Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1980
- Issue
- No. 46-47 (Mai 1980), Fortsetzung
- Date
- 1980-05-01
- Page
- Seite 43 (sequence 2511)
- Language
- German
- Belongs to
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rellen Lebens in Hamburg. Als sie im Jahre 1938 nach Brüssel übersiedelten, schufen sie sich auch dort nach kurzer Zeit einen grossen Wirkungskreis. über ihre Leistungen während der Nazizeit, ihre Hingabe um die Rettung der für die Deportation Bestimmten unter eigener Lebensgefahr müsste ein besonderes Kapitel geschrieben werden, — das würde den Rahmen und das Thema dieses Artikels sprengen. Heute lebt das Ehepaar Löwy in Raananah (Israel), auch hier wiederum verehrt und geliebt von einem gewaltigen Freundeskreis. In der Innenstadt bestand für etwa 80 Beter und Beterinnen in einem Privathaus (Steindamm 77) gleichfalls eine Synagoge, die namentlich von Reisenden, die in der Nähe in Hotelzimmern wohnten, frequentiert wurde. Jahrelang fungierte hier Herr Caleinar und in späteren Jahren Herr David Hirsch. Herr Hirsch amtierte in den letzten Jahren vor der Zerstörung als Chasan und Kore’ an der Grossen Synagoge Bornplatz, wanderte im Jahre 1939 über England nach den USA aus und lebt heute mit seiner Gattin in Jeruschalaim. Auch hier im Lande erfreut er mit seiner Stmme und seinen musikalischen Einlagen die Beter, mal in Jeruschalaim, hier und dort in Haifa, im Kibbutz Chafez Chaim leitete er seit Jahren den Sederabend und ist ebenfalls ehrenamtlich mit administrativer Arbeit am Shaare Zedek Spital und der Kol Thora-Jeschiwah beschäftigt. Eine weitere „Synagoge“, die eigentlich keine war, bestand in der Innenstadt, und ihres merkwürdigen Charakters wegen soll auch sie hier erwähnt werden. Es war, wie gesagt, keine eigentliche Synagoge, sondern nur ein Büroraum, wo an den Werktagen, ab Montag bis Donnerstag nur das Minchah und Abendgebet, unter Beteiligung von 20 bis 30 gesetzestreuen Kaufleuten und ihren Angestellten, die in der Umgebung ihre Büros unterhielten, verrichtet wurde. Es war dies das Büro des „Vereins jüdischer Speisehäuser“, dessen Sekretär, der jetzt in Bne Brak (Israel) lebende Lehrer Katzenstein, dieses Minjan unterhielt, um den durch Berufsarbeit am Besuch des G'ttesdienstes verhinderten Kaufleuten Gelegenheit zum Gemeindegebet zu geben. Dieser ^„Verein gesetzestreuer jüdischer Speisehäuser“ war übrigens eine Einrichtung spezifisch deutsch-jüdischer Eigenart, der seinen Hauptsitz in Hamburg hatte und dessen Initiatoren ausschliesslich hamburger jüdische Kaufleute waren, — im übrigen Deutschland daher kurz der „Hamburger Verein“ genannt wurde. Sämtliche rituellen Gaststätten, Hotels und Pensionen in Deutschland und die meisten dieser Art auf dem Kontinent waren Mitglieder des Vereins. Bedingung der Mitgliedschaft war ausser einem kleinen Mitgiiedsbeitrag der Nachweis einer Rabbinatsaufsicht, und wer diese Bedingungen erfüllte, wurde in eine sechsmal jährlich erscheinendes Büchlein aufgenommen, das in etwa 5000 Exemplaren an die ausserordentlichen (passiven) Mitglieder verschickt wurde, die auf ihren geschäftlichen, privaten, Erholungs- und Kurreisen der rituellen Verpflegung ausserhalb ihres Wohnortes sicher sein wollten. Das Büchlein — mit der Bezeichnung „der jüdische Bädeker“ — hatte wohl auch hier der Volksmund das Richtige getroffen — war alphabetisch nach Städten geordnet. In jeder Stadt war Name und Adresse des zuverlässig koscheren Restaurants oder Hotels angeführt sowie der Name des die Aufsicht innehabenden Rabbiners, und so konnte der jüdische Mann, die jüdische Frau und die gesamte Familie sorglos auf die Reise