Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1980
- Issue
- No. 46-47 (Mai 1980), Fortsetzung
- Date
- 1980-05-01
- Page
- Seite 42 (sequence 2510)
- Language
- German
- Belongs to
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10 kleinere Synagogen, die wichtige Zellen im religiösen Leben darstellten und deren Bedeutung für das allgemeine jüdische Leben keinesfalls zu unterschätzen war. Es bestanden in fast allen deutschen orthodoxen Gemeinden sogenannte Lernstiftungen. Vermögende Gemeindemitglieder stifteten zu ihren Lebzeiten oder durch testamentarische Verfügungen grössere Beträge, deren Zinsen zum Unterhalt von Rabbinern und zur Aufrechterhaltung dieser Synagogen bestimmt waren. Auf diese Weise wurden in Hamburg eine Anzahl sogehannter Klaus-Synagogen errichtet. Die an diesen Synagogen angestellten Rabbiner hatten die Aufgabe, sich ausschliesslich dem „Lernen“, dem Studium der heiligen Schrift und des Talmuds und deren Erklärer zu widmen. Hatten in den Grossen Gemeindesynagogen die Rabbiner in erster Linie repräsentative und die seelsorgerischen Pflichten zu erfüllen, so war hier die Arbeit fast ausschliesslich nach innen gekehrt. Von dem frühen Morgen bs in die späten Nachtstunden konnte man diese Gelehrten in ihren Lehrhäusern beobachten, wo sie entweder allein oder umgeben von einer grösseren oder kleineren Schülergemeinde lernten und lehrten. Vielen Vätern genügte das ln der anerkannten jüdischen Schule, der Talmud Thora Real (später Oberrealschule), von der noch zu sprechen sein wird, gelehrte Pensum der heiligen Fächer nicht, und schickten ihre Kinder zur Vervollständigung ihres Wissens zu den Klausrabbinern. Die bedeutendste dieser Synagogen war die „Vereinigte Alte und Neue Klaus", die zwei Synagogen mit regelmässigen wochentags und Schabbath-G’ttesdiensten unterhielten, — ausser dass sie ihre Hauptaufgabe, das „Lernen“ erfüllten. Die Klaussynagoge wurde im Jahre 1906 von dem Architekten Engel erbaut, dessen Entwurf unter einer Anzahl Ausschreibungen gewählt wurde. Die Synagoge wurde in der Kristallnacht ,nur“ von innen zerstört, wurde darnach in eine Tischlereiwerkstatt verwandelt. In diesem Jahre wurde sie von innen restauriert und unter Denkmalschutz gestellt. Die kunstvollen Thoravorhänge ln dieser wie in allen anderen Synagogen in Hamburg waren Entwürfe und Handarbeiten des Herrn Joel Eduard s.A. Die alte Synagoge in der Peterstrasse wurde in den 20er Jahren geschlossen, da durch den Fortzug aus der Innenstadt die Anzahl der Mitglieder so klein wurde, dass der Fortbestand dieser „Schul“ nicht mehr gerechtfertigt war. Die zweite Synagoge in der „Rutschbahn“ war ein einfacher, aber würdiger Bau, der 140 Männer und 50 Frauenplätze fasste, ausserdem zwei geräumige Lernsäle, die je ca. 60 Hörer fassen konnten. Die G’ttesdienste an diesen Synagogen wurden von ehrenamtlichen Funktionären abgehalten, die ihren Pflichten stets bereitwilligst nachkamen und sorgfältig darauf achteten, dass nur die in Hamburg üblichen traditionellen Minhagim eingehalten wurden. Die Vorbeter setzten ihre Ehre hinein, nur „Hamburger“ Melodien zum Vortrag ihrer Gebete zu wählen und die Thoravorleser übertrafen sich in der Präzision der Aussprache und des „Trop“ beim Vortrag der jeweiligen Wochenabschnitte. Es darf bei dieser Gelegenheit erwähnt werden — ohne dass der Schreiber sich des übertriebenen Lokalpatriotismus verdächtig macht — dass die Genauigkeit der Hamburger bei der Thoravorlesung ln ganz Deutschland und sogar über die deutschen Grenzen hinaus bekannt war. Mir wurde von Autoritäten auf diesem Gebiet ausserhalb Hamburgs wiederholt gesagt, dass sofort beim Hören der Vorlesung festgestellt werden konnte, wenn hier ein Hamburger