit auf beiden Seiten mit sich bringe. Auch von der besonderen Verantwortung dem Staate Israel gegenüber, von dem Städtepakt Frankfurt am Main — Tel Aviv und dass der Oberbürgermeister Tel Aviv's, Shlomo Lahac, einer der ersten gewesen sei, der die ausgestreckte Hand ergriffen habe. Er erzählte weiter die Geschichte eines Ehepaares aus den USA, deren vier Söhne sich der Idee einer Einladung in die Heimatstadt widersetzten. Sie kamen dennoch und nach einigen Tagen telefonierten sie ihren Angehörigen, dass sie das Richtige getan hätten. Es gab noch viele Begrilssungen. Doch es ist unmöglich die Namen all derer zu nennen, die gekommen waren, die sich als Ehrengäste eingefunden hatten oder gekommen waren, die Gäste zu begrüssen. Die anschliessende Kaffeetafel in den Römerhallen brachte die ersten, echten Kontakte der Gäste mit den Gastgeber. Ein grosses Programm war bereitgestellt. Nach dem Besuch der Friedhöfe — der älteste mit nur hebräischen Aufschriften geht auf das Jahr 1282 zurück — in! neuen, wo wir uns auf die Suche nach den eigenen Familiengräbern machten, liegt auch Meier Amschei Rothschild begraben — kamen die vielen Aktivitäten auf uns zu. Eine Stadtrundfahrt (incl. Hoechst mit IG- Farben und Porzellan-Museum), die viel Schönes, Altvertrautes zeigte, licss uns aber auch einiges vermissen, stattdessen sahen wir eine Menge Hochhäuser, die der Stadt ein neues Gepräge geben. Eine Main-Schifrahrt mit seinen alten Häfen, wo heute zweimal monatlich auf zwei grossen Schüfen alte Autos verladen werden, führte uns durch ein bezauberndes Landschaftsgebiet. Auch der Besuch der historisch ungeheuer interessanten Stadt Worms mit der ältesten Synagoge, die lm Jahre 1040 errichtet, mehrmals zerstört und wieder aufgebaut wurde, wo sich der Raschistuhl befindet, von dem aus Raschl in seiner berühmten Jeschiwah unterrichtete, stand auf dem Programm und bescherte uns unvergessliche Eindrücke. Raschi, nach dessen Werken und Auslegungen des Tenachs heute noch in der ganzen Jüdischen Welt ln Jeschlwoth und Schulen gelehrt wird, hat Worms den Namen „Klein Jerusalem“ eingetragen. Wir hörten die Legende von der Synagogenwand, die zurückwich, als «ine schwangere Frau in der anliegenden schmalen Gasse von einem Fuhrwerk 33