gehen, ohne fürchten zu müssen, verbotene Speisen unterwegs geniessen zu müssen... Mit dem verstärkten Zuzug jüdischer Bürger aus den osteuropäischen Ländern nach Hamburg wurden die Gemeindegremien nach dem ersten Weltkrieg vor ein neues Problem gestellt. Dem Ostjüdischen Beter war die Gebetsordnung in den nach westlicher Prägung gestalteten G’ttesdiensten fremd und sie separierten sich daher in eigenen „Minjanim“. Als organisierte Gemeindemitglieder, die als solche ihre Pflichten erfüllten, konnten sich die Vorsteher ihrem ständigen Ersuchen auf Errichtung eines eigenen G’tteshauses nicht verschliessen und so wurde Anfang der 20er Jahre in der Kielortallee eine Villa gekauft, die einen grossen Saal für etwa 100 Beter und Beterinnen im Parterre enthielt, während im oberen Stockwerk dem „Rosch Jeschiwah“, dem Rabbiner Rabinow eine Wohnung eingerichtet wurde. Rabinow, ursprünglich nur der Rabbiner der ostjüdischen Gemeinde, wurde überraschend schnell im Sektor der hamburger „Eingesessenen“, besonders der Jugend, populär und seine Vorträge waren derart stark besucht, dass die geräumigen Lernsäle und die Synagogen, in denen sie abgehalten wurden, die Hörer oft nicht fassen konnten. Man wandte sich auch oft und gern in halachischen Fragen an ihn, da man wusste, dass seine Entscheidungen religionsgesetzlich zuverlässig, aber doch mit den Errungenschaften der Neuzeit rechneten. Obwohl er sich in Unterhaltungen und Vorträgen ausschliesslich des „Jargon“ bediente, war dies kein Hinderungsgrund für die Anhänglichkeit der Hamburger. Rabinow war eine „Entdeckung“ des damals noch in Altona wirkenden Oberrabbiners Dr. Carlebach s.A., der ihn während des ersten Weltkrieges in Litauen kennen lernte. Als in der Zeit nach dem ersten Weltkriege in der deutschen Orthodoxie der Hang zu den Jeschiwoth erwachte und einzelne Gemeinden zur Gründung dieser Talmudhochschulen gingen, wurde auch in Hamburg ein dahingehender Beschluss gefasst. Carlebach wurde nicht müde, die Initiatoren auf das „Licht aus dem Osten“ in der Person Rabinows hinzuweisen und dieser Erfolg wurde später Carlebach immer wieder als eine seiner grossen Leistungen für Hambürgs Gemeindeleben auf gezählt. .. In der Kielortallee stand noch eine zweite Synagoge, die später eine wichtige Rolle zu spielen hatte. Es war die der Ostjüdischen Synagoge gegenüberliegende Schul des Oppenheimer Stiftes, eines Doppelwohnhauses, das eine grosse Anzahl von Freiwohnungen für bedürftige jüdische Familien enthielt, und in dessen Hof eine Synagoge stand. Das Grundstück und seine Synagoge haben sowohl die Kristallnacht als auch die Bombardierungen des zweiten Weltkrieges fast unversehrt .überstanden, und als nach der Zeit des Grauens im Jahre 1945 sich die untergetauchten Juden und die Rückkehrer aus den Konzentrationslägern trafen, um sich wiederum zum G’ttesdienst zu versammeln, führten sie die „Oppenheimer’sche Schul“ wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zu, und von den zirka 20 Hamburger jüdischen G’tteshäusern war sie die einzige, deren Zustand eine regelmässige Abhaltung des G’ttesdienstes gestattete. Diesem Zweck wird sie bis zur Einweihung des neugebauten G’tteshauses dianen. Allerdings muss hier eine kleine Einschränkung gemacht werden. Als auch das Altenhaus der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in der Sedanstrasse 23 nach dem zweiten Weltkriege der neugegründeten Jüdischen Gemeinde zurückgegeben wurde; wurde .die darin befindliche Synagoge benutzt, um an den Hohen Feiertagen dort einen Parallelg’ttesdienst abzuhalten, da in der Oppenheimer Synagoge nicht genügend Platz für alle Beter, die Einlass suchten, vorhanden