die Thora verlas, — wenn der Vortrag fehlerfrei und fliessend unter Beachtung der unscheinbarsten Punktierung erfolgte. Die Vorleser an den Gemeindesynagogen gingen natürlich hier mit gutem Beispiel voran. Ich erinnere mich nur noch an die Vorleser in den Synagogen Kohlhöfen und Bornplatz, die Herren Norden und Wigderowitsch. Ihre Vorlesungen waren in der Tat Kunstwerke in ihrer Art, sie wussten die Erzählungen der Thora allein durch ihre Vorlesung zu interpretieren und beispielsweise die Opferung Isaaks zu einem Drama zu machen. Wenn am Ende des 4. Buch Mose die Stationen aufgezählt werden, . die die Israeliten von Ägypten nach Erez Israel zurücklegten, dann verwandelte sich der Hörer in einen Beduinen, der auf dem Kamel sitzend zwischen endlosen Karawanen einhergeht... Wie schon erwähnt, amtierten an den Klaussynagogen Rabbiner, deren Gehalt aus den Zinsen der genannten Stiftungen finanziert wurde. Es amtierten zu meiner Zeit die Rabbiner Steingut, Diamant, Josef Cohn, Jaffe und Dr. Bamberger. In der Abwesenheit oder in Krankheitsfällen vertraten diese den amtierenden Oberrabbiner, oder fungierten als Dajanim. Dr. Bamberger, ein Enkel des bekannten Würzburger Raw, Seligmann Bär Bamberger, dessen Briefwechsel über die Frage „Austrittsgemeinde oder nicht“ mit Samson Rafael Hirsch in die Geschichte eingegangen ist (Bamberger widersetzte sich der Hirsch’schen Auffassung, wonach es dem gesetzestreuen Juden verboten ist, einer Gemeinde anzugehören, die Orgelsynagogen unterhält). Der Hamburger Klausrabbiner Dr. Bamberger ist weit über seinen Schülerkreis hinaus bekannt geworden durch seine Übersetzung des Raschi-Kommentar zum Pentateuch und des Kizzur Schulchan Aruch, der erst kürzlich wieder neu in Deutschland herausgegeben wurde, — ein Zeichen, wie gross die Notwendigkeit für die Herausgabe eines solchen Werkes schon damals war. Die Lern- und Lehrvorträge bei diesem Manne werden mir und all seinen Schülern, denen es vergönnt, war, bei ihm zu lernen, unvergesslich bleiben. Er war kein Kanzelredner, aber ein tiefgründiger Gelehrter, der es verstand, die Liebe und Verehrung vor dem Wort der Bibel seinen Schülern für immer einzuprägen, sie G’ttesfurcht zu lehren und all dies von einer hohen ethischen Warte aus. Er selber war ein Mann mit besonders ausgeprägten menschlichen und sittlichen Eigenschaften, streng zu sich selbst und zu Anderen da. wo es galt, G’ttes Wort zu befolgen, — aber, stets beseelt von einer unbegrenzten Liebe zu allem, was G’ttes Angesicht trägt. Diese beiden Pole vereinigten sich bei ihm und gaben seiner harmonisch geformten Persönlichkeit das Gepräge. Eine weitere Klaussynagoge war die sogenannte „Wallichs Klaus“, die bis zum Ende des ersten Weltkrieges -in der Innenstadt stand. Die jüdische Bevölkerung Hamburgs zog langsam über die „Grindel“gegend hinaus, weiter nördlich und allmählich wurde auch in dieser Gegend der Bau einer Synagoge eine Notwendigkeit. Dem religiösen Bedürfnis der in dieser Gegend wohnenden jüdischen Bevölkerung wurde durch die Errichtung der Synagoge in der Hoheluftchaussee entsprochen, die im Volksmund scherzhaft die „Zeppelinschul“ genannt wurde. Die Synagoge stand im Hofe eines Wohnhauses in dieser Strasse und fasste 150 Männer- und 70 Frauenplätze. Die Inneneinrichtung war würdig und einfach. Dem Kenner Hamburger Geschichte bot sich hier noch -eine Sehenswürdigkeit: Die Heilige Lade und der Almemor waren vollständig aus der im Jahre 1906 geschlossenen Synagoge Elbstrasse übernommen worden. Diese Synagoge, die die Hamburger „Elbstrassen-Schul“ nannten, war im Jahre 1788 von dem Architekten Sonnin errichtet worden, der auch die weltbekannte Hamburger Michaeliskirche errichtet hatte. Die Portale dieser Krche waren in genau den gleichen Formen und Verzierungen errichtet worden wie die Heilige Lade dieser Synagoge und wurden in der damaligen Zeit von jüdischen und nichtjüdischen Kreisen als das „Symbol der sich anbahnenden Verbrüderung der Konfessionen“ gepriesen, was sich bereits in der Gleichheit der Heiligen Stätten auspräge... An der Synagoge Hoheluftchaussee amtierte Rabbiner Dr. Jakobsohn, ein gebürtiger Hamburger, der bis zum Ende des ersten Weltkrieges in Gnesen amtiert hatte. Diesen Platz musste er verlassen, da er anlässlich der Abstimmung dieses Bezirkes für Deutschland votiert hatte, nachdem er bereits Polen zugefallen war. Die Predigten dieses Mannes zeichneten sich durch ihr k asslsches Deutsch aus, in dem sie vorgetragen waren, und hin und wieder liebte er es, bestimmte Gedanken in Gedichtform vorzutragen. Als Oberkantor figurierte an dieser Synagoge Herr Wechsler, und nach dessen Pensionierung Herr Schwarzschild, der zu den Hamburgern gehörte, die als Letzte nach Riga deportiert wurden. Beide versahen auch das Amt des Thoravorlesers, und als Küster figurierte Herr Waldemar Wolff, der dieses Amt heute in der von deutschen Juden besuchten „Ichud Schiwath Zion“ in Tel Aviv inne hat. Der G’ttesdienst in dieser Synagoge wurde ausser am Schabbath und Festtagen auch regelmässig in der Woche abgehalten. Eine zweite Synagoge in dieser Gegend hatte sich ein Privatmann eingerichtet: Herr Leo Mendelssohn, der in seiner Villa in der Oderfelderstrasse jeden Freitag Abend und Schabbath früh etwa 30 bis 40 Beter in seinem Hause versammelte. Ein gleichfalls regelmässiges Privatminjan war das von Herrn Hagenow, in dessen Wohnung sich allsabbatlieh etwa 20 Männer zum Beten und Lernen einfanden. Nach dem ersten Weltkrieg hatte sich ein Teil der Hamburger Juden auch im Osten der Stadt in die dort neu errichteten Wohnsiedlungen verzogen. Auch hier musste für die g’ttesdienstlichen Bedürfnisse gesorgt werden, und so errichtete die Gemeinde in der Gluckstrasse (im Barmbecker Stadtteil) eine weitere Synagoge. Sie berief den früher an der Portugiesen Synagoge tätig gewesenen Rabb. Löwy, der durch regelmässige Predigten, Vorträge und Schiurim das religiös-geistige Leben dort zu bereichern verstand. Rabbiner Löwy verstand es besonders, durch persönlichen Kontakt mit jedem einzelnen seiner Gemeindemitglieder Einfluss zu gewinnen, Zweifelnde und dem Religiösen Fernstehende heranzuziehen und mit den Werten des Judentums vertraut zu machen. Sein Haus stand stets im Mittelpunkt religiöser Diskussionen, — nicht nur gesetzestreuer Kreise, sondern vielfach und mit Vorliebe wurde es aufgesucht von Angehörigen liberaler Auffassung, die sich gerne von Rabb. Löwy belehren liessen. Er wurde dabei sekundiert von seiner gleichfalls von allen Seiten hochverehrten Gattin, einer Tochter des hochgelehrten Levi Arie Wohlgemuth, eines sowohl in jüdischen wie allgemein-weltlichen Dingen weit über Hamburgs Grenzen hinaus bekannten Gelehrten* Als Oberrabbiner Spitzer an seinem Grab erklärte, dass er sich in schwierigen halachlschen (religonsgesetzlichen) Fragen oft an Wohlgemuth wandte, — und erst dann, wenn dieser seiner Meinung zustimmte, war er seiner Sache endgültig sicher, — so war dies sicher keine Übertreibung. Wohlgemuth lehnte es stets ab, „Karriere“ zu machen, und sämtliche Berufungen als Rabbinatsverweser, und in anderen weltlichen Berufszweigen lehnte er ab, um seinen Privatstudien obliegen zu können. Mehr als 20 Jahre hindurch versah er das Amt des Gemeindesekretärs in Hamburg. Rabbiner Löwy und seine Frau, die an der Löwenberg’schen Schule jahrelang hindurch unterrichtete, waren, das darf ohne Übertreibung gesagt werden, wichtige Säulen des Jüdisch-kultu- 42