war. Auch in der Synagoge des Altenhauses wurde bis zu seiner Schliessung im zweiten Weltkrieg regelmässig am Schabbath und in der Woche morgens und abends G’ttesdienst abgehalten. Der Verwalter des Altenhauses, Herr Cahn, fungierte als Vorbeter. An Jahrzeitstagen waren alle Insassen verpflichtet, dem G’ttesdienst beizuwohnen, um die notwendige Anzahl zum Minjan zu gewährleisten. An Hohen Feiertagen waltete Herr Ritter mit seiner reinen Tenorstimme seines Amtes, und zu den regelmässigen Andachten erschienen auch zahlreiche Beter, die nicht Insassen des Altersheims waren. In erster Linie ist hier der frühere Dajan und Gelehrte Hermann Gumpertz zu nennen, der im Jahre 1938 hochbetagt starb und auf dem Ohlsdorfer Friedhof seine letzte Ruhestätte fand. Es ist ferner zu nennen der damalige Direktor der Hamburger Talmud Thora Realschule, Dr. Goldschmidt, von dem noch zu sprechen sein wird, Herr Ludwig Joshua, der die Synagogenordnung verwaltete u.v.a.m. Wie erwähnt, wurde das Altenhaus seiner Bestimmung nach 1945 wieder zugeführt, — es enthielt u.a. eine Mikweh (rituelle Badeanstalt), die gleichfalls wieder eröffnet wurde. Wie bekannt, wurde das Altenhaus im Jahre 1958 an den Franziskanerorden verkauft, und heute befindet es sich in dem herrlichen Prachthaus des Hauses Schäferkampsallee 27. Auch das Knabenwaisenhaus am Papendamm enthielt eine Synagoge. In den 20er Jahren amtierte als Waisenvater Herr Plaut, der Vater des heutigen Gemeindevorsitzenden in Bremen. Die religiösen Funktionen führte an dieser Synagoge Herr Julius Samson in der ihm eigenen Hingabe durch. Das Israelitische Krankenhaus, die Gründung des Herrn Salomon Heine und seiner Ehefrau (Onkel und Tante des Dichters Heinrich Heine) enthielt gleichfalls eine Synagoge. Durch die zentrale Lage in dem Stadtteil St. Pauli (Eckernförderstrasse) diente sie den religiösen Juden der Umgebung als Betstätte in dem regelmässig G’ttesdienste abgehalten wurden. Als Junge kam ich des öfteren in das Elternhaus meines Schulfreundes Ludwig Löffler (heute Regierungsdirektor beim Hamburger Senat),und ich erinnere mich, dass man von seiner Wohnung an der Reeperbahn die Lichter der Krankenhaus-Synagoge deutlich sehen konnte. Frau Löffner machte mich stets darauf aufmerksam, dass für sie das Aufleuchten der Synagogenlichter am Schabbath Abend das Zeichen sei, dass sie mit ihrer Arbeit in der neuen Woche beginnen könne... Eine wichtige Rolle für die gesetzestreuen Beter spielte die kleine Synagoge in der Heinrich Barthstrasse 3. Die Heinrich Barth-Strasse lag im Zentrum des jüdischen Grindelviertels. Dort hatte eine Anzahl Beter in einem Privathaus eine Doppeletage gemietet, die Wände abgerissen und dort eine Synagoge eingerichtet, in der täglich morgens und abends gebetet wurde. Die Synagoge enthielt 60 Männer- und 40 Frauenplätze, und es wurde grosser Wert auf geordneten G’ttesdienst gelegt. Alfch das „Lernen“ kam in dieser Synagoge zu seinem Recht. Am Schabbath wurde der G’ttesdienst in der Hauptsache von solchen Betern frequentiert, die Wert auf die „Haschkamah“, den Frühg’ttesdienst legten. Das Interieur der Synagoge Heinrich Barthstrasse wurde von pietätvollen Betern geschlossen nach Kopenhagen überführt, wo eine Anzahl früherer Hamburger ein eigenes Minjan gründeten und mit peinlicher Gewissenhaftigkeit die alten Hamburger Minhagim behalten und beim Vorbeten die ehrwürdigen Melodien zu Gehör bringen. Überhaupt hatte es der Frühg’ttesdienst den Hamburgern angetan. In über 10 der aufgezählten Synagogen betete man am Schabbath im Sommer um 6 Uhr früh, — im Winter, da man das Morgengebet erst nach Sonnenaufgang verrichten darf, 43